Doping im Straßenlauf: Was treibt den „Doping-Experten“ Hajo Seppelt?

hajo-seppeltDer „Doping-Experte“ (der ARD): Hajo Seppelt.  (c) ARD

Es ist nicht so ganz klar, was den (selbst ernannten) „ARD-Doping-Experten“ Hajo Seppelt umtreibt, unablässig seine sensible Nase in Alles zu stecken, was nach Doping riecht. Augenscheinlich ist ihm die Leichtathletik besonders ans Herz gewachsen. Dabei verwundert schon die nicht unerhebliche Asymmetrie in der Auseinandersetzung mit dieser Disziplin, denn selbst wenn Topläufer an seinem Funkhaus in der Masurenallee in Berlin vorbeilaufen und dabei Weltrekorde erzielen, juckt das in dieser öffentlich-rechtlichen Einrichtung niemanden. Sportberichterstattung heisst dort eingentlich nur Fußball, dem Auftrag einer ädquaten Abbildung der Gesellschaft kommt nicht nur diese Medienanstalt schon lange nicht mehr nach.

Deshalb ist der Fokus auf die „Schattenseiten“ einer Disziplin, die es ansonsten im Sendebetrieb kaum gibt, schon sehr fragwürdig und führt unweigerlich zu der Frage, was diesen rastlosen Investigator in Sachen sauberen Sports eigentlich antreibt. Obwohl er den Zuschauer schon mitfühlen lässt, wie er in der eng bestuhlten Economy-Klasse und auf staubigen Straßen zu den Zentren des Sport-Betrugs saust, fällt es im Grunde schwer, seinen Argumenten und Behauptungen zu folgen, so singulär und hausbacken wirken seine „Recherchen“.

Was dabei wirklich erschüttert, sind deshalb weniger die Dinge, die man weitgehend sowieso schon kennt, sondern die Tatsache, dass hier ein Bild der Leichtathletik in der (ansonsten unkundigen und desinteressierten) Öffentlichkeit generiert wird, die in dieser Form für diesen Sport überaus gefährlich ist. Was da der gute Herr Seppelt mit seinem Aktionen anrichtet, ist in der Tat enorm, und macht sein Auftreten noch unverständlicher. Mit fundiertem Journalismus hat das leider nur bedingt zu tun und mit Verantwortung schon recht nicht. Anstelle allgegenwärtiger Selbstinzenierung wäre eine sachlichere Auseinandersetzung mit der Problematik mehr als wünschenswert.

Eine tiefergehende Diskussion mit den Aktionen des „Doping-Experten“ kann hier nicht geführt werden. Dabei ist keinesfalls die eigentliche Problematik der Leistungsmanipulation im Spitzensport (und nicht nur dort) zu verharmlosen, da stimmen wir mit Herr Seppelt überein. Aber an zwei Beispielen sei aufgezeigt, wie unausgegoren und diletantisch die „Enthüllungen“ des Experten sind.

Zum ersten:  Da wird gezeigt, wie der „Dopingexperte“ zum Briefkasten geht, sogleich den (vermutlich anonym) zugesandten Umschlag mit einem USB-Stick öffnet und damit einen Datenpool mit vielen tausend „Blutwerten“ – was immer die sind – der IAAF vorfindet. Anstelle exemplarisch zu zeigen, um was es eigentlich geht und wie die Daten aussehen, wird nur um den Brei herumgeredet und weitere „Experten“ zu Rate gezogen. Und daraus dann abgeleitet, dass großflächig gespritzt, geschluckt und betrogen wird. Sogleich wird dann auch impliziert, dass Topleistungen nur noch auf der Basis eines Betrugs möglich sind. (Laufen deshalb die deutschen Athleten hinterher?) Fazit für die Öffentlichkeit: Die Leichtathletik war schon imm einer Sumpf des Betrugs und der Lügen, es brauchte nur einen Hajo Seppelt, um das aufzuklären.

Dabei bleibt höflich unererwähnt, um was es eigentlich bei den „Blutwerten“ geht und vor allem, wie kritisch diese zu interpretieren sind. Dass die Daten unter Verschluss gehalten werden, ist schlichter Unsinn. Haben die Hämokritwerte („normaler Wert“ bei Männern: 125 bis 149 g/l) doch geholfen (!), die Marathonasse Abderrahim Goumri (MAR) und vor allem Liliya Shobukhova (RUS) des Dopings zu überführen (s. Grafik unten). Die Ergebnisse der Russin in den letzten Jahren werden soeben aus den Ergebnislisten elimiert.

Was soll man da erst zu Superstar Mo Farah sagen, der nach dem ganzen Zirkus, den Herr Seppelt zu verantworten hat, zu Recht erbost war, zumal er durch die Gerüchte um den Meistertrainer Alberto Salazar sowieso schon unter Verdacht geraten war. Nimmt man die Daten vom Stick für Mo, dann hätte man sofort sehen müssen, dass dieser Mann „ultra-clean“ ist. Kein Hämokritwert über 100 g/l!. Nach den „Normen“ leidet der gute Mann fast an einer Blutanämie und läuft gleichzeitig die Weltelite auf den langen Strecken in Grund und Boden. Im Frühjahr lief er zudem in Lissabon im Halbmarathon Europarekord. Man kann sicher damit noch lange keine Manipulation ausschließen, nur auf der Basis der Blutwerte ist dies auch nicht in Ansätzen möglich. Eine entsprechende (Gegen-)Darstellung der WADA (World Athletic Doping Association) sollte man aufmerksam lesen.

blood-data-mo-farahDie Hämokrit-Werte von Mo Farah (GBR) bei Tests zwischen 2002 und 20012. Kein Wert liegt über 100 g/l.  (c) Sunday Times

blood-data-shobukhovaDie Hämokrit-Werte von Liliya Shobukhova (RUS). Werte über 150 g/l ergaben sich bei Test 13 am 9.10.2009 und Test 17 am 7.10.2011, jeweils im Umfeld des Chicago Marathon. Man beachte aber auch Test 16 am 31.7.2011. Die Athletin ist aktuell vom Verband gesperrt und ihre Resultate in Chicago und London werden/wurden gestrichen. (c) Sunday Times

blood-data-goumriDie Hämokrit-Werte von Abderrahim Goumri (MAR) mit Test 20 am 9.10.2009 (162 g/l) und Test 21 am 16.10.2009 (166 g/l). Am 11.10.2009 wurde er beim Chicago Marathon in 2:06:04 Zweiter hinter Samuel Wanjiru. Goumri wurde anschließend vom Verband gesperrt.  (c) Sunday Times

Zum zweiten: Da besucht unser Doping-Experte die Famile von Geoffrey Kipketer Tarno (KEN) im kenianischen Hochland. Tarno war im Oktober 2013 in einem Marathonlauf in Kenia nach 40 km zusammengebrochen und soweit die Ergebnisse der Autopsie belastungsfähig sind, an einem Blutgerinsel verstorben. Kein Zweifel, die Sache ist traurig, und Doping kann nicht ausgeschlossen werden. Man fragt sich nur, was Herr Seppelt damit beweisen will. Insb. Läufer der zweiten und dritten Reihe waren in Kenia immer wieder einmal auffällig geworden, auch deshalb weil oft das Talent fehlte.

Aus einem solchen Fall allerdings zu implizieren, dass die kenianische Elite großflächig betrügt, ist auch nicht in Ansätzen haltbar. Hier hätte man sich zumindest in dem TV-Beitrag die Information gewünscht, dass Tarno erst seit 2009 den Laufsport betrieb und niemals sein Land in Sachen Laufen verlassen hatte. Mit den Läufern (und Läuferinnen), die zu Hunderten auf den Straßen der außerafrikanischen Metropolen mit Topleistungen agieren, hat der gute Tarno nie zu tun gehabt.

Dabei gibt es aktuell durchaus „interessante“ Entwicklungen in Kenia, von denen man in den Berichten der ARD nichts erfährt. Vor einigen Monaten wurden die Manager von Volare Sport und Rosa Associates vom kenianischen Verband für 6 Monate außerhalb des Landes verwiesen. Über die Gründe für dieses Verhalten kann man nur mutmaßen. Eine profunde Recherche in dieser Sache wäre sicher hochinteressant gewesen. Aussagefähiger jedenfalls als die Präsentation der Familie eines „Nobodies“, deren unser Mitgefühl gilt. Zur Aufklärung in Sachen Doping taugt der Fall Tarno kaum.

tarno-grabDas Grab von Geoffrey Tarno, der nach vier Jahren Leistungssport am 13. Oktober 2013 bei einem Marathonlauf zusammenbrach und verstarb.  (c) ARD

Nach den Kenyan Trials: Die „Kenianer“ wollen Mo Farah bei der WM jagen

Am 22. August gibt gleich zum Beginn der WM in Beijing neben dem Marathon der Männer mit den 10000 m Lauf auf der Bahn zwei Highlights auf den Langstrecken. Und wenn es nach den Kenianern ginge, dürfte es dort nur eine Nation auf dem Podium geben. Während das im Marathon mit den Weltrekordlern Wilson Kipsang (2:03:23) und Dennis Kimetto (2:02:57) durchaus realistisch erscheint, wird das im 10000 m Lauf ungleich schwerer zu realisieren sein.

