Rückblick auf die internationale Straßenlaufszene im Jahr 2019: Mit „Siebenmeilenstiefeln“ in neue Dimensionen

Das Objekt im Fokus der Straßenlaufszene 2019: Der „Vaporfly Next%“. (c) Nike Corp.

In der (langen) Geschichte des Straßenlaufs wird das auslaufende Jahr 2019 als ein Jahr der Superlative eingehen. Wasimmer am Ende zu einer beispiellosen Leistungsexplosion geführt haben mag – der Verdacht liegt allerdings auf der Hand (besser: am Fuß) – , kaum ein Rekord überlebte dieses Ausnahmejahr mit einer Flut von Welt-, Landes- und Streckenrekorden sowie persönlichen Bestzeiten. Zwei wahllos herausgegriffene Beispiele zeigen dies sehr deutlich: Während im Marathon bei den Männern in den letzten Jahren jeweils ca. 50 Zeiten unter 2:08 Stunden registriert wurden, waren dies im Jahr 2019 99 Zeiten; bei den Frauen wurden zuvor ca. 50 Zeiten unter 2:25 Stunden erzielt, 2019 waren das plötzlich 108.

Man kann diese erste Beobachtung auf eine fundiertere Basis stellen, indem man das Leistungsniveau der globalen Marathonelite vollständiger analysiert. Dazu sind in einer Grafik die Anzahl der Zeiten unterhalb einer bestimmten Schwelle von 2:xx-Stunden für die Jahre 2015, 2016, 2017 sowie 2019 dargestellt (2018 wurde hier als „Übergangsjahr“ bewusst ausgelassen). Man erkennt aus den Daten, dass die Verhältnisse in den Jahren 2015 bis 2017 recht vergleichbar waren, während sich im Jahr 2019 der bereits angedeutete deutliche Leistungssprung vollzog. Recht aufschlussreich ist auch der Vergleich mittels einer Umskalierung der Zeiten aus z.B. dem Jahr 2016 durch Reduzierung der Zeitskala um 1:45 Minuten. Die gute Übereinstimmung mit den Daten von 2019 legt nahe, dass die Elite der Männer im Vergleich zu den Vorjahren um ca. 1,5% schneller geworden ist.

Eine ähnliche Entwicklung ist auch im Marathon der Frauen festzustellen, wo der Leistungssprung mit ca. 3 Minuten oder 2% sogar noch etwas ausgeprägter ausfällt. Wichtig bleibt schon hier zu betonen, dass sich die Leistungssprünge als generelles Phänomen darstellen, d.h. sie betreffen sowohl die absoluten Topzeiten – wie die Weltrekorde der Saison belegen – als aber auch die Resultate eines breiteren Elitefeldes. Streckenrekorde verkamen in der Saison 2019 zur Dutzendware.

Die Gründe für diese außergewöhnlichen Entwicklungen sind sicher vielschichtig und mögen auch auf einer weiter verbesserten Trainigsmethodik, fortschreitender Selektion und Anzahl der Topathleten oder auch Komponenten der Wettkampfversorgung zurückzuführen sein. Der dominate Faktor dürfte aber das diesbezüglich entsprechend beworbene Schuhwerk sein, auf das man diese ungewöhnlichen Steigerungen im Leistungsniveau zurückführen kann.

Es ist somit kaum überraschend, dass neben den großartigen Athleten immer mehr die Schuhe aus Beaverton (US-Bundesstaat Oregon), dem Sitz des Sportartikelgiganten, in den Fokus des Interesses geraten und mittlerweile einen wesentlichen Teil der Fragen bei den Pressekonferenzen ausmachen. Die Übersicht eines japanischen Experten (twitter.com/Rolows_13) zeigt die Schuhe der Erstplatzierten der diesjährigen World Marathon Majors (WMM) Serie und belegt die aktuell erdrückende Dominanz der Vaporflys und dessen Nachfolgemodelle.

Die Schuhe der Podium-Platzierten bei den WMM-Rennen der Männer im Jahr 2019. (c) Rolows13

Die Schuhe der Podium-Platzierten bei den WMM-Rennen der Frauen im Jahr 2019. (c) Rolows13

Dabei geht die Geschichte bis ins Jahr 2016 zurück, als NIKE erstmals einen Schuh dieser Machart präsentierte. In die Öffentlichkeit geriet der vermeintliche „Wunderschuh“ spätestens mit dem „Breaking 2“-Projekt auf der Autorennbahn in Monza, wo Eliud Kipchoge zwar das Ziel verfehlte, aber trotzdem auch die Fachleute mit einer (damals) kaum für möglich gehaltenen Marathon-Zeit von 2:00:25 überraschte. Mittlerweile sind diese Anfänge lange Geschichte, die sich zu einem gewaltigen Marketing-Spektakel ausweitete, das mit der erfolgreichen Mission Kipchoges beim (Lauf-)Zirkus im Wiener Prater einen gewissen Klimax erreichte: „sportlich“, aber auch „kommerziell“.

Besonders spektakulär zeigte sich das gestiegene Leistungsniveau bei den Ausnahme-Leistungen, d.h. den „Weltrekorden“, wo sich das Jahr 2019 durch selbst für den Fachmann kaum noch nachzuvollziehende Steigerungen der globalen Bestmarken auszeichnete. In allen „Königsdisziplinen“ des Straßenlaufs, d.h. im halben und vollen Marathon, wurden Rekorde vermeldet, wenn auch nicht immer im Einklang mit dem Regelwerk.

– Im Halbmarathon der Männer: Geoffrey Kamworor steigerte die wegen Dopingvorwürfen umstrittene Marke von Abraham Kiptum von 58:18 aus dem Vorjahr auf 58:01 (Rekord wurde von der IAAF offiziell anerkannt, die vorige Bestmarke von 58:18 durch den mittlerweile wegen Dopings gesperrten Abraham Kiptum wurde gestrichen).

