5. „Nacht im Grünauer Forst“ am 30. Mai 2015: Ein gelungenes Jubiläum

laufkegel

Paul Schmidt wird Berlin Brandenburgischer Meister über 5000 m und läuft gut zwei Stunden später großartige Streckenrekorde im Grünauer Forst – Rekordzahl an Anmeldungen und Finishern – 1000 Euro für die „Kenyan Kids Foundation“

Nun ist die 5. Ausgabe der „Nacht im Grünauer Forst“ am 30. Mai 2015 schon wieder Geschichte, und man kann auf eine Veranstaltung der Rekorde zurückblicken. Allein die Zahl von 550 Anmeldungen brachte die Veranstaltung in neue Dimensionen des Zuspruchs, aber auch so langsam an die Kapazitätsgrenzen. Während über die 5 km und 10 km durchaus noch einige Teilnehmer mehr an den Start gehen könnten, ist man durch den großen Zulauf bei der „Grünauer Meile“ am Limit.

Den Startschuss und die Siegerehrungen nahm die Berliner Lauflegende Bernd „Hübi“ Hübner vor, der zusammen mit seiner Frau Monika in den Grünauer Forst gekommen war. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, welches hohe Ansehen Bernd in der Läuferszene hat. Auch für ihn gab es ein Wiedersehen mit Strategen aus alten Wettkampfzeiten, so z.B. mit Günter Hallas, dem Sieger des ersten Berlin Marathons 1974, der die Altersklasse M70 in beachtlichen 25:37 gewann, oder Heiko Schilff, der vor kurzem den FU-Campuslauf initiierte.In diesem Zusammenhang sind auch Thomas Bodora, Marek Neumann und der Topläufer der letzten Jahre, Jonas Engler, zu erwähnen, die geschlossen vor Ort waren und damit an allen fünf Auflagen der Nacht teilgenommen haben.

nacht-2014-start-meileDer Start zur Meile mit über 350 Teilnehmern war einer der Höhepunkte der Veranstaltung.  (c) Malin Winter

Der Teamwettbewerb der Grundschulklassen hat sich voll etabliert, über 350 Starter fanden sich allein bei der Meile an der Startlinie ein. Und von der sportlichen Seite her stellte die 5. Ausgabe des Laufs in der Tat alles in den Schatten. Bei bestem Wetter (die langfristigen Wettervorhersagen hätte man auch durch Würfeln erstellen können …) gab es im Teamwettbewerb ein spannendes und enges Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten für die Preissummen von 150 Euro, 100 Euro und 50 Euro.

Sage und schreibe 50 Teilnehmer (im Ziel!) musste man aktivieren, um auf das Podium zu kommen. Am Ende waren das auf Platz 1 (150 Euro) die Klasse 6a des Humboldt-Gymnasiums Eichwalde mit 58 Teilnehmern vor den Gästen aus Erkner mit der Klasse Flex C von der Löcknitz-Schule, die 54 Teilnehmer ins Ziel brachten und 100 Euro für die Klassenkasse bekommen. Platz 3 (50 Euro) geht nach Schmöckwitz an die Inselschule und die Klasse 4a mit 50 Finishern.

Hier die Auflistung der Top Ten bei der Teamwertung:

1. Humboldt Gymnasium Eichwalde 6a 58
2. Löcknitz Schule Erkner Flex C 54
3. Inselschule Berlin-Schmöckwitz 4a 50
4. Inselschule Berlin-Schmöckwitz 1a 34
5. Humboldt Grundschule Eichwalde 1a 30
6. Inselschule Berlin-Schmöckwitz 2b 29
7. Humboldt Grundschule Eichwalde 4a 27
8. Grundschule Schulzendorf 5a 26
9. Humboldt Grundschule Eichwalde 2c 25
10. Humboldt Grundschule Eichwalde 5b 12

Ein wichtiger Aspekt dieser Veranstaltung war das Sammeln von Spenden für die „Kenyan Kids Foundation“ des Marathonläufers Wesley Korir. Zusammen mit einer großzügigen Spende von Horst Milde lagen am Ende 1000 Euro in den Spendenboxen, ein großartiges Resultat für die Kinder Kenias. Allen ganz herzlichen Dank für das große Spenderherz!

Sportlich war die Nacht so gut wie noch nie. Fünf Streckenrekorde waren die reichliche Ausbeute. Den Reigen eröffnet über die Meile Leo Wasserkampf aus Schmöckwitz, der die Bestmarke über die Meile um 6 Sekunden auf 5:52 steigerte. Bei den Frauen siegte Karsta Parsiegla (SCC Berlin) in 39:51, wobei sie den Streckenrekord in Grünau um über eine volle Minute verbesserte.Schon im ersten Lauf des Abends war über 500 m Sinikka Froese aus Eichwalde 2:05 gelaufen, womit die Bestmarke aus dem Vorjahr um 3 Sekunden unterboten wurde.

Das leistungssportliche Highlight produzierte diesmal allerdings Paul Schmidt aus Dresden, der den Kursrekord auf der exakt vermessenen 10 km-Stecke bei den Männern auf schier unglaubliche 30:43 steigerte. Das geht schon in die Dimensionen der deutschen Elite, zu der Paul mittlerweile sicherlich gehört (seine Leistung – fast beim „Auslaufen“ vollbracht – entspricht Platz 22 der aktuellen deutschen Jahresbestenliste !). Was diese Leistung noch erstaunlicher macht, ist die Tatsache, dass Paul erst um 15:30 Uhr am gleichen Tag im Stadion Lichterfelde an den Start der Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften über 5000 m ging und dort überlegen den Lauf in 14:43,23 gewann. Gut 2 Stunden später war er dann im Grünauer Forst aktiv und lieferte nochmals eine Ausnahmeleistung ab.

nacht2015-10km-schmidtPaul Schmidt aus Dresden sorgte für das leistungssportliche Highlight in diesem Jahr.  (c) Madita Schulz

Fast noch hochwertiger war seine Durchgangszeit nach der Hälfte der Strecke, d.h. bei der Wende zur zweiten Runde, die Paul nach großartigen 15:07 passierte, Damit hatte er ganz nebenbei den Streckenrekord über 5 km von Daniel Naumann von 16:14 aus dem Vorjahr erheblich gesteigert. Gratulation und vielen Dank fürs Kommen, Paul!

Die nächste Ausgabe dieses Laufs ist für Ende Mai 2016 geplant. Die Organisatoren danken herzlich den Sponsoren „Flughafen Berlin Brandenburg BER“, den „Lichtenauer Mineralquellen“, dem Laufmagazin „RUNNING“, dem „ABC-Zentrum Berlin“ sowie der Forstbehörde Berlin-Schmöckwitz und dem Ruderklub „Rotation“ für ihre Unterstützung.