Denn dort gibt es mit dem britischen Superstar Mo Farah und in Einschränkungen auch mit dem US-Läufer Galen Rupp zwei nicht-afrikanische Konkurrenten, die für die Afrikaner in den letzten Jahren schier unbezwingbar erschienen. So ging z.B. über die 10000 m bei den Olympischen Spielen in London 2012 Gold an Farah und Silber an Rupp. Da ferner Tariku Bekele Bronze für Äthiopien holte, war Kenia ohne Medaillegeblieben. Ein Unding für das Läuferland Nr. 1 auf dem Globus. Auch bei der letzten WM 2013 in Moskau war es kaum besser: Farah gewann, vor Ibrahim Jeilan (ETH). Immerhin gab es noch Bronze durch Paul Tanui für Kenia. Das letzte WM-Gold durch Charles Kamathi geht auf das Jahr 2001 zurück. Das ist lange her!

Das wollen die Kenianer in gut zwei Wochen unbedingt ändern. Dass dazu die Chancen halbwegs realistisch erscheinen, deuteten die kenianischen Topläufer über 10000 m bei den kenianischen Trials am letzten Wochenende an. Im der gut 1600 m hoch gelegenen Hauptstadt Nairobi liefen vor allem die drei Erstplatzierten Zeiten, die es in dieser Klasse in dieser Region noch nicht gegeben hat. Paul Tanui – Dritter der letzten WM – machte zunächst das Tempo, das dann im Mittelteil der aktuell in Japan lebende Bedan Karoki übernahm. Dies führte dazu, dass die Spitze ausdünnte und diese Taktik am Ende dem amtierenden Cross- und Halbmarathon-Weltmeister Geoffrey Kamworor mit einem starken Finish den Sieg brachte.

Was dabei vor allem beeindruckend war, waren die Zeiten die unter diesen Bedingungen herauskamen: Kamworor lief als Erster grandiose 27:11,89, dann kam Karoki in 27:15,33 und Tanui in 27:18,45. Extrapoliert man diese Zeiten auf Seehöhe und zieht dann auch noch Temperatur und vor allem Luftfeuchtigkeit in die Abschätzung mit ein, ergeben sich Zeiten, die zweifellos mit der Jahresbestzeit von Farah von 26:50,97 konkurrieren können, die der Brite am 29. Mai in Eugene erzielte.

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Geoffrey Kamworor (Kipsang, links) hier beim Berlin Marathon 2013 will zwei Jahre später in Beijing Weltmeister über 10000 m werden.  Wilson Kipsang (rechts) geht in Beijing im Marathon an den Start. (c) H. Winter

Wie schon an dieser Stelle mehrfach ausgeführt, wird Farah auch bei der kommenden WM mit einem „langsamen“ Rennen kaum zu schlagen sein. Erst vor kurzem in Monaco lief er die 1500 m wieder deutlich unter 3:30 Minuten und zeigte auch bei seinen anderen Auftritten über 5000 m und 10000 m unvermindert höchste Spurtqualitäten. Somit kann die Taktik der Kenianer nur ein Rennen am absoluten Limit sein, das dem Superstar schon weit vor dem Finale alles abverlangt. Wenn man in der Sequenz Tanui – Karoki – Kamworor zu Werke schreitet und dabei sogar über dem WM-Rekord-Tempo von Kenenisa Bekele vom Lauf bei der WM in Berlin 2009 von 26:46,31 agiert, dann könnte es sein, dass Farah abreisen lassen muss. Dem Halbmarathon-Weltrekordler Zsersenay Tadese (ERI) hatte eine solche Tempotaktik immerhin 2009 hinter Bekele die Silbermedaille gebracht.

“The colour of the medal does not matter. Our aim is to win the 10,000m title and God willing, we can do it. We were talking to each other to encourage each other and see how it can be in Beijing. I think with the support of Karoki and Tanui, we can terribly beat Farah” sagte Kamworor.

Ferner Karoki: “If we go to China and run like today, we can bring home all the medals. Team work is the most important thing to realise our dream. We did it in China and we are happy Paul has joined us.“ und Tanui: “For me, I’m glad to be with guys we can go and run together and it feels good to be back in the Kenyan team. If we repeat what we did today, it’s possible to come home with all medals.“

 

Ergebnis der Kenyan Trials in Nairobi (KEN):

  1. Geoffrey Kipsang Kamworor 27:11,89
  2. Bedan Karoki 27:15,33
  3. Paul Tanui 27:18,45
  4. Vincent Yator 27:33,45
  5. Leonard Barsoton 27:35,75
  6. Geoffrey Kirui Kipkorir 27:42,66
  7. James Rugaru 27:50,09
  8. William Sitonik 27:54,35
  9. Stephen Arita 27:55,17
  10. Charles Yosei 29:02,54

 

Die Weltmeister der letzten Jahre:

2013 Mo Farah GBR 27:21.71
2011 Ibrahim Jeilan ETH 27:13.81
2009 Kenenisa Bekele ETH 26:46.31
2007 Kenenisa Bekele ETH 27:05.90
2005 Kenenisa Bekele ETH 27:08.33
2003 Kenenisa Bekele ETH  26:49.57
 2001  Charles Kamathi KEN  27:53.25
 1999  Haile Gebrselassie ETH  27:57.27

„Halbzeit“ – Rückblick auf die globale Laufszene in der ersten Hälfte des Jahres 2015 – Teil 2

Auch der Monat März war in der Tat ereignisreich. Nachdem am Lake Biwa im japanischen Otsu der Kenianer Samuel Ndungu den dortigen Traditions-Marathon (Gold Label der IAAF) in 2:09:08 mit großen Vorsprung gewinnen konnte, gab es eine Woche später im nur unweit gelegenen Nagoya eine neue globale Rekordmarke. Die Russin Mariya Konovalova wurde beim Nagoya-Marathon zwar nur hinter Eunice Kirwa (KEN, 2:22:08) in 2:22:27 Zweite. Diese Zeit bedeutete aber für die im August 1974 geborene Russin einen neuen Masters-Weltrekord im Marathon der Frauen.

konovalova-chicago-2013Die Russin Mariya Konovalova lief beim Nagoya Marathon in 2:22:27 einen neuen Marathon-Masters-Weltrekord für Frauen.  (c) H. Winter

Bemerkenswert für das erste Halbjahr 2015 war dabei, dass dieser Rekord auch bei den Männern fiel. Und dies gleich zweimal: Im April und im Juli jeweils durch den Kenianer Kenneth Mungara.

mo-lisboa-2015-pkLauflegende Mo Farah bei der Pressekonferenz des Halbmarathons in Lissabon. Anschließend gewann er den Lauf und schaffte mit 59:32 einen neuen Europarekord.  (c) Veranstalter

Einen Europarekord lief nach einem kuriosen Rennverlauf der Brite Mo Farah beim Lissaboner Halbmarathon in 59:32. Dabei lag der Topstar der Langstreckenszene auf der Bahn schon scheinbar abgeschlagen zurück, bevor er im Spurt an einer weiteren Größe der Bahnleichtathletik, dem Kenianer Micah Kogo, vorbeizog. Den Halbmarathon in Prag gewannen Daniel Wanjiru (KEN) in 59:51 und Worknesh Degefa (ETH) in 1:07:14, und der Weltrekordversuch über die gleiche Distanz in Berlin durch den Schnellsten des Vorjahres, Abraham Cheroben (KEN), war durch starken Wind schon früh zum Scheitern verurteilt. Am Ende war hier Birhane Legesse (ETH) in 59:45 vorne, Cheroben wurde Dritter. Die Jagd des neuen Stars der deutschen Straßenlaufszene Arne Gabius auf den deutschen Rekord von Carsten Eich (1:00:30) scheiterte an Magenkrämpfen nach 11 km.

gabius-portrait-frankfurt-2015Arne Gabius musste beim Berliner Halbmarathon nach Magenbeschwerden das Tempo nach 11 km herausnehmen.  (c) H. Winter

Die bisher schnellste Zeit des Jahres über die Halbmarathon-Distanz lief am 8. März der Kenianer Stanley Biwott beim City-Pier-City Loop in der niederländischen Hauptstadt Den Haag mit 59:20. Und eine Woche später gab es durch die Siege von Wilson Loyanae Erupe (KEN) in 2:06:11 beim Seoul International Marathon und von William Yegon (KEN) in Barcelona mit 2:08:16 sehr beachtliche Leistungen. Beim mittlerweile hochkarätigen Rom-Marathon war diesmal bei strömendem Regen nur eine Zeit von 2:12:23 durch Abebe Negefa (ETH) möglich.

20th Rome MarathonAbebe Negefa (ETH) gewann im strömenden Regen den Rom Marathon.  (c) Veranstalter

Traditionell häufen sich dann im April innerhalb von zwei Wochen die hochklassigen Läufe des Frühjahrs. Zuvor siegte bereits am 5. April im (süd-)koreanischen Daegu der Äthiopier Girmay Birhanu in beachtlichen 2:07:26, den Streckenrekord von immerhin 2:06:51 schaffte er damit aber nicht. Eine Woche später gab es dann kaum erwartet das nächste Highlight des Jahres: Beim Mailand Marathon siegte Kenneth Mungara in 2:08:44. Paradoxerweise hatte dort Lauflegende Haile Gebrselassie den Startschuss gegeben, der dann einen Monat später nach dem Great Manchester Run seinen (endgültigen) Rücktritt vom Leistungssport bekanntgab. Dort beendete er den Lauf über10 km in 30:05 auf Platz 16, der Sieger Stephen Sambu (KEN) war da mit 27:30 schon lange im Ziel. Haile hatte in letzter Zeit noch den Marathon-Masters-Weltrekord (40+) im Visier, den Andres Espinoza (MEX) 2003 mit 2:08:46 in Berlin aufstellte. Nun unterbot in Mailand ausgerechnet der am 7. September 2013 geborene Mungara diese Marke um 2 Sekunden.

paris-marathon-2015-korirIn offiziellen 2:05:49 gewann Mark Korir (KEN) den Paris Marathon 2015.  (c) H. Winter

Am gleichen Tag siegten in Paris Mark Korir (KEN) in 2:05:49 und Meseret Mengistu (ETH) in 2:23:24 und in Rotterdam lagen 15 Läufer zur Hälfte in 1:02:05 auf Weltrekordkurs. Kräftiger Wind und schwindende Kräfte forderten ihren Tribut, Abera Kuma war am Ende in 2:06:46 noch der Beste. Und noch schlimmer erwischte es die Spitze beim Wien Marathon, wo der Äthiopier Sisay Lemma in 2:07:31 die Leistungsbilanz eines Golden Label Events rettete, danach gab es mit Duncan Koech in 2:12:14 und der Siegerin Maria Neuenschwander (SUI) nur Mittelmaß. Und auch Vorjahressiegerin Anna Hahner auf Platz 5 in 2:30:50 konnte das kaum ändern.