– Im Halbmarathon der Frauen: Brigid Kosgei (KEN) lief beim Great North Run 1:04:28, 23 Sekunden schneller als Joyciline Jepkosgei. Dass diese Leistung wegen des Punkt-zu-Punkt-Kurses in Newcastle nicht Regel konform war, mindert die Leistung des Shooting Stars der Szene kaum.

– Im Marathon der Männer: Kenenisa Bekele (ETH) verfehlte mit 2:01:41 die Fabelzeit von Eliud Kipchoge (KEN) von 2:01:39 in Berlin denkbar knapp. Und der Meister selbst beendete das PR-Spektakel im Wiener Prater mit dem ersten Marathon-Lauf eines Menschen in unter 2 Stunden. Seine 1:59:41 werden zu Recht nur als Posse in der Laufgeschichte überleben. Überragend war die Leistung Kipchoges aber allemal und lassen Steigerungen in ähnliche Dimensionen in einem regulären Marathon schon in Kürze erwarten. Nächster Stopp bei dieser Tempohatz: London, Ende April 2020.

Kenenisa Bekele hat beim Berlin Marathon seinen Landsmann Legese wieder eingeholt und verpasst am Ende den Weltrekord von Kipchoge denkbar knapp. (c) S. Hartnett

– Im Marathon der Frauen: (Nochmals) Brigid Kosgei (KEN) fegte den Fabel-Weltrekord von 2:15:25 durch Paula Radcliffe aus dem Jahr 2003 im kalten und windigen Chicago förmlich aus den Rekordlisten. In allen Belangen Regel konform – wenn auch bis 40 km mit Unterstützung männlicher Tempomacher – lief die Kenianerin 2:14:04. Und sie selbst sieht sich schon in noch ganz anderen Dimensionen. Dazu kommt die nicht unwesentliche Aussage der 25-jährigen Ausnahmeläuferin bei der World Athletics Gala in Monaco, innerhalb dieses Jahres ca. 50-mal (?) kontrolliert worden zu sein.

Brigid Kosgei lief im halben und vollen Marathon Fabelzeiten. Hier mit ihren zwei Tempomachern beim Chicago Marathon 2019, alle tragen den Vaporfly. (c) S. Hartnett

Und die vielleicht spektakulärste Leistung wurde von der Öffentlichkeit kaum beachtet, als in den Mittagstunden des 17. November die wenig bekannte 21-jährige Äthiopierin Letesenbet Gidey (ETH), immerhin Vize-Weltmeisterin in Doha über 10.000 m, die sieben Hügel beim Zevenheuvelenloop in Nijmegen hinauf- und hinabflog. Sie „pulversierte“ die Weltbestzeit über 15 km mit der Fabelzeit von 44:20 Minuten, eine Steigerung der alte Marke von über einer vollen Minute. 29:11 Minuten für die letzten 10 km machen auch den Fachmann sprachlos. Und ebenfalls sie trug den „Wunderschuh“ an ihren Füßen.

Es wird sicher eine spannende Geschichte im kommenden Jahr werden, wie am Ende der internationale Leichtathletikverband IAAF, der sich seit kurzem, dem Geist der Zeit angepasst, „World Athletics“ umbenannte, mit dieser Problematik umgeht. Zumal diesen Verband und dessen Präsidenten fast ausschließlich das Geschehen in den Stadien interessiert. Nahezu einer Comedy würdig ist in dieser Sache das Regelwerk, wo Regel 143.2 verlangt: „Shoes must not be constructed so as to give athletes any unfair assistance or advantage”. Mit dieser Definition wird man sicher nicht weit kommen, wie auch mit der aktuelleren Interpretation, dass Schuhe solange „legal“ sind, wie sie keine “motor assistance” aufweisen und die einzige Quelle der Kraft/Energie der Athlet selbst ist.

Ein wenig erinnert die aktuelle Situation an das Problem mit den Schwimmanzügen vor einigen Jahren, wo gleichfalls die Rekordlisten auf den Kopf gestellt wurden. Bis das Verbot der Anzüge kam … Die Problematik der Chancengleichheit von Athleten, die vertraglich an andere Hersteller gebunden sind, scheint sich aktuell etwas aufzulösen, da die Konkurrenz flott aufzuholen scheint. Problematischer dürften bei dieser Aufholjagd die Entwicklungen jenseits der Laufstrecken sein, denn der Megakonzern wird nichts unversucht lassen, seine unbestrittene aktuelle Spitzenposition notfalls auch durch patentrechtliche Maßnahmen zu verteidigen.

Nun aber wieder auf die Laufstrecken dieser Welt, wo die Flut an Topleistungen einen solchen Umfang erreichte, dass auf alle Ereignisse an dieser Stelle nicht eingegangen werden kann. Deshalb folgen hier einige Highlights einer in der Tat einmaligen Saison.

Das erste hochklassige Resultat der Saison schaffte Brigid Kosgei (KEN) mit einem neuen Streckenrekord von 1:05:50 über die Halbmarathon-Distanz bei der 47. Ausgabe des Chevron Houston Marathon. Mit dieser Zeit lief der kenianische Star des Jahres bei ungewohnt eisigen Temperaturen die schnellste Zeit einer Frau im Halbmarathon auf US-amerikanischem Boden. Eine knappe Woche später gab es bei der  20. Jubiläumsausgabe des Standard Chartered Dubai Marathon Kursrekorde durch Ruth Chepngetich (KEN) in 2:17:08 und durch Getaneh Molla (ETH) in 2:03:34, die selbst höchste Ansprüche erfüllen konnten. Mit dieser Zeit wurde Chepngetich die drittschnellste Läuferin aller Zeiten, und Molla legte das schnellste Debüt in der Marathon-Geschichte auf das Pflaster des Emirats.

