36. Nagoya Women´s Marathon am 8. März 2020: Mao Ichiyama läuft sich mit überragender Leistung ins Olympia-Team

Mit einer großen Überraschung endete heute morgen die 36. Ausgabe des Nagoya Women’s Marathon, den die Japanerin Mao Ichiyama (JPN) in ausgezeichneten 2:20:29 gewann. Diese Leistung war nicht nur wegen der schlechten Bedingungen mit Dauerregen bei Temperaturen knapp unter 10°C bemerkenswert, sondern die erst 22-jährige Nachwuchsläuferin konnte damit die im Vorfeld nicht mehr für möglich gehaltene Zeit von 2:21:47 unterbieten, die ihre Landsfrau Mizuki Matsuda im Januar beim Osaka International Women´s Marathon aufgestellt hatte. Diese Zeit war das Qualifikations-Kriterium für den dritten Startplatz im japanischen Olympia-Team 2020, das in einem mehr als aufwendig inszeniertem Qualifikations-Ritual – „Marathon Grand Championship (MGC)“ – ermittelt wurde. Im nachhinein muss man dem japanischen Verbund für dieses Verfahren Anerkennung zollen, denn entgegen aller Erwartungen haben die MGC das Leistungsniveau ungemein angespornt. Dabei werden allerdings die neuen Entwicklungen im Schuhwerk gerade zur rechten Zeit gekommen sein.

Wie dem auch sei, für die Qualifikationszeit von 2:21:47 waren in etwa 5 km-Splits von 16:48 notwendig und sogar unter dieser Vorgabe wurde das Rennen angelaufen. 19 Läuferinnen passierten die ersten 5 km in 16:41, 10 km in 33:20 und 15 km in 50:13. Nach 1:06:50 für 20 km erreichten noch 11 Läuferinnen zusammen mit 3 Tempomacherinnen die Hälfte nach 1:10:26, womit man bestens unterwegs war. Als bei 25 km in 1:23:30 Charlotte Purdue (GBR) als erste Tempomacherin ausstieg, hatte sich die Spitzengruppe auf 7 Läuferinnen zusammen mit Sinead Diver (AUS) und Eunice Chumba (KEN) als Tempomacherinnen reduziert.

Als Diver und Chumba bei 30 km in 1:40:31 ihre Dienste quittierten, hatte man mit 17:01 für die letzten 5 km etwas an Boden verloren, war aber immer noch auf Kurs zu einer Zeit von 2:21:22. An der Spitze lag nun das Quartett Ichiyama, Purity Rionoripo (KEN), Birke Debele (ETH) und Helen Tola (ETH), kurz dahinter folgten Hirut Damte (ETH), Sayaka Sato (JPN) und Yuka Ando (JPN). Zu diesem Zeitpunkt waren schon die Vorjahressiegerin und der aktuelle Commonwealth-Champion Helalia Johannes (NAM) bereits nach der Hälfte in 1:12:44 genauso aus dem Rennen gegangen wie die japanische Topläuferin Kayoko Fukushi (JPN), die bereits vor zwei Monaten in Osaka ausgestiegen war und damit eine vierte Teilnahme an Olympischen Spielen verpassen dürfte.

Nach 30 km erhöhte Mao Ichiyama das Tempo und sprengte die Spitzengruppe. (c) Livestream/Screenshot

Die Verschleppung des Tempos nach 30 km nahm nun Ichiyama zu Anlass, die Fahrt enorm zu erhöhen. Lagen die km-splits ab 23 km bei 3:24, 3:23, 3:27, 3:29, 3:23 und 3:26, so sprangen die km-Zwischenzeiten nach 29 km auf 3:14, 3:14, 3:14, 3:10, 3:17 und 3:19. Nach 1:56:45 bei 35 km mit einem 5 km-Abschnitt von 16:14 lag die junge Japanerin 25 Sekunden vor Rionoripo und Tola und war damit auf Kurs zur Olympia-Teilnahme.Bei 40 km in 2:13:16 war ihr Vorsprung auf Rionoripo auf fast zwei Minuten angewachsen, kurz dahinter lagen Helen Tola und die nun stark aufkommende Yuka Ando.

Mao Ichiyama erreichte das Ziel im Nagoya Dome in 2:20:29 mit einem Vorsprung von über 2 Minuten auf ihre Landsfrau Yuka Ando, die in 2:22:41 nach ihrem Sieg in Nagoya im Jahr 2017 in 2:21:36 erstmals wieder eine Topzeit erreichte. Wie hoch die Zeit von Ichiyama einzuschätzen ist, veranschaulicht schon die Tatsache, dass sie bei diesem „Plantinum Label Event“ der World Athletics den Streckenrekord von 2:21:17 durch Eunica Kirwa aus dem Jahr 2017 deutlich verbesserte. Im Siegerinterview führte die strahlende Siegerin aus, dass sie sich spezifisch auf ein schnelles Finale vorbereitet hatte. Die Zeit von Ichiyama, die im letzten Jahr beim verregneten Tokyo Marathon ihre PB von 2:24:33 aufstellte, ist die schnellste Zeit einer japanischen Läuferin auf heimischem Boden. Bei der direkten Qualifikation im September auf dem Olympiakurs in Tokyo wurde sie in 2:32:30 Sechste.

Mao Ichiyama gewann den Nagoya Marathon und mit 2:20:29 einen Startplatz für Olympia. (c) Livestream/Screenshot

Während sich Ichiyama in Nagoya für Olympia qualifizierte, reichte die Zeit von Ando für das hochklassige japanische Team nicht aus. Und auch die als sicher geglaubte Qualifikation von Matsuda mit 2:21:47 endete in Nygoya in ihrer Rolle als Ersatzfrau. In 2:22:56 wurde Purity Rionoriop Dritte in einem Rennen, in dem statt der sonst üblichen 30.000 Frauen diesmal Virus bedingt nur 96 Läuferinnen im Ziel registriert wurden. Dazu gehörte im übrigen auch auf Platz 26 die deutsche Läuferin Anke Esser (GER), die sich Hoffnungen auf einen Start im deutschen Olympiateam machte.

Über flotte 17:24 bei 5 km, 34:44 bei 10 km und 52:46 bei 15 km erreichte die Frau aus Ostbevern den Halbmarathon in 1:14:32 mit Kurs auf die Olympianorm von 2:29:30. Doch ähnlich wie beim Berlin Marathon vor zwei Jahren hatte sie im ersten Part überzogen und brach anschließend deutlich ein. Mit letzten 5 km-Abschnitten von 19:07, 19:48 und sogar 21:17 erreichte sie das Ziel nach 2:39:19, das waren fast 10 Minuten über der Norm.

Ergebnisse Nagoya Women´s Marathon:
1. Mao Ichiyama JPN 2:20:29
2. Yuka Ando JPN 2:22:41
3. Purity Cherotich Rionoripo KEN 2:22:56
4. Hirut Tibebu Damte ETH 2:23:17
5. Sayaka Sato JPN 2:23:27
6. Helen Tola ETH 2:23:52
7. Birke Debele ETH 2:25:08
8. Ai Hosoda JPN 2:26:34
9. Reia Iwade JPN 2:28:39
10. Natsuki Omori JPN 2:29:29
11. Erika Honda JPN 2:29:51
12. Mao Uesugi JPN 2:30:00