Am 19. April konnten die Läufe in Enschede und Hannover mit Siegen von Evans Cheriuyot (KEN) in 2:09:40 und Jacob Ceshari (KEN) in 2:09:32 ihre Serie schneller Zeiten nicht fortsetzen, dafür meldete man aus San Antonio (Italien) mit dem Sieg von Robert Kipkemboi in gleichfalls 2:09:32 eine beachtliche Zeit. Auch in Zürich war mit 2:11:35 durch Edwin Kemboi der Höhenflug erst einmal vorbei, wobei sich das japanische Lauf-Unikum Yuki Kawauchi in bekannter Manier auf Platz 2 in 2:12:13 kämpfte. Das war dann auch die bislang beste Zeit des Jahres für den eigenwilligen Japaner, der nach seiner Verletzung zu Silvester in Barcelona und unverminderten Startaktivitäten so langsam seinem Raubbau der Ressourcen Tribut zu zollen scheint.

dubai-2015-desisa-40kmLelisa Desisa (ETH) gewann nach Platz 2 in Dubai den Boston Marathon 2015.  (c) H. Winter

Beim traditionellen Boston Marathon hielten sich die afrikanischen Topathleten merklich zurück, so dass heimische Läufer die Tempogestaltung übernahmen. Am Ende lagen aber doch die Afrikaner vorne. Lelisa Desisa (ETH) siegte in 2:09:17 nach Platz 2 im Januar in Dubai und Caroline Rotich gewann die Frauenkonkurrenz in 2:24:55. Der Sensationssieger des Vorjahres Meb Keflezighi (USA) landete diesmal auf Platz 8 in 2:12:42.

Eine Woche später setzte man in Hamburg durch Lucas Rotich (KEN) in 2:07:17 das Niveau guter Siegerzeiten fort, während in Düsseldorf der (unfreiwillige) Verzicht auf ostafrikanische Topläufer Wirkung zeigte. Marius Ionescu (ROM) siegte in 2:13:19, da war man in den Vorjahren wesentlich schneller. Der deutsche Läufer André Pollmächer lag nach der Hälfte in 1:05:52 noch gut im Rennen, musste dann aber nach 26 km mit Fußproblemen aufgeben. Dafür schaffte man in Warschau durch die Verpflichtung des Siegers des Dubai Marathons Hayle Berhanu Lemi (ETH) in 2:07:57 eine beachtliche Zeit.

warschau2015-siegerDie Männer für das Podium nach dem Warschau Marathon. In der Mitte der Sieger Lemi Berhanu Hayle oder Hayle Lemi Berhanu oder Berhanu Lemi …  (c) Veranstalter

Der Höhepunkt des Frühjahrs war natürlich wieder der London Marathon, wo man bei Frauen sowie Männern wieder die absolute Weltklasse an den Start brachte. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, die sich aber vor allem bei den 50 Minuten früher gestarteten Frauen nicht in Ansätzen erfüllten. Hatte man im Vorfeld durch das Aufeinandertreffen der aktuell besten Marathon-Läuferinnen einen Angriff auf Zeiten in den Regionen einer Paula Radcliffe erwartet – die war übrigens auch am Start und lief einen beeindruckenden „Abschieds-Marathon“ – , so war schon jenseits der 10 km klar, dass diese Hoffnungen arg enttäuscht wurden. Beim Halbmarathon nach 1:11:43, lag man bereits etwa 3 Minuten hinter den Vorgaben. Am Ende profitierte mit Tigist Tufa (ETH) eine Läuferin von dem moderaten Tempo, die keiner auf der Rechnung hatte.

londom-mar-2015-tufa-40kmTigist Tufa (ETH) gewann etwas überraschend aber nicht minder souverän den London Marathon bei den Frauen.  (c) H. Winter

Dabei sorgte Tufa mit einer Bestzeit von immerhin 2:21:52 (Shanghai 2014) im Januar beim Dubai Marathon bis 35 km für Furore, wo sie als kurzfristige Nachmeldung lange auf Kurs von 2:18 Stunden vor dem Feld herlief, dann aber aufgab. In London war das diesmal anders, als sie im Tunnel 7 km vor dem Ziel antrat, konnte keine Kontrahentin folgen und Tufa gewann deutlich in allerdings angesichts der hohen Erwartungen schon enttäuschenden 2:23:22. Das sind immerhin 3 ½ Minuten hinter der besten Zeit des Jahres und noch mehr zu Paulas Fabelzeiten, die diesmal zum Abschied recht locker 2:36 Stunden schaffte.

london-2015-kipchoge-finish-42kEliud Kipchoge (KEN) gewann den London Marathon 2015.  (c) H. Winter

Das Rennen der Männer verlief auf deutlich höherem Niveau, obwohl auch hier nach der Hälfte in 1:02:19 eine Zeit in Weltrekordnähe nicht mehr zu schaffen war. Dafür entwickelte sich ein beeindruckendes Ausscheidungsrennen, in dem es zum Showdown der (kenianischen) Topstars der Szene kam: Wilson Kipsang (Vorjahresssieger, Ex-Weltrekordler, 2:03:23), Dennis Kimetto (Weltrekordler, 2:02:57) und Eliud Kipchoge (Chicago-Sieger 2014, 2:04:05). Am Ende setzte sich nicht ganz unerwartet Eliud Kipchoge in sehr guten 2:04:42 durch, wobei er den letzten km in phänomenalen 2:41 lief, auch 6:13 von der 40 km-Marke ins Ziel waren bemerkenswert. Somit reichte es für Wilson Kipsang in 2:04:47 diesmal nur zu Platz 2 und der nicht ganz fitte Weltrekordler Kimetto lag mit 2:05:50 deutlich dahinter.

london-2015-wilson-42kmEx-Weltrekordler und London Champion 2014 wurde Zweiter in London.  (c) H. Winter

Insbesondere der Schlussteil dieses Laufs – großartig im TV von der BBC in Szene gesetzt – war sicherlich einer der Höhepunkte des Frühjahrs, und ferner ist die Siegerzeit von Kipchoge die weiterhin schnellste Zeit des Jahres im Marathon der Männer.

Ab Mai „dünnen“ dann die hochkarätigen Marathonläufe aus. Am 3. Mai siegten in Prag Felix Kandie (KEN) in 2:08:32 und Yebrgual Melese (ETH) in 2:23:49 und Ende Mai lief man im kanadischen Ottawa in ähnlichen Dimensionen mit den äthiopischen Siegern Girmay Birhanu in 2:08:14 und Abebech Afework in 2:23:53. Zwischendrin gab es am 10. Mai bei den BIG25 über die selten gelaufene Distanz von 25 km einen Weltrekordangriff von Abraham Cheroben (KEN), der aber mit guten 1:12:31 im kräftigen (Gegen-)Wind im zweiten Teil scheiterte. Beachtlich war zudem die Zeit der Siegerin von 1:21:55 durch Sutume Kebede (ETH).

big25-2015-kebedeSutume Kebede (ETH) war die schnellste Frau bei den BIG25 2015.  (c) H. Winter

Am 13. Juni lief Abayuch Woldegiorgis (ETH) im chinesischen Langzhou am Ufer des Gelben Flusses mit 2:10:10 einen Streckenrekord, und der fiel auch einen Monat später am 5. Juli an der australischen Gold Coast. Dort blieben gleich 3 Läufer unter dem Streckenrekord von 2:09:14. Kenneth Mungara gewann in 2:08:42 und steigerte damit seinen Masters-Weltrekord um weitere 2 Sekunden. Ferner lief niemand bisher auf australischem Boden als auch im Monat Juli schneller. Yuki Kawauchi gewann diesen Lauf noch im Jahr 2013, diesmal endete der wackere Japaner in schwachen 2:16:23 nur auf Platz 8.

gold-coast-2015-mungara-zielKenneth Mungura (KEN) verbesserte beim Marathon an der australischen Gold Coast den Masters-Marathon-Weltrekord zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate.  (c) H. Winter

Somit war das erste Halbjahr 2015 der internationalen Straßenlaufszene in der Tat wieder sehr ereignisreich und mit den hochkarätig besetzten WM-Marathons im August in Beijing sowie danach den Stadtmarathons in Berlin, Chicago, Frankfurt, New York, etc. wird auch die zweite Hälfte des Jahres 2015 sicher wieder die hohen Erwartungen erfüllen.