Ruth Chepngetich lief sich beim Dubai Marathon in die absolute Weltklasse im Marathonlauf der Frauen. (c) H. Winter

Stephen Kiprop (KEN) und Senbere Teferi (ETH) gewannen Anfang Februar die 13. Ausgabe des Ras Al Khaimah (RAK) Half Marathon im Vereinigten Arabischen Emirat ca. 80 km nördlich von Dubai. Kiprop steigerte sich auf 58:42 und stellte damit den Kurs-(besser: Event-)Rekord ein, während die Debütantin Teferi in 1:05:45 einen neuen äthiopischen Rekord aufstellte. Von europäischer Seite sorgte der Schweizer Julian Wanders (SUI) mit dem neuen Europarekord von 59:13 für das Highlight dieser Veranstaltung.

Julian Wanders lief in Ras Al Khaimhah einen neuen Europarekord über die Halbmarathon-Distanz. (c) H. Winter

Mit hochklassigen Ergebnissen wartete die 35. Ausgabe des Zurich Maratón de Sevilla auf. Es gewann Tsedat Abege Ayana (ETH) mit neuem Streckenrekord  von 2:06:36 vor Belay Dedada (ETH) in 2:06:39 und Birhanu Berga in 2:06:41. Fünf Läufer erreichten das Ziel unter 2:07 Stunden. Durch eine (unverständliche) Neuregelung der IAAF hinsichtlich des 5 km-Straßenlaufs schaffte Julien Wanders (SUI) beim Monaco Run über 5 km in 13:29 einen neuen Weltrekord. Bei den Frauen hatte zuvor Sifan Hassan (NED) in 14:45 einen Europarekord über die gleiche Distanz aufgestellt. Eine Woche später gewannen die Äthiopier Birhanu Legese (ETH) in 2:04:48 sowie Ruti Aga (ETH) in 2:20:40 die 13. Auflage des Tokyo Marathon bei regnerischem Wetter in der japanischen Hauptstadt.

Im japanischen Otsu gewann  Salah Eddine Bounasr (MAR) in 2:07:52 die 74. Ausgabe des Lake Biwa Mainichi Marathon, nachdem er bereits im letzten Frühjahr den Wien Marathon gewinnen konnte. Der Äthiopier Abadi Hadis (ETH) und die Kenianerin Brigid Kosgei (KEN) gewannen am 15. März 2019 die Premiere des Bahrain Night Half Marathon auf einer Pendelstrecke in der Nähe der Küste des Persischen Golfs. In chaotischen Zieleinläufen siegte Hadis sehr glücklich in 59:42 Minuten und Kosgei wurde bei ihrem Zieleinlauf in 1:05:28 von einem Läufer behindert, so dass das Zielfoto noch einmal nachgestellt wurde.

Brigid Kosgei gewann den Bahrain Night Half Marathon. Der Zieleinlauf musste wegen einer Panne nachgestellt werden. (c) Veranstalter

Mit großartigen Leistungen gewannen Vivian Cheruiyot (KEN) und Mosinet Geremew (ETH) die 19. Ausgabe des EDP Meia Maratona Lisboa in der portugiesischen Hauptstadt. Cheruiyot „pulversierte“ in 1:06:34  im Sinne des Wortes den Streckenrekord von 1:08:22 und Geremew fügte seiner Erfolgssträhne in den letzten beiden Jahren in 59:37 ein weiteres Glanzlicht hinzu. Thomas Kiplagat Rono (KEN) und Desi Jisa Mokonin (BHR) gewannen die 75. (!) Ausgabe des Seoul International Marathon, der völlig zu Recht das ansonsten zu inflationär vergebene Gold Label für den Straßenlauf durch den internationalen Leichtathletik Verband IAAF besitzt. Rono gewann in 2:06:00 und zog drei Mitstreiter gleichfalls unter 2:06:30, Mokonin brauchte 2:23:45.

Mit dem Sieg der 5000m-Weltmeisterin Hellen Obiri (KEN) gab es bei den 43. IAAF Cross-Weltmeisterschaften auf einem einfallsreichen Kurs im dänischen Aarhus im Lauf der Frauen über 10240 m einen Sieg der Favoritin im Vorfeld. Bei den Männer konnte der amtierende Cross-Weltmeisters Geoffrey Kamworor (KEN) seinen Titel nicht verteidigen und musste etwas überraschend mit Joshua Cheptegei (UGA) und Jacob Kiplimo (UGA) zwei Läufern aus Uganda den Vortritt lassen.

Joshua Cheptegei wurde im dänischen Aarhus Cross-Weltmeister. Am Ende der Saison leif er in Valencia auch noch einem Weltrekord über 10 km.  (c) Livestream/Screenshot

Bei guten äußeren Bedingungen liefen Vorjahressieger Benard Kimeli (KEN) in 59:07 sowie Caroline Kipkirui (KAZ) in 1:05:44 als Erste bei der 21. Ausgabe des Sportisimo Prag Halbmarathon ins Ziel. Die Kenianerin Ruth Chepngetich (KEN) sorgte mit dem neuen Streckenrekord von 1:05:30 für das Highlight der 14. Ausgabe des Vodafone Istanbul Halbmarathon. Das Rennen der Männer gewann ihr Landsmann Benard Ngeno (KEN) in knapp unter einer Stunde mit 59:56. In einem mutigen Sololauf verbesserte zur gleichen Stunde Sifan Hassan (NED) den Streckenrekord der Frauen bei der 36. Auflage des Generali Berliner Halbmarathon auf 1:05:45 und rettete damit die sportliche Leistungsbilanz des mit über 35.000 Startern größten deutschen Halbmarathon, der mit seinem Start-Ziel-Bereich in den Tiergarten umzog.