Hier die Listen der Erstplatzierten (CR = Streckenrekord):

500 m – Lauf
1. Sinikka Froese Eichwalde 2:04,3 CR
2. Kine Maurer Schmöckwitz 2:08,6
3. Magnus Schubert Karolinenhof 2:11,8

„Grünauer Meile“
1. Leo Wasserkampf Schmöckwitz 5:52,0 CR
2. Mohamed Azez Erkner 6:19,0
3. Khadar Mohamed Daud Erkner 6:20,9

5 km – Lauf (Männer)
1. Omar Ahmed Mohamud Erkner 17:51,0
2. Heiko Schilff SCC Berlin 19:09,4
3. Marco Nix Friedrichshagen 20:16,5
AK Paul Schmidt Fitness first 15:07* CR

5 km – Lauf (Frauen)
1. Lisa-Marie Ahlswede Eichwalde 23:09,8
2. Paulina Pick PSV Olympia Berlin 23:27,2
3. Raika Zivkovic LT Bernd Hübner 23:38,2

10 km – Lauf (Männer)
1. Paul Schmidt Fitness first 30:43,0 CR
2. Jonas Engler LG Süd Berlin 35:51,8
3. Marek Neumann Runnig Twins 35:53,6

10 km – Lauf (Frauen)
1. Karsta Parsiegla SCC Berlin 39:50,5 CR
2. Benedetta Broggi Berlin 45:14,4
3. Britta Krautzig die-lauf-abc-ler 48:18,7

Golden Gala Rom 2015: Hohe Leistungsdichte aber keine Topzeiten über 5000 m

golden-gala-rom

In einem schnellen 5000 m Rennen der Männer bei der Golden Gala in Rom im Rahmen der Diamond League Sportfeste blieben 5 Läufer (knapp) unter 13 Minuten, drei weitere Athleten blieben nur ganz knapp darüber. Das ist eine bemerkenswerte Leistungsdichte, aber die absoluten Topzeiten fehlten in letzter Zeit, nicht nur in Rom.

In einem flotten Finale setzte sich der Äthiopier Yomif Kejelcha knapp in 12:58.39 durch. Der gute Mann (Junge) ist erst 17 (?) Jahre alt und lief die letzte Runde in 54,55. Die deutsche Nachwuchshoffnung Richard Ringer wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. In der Weltklasse kann er momentan noch nicht mitmischen, dazu sind 13:48.18 durchaus beachtlich, aber bei weitem nicht ausreichend.

Die Ergebnisse über 5000 m der Männer:

1 Yomif Kejelcha ETH ETH 12:58.39
2 Paul Kipngetich Tanui KEN KEN 12:58.69
3 Hagos Gebrhiwet ETH ETH 12:58.69
4 Imane Merga ETH ETH 12:59.04
5 Thomas Pkemei Longosiwa KEN KEN 12:59.78
6 Muktar Edris ETH ETH 13:00.30
7 Ali Kaya TUR TUR 13:00.31
8 Dejen Gebremeskel ETH ETH 13:00.49
9 Illias Fifa MAR MAR 13:05.61
10 Isiah Kiplangat Koech KEN KEN 13:07.33
11 Aweke Ayalew BRN BRN 13:19.80
12 Yenew Alamirew ETH ETH 13:22.45
13 Jesús España ESP ESP 13:22.92
14 Antonio Abadía ESP ESP 13:28.35
15 Richard Ringer GER GER 13:48.15
16 Sindre Buraas NOR NOR 13:55.49
Yasin Haji ETH ETH DNF
Lawi Lalang KEN KEN DNF
Ismael Kipngetich Kombich KEN KEN DNF
Geoffrey Kibet Barusei KEN KEN DNF

 

Berichte der BBC: Hat die Alberto Salazar Truppe nachgeholfen?

salazar-rupp-moErfolgstrainer Alberto Salazar mit seinen Topstars Galen Rupp und Mo Farah.  (c) AFP

Das Thema „Doping“ in der Laufszene sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Ob die in deftiger Selbstinszenierung präsentierten Stories des selbst ernannten ARD-Dopingexperten (wie wird man dies?) Hajo Seppelt im Sumpf post-sowjetischer Praktiken zur Leistungssteigerung oder die aktuellen Berichte der BBC über Vorkommnisse in der Trainingsgruppe des Ausnahmetrainers Aberto Salazar, immer öfter gerät der Laufsport zur Zeit in die Schlagzeilen.

Was an den Enthüllungen der Truppe aus Oregon dran ist, muss sich noch zeigen. Aktuell gebietet die Fairness, auch die Beschuldigten zu Wort kommen zu lassen. Deshalb folgen hier die Meinungsäußerungen der Beschuldigten. Dabei lässt die BBC den Superstar der Szene Mo Farah (noch?) außen vor, der sich ja auch im gleichen Stall seinen Feinschliff holt.

Hoffen wir im Sinne der Laufbewegung, dass die Enthüllungen grundlos sind und uns ein „Fall Armstrong“ erspart bleibt.

Salazar’s Statement:

„I believe in a clean sport and hard work, and so do my athletes.  Apparently that is not interesting enough for some.  I am very disappointed that the BBC and ProPublica and their ‚reporters‘ have allowed themselves to be used by individuals with agendas and have engaged in such inaccurate and unfounded journalism.  Rather than present the facts, they opted for sensationalism and innuendo.  It is particularly sad that they have attacked Galen and his excellent reputation, which he has earned through years of hard work.“

Rupp’s Statement:

„I am very disappointed in the BBC and ProPublica.  I am dedicated to clean sport and have worked extemely hard for every accomplishment in my running career. I expressly told these reporters that these allegations were not true and their sources admit they have no evidence, yet they print „suspicions“ attacking me and sullying my reputation. That is inexcusable, irresponsible journalism.“

Prefontaine Classics 2015: Mo Farah gewinnt und Arne Gabius rennt 27:43.93

prefontaine-2015-logo

Die 10000 m auf der Bahn gehören zu jener Disziplin der Leichtathletik, die sich in den letzten Jahren zunehmend im Abstieg befindet. In Europa sind die hochklassigen Rennen früherer Zeiten weitgehend aus den Terminplänen der größeren Event verschwunden. Deshalb war der Lauf in Eugene (Oregon, USA) von großer Bedeutung und entsprechend hochklassig besetzt. Von deutscher Seite war interessant, dass Arne Gabius noch kurzfristig gemeldet hatte und die Norm für die WM in Beijing (27:45) erzielen wollte, die wegen des unmittelbaren Endkampfcharakters der 10000 m bei der WM recht schnell festgelegt wurde.