Die TOP10 im Marathon der Männer 2015 (Quelle: IAAF)

1. Eliud Kipchoge KEN 2:04:42 London, 26.April
2. Wilson Kipsang KEN 2:04:47 London, 26. April
3. Berhanu Lemi ETH 2:05:28 Dubai, 23. Januar
4. Mark Korir KEN 2:05:49 Paris, 12. April
5. Dennis Kimetto KEN 2:05:50 London, 26. April
6. Lelisa Desisa ETH 2:05:52 Dubai, 23. Januar
7. Endeshaw Negesse ETH 2:06:00 Tokyo, 22. Februar
8. Deribe Robi ETH 2:06:06 Dubai, 23. Januar
9. Wilson Erupe KEN 2:06:11 Seoul, 15. März
10. Moses Mosop ETH 2:06:19 Xiamen, 3. Januar

Die TOP10 im Marathon der Frauen 2015 (Quelle: IAAF)

1. Mare Dibaba ETH 2:19:52 Xiamen, 3. Januar
2. Aselefech Mergia ETH 2:20:02 Dubai, 23. Januar
3. Gladys Cherono KEN 2:20:03 Dubai, 23. Januar
4. Lucy Kabuu KEN 2:20:21 Dubai, 23. Januar
5. Shure Demise ETH 2:20:59 Dubai, 23. Januar
6. Aberu Kebede ETH 2:21:17 Dubai, 23. Januar
7. Mulu Seboka ETH 2:21:56 Dubai, 23. Januar
8. Eunice Kirwa KEN 2:22:08 Nagoya, 8. März
9. Tatjana Shmyrko UKR 2:22:09 Osaka, 25. Januar
10. Mariya Konovalova RUS 2:22:27 Nagoya, 8. März

„Halbzeit“ – Rückblick auf die globale Laufszene in der ersten Hälfte des Jahres 2015 – Teil 1

Keine Frage, die internationale Straßenlaufszene bleibt in Bewegung, auch im ersten Halbjahr des Jahres 2015. In vielfältiger Hinsicht setzte sich die Flut an herausragenden Leistungen und außergewöhnlichen Ereignissen aus den Vorjahren fort. Der Lauf auf den Straßen durch die Städte dieser Welt kennt keine Pause mehr, auf globaler Skala wird zu jeder Zeit mit Volldampf gelaufen. Und wie!

Auch im bisherigen Teil des Jahres 2015 wurden wieder viele Bestzeiten aufgestellt, gekrönt von einigen Weltrekorden. Aber auch der Schatten des Dopings lässt die Laufszene nicht los, dabei verdichten sich Hinweise, die in die Hochburgen der Laufeliten Ostafrikas führen. Auch in Deutschland werden Schlagzeilen jenseits der Laufstrecken produziert. Hier sorgt die sog. „Lauf-Maut“ – eine eigenwillige Erhöhung der Finisher-Gebühren durch den Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) – für Erregung der Gemüter und sieht nach einer Welle großen Protests den Verband als wenig einsichtigen Verlierer.

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Von sportlicher Seite waren die Böller zu Silvester kaum verklungen, da gab es schon beim Neujahr-Marathon im Schnee von Zürich durch den Franzosen Ruberti in 2:48:47 die erste Jahres-Weltbestzeit, über die sich der wackere Freizeitsportler traditionell nur wenige Tage freuen konnte.
Bereits am 3. Januar ging es dann in der chinesischen Hafenstadt Xiamen zur Sache und sofort zu Anfang des neuen Jahres wurden großartige Bestmarken aufgestellt. Während bei den Männern der Kenianer Moses Mosop im Duell mit Tilahun Regassa (ETH) wertvolle Zeit verschenkte, mit 2:06:19 aber trotzdem eine Klassezeit erzielte (aktuell Platz 10 in der Jahresbestenliste), ließ sich die Äthiopierin Mare Dibaba vom Start weg nicht aufhalten und lief in einem einsamen Rennen einen neuen Streckenrekord von 2:19:52. Es sollte bislang die einzige Leistung einer Frau im Jahr 2015 unter der Schallmauer von 2:20 Stunden bleiben.

Dieser Grenze zur absoluten Weltklasse kamen allerdings die Läuferinnen beim Dubai-Marathon sehr nahe, wobei insbesondere die Leistungsdichte mit sechs Läuferinnen unter 2:22 Stunden beeindruckte. Im weltweiten Ranking des Jahres 2015 sind dies aktuell die Plätze 2 bis 7. In einem ganz knappen Finale gewann Aselefech Mergia (ETH) in 2:20:02 vor der amtierenden Weltmeisterin im Halbmarathon Gladys Cherono (KEN), die bei ihrem Debüt eine Sekunde länger brauchte. Bei den hohen Preisgeldern in Dubai kostete diese Sekunde allerdings 120.000 USD.

dubai2015-siegerin-mergia-zweiteAselefech Mergia (ETH, links) gewann in 2:20:02 den Dubai Marathon 2015 vor Gladys Cherono (KEN). Beide trennten nur eine Sekunde, aber 120.000 USD Preisgeld.  (c) H. Winter

Etwas unerwartet stellten die Frauen mit diesen Zeiten die Leistungen der Männer in den Schatten. Denn einer der Superstars der Laufszene, der Äthiopier Kenenisa Bekele, wollte den schnellen Kurs im Vereinigten Arabischen Emirat für eine flotte Zeit nutzen. Bekele war aber nicht völlig fit an den Start gegangen und musste mit einer Zerrung in ansonsten bester Verfassung noch vor 30 km aus dem Rennen aussteigen. Dabei war man beim Halbmarathon in 1:02:19 noch auf Kurs zu einer Topzeit und dem Streckenrekord (2:04:23). Sichtlich irritiert durch Bekeles Aufgabe begann ein Taktieren um Sieg und Preisgelder, das der noch wenig bekannte Lemi Berhanu (ETH) in 2:05:28 deutlich vor seinem Landsmann und Boston-Sieger Lelisa Desisa in 2:05:52 gewann. Für die mittlerweile hohen Ansprüche im Emirat war das dort schon fast Mittelmaß.

dubai2015-ca36kmLemi Berhanu Hayle (links) und Lelisa Desisa (beide ETH) kämpften am Ende in Dubai um den Sieg. Hayle gewann in 2:05:28.  (c) H. Winter

Bereits am Wochenende zuvor gab es auch beim Chevron Houston Marathon (USA) sowie beim Standard Chartered Mumbai Marathon (Indien) ausschließlich äthiopische Sieger. In einem spannenden Schlusspart holte in Houston Birhanu Gedefa seinen enteilten Landsmann Gebo Burka auf dem letzten km noch ein und siegte in 2:08:03, wobei er von der 40 km-Marke bis ins Ziel nur eindrucksvolle 6:16 brauchte. Bei den Frauen siegte Yebrgual Arage (ETH) in guten 2:23:23.

In der indischen Metropole Mumbai verhinderte die zunehmende Hitze einen neuen Streckenrekord (2:09:32), der bei Halbzeit in 1:04:47 noch in Reichweite lag. Es siegte Tesfaye Abera in 2:09:46 vor seinem Landsmann Dereje Debele in 2:10:31. Der beste Kenianer landete mit Ex-Weltmeister Luke Kibet in 2:10:57 nur auf Platz 3.

Am 25. Januar gewann die Ukrainerin Tatjana Shmyrko den Frauen-Marathon im japanischen Osaka mit neuem Landesrekord von ausgezeichneten 2:22:09 und lag damit weit vor der (rein japanischen) Konkurrenz.

Am 1. Februar begann in Beppu-Oita die Serie der drei japanischen Elite-Marathons im Frühjahr, den Twelde Estifanos (ERI) in 2:10:18 gewann. Ein erster absoluter Höhepunkt des Jahres war nach dem Sieg von Mary Keitany (KEN) beim Halbmarathon im Emirat Ras Al Khaimah am 13. Februar in sehr guten 1:06:02 der neue Weltrekord ihrer Landsfrau Florence Kiplagat in Barcelona.

kiplagat-barcelona-2015Florence Kiplagat (KEN) lief auch in diesem Jahr einen Halbmarathon-Weltrekord in Barcelona.  (c) Veranstalter

Beim Mitja Marato de Barcelona steigerte Kiplagat ihren Weltrekord aus dem Vorjahr an gleicher Stelle um 3 Sekunden auf phänomenale 1:05:09. Letztlich kam diese Steigerung fast so überraschend wie der Rekord im Vorjahr, denn sie schien wegen des Marathontrainings für London nicht optimal vorbereitet. In einem kuriosen Rennen holte sie sich zunächst sehr deutlich den Weltrekord über 15 km in 46:13 mit km-Abschnitten von 3 Minuten zwischen 11 und 15 km, reduzierte dann zwar das Tempo, aber sowohl für 20 km (1:01:54) und vor allem den Halbmarathon „reichte“ es dann auch noch für globale Bestmarken.

tokyo-2015-spitze-20kmDie Spitze des Männerfeldes beim Tokyo Marathon 2015.  (c) H. Winter

Auf der Marathondistanz sorgte der Tokyo-Marathon am 22. Februar vor allem durch eine Neuregelung zur World-Marathon-Majors(WMM)-Serie für Aufsehen, die diesen Wettbewerb mit 500.000 USD Preisgeld – den aber kaum jemand verfolgt – auf nun ein volles Jahr beschränkt. Sportlich holt man langsam im Vergleich zu den anderen fünf WMM-Partnern auf, die Siegerzeit von Endeshaw Negesse (ETH) mit 2:06:00 rangiert in der Jahresbestenliste auf Platz 7. „Sieger der Herzen“ wurde allerdings Olympiasieger und Weltmeister Stephen Kiprotich (UGA), der kurz zuvor seine Tochter verlor und im Spurt um Platz 2 mit persönlicher Bestzeit von 2:06:33 Dickson Chumba (KEN) abfangen konnte. Bei den Frauen lag Birhane Dibaba in 2:23:15 vorne.

tokyo-2015-dibaba-vor-zielBirhane Dibaba gewann den Tokyo Marathon bei den Frauen in 2:23:15.  (c) H. Winter

Recht flotte Marathonläufe gab es zum Monatsende. Am 22. Februar verpasste in der zweiten Hälfte Lawrence Cherono (KEN) mit 2:09:39 den Streckenrekord im spanischen Sevilla nur knapp und am 27. Februar reichten 2:10:30 für William Yegon (KEN) zum Sieg beim Marathon in Tel Aviv.