Auch regnerisches und kaltes Wetter konnten Titus Ekiru (KEN) und Vivian Kiplagat (KEN) nicht aufhalten, bei der 19. Ausgabe des Generali Milano Marathon die Streckenrekorde in hochklassige Regionen zu hieven. Mit für den Kurs in Mailand sensationellen 2:04:46 steigerte Ekiru den italienischen All-Comers-Rekord von Edwin Koech von 2:07:13 aus dem Jahr 2017 erheblich und auch Kiplagat lief in 2:22:25 einen Streckenrekord. Zwei Ereignisse werden sicher von der 13. Auflage des Daegu International Marathon – auch am 7. April – in Erinnerung bleiben. Zum einen gewann Felix Kipchirchir (KEN) das Rennen mit neuem Streckenrekord von 2:05:33, zum anderen kam der Ex-Weltrekordler Dennis Kimetto (KEN) zum wiederholten Mal nicht ins Ziel eines Marathonlaufs und steht wohl am Ende einer kurzen Karriere.

Abrha Milaw (ETH) in 2:07:05 und Gelete Burka (ETH) in 2:22:47 gewannen die 43. Ausgabe des Schneider Electric Paris Marathon in der französischen Hauptstadt. Nancy Kiprop (KEN) sorgte mit dem dritten Sieg in Folge sowie einem großartigen Streckenrekord in 2:22:12 für das Highlight der 36. Ausgabe des Wien Marathon. Das Rennen der Männer gewann ihr Landsmann Vincent Kipchumba (KEN) in gleichfalls beachtlichen 2:06:56. Traditionell am Patriots Day (15. April) machten sich bei der 123. Auflage des Boston Marathon insgesamt 27.367 Läufer auf den Weg von Hopkinton ins Stadtzentrum von Boston (26.632 kamen dort an), wobei auf dem hügeligen Punkt-zu-Punkt-Kurs die Wetterbedingungen weit besser waren, als im Vorfeld vorhergesagt. Lawrence Cherono (KEN) in 2:07:58 und Worknesh Degefa (ETH) in 2:23:31 gewannen die Rennen der Elite.

Eliud Kipchoge (KEN) sowie Brigid Kosgei (KEN) dominierten dann die 39. Ausgabe des Virgin money London Marathon bei einem kenianischen Doppelerfolg. Kipchoge gewann das Rennen in der britischen Hauptstadt zum vierten Mal und stellte mit 2:02:37 einen neuen Kursrekord auf. Ferner war diese Zeit nach seinem Weltrekord von 2:01:39 (Berlin 2018) die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit. Auch der Zweitplatzierte Mosinet Geremew (ETH) blieb in 2:02:55 unter 2:03 Stunden, unterbot damit den äthiopischen Landesrekord von Kenenisa Bekele und wurde bis zum Herbst zum zweitschnellsten Marathonläufer aller Zeiten.

Brigid Kosgei gewann den London Marathon mit einer extrem schnellen zweiten Hälfte. (c) H. Winter

Bei den Frauen siegte Kosgei in 2:18:20 nach einem mehr als ungewöhnlichen Rennverlauf, bei dem die Elite den drei Tempomacherinnen bis 25 km nicht folgen wollte. Nach 1:11:38 bei der Hälfte lief Kosgei den zweiten Part in grandiosen 1:06:42, also fast 5 Minuten schneller. Schlagzeilen gab es in London aber auch außerhalb der Laufstrecke. Erst legte sich Mo Farah (GBR) in einem Duell über die Medien wegen diverser Vorkommnisse in Haile Gebrselassies Hotel in Äthiopien mit dem Altmeister an, dann schickte man Halbmarathon-Weltrekordler Abraham Kiptum (KEN) vor dem Rennen wegen Dopingverdachts umgehend nach Hause und am Tag nach dem Lauf verkündete Eliud Kipchoge an legendärer Lokalität in Oxford, noch einen Versuch an der 2 Stunden-Schallmauer im Marathon zu unternehmen. Nach einigen Wochen der Suche wurde der Prater in Wien als Schauplatz für dieses vom Chemiegiganten INEOS gesponserte Spektakel ausgewählt.

Mit einem grandiosen Streckenrekord krönte Lonah Salpeter (ISR) die 25. Jubiläumsausgabe des Volkswagen Prag Marathon. Die für Israel startende gebürtige Kenianerin „pulverisierte“ mit 2:19:46 den Streckenrekord von 2:21:57 durch Valery Aiyabei aus dem Jahr 2017, verbesserte ihre eigene PB um 4 1/2 Minuten und lief damit ferner selbstredend Landesrekord. Auch bei den Männern gab es bei guten äußeren Bedingungen durch Almahjoub Dazza (BRN) in 2:05:58 ein hochklassiges Ergebnis mit insgesamt etwa 10.500 Läufern am Start. Parker Stinson (USA) aus Boulder gewann die 42. Ausgabe des Amway River Bank Run in Grand Rapids (Michigan, USA) über 25 km und stellte in 1:13:48 einen neuen US-Rekord auf. Einen Tag später am 12. Mai meldete sich der (bisher) beste 25 km-Lauf im globalen Ranking, der ehemalige „Franzosenlauf“ in Berlin, ohne die Verpflichtung von Eliteathleten endgültig in die leistungssportliche Bedeutungslosigkeit ab.

Zu einem Festival der Rekorde geriet die 40. Ausgabe des Telenor Kopenhagen Marathon durch die Siege von Jackson Limo (KEN) in 2:09:54 und Etalemahu Habtewold (ETH) in 2:29:29. Niemals zuvor waren in einem Marathon ein Läufer auf dänischem Boden unter 2:10 Stunden und eine Läuferin unter 2:30 Stunden geblieben. Mit einem neuen Titelsponsor machte der Tet Riga Marathon bei seiner 29. Ausgabe einen weiteren Schritt in die internationale Klasse. Beide Sieger, Andualem Belay Shiferaw (ETH) in 2:08:51 bei den Männern als auch Debele Beyene (ETH) in 2:26:18 bei den Frauen, verbesserten die Streckenrekorde und die litauischen All Comers Rekorde deutlich. Am ersten Tag des Monats Juni gewann Nigussie Sahlesilassie (ETH) mit neuem Kursrekord von 2:10:10 die 41. Ausgabe des ASICS Stockholm Marathon.