Von Anfang an wurde an der Spitze auf eine schnelle Zeit gelaufen, insb. Mo Farah hatte augenscheinlich Interesse seinen Hausrekord zu steigern. In diesem Sinne waren die ersten drei km in 2:38, 2:39 und 2:40 genau richtig. Dann wurde es langsamer und Mo ging an die Spitze, um den Tempomacher zu motivieren, schenller zu werden. Mit 13:21 bei 5 km war man nur geringfügig hinter der Marschtabelle. Gabius war hier schon mit gut 100 m weit zurückgefallen.

An der Spitze agierte nun eine Vierergruppe: Mo Farah (GBR), Paul Tanui, Geoffrey Kamworor udn Geoffrey Kirui (GBR), die nun sub-2:40 Splits für die km-Abschnitte nicht mehr halten konnte. 2:42, 2:43, 2:38 waren die km-Splits nach 8 km, eine dreiköpige Gruppe aus Tanui, Mo und Kamworor setzte sich immer deutlicher ab und kämpfe um den Sieg. Mit 24:17 bei 9 km war klar, dass es die erhoffte schnelle Zeit an jenem Abend nicht mehr geben würde. Mit einem Schlußkilometer von 2:33 und einer letzten Runde von 56 Sekunden war der Sieg hart umfochten, aber auf der Schlußgeraden war Mo wieder einmal nicht zu schlagen und gewann in 26:50.97. Eine gute Zeit, aber keine Bestleistung. Auch Tanui und Kamworor blieben mit 26:51.86 sowie 26:52.65 unter der 27 Minuten-Grenze. Am Ende liefen alle der 19 Finisher unter 28 Minuten.

eugene-2015-mo-farahMo Farah gewann mit 26:50.97 in Eugene den 10000 m der Prefontaine Classic.  Foto: Veranstalter

Arne Gabius konnte das hohe Tempo an der Spitze nicht mitgehen und lag schon bald im hinteren Teil des Feldes. Trotzdem langte es für eine gute Zeit. 27:43,93 bedeuten neue Bestzeit und das Ticket für den Endlauf bei der WM in Beijing. Fast unbemerkt während des Kampfs um den Sieg auf der letzten Stadionrunde blieb die Leistung des Kanadiers Cameron Levins, der alle Läufer hinter dem Spitzentrio einsammelte und mit Landesrekord von 27:07.51 Vierter des Laufs wurde.

Ergebnis des 10000 m Lauf (Männer):

 1. Farah , Mohamed                  GBR   26:50.97
 2. Tanui , Paul Kipngetich          KEN   26:51.86
 3. Kamworor , Geoffrey Kipsang      KEN   26:52.65
 4. Levins , Cameron                 CAN   27:07.51
 5. Kirui , Geoffrey Kipkorir        KEN   27:17.91
 6. Bett , Emmanuel Kipkemei         KEN   27:22.34
 7. Elabbassi , El Hassan            BRN   27:25.02
 8. Cheptegei , Joshua Kiprui        UGA   27:27.57
 9. Estrada , Diego                  USA   27:30.53
10. Mbishei , Titus Kipjumba         KEN   27:31.48
11. Mead , Hassan                    USA   27:33.04
12. Toroitich , Timothy              UGA   27:39.71
13. Kipkoech , Josphat Bett          KEN   27:40.20
14. Mokoka , Stephen                 RSA   27:43.73
15. Gabius , Arne                    GER   27:43.93
16. Osako , Suguru                   JPN   27:45.24
17. El Goumri , Othmane              MAR   27:46.34
18. Robertson , Zane                 NZL   27:46.82
19. Yator , Vincent Kipsegechi       KEN   27:56.95
    Amlosom , Nguse                  ERI         DQ
    Acosta , Andrew J.               USA        DNF
    Emanuel , Lee                    GBR        DNF
    Kifle , Goitom                   ERI        DNF
    Kipkemoi , Kenneth Kiprop        KEN        DNF
    Korio , Alex Oloitiptip          KEN        DNF
    Medhin , Teklemariam             ERI        DNF
    Shrader  , Brian                 USA        DNF

ASICS Stockholm Marathon: Die Posse ums Preisgeld

logo-stockholm-2015

Keine Frage, der Stockholm Marathon hat einen wunderschönen Kurs und der Einlauf ins ehrwürdige Olympia-Stadion ist schon etwas besonders. Das meinen jedes Jahr immer wieder über 20000 Teilnehmer, die auch am kommenden Samstag (30.5.2015) an den Start gehen werden.

Im leistungssportlichen Bereich sieht das schon anders aus, da gehört der Lauf von den Zeiten her zu den Schlusslichtern der internationalen Szene. Mit einem Kursrekord von 2:11:37 (aus dem Jahr 1983!) kann man heutzutage kaum noch Staat machen. Und auch eine Armada (meistens zweitklassiger) Ostafrikaner kam in Zeiten zwischen 2:13 und 2:20 Stunden ins Ziel.

Das fiel natürlich auch den Organisatoren auf, aber so richtig etwas geändert haben sie an dem Status nichts. So ganz richtig war dies aber bis vor kurzem nicht, denn die guten Leute in Stockholm kamen auf die gloreiche Idee, wenn wir schon keine Spitzenkräfte aus Afrika bekommen, dann könnten die auch gleich ganz wegbleiben. Und um diese Klientel ganz charmant auszuladen, begrenzte man die Vergabe des (erheblichen) Preisgeldes an die Zugehörigkeit zur „nordischen Rasse“ (Entschulding für die Phrase, aber so ist es oder besser: war es).

Dass solche Allüren einen Aufschrei der Entrüstung provozierten und die Organisatoren zu einem hektischen Rückrudern bewegten, spricht für das Funktionieren simpler gesellschaftlicher Kontrollmechnismen in der heutigen Zeit.

Nun sind auch wieder Läufer außerhalb der Weiten Skandinaviens als Empfänger des Preisgelds akzeptiert. Wer von den Ostafrikanern an der Startlinie stehen wird, war noch nicht zu erfahren. Erstaunlich ist nur, dass der Hauptsponsor, der dem Event auch noch seinen Namen leiht, solche Eskapaden mitmacht. Ganz zu schweigen vom pseudo-breitensportlichen Niveau, das dann übrig bleibt und mit dem eine umfangreiche TV-Übertragung noch langweiliger über die Bühne gehen muss.

Eigentlich erstaunlich, dass sich solche Dinge in einem ansonsten recht fortschrittlichen und aufgeschlossenen Land wie Schweden ereignen.