13. Hella Marathon Nacht in Rostock: Die Rekordjagd des Paul Schmidt

logo-rostock-2015Vier Läufer unter 3 Stunden belegen eigentlich den breitensportlichen Fokus des Marathons am 1. August 2015 in der Hansestadt Rostock. Doch was sich an diesem Abend an der Spitze ereignete, gehört schon in die Sammlung der unglaublichen Geschichten und Kuriositäten um den Laufsport. Denn so richtig ist nicht zu begreifen, unter welchen Umständen der in Berlin lebende Arzt Paul Schmidt bei dieser Veranstaltung – der Hella Marathon Nacht Rostock – einen neuen Steckenrekord in einer grandiosen Zeit aufstellte. Schon in den letzten beiden Jahren dominierte er den Lauf überaus deutlich, diesmal war eine ähnliche Leistung im Bereich von 2 1/2 Stunden zumindest ungewiss, zumal Schmidt erst zwei Wochen zuvor den Schlösser-Marathon in Füssen in guten 2:27 bestritten hatte und zudem mitten intensiver Vorbereitungen auf den Berlin-Marathon Ende September steckt.

Am Veranstaltungstag kam es dann noch schlimmer. Der Fernreisebus hatte über 2 Stunden Verspätung und damit geriet sogar der Start in Gefahr. Doch solche „Zugaben“ scheinen Schmidt erst recht zu motivieren, hatte er doch Ende Mai zwei Stunden nach Gewinn der Berlin-Brandenburgischen Meisterschaft über 5000 m in 14:43 und zeitlich knapper Anreise auch noch einen Waldlauf in Berlin-Grünau in nur unwesentlich langsameren Tempo gewonnen. In Rostock wurde es gestern abend richtig knapp. Die Vordehnungen erfolgten im Bus, das Aufwärmen beim Lauf zu Start, dann noch Chip und Startnummer montiert, Interview für den NDR – und schon ging es los. Keine zehn Minuten hätte er später kommen dürfen …

Wer allerdings dachte, dass diese Vorgeschichte Folgen hatte, lag richtig. Allerdings in der anderen Richtung. Paul setzte sich sofort von allen Mitstreiten ab, lag nach 33:38 bei 10 km und 70:30 beim Halbmarathon weit vor den Verfolgern und lief am Ende einen Vorsprung von sage und schreibe einer halben Stunde heraus. Während die Platzierten mit Zeiten von 2:48 (4 Minuten /km) und darüber – wie erwartet – in breitensportlichen Dimensionen agierten, lief der gute Paul mit schier unfassbaren 2:19:35 eine Zeit, die in der aktuellen deutschen Bestenliste auf Platz 7 rangiert, nur gut zwei Minuten fehlen in dieser auf Platz 2 im Jahres-Ranking. Entsprechend euphorisch war die Stimmung bei allen Beteiligten nach dieser Leistung.  Für den Veranstalter der 13. Hella Marathon Nacht Rostock hatte Paul Schmidt nur Lob übrig: „Die Unterstützung ist großartig gewesen. Ich laufe da, wo ich mich wohlfühle. Und das ist hier der Fall“.

Am 23. August geht er den Halbmarathon am Wörthersee an, rund fünf Wochen später will er beim Berlin Marathon am 27. September starten. Bleibt zu hoffen, dass er dann auch dem Druck bei der Großveranstaltung standhält und die Bedingungen bei der Berliner Weltklasse-Veranstaltung zu einer noch besseren Zeit nutzen kann. Eine Zeit im Regime von 2:15 Stunden wäre nun schon fast denkbar. Dafür muss dann aber Ende September alles stimmen. Wir wünschen jedenfalls schon heute viel Erfolg für ein großartiges Abschneiden in Berlin.

Und da Berlin eine Partnerschaft mit dem WMM-Partner Tokyo-Marathon eingangen ist, darf der „beste Berliner“ auf Kosten der Veranstalter Ende Februar 2016 in Tokyo starten. Auch dies wäre sicher ein lohnenswerter Aspekt für eine gute Leistung auf den Straßen der deutschen Hauptstadt.

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Paul Schmidt gewann den Marathon am 1. August in Rostock.  (c) Veranstalter

      Ergebnisse Marathon der Männer:

1. SCHMIDT Paul Fitness First 2:19:35
2. TAUTORAT Carsten TEAM City-Sport Rostock 2:48:24
3. LAENGER Uwe 1.FC UNION BERLIN 2:54:32
4. SCHWARK Ludwig Berlin 2:57:01
5. RONNEBERGER Jens Schwäbische Albläufer 3:05:37


Die (inoffiziellen, z.T. extrapolierten) Splits von Paul Schmidt:

 5 km 16:45
10 km 33:28 16:43
15 km 50:24 16:56
20 km 1:07:03 16:39
 HM 1:10:30
25 km 1:23:36 16:33
30 km 1:40:07 16:31
35 km 1:56:12 16:05
40 km 2:12:25 16:13
  Ziel 2:19:35  7:10

Deutsche Bestenliste – Marathon für das Jahr 2015  (Stand: 1.8.2015, Quelle: DLV)

1. Julian Flügel TSG 08 Roth 2:14:51 26.04. Hamburg
2. Marcel Bräutigam Rennsteiglaufverein 2:17:22 17.05. Kassel
3. Ybekal Daniel Berye PSV GW Kassel 2:17:40 17.05. Kassel
4. Simon Stützel TSG 08 Roth 2:17:51 18.01. Houston
5. Tobias Schreindl LG Passau 2:18:32 19.04. Linz
6. Dawit Kabede PSV GW Kassel 2:19:30 17.05. Kassel
7.* Paul Schmidt Fitness First/Dresden 2:19:35 01.08. Rostock
8. Frank Schauer Tangermünder Elbd. 2:19:46 26.04. Hamburg
9. Steffen Uliczka SG Kronshagen/Kiel 2:20:19 26.04. Hamburg
10. Benedikt Hoffmann TSG Heilbronn 2:22:31 19.04. Zürich

*) Kurs in Rostock ist ggfs. nicht zertifiziert für Bestenlisten.

Der Berlin-Marathon 2015 benennt das Elitefeld der Frauen: Cherono – Kebede – Hailu – Hahner

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Nachdem die Topstars bei den Männern beim Berlin Marathon am 27. September 2015 bereits einige Zeit bekannt sind,  wurde nun auch die ersten Namen der Spitzenläuferinnen öffentlich gemacht. Danach ist die Kenianerin Gladys Cherono die Läuferin mit der besten Vorleistung am Start. Cherono lief im Januar in Dubai ein großartiges Debüt. Zwar wurde sie dort in 2:20:03 knapp geschlagen Zweite, aber nur Paula Radcliffe war bei einem ersten Marathon jemals schneller. Erst im April steigerte sie sich in Instanbul im Halbmarathon auf hochklassige 1:06:38. Es besteht kein Zweifel, dass es in Berlin unter 2:20 Stunden gehen soll, die beste Zeit des Jahres hält immer noch seit Anfang Januar Mare Dibaba mit 2:19:52 (Xiamen).

In ähnliche Dimensionen wird auch Aberu Kebede laufen können, die in Berlin 2010 sowie 2012 gewann und dort auch ihre Bestzeit von 2:20:30 erzielte. Kebede hat eine beeindruckende Liste von Resultaten über die Marathondistanz, so lief sie im Januar in Dubai 2:21:17. Das ist fast die Bestzeit von Meseret Hailu (ETH) mit 2:21:09, die Hailu beim Sieg in Amsterdam 2012 erreichte.

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Aberu Kebede gewann im letzten Jahr den Frankfurt Marathon in 2:22:21.  (c) H. Winter

Somit werden diese drei Damen das Tempo dieses Jahr in Berlin vorgeben. Wenn der Veranstalter auf seiner Homepage „Anna Hahner gegen Ostafrika“ titelt, ist es erfreulich, dass die sympathische junge deutsche Läuferin sich der Weltelite stellt und sicher wieder ihr Bestes geben wird. Mehr ist aber sicher nicht drin. Schon auf den Unterdistanzen sind die drei Mitstreiterinnen so haushoch überlegen, dass sie von diesen in Berlin nach dem Startschuss nur kurze Zeit etwas sehen wird. Realistischerweise wird die gute Anna am Ende um die 8 Minuten hinter den Erstplatzierten liegen und ein eigenes Rennen gelaufen sein.

Schön – aber auch eigentlich schade. Einen Monat später hätte sie in Frankfurt sicher noch mehr im Fokus des Interesses gestanden und dann auch noch die Chance gehabt, deutsche Meisterin zu werden. Aber nicht nur in der Einschätzung von Anna ist ein solcher Titel heutzutage kaum noch etwas wert. Deshalb ist es aber um so erfreulicher, dass Arne Gabius ein anderen Weg gewählt hat.