Nachdem bereits am 12. Juni ein Staffellauf im Berliner Tiergarten wegen Unwetters abgesagt werden musste, waren kurz darauf auch Veranstaltungen in Tübingen und Wolfsburg betroffen. Während sintflutartige Regenfälle eine Absage des EAA-Meetings „Soundtrack 2019“ in Tübingen erforderlich machten, war ein Desaster ganz anderer Art der Grund, einen Staffelmarathon in der VW-Stadt Wolfsburg abzusagen. Durch die für den Eichenprozessionsspinner „günstigen“ klimatischen Bedingungen in unseren Breiten erwiesen sich dessen anwachsende Populationen im öffentlichen Raum als eine so große Bedrohung, dass das Risiko von gesundheitlichen Schäden durch die Veranstalter nicht eingegangen wurde. Die Auswirkungen des „Klimawandels“ scheinen nun auch in der Laufsszene vermehrt angekommen zu sein.

Auch ungünstige Bedingungen hatten keine negative Effekte auf das Leistungsniveau bei der 50. Ausgabe des AJC Peachtree Road Race in Atlanta (GA, USA) am 4. Juli. Sowohl der Shooting Star der Szene, der erst 19-jährige Kenianer Rhonex Kipruto (KEN), mit 27:01 als auch Brigid Kosgei (KEN) mit 30:22 liefen Streckenrekorde bei dem mit ca. 60.000 Teilnehmern (zahlenmäßig) größten 10 km-Lauf der Welt.

Yuta Shitara gewann den Marathon an der australischen Gold Coast mit Streckenrekord. (c) Veranstalter

Der frühere japanische Landesrekordhalter Yuta Shitara (JPN) gewann am Wochende darauf (7. Juli) an der australischen Ostküste die 41. Ausgabe des Gold Coast Marathon. Dabei lief er mit 2:07:50 die schnellste Zeit eines Marathonläufers auf australischem Boden und im Monat Juli ist in der langen Geschichte des Marathonlaufs niemals ein Läufer schneller gelaufen. Ende Juli gewannen Tamirat Tola (ETH) und Ruth Chepngetich (KEN)  die 20. Jubiläumsausgabe des Media Maratón de Bogotá in der kolumbianischen Hauptstadt. Tola brauchte in 2600 m Seehöhe für die Halbmarathondistanz eine Zeit von 1:02:33 und Chepngetich war nach 1:10:39 im Ziel. Weshalb diese Veranstaltung das neu kreierte „Plantinum Label“ des internationalen Verbandes bekommen soll, bleibt in allen Belangen unverständlich.

Gleichfalls in Südamerika sorgte Christian Pacheco (PER) für das Highlight der Marathonläufe im Rahmen der 18. Panamerican Games in der peruanischen Hauptstadt Lima. Mit einer mehr als fraglichen sehr schnellen zweiten Hälfte gewann er den Titel in beachtlichen 2:09:31, der Titel bei den Frauen ging gleichfalls an das Gastgeberland durch Gladys Tejeda (PER) in 2:30:55. Und nochmal Südamerika: Ende August lief der Kenianer Bedan Karoki (KEN) bei der 41. Ausgabe des 21K Buenos Aires mit 59:05 eine Weltklassezeit über die Halbmarathon-Distanz. Einen Monat später gewann an gleicher Stelle Evans Kiplagat Chebet (KEN) mit schnellen 2:05:00 die 35. Ausgabe des Nandu Buenos Aires Marathon und katapultierte damit die argentinische Hauptstadt in die Weltklasse des Straßenlaufs.

Zu den Topleistungen des Jahres – siehe auch oben – gehört sicher der neue Weltrekord durch Geoffrey Kamworor (KEN) in 58:01 Minuten im Halbmarathon. In einem generalstabsmäßig geplanten Rennen bei  der 5. Auflage des Telenor Copenhagen Half Marathon am 15. September lief der dreifache Halbmarathon-Weltmeister die Konkurrenz in Grund und Boden, wobei sogar schon das Zielbanner den „World Record“ verkündete.

Geoffrey Kamworor steigerte in Kopenhagen der Halbmarathon-Weltrekord auf 58:01 Minuten. (c) Veranstalter

Fast zur gleichen Stunde gewannen Shogo Nakamura (JPN) und Honami Maeda (JPN) die Olympiaqulifikation für das japanische Marathon-Team, den Marathon Grand Championship in der japanischen Hauptstadt Tokyo. Auf dem (vermeintlichen) Kurs für Olympia 2020 liefen Nakamura 2:11:28 sowie Maeda 2:25:15 und haben damit neben den Zweitplatzierten Yuma Hattori (JPN) in 2:12:36 sowie Ayuko Suzuki in 2:29:02 Startplätze im (Hoch-)Sommer 2020 sicher. Die Drittplatzierten Suguro Osako (JPN) in 2:12:41 und Rei Ohara (JPN) in 2:29:06 müssen noch abwarten, ob ein(e) Landsmann oder -frau bei den kommenden Stadtmarathonläufen im Lande mit einer Ausnahmeleistung das Ticket für Olympia lösen kann.

Dass bald darauf die Streckenplanung in Tokyo wegen des Umzugs auf die nördlichste Insel zur Makulatur geriet, war ein Akt der Vernunft, kam aber trotzdem im Land des Gastgebers nicht gut an. Immerhin wird damit unverhofft die Bierstadt Sapporo zum Gastgeber von Olympischen Winter- UND Sommerspielen. Kenianische Siege gab es bei der 37. Ausgabe des Semi Marathon International de Lille durch Kandie Kibiwott (KEN) in 59:31 und Dianake Chemtai (KEN) in 1:09:44. Marta Lema Megra (ETH) sorgte mit einem Streckenrekord bei den Frauen in 2:24:21 für das Highlight beim Hengshui Lake International Marathon. Das Rennen der Männer entschied nach einem packenden Finale ihr Landsmann Aychew Dessie Bantie (ETH) in 2:09:51 für sich.