Prefontaine Classic am 29. Mai: 10000 m der Männer mit Weltklassebesetzung

 

prefontaine-2015-logo

Im Rahmen des Diamond League Sportfestes „Prefontaine Classic“ im Hayward Field von Eugene (Oregon, USA) gibt es am Abend des 29.5.2015 einen 10000 m Lauf auf der Bahn der absoluten Weltklasse. Mittlerweile sind die 10000 m im Stadion fast zu einer Randsportart verkommen, so dass dem Rennen in Eugene hohe Bedeutung bezüglich des Jahresrankings in dieser Disziplin zukommt. Topstar des Laufs ist natürlich Mo Farah (GBR), der Doppel-Weltmeister und -Olympiasieger über die Bahnlangstrecken. Aber auch der „Rest“ der Teilnehmer kann sich wahrlich sehen lassen, allein sieben Athleten mit Bestzeiten von unter 27 Minuten besagt eigentlich alles.

Die aktuelle Startliste (Stand 25. Mai 2015):

Men’s 10,000 Meters Personal Best
Mo Farah (Great Britain) 26:46.57
Josphat Kipkoech Bett (Kenya) 26:48.99
Paul Kipngetich Tanui (Kenya) 26:49.41
Emmanuel Kipkemei Bett (Kenya) 26:51.16
Kenneth Kiprop Kipkemoi (Kenya) 26:52.65
Geoffrey Kirui (Kenya) 26:55.73
Titus Kipjumba Mbishei (Kenya) 26:59.81
Geoffrey Kamworor (Kenya) 27:06.35
Teklemariam Medhin (Eritrea) 27:16.69
Leonard Barsoton (Kenya) 27:20.74
William Malel Sitonik (Kenya) 27:25.56
Cameron Levins (Canada) 27:27.96
Nguse Amlosom (Eritrea) 27:28.10
Timothy Toroitich (Uganda) 27:31.07
Goitom Kifle (Eritrea) 27:32.00
Diego Estrada (USA) 27:32.90
El Hassan El Abbassi (Bahrain) 27:32.96
Suguru Osako (Japan) 27:38.31
Stephen Mokoka (South Africa) 27:40.73
Hassan Mead (USA) 27:49.43
Arne Gabius (Germany) 27:55.35
Joshua Cheptegei (Uganda) 27:56.26
Vincent Kipsegechi Yator (Kenya) None (27:34 road)
Othmane El Goumri (Morocco) None (28:44 road)
Zane Robertson (New Zealand) None (29:29 road)

Kenia benennt das vorläufige Aufgebot für die WM-Marathons in Beijing im August

wm-logo-2015Mit einer kleinen Überraschung – die aber erhebliche Konsequenzen haben könnte – benannte der kenianische Verband heute das (vorläufige) Aufgebot für die Marathonläufe bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in der chinesischen Hauptstadt. Die Überraschung besteht vor allem darin, dass der Chicago-Sieger 2014 und der London-Sieger 2015, Eliud Kipchoge, nicht nominiert ist.

london-2015-kipchoge-finish-42kEliud Kipchoge fehlt im kenianischen WM-Aufgebot für Beijng im August 2015.  (c) H. Winter

Warum das solche Konsequenzen hat? Kipchoge ist aktuell in bestechender Form, die Art und Weise, wie er in Chicago und vor allem London die absolute Weltklasse hinter sich ließ, war schlichtweg unglaublich. Und dass der Mann noch viel schneller rennen will, deutete er schon auf der Pressekonferenz nach dem London Marathon an. Wo er nun auf die Jagd auf den Weltrekord gehen will, ist leicht zu erraten, dort wo man besonders schnell laufen kann und auch schon in den Vorjahren gelaufen ist. Den Race Director vor Ort wird das sehr freuen und auch die Anhänger des Marathonlaufs, denn der Herbst 2015 wird wieder ein sehr schnelles Rennen sehen.

Dabei werden der aktuelle und der vorherige Weltrekordler beide zuschauen müssen, denn sowohl Wilson Kipsang als auch Dennis Kimetto sind im Aufgebot für Beijing und wollen auch für ihr Land an den Start gehen. Mit einem Marathon im September oder Oktober wird es dann wohl nichts werden.

Auch bei den Frauen fehlen mit Mary Keitany und Florence Kiplagat zwei absolute Weltstars, die nun sicher im Herbst bei einem der großen WMM-Marathons an der Startline stehen werden.

Für Überraschungen ist der kenianische Verband immer gut, denn bei einigen Athleten muss man erst einmal „googeln“, um zu erfahren, mit welchen Leistungen diese sich für das Team Kenya empfohlen haben.

Hier das vorläufige Aufgebot für die WM 2015 (Quelle: The Times of India):

Männer: Wilson Kipsang, Dennis Kimetto, Mark Korir, Felix Kipchichir Kiprotich, Lucas Kimeli Rotich, Luka Lokobe Kanda

Frauen: Edna Kiplagat, Jemimah Jelagat Sumgong, Helah Kiprop, Visiline Jepkesho, Janet Jelagat Rono

23. Lauf durch den Volkspark Friedrichshain: Die Galavorstellung des Paul Schmidt

logo_sklein

Mit einer großartigen Leistung überraschte der deutsche Spitzenläufer Paul Schmidt am Pfingstsonntag beim Lauf durch den Volkspark Friedrichshain, den die Mitglieder des LC Ron Hill wieder mit großem Engagement organisierten. Kernstück der Laufstrecke ist die mehrfache Überquerung des sog. „Bunkerbergs“ mit erheblichen Anstiegen und Abwärtspassagen. Der Lauf zu Pfingsten hat Breitensportcharakter, wobei sich immer wieder engagierte Freizeitsportler mit guten Leistungen auszeichnen. So stand der Streckenrekord für die 10 km, bei der es viermal den Berg zu überwinden gilt, durch Carsten Krüger vom LTC Berlin auf für das Streckenprofil ausgezeichneten 33:11 Minuten.

Was allerdings an diesem Pfingst-Sonntag der Gewinner des 10 km Laufs auf der durchgehend asphaltierten Strecke durch den Park zeigte, war in allen Belangen leistungssportlich hochklassig. Dass mit der überraschenden Teilnahme von Paul Schmidt aus Dresden, der beruflich in der Sportmedizin der Charité in Berlin tätig ist, der Kursrekord in Gefahr war, konnte man erwarten. Denn neben seinen Zeiten bei Berliner Halbmarathon Ende März in 1:04:58 und 29:58,53 bei den deutschen Meisterschaften über 10000 m (7. Platz) in Ohrdruf am 2. Mai ist vor allem seine Vorstellung bei den BIG25 Berlin über 25 km erwähnenswert, wo er bei schwierigen Bedingungen als bester Deutscher gute 1:18:48 erreichte.