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Gladys Cherono (ETH) wurde soeben bei ihrem Debüt um eine Sekunde von Mergia (ETH) beim Dubai Marathon im Januar 2015 geschlagen, bei den dortigen Preissummen eine recht „kostspielige Angelegenheit“. In Berlin könnte es bei ihrem zweiten Marathon schon anders aussehen.  (c) H. Winter

Maratona Caixa da Cidade do Rio de Janeiro (BRA) am 26. Juli 2015: Noch kein olympisches Niveau

rio-2915-logoZwar gab es heute beim Marathon in Rio de Janeiro durch den Kenianer Willy Kangogo Kimutai in 2:14:56 einen neuen Streckenrekord, aber internationale Qualität hat so eine Zeit noch nicht. Und bei den Olympischen Spielen in einem Jahr wird nicht nur der Sieger erheblich schneller laufen müssen. Dabei ist Kangogo mit einer Zeit von 2:11:34 vom Barcelona Marathon 2012 und einer kürzlichen Bestzeit im Halbmarathon im koreanischen Incheon von 1:02:28 sicher auch kein Topathlet, der auf dem zum Teil nicht einfach zu laufenden Kurs an den Stränden entlang für schnelle Zeiten sorgen könnte.Am Ende wurde es um den Sieg recht knapp, nur um eine Sekunde kontte er den Äthiopier Lemmawork Ketema hinter sich lassen. Danach folgten dann einheimische Läufer.

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Willy Kimutai (KEN) gewann den Marathon in Rio de Janeiro mit neuem Streckenrekord von 2:14:56.  (c) P. Azete

Bei den Frauen siegte die Kenianerin Caroline Komen in 2:38:19, die erst im Mai in Sao Paulo einen Marathon in 2:35:49 lief. Von deutscher Seite waren die Hahner-Twins dabei, die sich ein Jahr vor Olympia Rio noch einmal anschauen wollten. Anna wurde Zweite im Marathon nach 2:39:15 und Lisa lief nach langer Verletzungspause den Halbmarathon in 1:18:50, was aber nicht für das Podium reichte.

rio-2015-hahner-anna-33kmAnna Hahner nach 33 km am Strand der künftigen Olympiastadt beim Marathon in Rio de Janeiro. Mit Platz 2 und einer Zeit von 2:29:15 war das eine gute Vorbereitung auf einen Herbst-Marathon (Wo?). Den WM-Marathon im August in Beijing lässt sie aus, mit einem Start in Rio im Jahr 2016 dürfe das schon anders aussehen.   (c) hahnertwins

Ergebnisse „Maratona Caixa da Cidade do Rio de Janeiro“:

     Männer:

1 – Willy Kangogo Kimutai – KEN – 02:14:56 (CR)
2 – Lemawork Ketema – ETH – 02:14:57
3 – Edson Amaro – BRA – 02:16:52
4 – Giomar Pereira da Silva – BRA – 02:18:51
5 –  Eliezes de Jesus Santos – BRA – 02:22:04

     Frauen

1 – Caroline Chemutai Komen – KEN – 02:38:19
2 – Anna Hahner – GER – 02:39:15
3 – Graciete Moreira Carneiro – BRA – 02:41:49
4 – Nelly Jepkurui – KEN – 02:45:19
5 – Mirela Saturnino de Andrade – BRA – 02:45:34

Ergebnisse „Meia Maratona Caixa da Cidade do Rio de Janeiro“

Männer:

1 – Joseph Tiophil Panga – 01:04:07
2 – Elijah Kipkemei Kemboi – 01:04:10
3 – Edwin Kiprop Kibet – 01:004:17
4 – Saidi Juma Makula – 01:04:19
5 – Gilmar Silvestre Lopes – 01:04:46

Frauen:

1 – Joziane Cardoso da Silva  – 01:14:46
2 – Natalia Elisante Sulle –  01:14:48
3 – Sueli Pereira da Silva – 01:15:00
4 – Faluna Abdi Matanga – 01:15:11
5 – Rosangela Raimunda Faria  – 01:16:21

Media maratón de Bogota (Kolumbien) am 26. Juli 2015: Stanley Biwott gewinnt überlegen

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Stanley Biwott (KEN) gewann überlegen den Halbmarathon in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotan in 1:03:15. Bei der Bewertung der im internationalen Vergleich eher schwachen Zeit ist allerdings zu beachten, dass sich der Kurs auf 2600 m Seehöhe befindet und der Luftrdruck sowie vor allem das Sauerstoffangebot erheblich gegenüber dem Flachland reduziert ist. Nur so ist auch zu verstehen, dass die IAAF dieser Veranstaltung ein Golden Label zugestanden hat.

Das Rennen der Männer war ausgesprochen eintönig. Schon nach einem km war Biwott dem Feld enteilt und baute seinen Vorsprung kontinierlich aus, der nach 10 km in 31 Minuten schon 41 Sekunden betrug. Biwott, Vierter beim London Marathon im April und mit59:20 der schnellste Halbmarathonläufer der Saison, ließ damit Konkurrenten wie die 2:04-Marathonläufer Tadese Tola und Asefa Mekonnen hinter sich, die im Ziel alle mehr als 1 1/2 Minuten hinter dem Kenianer lagen und schon früh für sich allein liefen.

bogota-2015-biwott-kursStanley Biwott (KEN) lief in Bogota ein einsames Rennen.  (c) Veranstalter

Die einzige Abwechslung für Biwott war noch das Einholen der Frauen kurz nach 11 km, die mit sieben Minuten Vorsprung gestartet waren und mit 37:11 für die ersten 10 km das Rennen sehr langsam angegangen waren. Eigentlich hatte man durch die Zeitvorgabe bezweckt, dass beide Geschlechter zu ähnlichen Zeiten in Ziel kamen. Obwohl die Frauen im zweiten Teil das Tempo erheblich steigerten, war aber der erste Mann 3 1/2 Minuten eher im Ziel.

Biwott begründete seine Siegerzeit durch die Luftfeuchte, die böigen Winde, den schwierigen Kurs und die fehlenden Konkurrenz. Somit lag seine Zeit von 1:03:15 fast eine Minute hinter dem Kursrekord von Geoffrey Mutai mit 1:02:20 zurück. Tadese Tola (ETH) wurde in 1:04:49 Zweiter vor Kimutai Kiplimo (KEN) in 1:05:14.

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Im Gegensatz zu den Männern blieben die Frauen lange in einer Vierer- und dann Dreiergruppe zusammen. Am Ende war Amane Gonena (ganz links) vorne.  (c) Veranstalter

Im Gegensatz zu den Männern blieben die Frauen lange zusammen, was schon durch das „Fußgängertempo“ im ersten Teil begründet war. Nachdem Stanley Biwott die Frauengruppe erholte, wachten die Damen auf und zogen das Tempo spürbar an und drei Läuferinnen setzten sich ab. Eine gute Zeit war da aber nicht mehr zu erreichen. Es siegte die Ähiopierin Amane Gobena in 1:13:44 vor ihrer Landsfrau Shuru Demise in 1:13:47 und Susan Cherop (KEN) in 1:13:55. Auch die Frauen beklagten sich nach dem Rennen über die schweren Bedingungen.

 

Ergebnis Halbmarathon der Männer:

1. Stanley Biwott KEN 1:03:15
2. Tadesse Tola ETH 1:04:49
3. Kimutai Kiplimo KEN 1:05:14
4. Tsegaye Mekonnen ETH 1:05:58
5. Javier Guarín COL 1:06:08

 

  Ergebnis Halbmarathon der Frauen:

1. Amane Gobena ETH 1:13:44
2. Shure Demise ETH 1:13:47
3. Sharon Cherop KEN 1:13:55
4. Guteni Shone ETH 1:15:29
5. Janet Cherobon-Bwawcon USA 1:16:10

Manager Zane Branson unerwartet in Kenia verstorben

Traurige Nachrichten erreichten uns gestern aus Iten (Kenia), wo der bekannte Manager Zane Branson unerwartet an einem Herzinfarkt verstarb. Neben bekannten Läuferinnen und Läufern wie Emily und Wilson Chebet war Branson vor allem der Manager von Ex-Marathon-Weltrekordler Patrick Makau. Im Dezember 2014 war er zusammen mit Makau im südjapanischen Fukuoka, wo sein Schützling mit seinem Sieg den Wiedereinstieg in die Wettkampfszene nach längerer Verletzungspause vollzog. Im April war Makau dann auf Betreiben Bransons beim Boston-Marathon dabei. Das Konzept eines weniger prominent besetzten Rennens auf dem Weg zurück in die Weltspitze ging dort aber nicht auf, Makau musste schon früh wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Rennen gehen.

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Zane Branson zusammen mit seinem Schützling Patrick Makau (KEN) nach dessen Weltrekorden über 30 km und im Marathon beim Berlin Marathon 2011.  (c) Veranstalter

Mit Branson verliert der Laufsport eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die in allen Belangen hoch geschätzt wurde. Einen ausführlichen Nachruf findet  man auf der Blogseite „Globrunner“ von Pat Butcher.

24. City Nacht Berlin am 25. Juli 2015: Philipp Pflieger gewinnt über 10 km

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Bei recht windigen Bedingungen setzte sich der deutsche Spitzenläufer Philipp Pflieger aus Regensburg bei der 24. City Nacht in Berlin am Abend des 25. Juli 2015 in 29:39 gegen alle Konkurrenten durch. Um 20:30 Uhr wurde der Hauptlauf über 10 km gestartet, der über den östlichen Teil des Kurfürstendamm sowie der Kantstraße ausgetrage wurden und bei dem 4115 Läuferinnen und Läufer im Ziel registriert wurden. Hinter Pflieger belegte Henrik Them aus Dänemark Platz 2 in 29:44 ,und nur noch André Pollmächer aus Düsseldorf, der amtierende deutsche Meister über 10 km, blieb mit 29:47 auf Platz 3 unter der 30 Minuten-Marke.