Mit einem sensationellen Comeback gewann die äthiopische Lauflegende Kenenisa Bekele (ETH) den 46. BMW BERLIN-MARATHON in grandiosen 2:01:41. Damit verfehlte er den vermeintlichen Fabel-WR von 2:01:39 durch Eliud Kipchoge aus dem Vorjahr denkbar knapp um nur 2 Sekunden. Noch eindrucksvoller erscheint die Leistung des Äthiopiers durch die Tatsache, dass im Vorfeld auch nicht in Ansätzen eine Weltrekord-Jagd zu erwarten war. Das weit weniger spektakuläre Rennen der Frauen gewann Ashete Bekere (ETH) in 2:20:14.

Zu dem zu erwartenden Desaster geriet der Marathon der Frauen bei der WM in Doha. Auch beim Start um Mitternacht herrschten bei Temperaturen um 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit abwitzige Bedingungen für den Ausdauersport. Während die Einheimischen vermutlich schon auf der Matratze lagen, suchte ein kleiner Zirkel ausländischer Klientel ihren globalen Meister. Beim „Geisterlauf“ auf einer Autobahn unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit quälten sich 70 Läuferinnen über den Parcours. 30 davon stiegen im zum Teil dramatischen Zustand aus, Ruth Chepngetich (KEN) kam am besten mit den Bedingungen zurecht und gewann in 2:32:43; im Januar lief sie bei ungleich besseren Bedingungen im unweit gelegenen Dubai eine Viertelstunde schneller.

Lelisa Desisa holte in Doha den WM-Titel im Marathon bei den Männern. (c) LIvestream/Screenshot

Bei den Männern sorgte der Äthiopier Lelisa Desisa (ETH) in 2:10:40 nach 2001 für den zweiten Erfolg eines Marathonläufers seines Landes bei einer Weltmeisterschaft. Bei „besseren“ Bedingungen als bei Marathon der Frauen und den Geher-Wettbewerben mit Temperaturen um 30°C aber „nur“ 51 % relativer Feuchte (Taupunkt 19°C) war Desisa im Spurt eines Laufs der Beste, der an Tristesse im Umfeld kaum zu überbieten war.

Einen Tag nach dem nicht unumstrittenen Lauf unter 2 Stunden durch Eliud Kipchoge (KEN) im Wiener Prater, den der Ausnahmeläufer nach 1:59:41 in beeindruckender Manier ohne sichtbare Erschöpfung absolvierte, konnte auch bei den Frauen mit 2:15 Stunden eine Traumbarriere im Marathon deutlich unterschritten werden. Die hohen Erwartungen im Rennen der Frauen bei der 42. Ausgabe des Bank of America Chicago Marathon erfüllten sich in glänzender Manier. Die 25-jährige Brigid Kosgei (KEN) lief in fast unfassbaren 2:14:04 einen großartigen Weltrekord im Marathon der Frauen, den zuvor die britische Lauflegende Paula Radcliffe seit 2003 mit 2:15:25 gehalten hatte und der bis dahin auch nicht annähernd in Gefahr geriet.

In einem konsequenten Sololauf mit den beiden Tempomachern Geoffrey Pyego (KEN) und Daniel Limo (KEN) deutete sich schon früh eine Zeit in den Regionen des Weltrekords an, den Kosgei am Ende um 1:21 Minuten unterbieten würde. Die Rennen der Konkurrentinnen sowie der Männer mussten dagegen deutlich abfallen. Bei den Männern gewann der aktuelle Boston Champion Lawrence Cherono (KEN) den Spurt einer Vierergruppe in 2:05:45. Und Sir Mo Farah, immerhin Sieger in Chicago im letzten Jahr, nutzte auch der Wunderschuh wenig, schon nach 8 Meilen lag er zurück und rettete sich mit einer Zeit knapp unter 2:10 Stunden ins Ziel.

Auch in Abwesenheit der Siegerin der letzten beiden Jahre, Tadelech Bekele, entwickelte sich bei der 44. Ausgabe des TCS Amsterdam Marathon ein hochkarätiges Rennen bei den Frauen, das die Debütantin Degitu Azimiraw (ETH) mit Kursrekord von 2:19:26 gewann. Bei den Männern siegte in einem dramatischen Finale Vincent Kipchumba (KEN) in 2:05:09. Mit der Verbesserung des Streckenrekords im Marathon der Männer auf 2:06:00 sorgte Belay Shiferaw (ETH) für das Highlight der 34. Ausgabe des EDP Maratona de Lisboa in der portugiesischen Hauptstadt. Mit im Vorfeld kaum zu erwartenden Leistungen krönten die Athleten die 20. Ausgabe des Scotiabank Toronto Waterfront Marathon. Bei guten äußeren Bedingungen mit Temperaturen um 10°C katapultierte der Streckenrekordler Philemon Rono (KEN) seine Bestmarke aus dem Jahr 2017 auf hochklassige 2:05:00 und bei den Frauen steigerte Magdelyne Masai (KEN) den Kursrekord auf 2:22:16.

Philemon Rono steigerte in Toronto den Streckenrekord auf 2:05:00. (c) Veranstalter

Die Kenianerin Valery Aiyabei (KEN) krönte mit dem neuen Streckenrekord von 2:19:10 – der ersten Zeit in Frankfurt von unter 2:20 Stunden – die 38. Ausgabe des Mainova Frankfurt Marathon am 27. Oktober. Die Männer konnten diesmal in ihren Leistungen nicht mit den Frauen mithalten, ein früh verschlepptes Tempo führte am Ende zu einer der langsamsten Siegerzeiten in den letzten Jahren, die Fikre Tefera (ETH) mit 2:07:08 erzielte. Die mit großer Spannung erwartete 14. Ausgabe des Medio Maratón de Valencia Trinidad Alfonso EDP endete mit Siegen von Yomif Kejelcha (ETH) und Sebere Teferi (ETH). Mit Siegerzeiten von 59:05 und 1:05:32 lag man aber deutlich hinter den im Vorfeld anvisierten Jagden auf die Weltrekorde, die zwischenzeitlich Valencia bei den Frauen sowie Männern hielt.