Dass der 30jährige bei einer Veranstaltung des Breitensports aber ein derartiges Tempo anschlug und bis ins Ziel durchhielt, musste schon überraschen. Neben dem Radfahrer „vor“ dem Führenden, der in den Bergauf-Passagen diesem kaum folgen konnte, realisierten nur wenige Experten am Streckenrand, was sich auf der Strecke abspielte. Von den Verfolgern war schon lange nichts mehr zu sehen, als Schmidt die Hälfte der Distanz nach etwa 15:20 Minuten zurückgelegt hatte. Damit ging es in Dimensionen, die auf einer flachen Strecke einer Zeit um 30 Minuten entsprechen würde. Und das bei einem Volkslauf!

big25-2015-schmidt

Paul Schmidt im Ziel bei den BIG25 am 10. Mai 2015.  (c) H. Winter

Über welches Leistungsniveau der Mann an der Spitze verfügte, demonstrierte er im zweiten Teil, wo er keine Schwächen zeigte und mit dem gleich hohen Tempo in großartigen 30:37 das Ziel am Eingang des Volksparks erreichte. Nicht nur die Veranstalter waren von dieser Leistung völlig überrascht und mussten fast genau 4 Minuten warten, bevor Friedrich Horn vom HSV Weimar in 34:58 einlief. Dritter wurde Raik Drescher von Tria Schramberg nach 34:54. Um über 2 ½ Minuten wurde der schon ausgezeichnete Kursrekord auf der allerdings nicht exakt vermessenen Strecke durch den Park gesteigert. Trägt man dann noch dem Überrunden der meisten Mitläufer Rechnung, die Schmidt nach eigener Aussage zu „Fahrtspiel-Einlagen“ nutzte, kann man über eine solche Demonstration von Leistungsstärke nur anerkennend staunen.

b-hm-2015-schmidtPaul Schmidt zusammen mit Julian Flügel und dem Tempomacher Dickson Kirui beim Berliner Halbmarathon am 29. März 2015.  (c) H. Winter

Für den Sieger steht in der nächsten Zeit ein umfangreiches Programm an, das bereits am kommenden Wochenende mit den Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften auf der Bahn des Berlin-Lichterfelder Stadions fortgesetzt werden wird. Mitte Juni soll dann bei einem Sportfest im niederländischen Leiden die 10000 m Bestzeit möglichst auf eine Zeit unter 29:30 gedrückt werden. Nach den Eindrücken im Friedrichshain erscheint dieses Unterfangen sehr realistisch. Und zum Herbst soll dann auch das Debut im Marathon erfolgen, an das er allerdings recht entspannt herangehen möchte. Auch diesbezüglich gibt es schon sehr konkrete Pläne.

ron-hill-2015-siegerDie Erstplatzierten beim 23. Volkslauf durch den Friedrichshain am 24. Mai 2015. Von links: Friedrich Horn, Paul Schmidt und Raik Drescher, dazu die Organisatoren vom LC Ron Hill.  (c) F. Brietze

Bleibt noch anzumerken, dass Emily Preston vom SCC Berlin die 5 km bei den Frauen in 20:47 und Volker Goineau (LG Buchsbaum) den Lauf in 17:15 gewann. Kathrin Schichtl von den ASICS Frontrunner siegte über die 10 km bei den Frauen in 39:37 vor Antonia Maecker (PSB24 Berlin) in 40:22. 245 Teilnehmer wurden im Ziel registriert, dies war eine weiterer Rekord einer in allen Belangen gelungenen Veranstaltung, der Paul Schmidt die (Leistungs-) Krone aufsetzte.

Hier ein Video mit den Stimmen (und Gesichtern) der Sieger.

Ottawa Marathon: Jagd auf die Streckenrekorde scheiterten

ottawa-marathon-2015-logo

Die hohen Erwartungen konnten die Elitefelder beim Scotiabank Marathon in der kanadischen Hauptstadt Ottawa nicht ganz erfüllen. Sowohl bei den Männern als auch Frauen lag man lange auf Kurs zu neuen Kursrekorden, aber Ende reichte es in beiden Fällen durch deutlich schwächere Hälften nicht zu den angestrebten Höchstleistungen. So blieb der neue Streckenrekord vom Vortag über die 10 km der Frauen das Highlight des Laufweekends in Ottawa, wo Gladys Cherono glänzende 30:56 Minuten lief. So schnell lief in der Saison 2015 noch keine Frau und auch im ganzen letzten Jahr war nur eine Frau schneller gewesen.

ottawa-marathon-2015-results-winnerDer Sieger der Ottawa Marathon 2015: Girmay Birhanu (ETH) in 2:08:14.  (c) Veranstalter

 Das Renngeschehen der Männer entwickelte sich zunächst wie erhofft. Vom Tempomacher Langat bestens geführt, lagen 10 Männer bis 15 km in glatten 45 Minuten nach 5 km in 15:00 und 10 km nach 29:54 noch zusammen. Damit lag man mit 2:06:35 auf Kurs zu einer Zeit unter dem Steckenrekord von Yeman Tsegay, der letztes Jahr in Ottawa 2:06:54 erreichte. Dies änderte sich auch nicht bis zum Halbmarathon, den man in 1:03:16 nach 59:56 bei 20 km erreichte.

Hier brach dann die Spitzengruppe auseinander und nur noch Peter Kirui, Philip Kangogo (beide KEN) sowie der Favorit Girmay Birhanu (ETH) lagen mit dem Tempomacher an der Spitze. Bei 25 km wurde mit 1:14:25 vermutlich falsche Zwischenzeit gemeldet, realistischer war da 1:14:45. In jedem Fall lag man nun auf Kurs von einer Zeit von unter 2:06 Stunden., was auch noch bei 30 km nach 1:29:49 fast unverändert Gültigkeit hatte.

Nach etlichen taktischen Tempoeinlagen kam die rennentscheidende Entwicklung dann nach 35 km in 1:44:58, wo man immer noch deutlich unter dem Streckenrekord lag. Hier konnte sich der Favorit Birhanu absetzten, der in Ottawa bereits seinen vierten Marathon in 7 Monaten lief (alle deutlich unter 2:10 Stunden) und durch seine sehr späte Anreise gehandicapt war. Aber obwohl Birhanu schnell einen großen Vorsprung herauslief, wurde das Tempo zusehens langsamer. Ein aufkommender Wind (so später der Sieger) und nachlassende Kräft durch eine schnelle erste Hälfte forderten ihren Tribut.