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Philipp Pflieger gewann die 24. City Nacht auf dem Kurfürstendamm in Berlin über 10 km in 29:39 und bestätigte damit seine Zugehörigkeit zur deutschen Elite über diese Distanz.  (c) Camera4

Mit 30:16 meldete sich Robert Krebs vom SCC Berlin zurück und lief noch vor Marathonspezialist Falk Cierpinski (Spergau) in 30:35 ein. Der Berlin-Brandenburgische Meister über 5000 m und der Gewinner der 5. „Nacht im Grünauer Forst“ Paul Schmidt aus Dresden wurde in 30:40 Sechster.

Bei den Frauen gab es überraschend einen Sieg für die tschechische Skilangläuferin Eva Nabkova in 33:22, die damit vor allen Spezialistinnen lag. Somit auch vor der Zweitplatzierten und Siegerin des Wien-Marathons dieses Jahres Maja Neuenschwander (SUI), die in 34:46 Zweite wurde.

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Abendliche Stimmung beim Schlusspart auf dem Kudamm.  (c) Camera4

 

Ergebnis 10 km-Lauf – Männer:

1. Pflieger Philipp Regensburg 00:29:39
2. Them Henrik Dänemark 00:29:44
3. Pollmächer Andre Rhein-Marathon Düsseldorf 00:29:47
4. Krebs Robert SCC Berlin 00:30:16
5. Cierpinski Falk LG Spergau 00:30:35
6. Schmidt Paul Fitness First 00:30:40
7. Schulze Marc SCC Berlin 00:30:42
8. Heitmann Ulrik  Dänemark 00:30:43
9. Harwardt Valentin VfL Wolfsburg 00:30:48
10. Hendtke Stefan SC Potsdam 00:30:55

Diamond League Meeting London am 24. Juli 2015: Usain Bolt und Mo Farah zeigen WM-Form

IAAF_DiamondLeagueZwei der Topstars der Szene haben am ersten Tag (Abend) beim Diamond League in London am 24. Juli gezeigt, dass mit Ihnen bei der WM in Beijing Ende August hinsichtlich einer Titelverteidigung zu rechnen ist.

Zunächst machte Superstar Usain Bolt (JAM) klar, dass er mit einer Jahresbestzeit von 10,12 Sekunden nicht nach Bejing kommen wird. Obwohl die Bedingungen in der britischen Hauptstadt durch starken Regen bis zum Beginn der Veranstaltung im Olympiastadion keineswegs optimal waren, gewann Bolt den Vor- und Endlauf in jeweils sehr guten 9,87 bei nasser Bahn und Gegenwind. Die Kontrahenten bei der WM sind gewarnt. So einfach, wie sich das bsiher andeutete, wird der Sieg über den Megastar der Leichtathletik nicht werden.

Gleichfalls eindrucksvoll verlief die Vorstellung von Doppel-Weltmeister und -Olympiasieger Mo Farah (GBR) auf der Unterdistanz von 3000 m. Was sich schon bei den Rennen in der bisherigen Saison andeutete, wurde in London Gewissheit. Mo kann nur durch einen Tempolauf am absoluten Limit in Bedrängnis gebracht werden. Ob das dann reicht, ist allerdings auch die Frage.

In London war das Rennen nicht extrem schnell, obwohl seine Siegerzeit von 7:34,66 die beste Zeit des Jahres bedeutete. Eigentlich wollte man schneller laufen, aber das Tempo der beiden Schrittmacher wurde nicht angenommen, so dass man nach 1000 m in 2:32,48 für die Hasen (Farah, etc. etwa in 2:35) bereits hinter der Marschtabelle von 2:30 deutlich zurücklag. Spätestens auf den nächsten Runden war klar, dass es auch diesmal wieder keine Topzeit geben würde. Nach einem km in 2:35,26 wurden die 2000 m nach 5:07,74 passiert.

Farah ging nun nach vorne und erhöhte mit Runden von 61,39 und 60,91 das Tempo, wobei er noch einmal auf der Gegengeraden vom Kenianer Kipsang überholt wurde. Dann zog Farah aber unwiderstehlich davon und siegte nach einer 55,34-Schlussrunde in akzeptablen 7:34,66. Auch der letzte km in 2:26,42 war durchaus beachtlich und im Regime eines Weltrekordtempos. Am Ende konnte ihm keiner der Kontrahenten auch nur in Ansätzen folgen. Mo ist bereit für die WM und wird bis dahin keinen Wettkampf mehr bestreiten. Aktuell ist kaum vorstellbar, dass ihn die ostafrikanische Konkurrenz bei seinen Titelverteidigungen ernsthaft in Gefahr bringen könnte.

vlcsnap-2015-07-24-23h06m32s198Mo Farah in Bolt-Pose beim Diamond League Sportfest in London.  (c) BBC2

    Das Ergebnis der 5000 m der Männer (Erstplatzierten):

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Halbmarathon in Bogota (COL) am 26. Juli 2015: Weltklasse auf 2640 m Seehöhe

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Der Hochsommer bietet selten günstige Bedingungen für einen Marathon oder auch die halbe Distanz, es sei den man weicht auf die südliche Hemisphäre aus oder begibt sich in die Höhe. Vor allem der letzte Aspekt trifft für den „media maratón de Bogotá“ zu, der am kommenden Sonntag in der kolumbianischen Hauptstadt über die Bühne geht. Und obowhl die Luft in über 2 1/2 km Seehöhe schon recht dünn für Höchstleistungen über längere Laufdistanzen ist, hat es die Veranstaltung in Bogota in den letzten Jahren geschafft, die Auszeichnung eines „Golden Labels“ der IAAF zu erhalten. Wasimmer auch die (wirklichen) Kriterien einer solchen Auszeichnung sein mögen, in Südamerika gibt es nur zwei „goldene“ Events.

Dass die Veranstalter allerdings immer wieder ein Feld von Eliteathleten  zusammen bringen, dass dem hohen Standard genügt, steht auch 2015 außer Frage. Der Topstar bei den Frauen ist Berhane Dibaba (ETH), die nichts mit den Dibaba-Schwestern zu tun hat und die im Februar den  Tokyo-Marathon in 2:23:15 gewann. Dibaba ist vom äthiopischen Verband für den Marathon bei der WM im August in Beijing (vor-)nominiert.

Nur wenig langsamer als Dibaba war mit 2:23:30 ihre Landsfrau Amane Gobena, die mit dieser Zeit Zeit beim diesjährigen Paris-Marathon im April Zweite wurde. Ferner hat Susan Cherop (KEN) gute Aussichten auf den Sieg, die 2012 den Boston-Marathon gewann und eine Bestzeit im Halbmarathon von 1:07:08 aufweist. Und soeben wurde auch noch die Siegerin des Paris-Marathons 2015, Meseret Mengistu (ETH, PB 2:23:26) in die Startliste aufgenommen.

tokyo-2015-dibaba-vor-zielBerhane Dibaba ist einer der Topstars beim Halbmarathon in Bogota.  (c) H. Winter

Auch das Feld der Männer ist stark besetzt. Hier sind vor allem der Äthiopier Tadese Tola, der 2013 in Dubai 2:04:49 lief, sowie Stanley Biwott zu nennen, der beim London Marathon 2014  2:04:55 lief und im Halbmarathon 2013 seine Bestmarke in Ras Al Khaimah auf 58:56 schraubte. In diesem Jahr ist er nach wie vor mit seiner Siegeszeit vom City-Pier-City Loop in den Haag in 59:20 der schnellste Halbmarathonläufer der Saison 2015. Ferner zu nennen sind Kiplimo Kimutai (KEN), der nach zweiten Plätzen in Bogota in den letzten Jahren dort endlich gewinnen will, und Samsom Gebreyohannes (ERI) mit einer Bestzeit von 60:13, womit er bei der HM-WM 2014 in Copenhagen Achter wurde.

Angesichts der große Höhe sind die Streckenrekorde recht beachtlich, 2011 lief Geoffrey Mutai (KEN) 1:02:30 und bereits 2003 schaffte Susan Chepkemei (KEN) 1:10:29.

bogota-2015-kursDer Kurs durch die Innenstadt Bogotas. Halbmarathon = violette Kurve.  (c) Veranstalter

Diamond League Meeting in Monaco am 17. Juli 2015: Dibaba läuft Weltrekord über 1500 m

IAAF_DiamondLeagueMit 3:50,07 lief Genzebe Dibaba beim Diamond League Meeting in Monaco am 17. Juli 2015 einen neuen Weltrekord über 1500 m und eliminierte damit eine der Fabelmarken chinesischer Athletinnen aus den 1990er-Jahren. Bereits eine Stunde zuvor hätte der Kenianer Asbel Kiprop mit 2:26,69 fast einen zweiten Weltrekord aufgestellt, wobei er hinter der Bestmarke von El Guerrouj (3:26,00) und den 3:26,34 von Bernard Lagat nun drittschnellster Läufer ist und die fünftschnellste Zeit in der Geschichte lief. Auch die Breite mit 6 Läufern unter 3:30 Minuten war herausragend. Nach einer ersten Runde in schnellen 53,72 (mit 55er-Runden läuft man 3:26,25) passierte man die 800 m nach 1:50,37, die zweite Runde war mit 56:65 etwas zu langsam und kostete am Ende den Weltrekord. Daran konnte auch eine letzte Runden in 54,76 nichts mehr ändern. Vier Läufer unter 3:29 und sechs unter 3:30 waren auch in der Breite ein tolles Resultat.