Mit der hochklassigen Zeit von 2:21:26 konnte Bornes Chepkirui (KEN) den Streckenkord bei den Frauen aus dem Vorjahr beim Volkswagen Ljubljana Marathon weiter steigern. Bei den Männern verfehlte der Sieger Kekile Gezahegn (ETH) in 2:07:29 die Bestmarke in der slowenischen Stadt durch Sisay Lemma – ebenfalls aus dem Vorjahr – von 2:04:58 allerdings recht deutlich. Einer von drei designierten Tempomachern, Daniel Kibet (KEN), lief das Rennen zu Ende und gewann die 41. Ausgabe des Vodafone Istanbul Marathon mit neuem Streckenrekord von 2:09:44. Und am gleichen Tag endete mit Siegen der beiden Weltrekordler auf der Halbmarathondistanz im Central Park die 49. Ausgabe des TCS New York City Marathon. Bei den Frauen gewann Joyciline Jepkosgei (KEN) in 2:22:38, während bei den Männern Geoffrey Kamworor (KEN) in 2:08:13 der Schnellste war.

Die Erstplatzierten beim Istanbul Marathon. In der Mitte der Sieger und neue Streckenrekordler Dainel Kibet. (c) H. Winter

Der Äthiopier  Shifera Tamru (ETH) gewann mit dem neuen Streckenrekord von 2:05:29 die 21. Ausgabe des JTBC Seoul Marathon, der zuvor als JoongAng Seoul International Marathon firmierte. Bei idealen Temperaturen, die im Gegensatz zum Hitzerennen des Vorjahres nur um 10°C betrugen, gewann der Kenianer Mathew Kisorio (KEN) mit dem neuen Streckenrekord von 2:07:06 die 39. Ausgabe des Beijing Marathon in der chinesischen Hauptstadt. Sutume Kebede (ETH) war bei den Frauen in 2:23:31 die Schnellste. Die 40. Jubiläumsausgabe des KBC Dublin Marathon gewann mit neuem Streckenrekord Othmane El Goumri (MAR) in 2:08:06.

Der 19-jährige Robert Keter (KEN) sorgte beim Urban Trail Lille 5 km für ein weiteres Highlight der Straßenlaufsaison 2019. In 13:22 lief der „Nobody“ aus Kenia einen Weltrekord über 5 km auf der Straße und verbesserte damit die noch junge Bestmarke von 13:29. Das „Rücksetzen“ der Weltrekorde auf den Untedistanzen auf der Straße durch die IAAF ist aber nach wie vor umstritten. Im November wurden Ruth Chepngetich (KEN) und Lelisa Desisa (ETH) von der AIMS (Association of International Marathons and Distance Races) mit dem 17. „AIMS Best Marathon Runner Award während des AIMS-Kongresses in Athen ausgezeichnet.

Mit einer Überraschung endete die 2. Ausgabe des ADNOC Abu Dhabi Marathon, denn der Tempomacher Reuben Kipyego (KEN) lief durch und gewann – diesmal auf einer Strecke mit korrekter Länge – in der Topzeit von 2:04:40. Der Vorjahressieger und Topfavorit Marius Kipserem (KEN) war bereits  nach 54 Minuten ausgestiegen und hatte damit das Feld der Konkurrenz überlassen. Bei den Frauen lief Vivian Kiplagat (KEN) zusammen mit einem (männlichen) Tempomacher ein einsames Rennen an der Spitze. Sie gewann in angesichts der äußeren Bedingungen gleichfalls beachtlichen 2:21:11.

Mit Erfolgen der Vorjahressieger Priscah Cherono (KEN) sowie Joshua Kipkorir (KEN) endete die 18. Ausgabe des Standard Chartered Singapore Marathon. Cherono konnte dabei den Streckenrekord auf angesichts der äußeren Bedingungen ausgezeichnete 2:28:54 steigern, während sich Kipkorir nach 2:19:14 ins Ziel rettete. Ob solche Zeiten aber ausreichen, das Werben dieser Veranstaltung als Mitglied der WMM zu befeuern, muss sehr bezweifelt werden. Mit dem Sieg des Favoriten El Mahjoub Dazza (MAR) in 2:07:10 endete die 73. Ausgabe des Fukuoka International Marathon in der südjapanischen Hafenstadt. Dieser Elitelauf mit großer Tradition läuft immer mehr Gefahr, ein Auslaufmodell zu werden. Die Massen-Marathonläufe auf der Insel beginnen nun auch vom Leistungsniveau den Oldtimer zu überholen.

Die hohen Erwartungen an die 38. Ausgabe des Maratón Valencia Trinidad Alfonso wurden in allen Belangen erfüllt. Bei nahezu idealen Bedingungen mit Temperaturen von 15°C bis 18°C (Taupunkt 8°C bis 9°C)  liefen Kinde Alayew (ETH) mit 2:03:51 und Roza Dereje (ETH) in 2:18:30 großartige Streckenrekorde. Und das Sahnehäuptchen präsentierte dazu in einem parallel gestarteten 10 km-Lauf  Joshua Cheptegei (UGA) mit der neuen Weltrekordmarke von 26:38 bei den 10K Valencia Trinidad Alfonso.