Die belegt der Split bei 40 km in 2:00:54, Birhanu brauchte also für diese 5 km fast 16 Minuten (eine ganze Minute langsamer als für den Rekord notwendig gewesen wäre). Noch schlimmer erging es seinen Mitstreitern, die erst nach 2:01:45 (Kangogo) und 2:02:25 (Kirui) diese Marke (genauer Fahne) passierten. Die „Jungs“ waren sprichwörtlich „platt“. Birhanu mühte sich sich noch das Drama in Grenzen zu halten und quälte sich sichtbar in 2:08:13 ins Ziel, allein der Schlusspart von 40 km in 7:19 besagt eigentlich alles. Dann folgte Philip Kangogo in 2:09:56 und von hinten kam Chele Dechasa in 2:09:59 herangestürmt, der die Tempojagd im ersten Teil nicht mitgemacht hatte. Gleiches galt für den Marokkaner Rachid Kisri, der in 2:10:18 sogar noch Peter Kirui in 2:10:23 abfing.

Mit 1:03:16 und 1:05:01 lief der Sieger zwei sehr unterschiedliche Hälften, ein wenig beeindruckender „positiver Split“.

ottawa-marathon-2015-results-men

Auch bei den Frauen erfüllte sich der Traum vom Steckenrekord nicht. Nach perfektem Timing im ersten Part über 33:31 nach 10 km, 50:40 nach 15 km und 1:11:53 bei der Halbdistanz war der Steckenrekord aus dem Vorjahr von 2:24:30 in Reichweite. Aber auch hier ließ das Tempo anschließend deultich nach. Jenseits der 35 km nach 2:00:09 musste überraschend die Topläuferin Meselech Melkamu eine Dreiergruppe ziehen lassen, aus der sich 1 km vor dem Ziel Aberu Zennebe (ETH) lösen und den Lauf nach 2:25:30 gewinnen konnte. Das war genau eine Minute langsamer als der bestehende Steckenrekord.

ottawa-marathon-2015-results-women

 

 

Mattoni Karlovy Vary Halbmarathon: Streckenrekorde bei Männern sowie Frauen

Mit einem hochkarätigen Elitefeld war man beim Halbmarathon im tschechischen Karlovy Vary (Karlsbad) am frühen Samstagabend (23.5.) an den Start gegangen und konnte auch mit Streckenrekorden bei Männer und Frauen die Erwartungen erfüllen. Bei den Männern war am Ende Elijah Serem (KEN) in 1:01:01 vorne, bei den Frauen siegte Mulu Seboka (ETH) in 1:09:11.

karlovy-vary-hm-2015-winnerDie Erstplatzierten in Karlsbad: Kipkemboi, Serem und Kiplagat.  (c) czech.tv

Bei idealen Bedingungen mit Temperaturen um 15°C und 49% relative Luftfeuchte waren die Männer sofort auf Kurs unter dem bestehenden Streckenrekord, den Teshome Mekonen (ETH) mit 61:21 aufstellte. Eine Vierergruppe passierte 5 km nach 14:18 und war damit auf Kurs von knapp über einer Stunde. Über 28:43 bei 10 km ging es nach 15 km in 43:09, wo das Tempo etwas langsamer wurde, mit einer Projektion von 60:41 aber immer noch deutlich im Soll lag.  Aus der Spitzengruppe fiel nur Edwin Kiptoo zurück, der am Ende in 1:01:31 Vierter wurde. Kurz danach konnte sich der spätere Sieger Elijah Serem absetzen und passierte 20 km nach 57:52. Doch eine Zeit unter 61 Minuten verpasste er ganz knapp, da vor dem Ziel noch ein kurzer Hügel zu überwinden war.

Mit neuem Streckenrekord gewann Serem in 1:01:01 das Rennen sehr deutlch, 12 Sekunden danach wurde sein Landsmann Nicholas Kipkemboi Zweiter, Platz 3 ging in 1:01:22 an Be(r?)nard Kiplagat. Ganz überraschend kam der Sieg von Serem nicht, denn er hatte erst Ende April in Nizza als Zweiter den Halbmarathon in 1:00:55 als Elijah Tirop beendet. Neben den moderaten Prämien für Sieg und Rekord gab es vom Sponsor einen großen Schlüssel (und das Automobil gleich dazu).

karlovy-vary-hm-2015-women

Bei den Frauen lag zunächst die für Bahrein startende Kenianerin Eunice Chumba vorne, in schnellen 16:16 wurden 5 km und 10 km nach 32:43 passiert. Nach gut der Hälfte setzte sich Seboka von ihren Mitstreiterinnen ab und hätte fast noch den zweiten tschechischen Mann im Rennen eingeholt. Mit 1:09:11 lief auch sie einen Kursrekord, Zweite wurde in 1:10:22 Linah Cheruto (KEN) und erst auf Platz 3 kam dann Chumba nach 1:10:59 ins Ziel. Ihre Bestzeit verpasste Seboka (1:09:04) denkbar knapp, ihr Leistungsniveau belegt auch Platz 6 beim Dubai Marathon im Januar 2015, wo sie tolle 2:21:56 lief.

karlovy-vary-hm-2015-sebokaMulu Seboka (ETH) siegte beim Halbmarathon in Karlsbad.  (c) czech.tv

karlovy-vary-hm-2015-women1

Auch in Riga (Lettland) dominieren die Äthiopier

riga-mar-2015-logo
Der Streckenrekord durch den Äthiopier Haile Tolossa in 2:12:29 war das Highlight des Lattelecom Riga Marathon am letzten Sonntag (17.5.2015) in der lettischen Hauptstadt. Bei den Frauen gewann seine Landsfrau Meseret Eshetu in 2:37:04, so dass erstmals in der 25jährigen Geschichte der Veranstaltung beide Sieger aus Äthiopien stammten.
riga-mar-2015-winner

Die Sieger beim Riga Marathon 2015.  (c) Veranstalter

Schon in der frühen Phase des Laufs nach 15:41 für 5 km und 31:16 für 10 km war klar, dass der Steckenrekord in Riga von 2:13:44 durch Yu Chiba (JPN) in Gefahr war. Über 47:06 bei 15 km erreichte eine Gruppe mit Tolossa, Mariko Kipchumba (KEN), Abraraw Tegene, Beyene Effa (beide ETH) and Duncan Koech (KEN) den Halbmarathon in 1:05:50. Währende Kipchumba nach 30 km aus dieser Gruppe fiel, suchte Tolassa nach 40 km die Entscheidung und konnte sich sich absetzen.

Im Ziel lag Tolossa in 2:12:29 deutlich vor seinen Verfolgern. Neben einem neuen Streckenrekord bedeutete die Zeit des Siegers auch die schnellste jemals in Lettland gelaufene Marathonzeit. Effa wurde Zweiter in 2:12:52 vor Duncan Koech in 2:13:43.

