Abbott World Marathon Majors: Mit Serie XI kommen einige Veränderungen – ändern wird das aber wenig

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Gestern, am 22. März 2017, verkündeten in Chicago die Abbott World Marathon Majors (WMM), die vermeintliche Eliteliga der globalen Marathon-Szene, einige Änderungen in Ihrer Serie, die sich bisher auf die Auszeichnung der „besten“ Läuferin und des Läufers einer Saison bei den WMM-Veranstaltungen beschränkte. Die WMM, das sind die (Marathon-)Läufe (in der Jahresabfolge gelistet) in Tokyo, Boston, London, Berlin, Chicago und New York City, vergaben mit Hilfe des Sponsors Abbott bisher in kaum überschaubaren Rakings jedes Jahr jeweils 500.000 US$ an die Topathleten, wobei dieser Wettbewerb die Öffentlichkeit so gut wie nicht erreicht(e). Selbst in Laufsport affinen Kreisen sind die WMM-Rankings mitnichten Allgemeingut, die Intention der Steigerung des Interesses und der Akzeptanz in der breiteren Öffentlichkeit wurde deutlich verfehlt. Eigentlich interessiert sich für diese Aktion(en) so gut wie niemand.

Trotzdem geht man von WMM-Seite unbeirrt seinen Weg und will das Preisgeld am Ende einer Serie auf mehrere Athleten verteilen. Mit insgesamt 1,1 Millionen US$ bleibt man im Rahmen des vorigen Ansatzes, wobei von dieser Summe 280.000 US$ in Wohltätigkeitsaktionen abgezweigt werden sollen. Auch die Rollstuhlfahrer/innen werden nun mit Preisgeldern bedacht. Dafür fallen die Preisgelder für die Topathleten geringer aus; statt früher 500.000 US$ gibt es jetzt für die drei Erstplatzierten im Ranking 250.000 (also die Hälfte für den Sieger), 50.000 und 25.000 US$. Der konkrete Verteilungsschlüssel für die Serie XI listet die nachstehende Tabelle (Quelle: WMM) auf.

Place Men Women  WC M WC Wm Charity
1st $250,000 $250,000 $50,000 $50,000 $280,000 $880,000
2nd $50,000 $50,000 $25,000 $25,000 $150,000
3rd $25,000 $25,000 $10,000 $10,000 $70,000
Total $325,000 $325,000 $85,000 $85,000 $280,000 $1,100,000

 

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Die Gewinner der Serie IX für die Jahre 2015/2016: Eliud Kipchoge und Mary Keitany (beide KEN, Bildmitte). Dazu die Racedirektoren der WMM und Repräsentanten vom Sponsor. (c) WMM

Wenn man diese Aktionen der Eliteliga kritisch hinterfragt, wird man sich auch nach dieser Änderung des Konzepts fragen, welche Ziele die Initiatoren verfolgen. Mit diesem Instrument den in der öffentlichen Akzeptanz ganz hinten stehenden Marathonlauf populär zu machen, haben die WMM-Leute bis jetzt jedenfalls denkbar wenig erreichen können. Fast alle Rennen dieser Eliteliga kann man – so man Glück hat – über mehr oder weniger diffuse Quellen als Livestream miterleben. Dazu gehört aber dann auch ein Interesse, die Links mühsam herauszufinden. Dazu kommt  – auch da haben die WMM nur bedingt die Dinge bessern können -, dass bis auf wenige löbliche Ausnahmen die Übertragungen in einer Form realisiert werden, wie man ggfs. Trachtenumzüge oder wasimmer medial umsetzen kann.

Der sportliche Wert der meisten Übertragungen wird in den Sendungen nicht vermittelt und vielfach werden kommerzielle Unterbrechungen bis in ein Regime gesteigert, dass die sportlichen Abläufe außen vor bleiben. So bekommt man z.B. beim Chicago Marathon ca. 10mal die nach einem Sponsor benannten Meldungen zum Wetter präsentiert, obwohl sich das in so kurzer Zeit so gut wie nie ändert. Dass dabei dann wichtige Splits – wie beim Halbmarathon – zurückstehen, ist nur eines von vielen Defiziten, die den Laufsport – ganz im Gegensatz zu den „Kernsportarten“ – in der Zuschauergunst chancenlos macht. Daran haben auch die WMM selbst in Ansätzen nichts ändern können.

Das viele Geld der WMM wäre sicher besser in Maßnahmen investiert, die die Verbreitung der Läufe in auf den Sport zentrierten Übertragungen im Fokus hat. Von den erfolgreichen Standards im Fußball oder auch in vielen Wintersportarten kann man aktuell in Sachen Marathon nur träumen. Ob ein Biathlon wirklich soviel attraktiver als ein Straßenlauf ist, mag dahin gestellt sein. Aber die großartige Präsentation im TV macht diesen Sport in allen Belangen erlebbar, zu jedem Moment ist der aktuelle Stand des Wettbewerbs für den Zuseher am Bildschirm nachzuvollziehen.

Es steht außer Frage, dass das große öffentliche Interesse am Biathlon auch der hohen Qualität der medialen Umsetzung geschuldet ist. Das führt dann über Mechanismen der sich selbst erfüllenden Prophezeiung dazu, dass das Angebot dieser Sportart fast inflationär die Sendezeiten füllt. Jedes – aber auch wirklich jedes – Rennen ist in den öffentlich-rechtlichen Medien in voller Länge zur besten Sendezeit präsent. Im Gegensatz dazu sind z.B. eines der Aushängeschilder der Bahnleichtathletik, die Wettbewerbe der „Diamond League“, auf deutschen TV-Kanälen nicht zu sehen. Dies wird sicherlich das Interesse an der Leichtathletik in weiteren, aber auch speziellen Kreisen der Öffentlichkeit nicht steigern.

Solange die Dinge so sind (wie sie sind), darf man sich nicht wundern, dass z.B. bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in der Halle in Leipzig die Zuschauer die Arena verlassen, um in einem Nebengebäude die TV-Übertragung eines Biathlon-Wettkampfs zu verfolgen. Letztere Begebenheit wurde kürzlich auf der Homepage der German Road Races berichtet und verdeutlicht in aller Härte, wo die Leichtathletik und der Laufsport im speziellen aktuell in der medialen Akzeptanz stehen: GANZ UNTEN!

Und daran haben auch die WMM bisher so gut wie nichts ändern können.