Joshua Cheptegei in Valencia auf dem Weg zum Weltrekord über 10 km. (c) Veranstalter

Die Ex-Weltrekordlerin im Halbmarathon der Frauen Peres Jepchirchir (KEN) gewann in 2:23:50 bei ihrem (ernsthaften) „Debüt die 5. Ausgabe des Saitama International Marathon in einem nördlichen Stadtteil von Tokyo. Titus Ekiru (KEN) als Topstar der 47. Ausgabe des Honolulu Marathon auf Hawaii erfüllte selbst höchste Erwartungen und gewann wie im Vorjahr den Lauf mit dem großartigen Streckenrekord von 2:08:00. Und bei der 9. Ausgabe des Osaka Marathon  liefen ganz vorne Asefa Tefera (ETH) in 2:07:47 sowie Aberu Mekuria Zennebe (ETH) in 2:26:29 beachtliche Streckenrekorde.

Leonard Barsoton (KEN) in 1:13:05 und Guteni Shone (ETH) in 1:22:09 gewannen am 15. Dezember mit neuen Streckenrekorden die 6. Ausgabe des Tata Steel Kolkata 25K im indischen Kalkutta. Zur gleichen Zeit kam die Meldung, dass im Rahmen der 32. Olympischen Sommerspiele in der japanischen Hauptstadt Tokyo die Marathonläufe sowie die Geher-Wettbewerbe vom 6. bis 9. August in Sapporo auf der Insel Hakkaido, 800 km nördlich der Hauptstadt, über die Bühne gehen. Auch in Sapporo werden die Athleten im August sicher nicht „frieren“, aber die Bedingungen sollten nicht mit der „Hölle“ auf den Straßen Tokyos zu vergleichen sein. Diese Entscheidung wurde maßgeblich durch die skandalösen Vorfälle bei der WM in Doha getriggert, die damit – wenn man so will – auch eine „gute“ Seite hatten. Bleibt zu hoffen, dass die Marathonläufe von Doha eine Ausnahme in der Geschichte von Meisterschaftsrennen bleiben.

TOP10 der schnellsten komb. Streckenrekorde:
1. Chicago 4:17:49 2:03:45 2:14:04
2. London 4:18:02 2:02:37 2:15:25
3. Berlin 4:19:50 2:01:39 2:18:11
4. Dubai 4:20:42 2:03:34 2:17:08
5. Valencia 4:22:21 2:03:51 2:18:30
6. Frankfurt 4:22:52 2:03:42 2:19:10
7. Rotterdam 4:23:09 2:04:11 2:18:58
8. Amsterdam 4:23:32 2:04:06 2:19:26
9. Tokyo 4:23:45 2:03:58 2:19:47
10. Seoul 4:25:04 2:05:13 2:19:51
Weltjahres-Bestenliste Marathon Männer 2019 (Quelle: IAAF):
1. 2:01:41 Kenenisa BEKELE ETH Berlin 29.9. 2019
2. 2:02:37 Eliud KIPCHOGE KEN London 28.4.2019
3. 2:02:48 Birhanu LEGESE ETH Berlin 29.9.2019
4. 2:02:55 Mosinet GEREMEW ETH London 28.4.2019
5. 2:03:16 Mule WASIHUN ETH London 28 .4.2019
6. 2:03:34 Getaneh MOLLA ETH Dubai 25.1.2019
7. 2:03:36 Sisay LEMMA ETH Berlin 29.9.2019
8. 2:03:40 Herpasa NEGASA ETH Dubai 25.1.2019
9. 2:03:51 Kinde ATANAW ETH Valencia 1.122019
10. 2:04:11 Marius KIPSEREM KEN Rotterdam 7.4.2019
11. 2:04:16 Kaan Kigen ÖZBILEN TUR Valencia 1.122019
12. 2:04:24 Asefa MENGSTU ETH Dubai 25.1.2019
13. 2:04:40 Reuben KIPYEGO KEN Abu Dhabi 6.12.2019
14. 2:04:42 Guye Idemo ADOLA ETH Valencia 1.122019
15. 2:04:46 Titus EKIRU KEN Milano 7.4.2019
16. 2:04:51 Abebe DEGEFA ETH Valencia 1.122019
17. 2:05:00 Evans CHEBET KEN Buenos Aires 22.9.2019
17. 2:05:00 Philemon RONO KEN Toronto 20.10.2019
19. 2:05:01 Shura KITATA ETH London 28.4.2019
20. 2:05:02 Emmanuel SAINA KEN Dubai 25.1.2019
Weltjahres-Bestenliste Marathon Frauen 2019 (Quelle: IAAF):
1. 2:14:04 Brigid KOSGEI KEN Chicago 13.10.2019
2. 2:17:08 Ruth CHEPNGETICH KEN Dubai 25.1.2019
3. 2:17:41 Worknesh DEGEFA ETH Dubai 25.1.2019
4. 2:18:30 Roza DEREJE ETH Valencia 1.12.2019
5. 2:18:33 Azmera ABREHA ETH Valencia 1.12.2019
6. 2:18:46 Birhane DIBABA ETH Valencia 1.12.2019
7. 2:18:52 Vivian J. CHERUIYOT KEN Valencia 1.12.2019
8. 2:19:10 Valary JEMELI KEN Frankfurt 27.10.2019
9. 2:19:26 Degitu AZIMERAW ETH Amsterdam 20 .10.2019
10. 2:19:28 Zeineba YIMER ETH Valencia 1.12.2019
11. 2:19:46 Lonah SALPETER ISR Prag 5.5.2019
12. 2:19:52 Tigist GIRMA ETH Amsterdam 20 .10.2019
13. 2:20:14 Ashete BEKERE ETH Berlin 29.9.2019
14. 2:20:21 Mare DIBABA ETH Berlin 29.9.2019
15. 2:20:24 Workenesh EDESA ETH Valencia 1.12.2019
16. 2:20:39 Purity RIONORIPO KEN Valencia 1.12.2019
17. 2:20:40 Ruti AGA ETH Tokyo 3.3.2019
18. 2:20:48 Azmera GEBRU ETH Amsterdam 20.102019
19. 2:20:51 Ababel YESHANEH ETH Chicago 13.10.2019
20. 2:20:52 Gladys CHERONO KEN London 28.4.2019