  Ergebnisse der Männer:

1. Haile Tolossa (ETH) 2:12:29
2..Beyene Effa (ETH) 2:12:52
3. Duncan Koech (KEN) 2:12:53
4 .Abraraw Tegene (ETH) 2:13:51
5. Mariko Kipchumba (KEN) 2:14:38

Ergebnisse der Frauen:

1. Meseret Eshetu (ETH) 2:37:04
2. Workenesh Tola (ETH) 2:42:07
3. Ruth Wanjiru (KEN) 2:42:29
4. Natalia Volgina (RUS) 2:45:26
5. Vicoty Chepkemoi (KEN) 2:46:56

E.ON Kassel Marathon: Beachtliche Leistungen deutscher Läufer(innen)

kassel_marathon_160_2015Mit einem deutschen Sieg bei den Frauen ging der Kassel Marathon am letzten Sonntag über die Bühne. Unter der Leitung von Ex-Bundestrainer für den Straßenlauf, Winfried Aufenanger, stellte man in Kassel wieder eine Veranstaltung auf die Beine, die mittlerweile von den Teilnehmerzahlen in das Regime der Sättigung angekommen ist, vor allem aber für deutsche Teilnehmer recht erfreulich über die Bühne ging. Dabei war es vor allem Simret Restle-Apel, die weniger von der Zeit aber von der Platzierung für Furore sorgte. Mit einem perfekt eingeteilten Lauf konnte sie die enteilte Konkurrenz nach 35 km wieder einholen und den Lauf mit 2:37:48 gewinnen. Ein schöner Erfolg für die 30jährige, die kürzlich erst deutsche Meisterin über die halbe Distanz wurde, aber auch eine nicht so rühmliche Vergangenheit in Sachen Doping aufzuweisen hat. Erst Platz 2 ging an Kenia durch Edinah Kwambai, die im Ziel schon über zwei Minuten zurücklag.

Simret Restle-Apel: Der Lauf meines Lebens

Ottawa Marathon 2015 mit großartiger Besetzung der Elitefelder

ottawa-marathon-2015-logo

Eigentlich macht die globale Marathonszene kaum noch Pause, denn auch nach den großartigen Läufen in Xiamen, Dubai, Rotterdam oder London gibt es bereits am kommenden Wochenende beim Scotiabank Ottawa Marathon in der kanadischen Hauptstadt wieder ein Rennen mit absoluter Topbesetzung. Und wenn man ein wenig abergläubig ist, dann könnten am Ende sehr schnelle Zeiten herausspringen, denn auch im letzten Jahr ging der Sieger vom Daegu Marathon 2014 Yemane Tsegaye anschließend in Ottawa an den Start und lief mit tollen 2:06:54 die schnellste jemals auf kanadischem Boden erzielte Zeit.

Diesmal sind es sogar Sieger und Siegerin von Daegu, die in Ottowa verplichtet werden konnten. Girmay Birhanu (ETH) wurde Ende Januar in Dubai Achter in 2:08:56 und gewann danach Anfang April in 2:07:26 den Marathon in Daegu. Auch Meselech Melkamu gewann in Daegu in 2:27:24, das wird aber in Ottawa kaum für den Sieg reichen.

birhanu-dubai-2015Girmay Birhanu ist einer der Topstars in Ottawa.  (c) H. Winter

Im letzten Jahr war Birhanu auch schon in Dubai dabei und lief dort seine Bestzeit von 2:05:49. Noch schneller lief 2012 gleichfalls in Dubai sein Landsmann Dadi Yami mit 2:05:41. Ihr Landsmann Deribe Merga hat in Ottawa zweimal die 10 km gewonnen, diesmal läuft der Boston Sieger von 2009 erstmals einen Marathon auf kanadischem Boden. Mergas Hausrekord stammt vom London Marathon 2008, wo er 2:06:38 erzielte. Das ist aber mittlerweile lange her.

Wie großartig der Lauf besetzt ist, zeigt auch das kenianische Trio Peter Kirui (2:06:31), Alfers Lagat (2:07:11) sowie Philip Kangogo (2:08:16), wobei Lagat und Kangogo erst ihren zweiten Marathon in Angriff nehmen und Steigerungspotential besitzen dürften.

Bei den Frauen ist Melkamu mit ihrer Zeit vom tollem Debut 2012 in 2:21:01 beim Frankfurt Marathon die schnellste Läuferin im Feld, wobei sie aber in den letzen beiden Jahren deutlich hinter ihrem Leistungsniveau zurückblieb. Harte Konkurrenz wird sie von Abebech Afework (ETH) bekommen, die sich im Januar in Dubai auf 2:23:33 steigern konnte, nachdem sie im Jahr zuvor den Houston und Rotterdam Marathon gewinnen konnte.

Zum fünften Mal in Ottawa ist Yeshi Esayias (ETH) dabei, die den Lauf zweimal gewinnen konnte. Ihre Bestzeit liegt bei 2:24:06 und ist damit besser als der aktuelle Kursrekord in Ottawa, den übrigens die London Siegerin dieses Jahres Tigist Tufa (ETH) hält. Von kenianischer Seite sind Rebecca Chesire (PB 2:25:22) und Agnes Kiprop (PB 2:23:54) zu beachten

Nachdem in Ottawa die Kursrekorde in den letzten Jahren fast jedesmal gesteigert wurden, rechnen die Organisatoren auch in diesem Jahr mit schnellen Zeiten. Das Potential dazu hat das Elitefeld allemal.

Gifu Seiryu Halbmarathon: Kenianische Dominanz und Kawauchi läuft (wieder) hinterher

gifu-hm-2015-logo
Mit großer Beteiligung (insg. 16000 Teilnehmer) ging heute der Halbmarathon im japanischen Gifu über die Bühne. Die Veranstaltung ist schon insofern landesweit bekannt, als ein Teil der Strecke das Trainingsterrain der legendären Naoko Takahashi war, die als erste Frau beim Berlin Marathon 2001 die 2:20 Stunden Barriere unterbot.In diesem Jahr war es vor allem der Kenianer James Rungaru, der für Furore sorgte. Seinem sehr schnellen Beginn wollte und konnte keiner der Konkurrenten folgen, selbst der Mitfavorit, der kleine Äthiopier Tsegaye Kebede, verlor den Anschluss und stieg entmutigt aus dem Rennen.