Aber noch besser an diesem Abend war die jüngste Dibaba Schwester Genzebe, die erst vor Wochenfrist in 3:54,11 andeutete, in welcher Form sie sich aktuell befindet. In Monaco ging es bei guten Bedingungen für die Mittelstrecken gleich nach dem Start zur Sache, neben Dibaba konnte nur noch die eingebürgerte Niederländerin Sifan Hassan das Tempo  der Schrittmacherin mitgehen. Die ersten 400 m in 60,31 waren nahezu perfekt (3:50 auf 1500 m sind 61,33 pro Runde), doch dann wurde die Fahrt zusehends langsamer. Bei 800 m in 2:04,52 – also einer Runde in nur 64,21 – war das Unternehmen Weltrekord (Qu 3:50,46) eigentlich erledigt, denn die Marge von 5 Sekunden auf ein Tempo mit 60 Minuten pro Runde war schon so gut wie aufgebraucht.

Doch nach dem Ausstieg der Tempomacherin Chanelle Price bei 800 m legte Dibaba los, bis eingangs der letzten Runde konnte Hassan ihr noch folgen. 1000 m wurde nach 2:36,1 passiert, 1200 m in 3:04,62, d.h. die 400 m nach 1200 m in 60,1. Der Vorsprung zu Hassan wuchs nun zusehends an, Dibaba lief die letzte Runde in 59,78 und überquerte die Ziellinie nach 3:50,07. Neuer Weltrekord!

Und auch dahinter purzelten die Bestmarken. Hassan lief in 2:56,06 niederländischen Rekord, Shannon Rowbury in 2:56,29 US-Rekord. Sechs Läuferinnen unterboten die 4 Minuten-Schallmauer.

Dibaba will nun auch noch den 5000 m Weltrekord ihrer Schwester und jungen Mutter Tirunesh nach der WM in Beijing in ihren Besitz bringen. Das Potential dazu hat die äthiopische Ausnahmeläuferin allemal.

dl-monaco-dibabaGenzebe Dibaba holt einen weiteren Weltrekord in die legendäre Dibaba-Familie. Diesmal sind die 1500 m im Freien an der Reihe: 3:50,07. Großartig!  (c) Eurosport 2

 

Ergebnis 1500 m der Frauen:

1. DIBABA Genzebe ETH 3:50.07  WR
2. HASSAN Sifan NED 3:56.05  NR
3.
ROWBURY Shannon
USA 3:56.29  NR
4.
SIMPSON Jenny
USA 3:57.30
5. MUIR Laura GBR 3:58.66  PB
6. KOSTER Maureen NED 3:59.79  PB
7. SADO Basu ETH 4:00.65  PB
8. SHCHAGINA Anna RUS 4:01.46  PB
9. ENNAOUI Sofia POL 4:04.26  PB
10. MOSER Treniere USA 4:04.55

 

Die Splits von Dibaba (z.T. inoffiziell):

300 m 44,6 letzte 400 m
400 m 1:00,31 60,31
500 m 1:16,3
700 m 1:48,1 63,5
800 m 2:04.52 64,21
1000 m 2:36,1
1100 m 2:50,29 62,2
1200 m 3:04,62 60,10
1400 m 3:35,0 58,9
1500 m 3:50,07 59,78

 

Diamond League Meeting Lausanne (9. Juli 2015): Mo Farah bleibt der Chef im Ring

IAAF_DiamondLeagueDer Brite Mo Farah bleibt auf den Bahnlangstrecken das Maß der Dinge. Ohne größere Probleme gewann der Weltmeister und Olympiasieger die 5000 m beim Diamond League Meeting im schweizerischen Lausanne am 9. Juli 2015. Dabei hatte der Lauf insofern noch eine besondere Bedeutung, als der äthiopische Verband die WM-Ausscheidung für diesen Lauf angesetzt hatte.

Dass dies aber nicht unbedingt ein Vorteil in Richtung schneller war, zeigte sich schon kurz nach dem Startschuss. Keiner der Eliteläufer war willens dem hohen Tempo der beiden Schrittmacher zu folgen, die weit vor der Meute liefen. Dabei war schon der Split für die ersten 1000 m mit 2:37,84 nicht übermäßig schnell. Und das änderte sich auch nicht auf dem zweiten km, den die Tempomacher nach 5:16,29 passierten (letzter km 2:38,45), Farah und der Rest lagen dort 6 Sekunden zurück und damit auch Kurs von 13:25; für ein Feld dieser Klasse eine fast indiskutable Zeit.

Dann gingen die Tempomacher heraus, die nächsten Splits waren für 3000 m 8:02,66 (letzter km 2:46,37) und für 4000 m 10:42,03 (letzter km 2:39,37). Erst dann wurde das Rennen schnell. Zwischenzeitlich war bei einer Rempelei einer die äthiopischen Topläufer Alamirew gestürzt und bracht sich so um einen WM-Start. Erwartungsgemäß war der erst 17jährige Riese Yomif Kejelcha, der schnellste Läufer über 5000 m bisher in dieser Saison (12:58,39 – Rom), ärgster Widersacher für Mo.

Die Beiden setzten sich eingangs der letzten Runde schnell vom Rest des Feldes ab, wobei Farah 200 m vor dem Ziel von Kejelcha überspurtet wurde. Doch nach der letzten Kurve kämpfte sich Mo wieder an den Youngster heran und paasierte ihn in seiner unnachahmlichen Art auf der Schlußgeraden in 13:11,77. 54,44 brauchte er für die letzten 400 m, 2:29,74 für die letzten 1000 m. Kejelcha wird sicher für Äthiopien bei der WM starten, seine Zeit als Zweiter in Lausanne 13:12:59.

Damit beseitigte Mo Farah alle Zweifel an seiner aktuellen Form, die nach dem Zirkus und der Gerüchteküche um das Nike Oregon Project von Trainer Alberto Salazar beeinträchtigt schien. Solange die ostafrikanische Konkurrenz nicht einen taktischen Tempolauf am absoluten Limit inszeniert, können Sie Mo Farah den Sieg auch gleich schenken. Man darf auf die WM in Beijing gespannt sein, wo Äthiopien durch Kejelcha, Haji und Edris vertreten werden dürfte.

Aber die Zeiten der schnellen Rennen auf der Bahn von Tergat, Haile, Bekele, etc., die scheinen aktuell der Vergangenheit anzugehören. Gerade einmal fünf Athleten liefen in dieser Saison bisher (knapp) unter 13 Minuten. Z.B. im Jahr 1999 standen noch 21 sub13er-Zeiten in der Bestenliste.

dl-lausanne-2015-farahMo Farah war auch in Lausanne von der ostafrikanischen Konkurrenz nicht zu besiegen.  (c) SRF2

  Das Ergebnis 5000 m der Männer:

dl-lausanne-2015-5000m-result


Die Splits des führenden Läufers:

1000 m   2:37,84 P
2000 m   5:16,29 P  2:38,45
3000 m   8:02,66  2:46,37
4000 m  10:42,03  2:39,37
5000 m  13:11,77  2:29,74

 

Meeting in Barcelona: Schon wieder Dibaba – Afrika-Rekord mit 3:54,11 über 1500 m

barcelona-2015-logoDie Äthiopierin Genzebe Dibaba sorgt nach wie vor für Schlagzeilen auf den Mittel- und Langstrecken. Nur vier Tage nach ihrem Sieg über 5000 m beim Diamond League Meeting in Paris war sie schon wieder über 1500 m beim Meeting in der katalanischen Metropole Barcelona am Start und produzierte die nächste Ausnahmeleistung. Mit dem neuen Afrika-Rekord von 3:54,11 deklassierte sie den Rest des Feldes um über eine 1/4 Minute und lief damit die schnellste Zeit über diese Distanz seit dem Jahr 1997.

Weiterhin bemerkenswert war die Leistung von Ayanleh Souleiman (DJI), der über 800 m in 1:43,08 eine neue Jahres-Weltbestleistung schaffte.

Unterstützt von der Tempomacherin Santiusty (CUB) setzte sich Dibaba sofort vom Feld ab und hatte nach 300 m in 45 Sekunden bereits einen riesigen Vorspung und passierte in schnellen 61 Sekunden die 400 m. Nach 700 m in 1:49 lief sie schon allein und passiert die 800 m nach einer 64er-Runde in 2:05. Der Split für die 1000 m war 2:39 und eingangs der letzten Runde (1100 m) zeigten die Uhren 2:53. Die dritte Runde schloss sie bei 1200 m mit 63 Sekunden in 3:08 ab und erreichte das Ziel in 3:54,11. Die letzten Runde legte sie wie die erste in 61 Sekunden zurück.

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Genzebe Dibaba lief auch am Mittwoch in Barcelona über 1500 m wieder eine großartige Zeit.  (c) Veranstalter

Mit dieser Zeit liegt Dibaba zwar nur auf Platz 9 der ewigen Bestenliste, aber die Zeiten vor ihr wurden in einer „anderen Ära“ erzielt, wobei vor allem die Leistungen der 6 Chinesinnen vor ihr mehr als fragwürdig erscheinen.

Die schnellsten Zeiten über 1500 m der Frauen:

1. 3:50.46 Qu Yunxia CHN Beijing 11.09.1993
2. 3:50.98 Jiang Bo CHN Shanghai 18.10.1997
3. 3:51.34 Lang Yinglai CHN Shanghai 18.10.1997
4. 3:51.92 Wang Junxia CHN Beijing 11.09.1993
5. 3:52.47 Tatyana Kazankina RUS Zürich 13.08.1980
6. 3:53.91 Yin Lili CHN Shanghai 18.10.1997
7. 3:53.96 Paula Ivan ROM Seoul 01.10.1988
8. 3:53.97 Lan Lixin CHN Shanghai 18.10.1997
9. 3:54.11 Genzebe Dibaba ETH Barcelona 08.07.2015
10. 3:54.23 Olga Dvirna RUS Kiew 27.07.1982