Bei 5 km in guten 14:17 hatte Rungaru einen Vorsprung auf seine Verfolger und Landsleute Martin Mathathi, Michael Githae, Patrick Mwaka sowie Cyrus Njui von 10 Sekunden. Dieser Vorsprung wurde nicht kleiner als der Führende zur 10 km Marke in 28:55 das hohe Tempo nicht mehr halten konnte.Es war vor allem Githae, der sich mühte Rungaru zu stellen, doch auch bei 20 km in 59:04 – die letzten 10 km in 30:09 – war ein kaum näher herangekommen. Rungaru rettete sich in 1:02:21 mit 6 Sekunden Vorspung vor Githae ins Ziel. Angesichts seiner Zeit von 1:00:12 bei seinem Sieg in Nizza vor einem Monat, eine eher schwache Vorstellung.

Eine erneut schwache Vorstellung bot Japans Lauf-Unikum Yuki Kawauchi, der in 1:06:16 nur 24. wurde und damit erneut seinen hohen Ansprüchen nicht genügen konnte. Man muss dabei aber anmerken, dass der gute Yuki die Vielstarterei aktuell mehr als übertreibt. Am Wochenende zuvor wurde er am 10. Mai beim Sendai Halbmarathon in noch schwächeren 1:08:36 nur auf Platz 30 registriert. Ein Grund für diesen Leistungseinbruch mögen seine Aktionen am Wochenende davor gewesen sein, wo er drei Halbmarathons an hintereinander folgenden Tagen absolvierte, die er alle gewann: Am 3. Mai in Ehime in 1:07:23, am 4. Mai in seiner Heimatstadt Saitama in 1:07:03 und der Hokaido Halbmarathon am 5. Mai in 1:09:23. Das war vielleicht auch für den guten Yuki etwas zu viel.

Wie dem auch sei, Yuki scheint sein Wahnsinnsprogramm weiter durchziehen zu wollen, nach drei weiteren Halbmarathons und einem Ultramarathon über 50 km will er am 7. Juli an der australischen Gold Coast wieder einen Marathon auf hohem Niveau bestreiten.

Eine recht gute Zeit gab es mit 1:09:37 bei den Frauen, wo die für Bahrein startende Kenianerin Eunice Kirwa vor der Marathon-Weltklasseläuferin Atsede Baysa (ETH) in 1:10:37 gewann.
  

Ergebnisse Männer:

1. James Rungaru (KEN) 1:02:21
2. Michael Githae (KEN) 1:02:27
3. Martin Mathathi (KEN) 1:02:40
4. Cyrus Njui (KEN) 1:02:50
5. Patrick Mwaka (KEN) 1:03:31
6. Yusei Nakao (JPN) 1:03:34
7. Kenta Matsumoto (JPN) 1:03:38
8. Ben St Lawrence (AUS) 1:03:41
9. Taiga Ito (JPN) 1:03:52
10. Ryota Matsushima (JPN) 1:04:08

   Ergebnisse Frauen:

1. Eunice Kirwa (BRN) 1:09:37
2. Atsede Baysa (ETH) 1:10:37
3. Brianne Nelson (USA) 1:12:43
4. Paskalia Kipkoech (KEN) 1:12:51
5. Yuko Mizuguchi (JPN) 1:13:47
6. Kaori Yoshida (JPN) 1:14:28
7. Marta Tegabea (ETH) 1:15:18
8. Hiroko Shoi (JPN) 1:15:27
9. Marina Seki (JPN) 1:15:55
10. Shoko Shimizu (JPN) 1:16:57

Virgin Money London Marathon: Fast 250000 Anmeldungen für die Teilnahme im Jahr 2016

london-marathon-logo-2015

Der London Marathon ist nur wenige Wochen vorbei, da schreibt eine der spektakulärsten Laufveranstaltungen bereits die nächsten Schlagzeilen. In der Zeit von 4. bis 8. Mai 2015 bestand die Möglichkeit, sich für einen Start im April 2016 anzumelden, genauer: zu einer Lotterie. Erst Im Oktober 2015 wird dann über die Startplätze entschieden. 20.000 Startplätze stehen diesbezüglich für Bewohner der britischen Insel zur Verfügung, das Loskontingent für Ausländer beträgt noch einmal 5500 zusätzliche Plätze. Dabei sind die Gebühren recht moderat, 39 GBP müssen Einheimische, 80 GBP (ca.110 Euro) müssen Ausländer aufbringen.

In der bereits beendeten Anmeldungsperiode gingen beim Veranstalter sage und schreibe 247.069 Anmeldungen ein, man liegt damit in London schon fast in den Regionen des japanischen World Marathon Majors Partner, dem Tokyo Marathon, wo die Zahlen noch um etwa 100.000 höher liegen. Der Run auf die großen Laufevents bleibt damit ungebrochen. Durch die Innenstädte zu laufen und dabei viele touristische Attraktionen zu passieren, verbunden mit perfekter Logistik, Betreuung und lückenlosem Merchandising, liegt im Trend der Zeit. Dabei tritt die sportliche Leistung immer mehr in den Hintergrund, der Eventcharakter zählt, was beim Marathon durchaus mit einer bitteren Erfahrung der Überforderung beleitet sein kann.

Dass dies zu einem hohen Grad die Teilnahme von „Ersttätern“ fördert, zeigen auch die Zahlen aus London. Mehr als die Hälfte der Anmeldungen, nämlich gut 135.000 stammen von Interessierten, die zum ersten Mal einen Marathon in Angriff nehmen wollen (mit einem Frauenanteil von 42 %). Zu Recht weist der Race Director Hugh Brasher auf die inspirierende Wirkung des tollen 35. Jubiläums in diesem Jahr hin, das in vielen Belangen in der Tat einmalig war.

londom-mar-2015-sieger-trophyEliud Kipchoge (KEN) und Tigist Tufa (ETH) waren die Sieger beim London Marathon 2015. Vielleicht sind sie auch im kommenden Jahr dabei. Den Weg über die Lotterie werden diese beiden Aktiven sicher nicht nehmen müssen.  (c) H. Winter

Doch neben der Lotterie werden fast noch einmal soviele Starts durch andere Kanäle möglich. Dazu gehört einmal das Kontingent für internationale Reiseveranstalter, da kostet die Startgebühr schon fast 300 Euro, und dann vor allem die Charity-Variante. Letztere ist ein wesentlicher Bestandteil des London Marathon und eröffnet 20.000 weiteren Interessierten die Teilnahme. Dieses Kontingent hat auf der Insel eine große Tradition und ist recht kostenträchtig; ca. 500 Euro und mehr kann dann ein Startplatz schon einmal kosten. Dafür wird dann erwartet, dass die so geförderten Läufer diese Kosten durch eifriges Sammeln wieder „hereinbringen“. Die großartigen Summen, die auf diese Weise für vielfältige Wohltätigkeitsorganisationen gesammelt werden, belegen, dass dieses Konzept in London bestens funktioniert.