14. Tokyo Marathon am 1. März 2020 (Update): Hochklassige Elitefelder und Kampf um das letzte japanische Olympiaticket fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Wie die Organisatoren des 14. Tokyo Marathon am 1. März 2020 vor zwei Wochen bekannt machten, ist der zu den World Marathon Majors gehörende Lauf für die Freizeitläufer abgesagt worden. Diese Maßnahme betrifft bis auf eine kleine Gruppe von Eliteathleten den Rest der ca. 40.000 angemeldeten Teilnehmer. Nachdem bereits zuvor die Meldungen aus China ausgeschlossen wurden, das sind ca. 1500 Aktive, wurde später die Reissleine gezogen und die Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus bei einer Massenveranstaltung für Läufer und Zuschauer so gravierend eingeschätzt, dass man sich zu diesem gravierenden Beschluss in er Tokyo Marathon Foundation durchgerungen hat.

Diese Bilder vom Start wird es am 1. März beim Tokyo Marathon nicht geben. (c) Veranstalter

Für die gemeldeten Teilnehmer ist die ganze Sache aber nicht nur unerfreulich. Denn abgesehen von der Möglichkeit eines Start im Jahr 2021 ist das Geld für die Anmeldung für dieses Jahr verloren. Der Veranstalter kann sich da problemlos auf „höhere Gewalt“ berufen. Mit der Zusicherung eines Startplatzes im Jahr 2021 wird die Startgebühr erneut zu entrichten sein. Dazu kommen dann noch die Probleme für die auswärtigen Starter in Sachen Flug und Hotelunterkunft, wo Stornierungen nicht in allen Fällen problemlos zu realisieren sein dürften.

Damit kehrt der Tokyo Marathon wieder zu seinen „Wurzeln“ zurück, denn die Veranstaltung war vor seiner Öffnung für die Massen ein reiner Elitelauf, bei dem im übrigen der Dresdner Jörg Peter im Februar 1988 den deutschen Rekord auf 2:08:47 steigerte. Vor gut 10 Jahren kam dann die Wende und Öffnung vieler Marathonläufe in Japan für die (Läufer-)Massen, wobei der Tokyo Marathon mit der Aufnahme in die World Marathon Majors die eindrucksvollste Entwicklung in der Laufszene auf der Insel hinter sich gebracht hat.

Obwohl sich die Dinge in Sachen Corona-Virus in Japan durchaus kritisch entwickelt haben, soll aktuell das Rennen am Sonntag stattfinden. Es mutet schon fast etwas sarkastisch an, wenn man auf der Homepage der Veranstaltung fast dazu ermuntert wird, dem Lauf in den Straßen der Hauptstadt fernzubleiben und sich lieber vor den Fernseher (oder an den Computer) setzen soll. Und wenn es jemanden an die Strecke zieht, dann „bitte Hände waschen und Abstand zum Nachbarn halten“. Das wird sicher eine mehr als eigenartige Szenerie am Streckenrand werden, wobei Zuschauermassen weniger leistungsstimulierend sind, als das immer wieder beschreiben wird.

Wie dem am Ende auch sei, mit einem beachtlichen Feld an Eliteathleten geht der Tokyo Marathon in seine 14. Runde. Die Sieger des Vorjahres Birhanu Legese (ETH) sowie Ruti Aga (ETH) kehren in die japanische Hauptstadt zurück. Die hohe Qualität des Elitefeldes belegen 8 Läufer mit PBs von unter 2:05 Stunden, 5 Läuferinnen schafften den Marathon schon unter der magischen Grenze bei den Frauen von 2:20 Stunden. Topstar in diesem Jahr ist Birhanu Legese, der sich beim Kampf gegen Lauflegende Kenenisa Bekele im September 2019 in Berlin auf 2:02:48 steigern konnte.  Dazu der Race Director vor Ort, Tad Hayano: „I believe Legese will lead the race to bring record time under 2:03, marking the fastest record achieved within Japan.“

Birhanu Legese gewann 2019 das Regenrennen in Tokyo. (c) Livestream/Screenshot

Doch mit seinen Landsleuten Getaneh Molla (ETH) und Sisay Lemma (ETH) hat er erhebliche Konkurrenten, die sich erst im letzten Jahr in Dubai auf 2:03:34 bzw. 2:03:46 steigern konnten. Auch Asefa Mengstu (ETH) und Lemi Hayle (ETH) erzielten ihre PBs von 2:04:06 und 2:04:33 in Dubai. Weitere Athleten mit Chancen auf vordere Platzierungen sind der Sieger in Tokyo des Jahres 2018 Dickson Chumba (KEN), der 2014 in Chicago 2:04:32 lief, Hassan El Abbassi (BRN) mit einer PB von 2:04:43 beim Valencia Marathon sowie Titus Ekiru (KEN), der den Streckenrekord im letzten Jahr in Mailand auf grandiose 2:04:46 schraubte. Und auch Bedan Karoki (KEN), der Vorjahreszweite in Tokyo, lief im Oktober 2019 in Chicago 2:05:53 und hat noch von den Unterdistanzen her erhebliches Potential der Steigerung.

Fast noch spektakulärer als der direkte Kampf um den Sieg könnte der Wettstreit der japanischen Läufer werden, wo die Tür zu Olympia 2020 für den ehemaligen Landesrekordler Yuta Shitara (JPN) sich noch öffnen könnte, wenn er den Landesrekord von Suguru Osako (JPN) von 2:05:50 unterbieten könnte. Shitara geht ähnlich wie bei den Olympiaausscheidungen der Japaner im September 2019 die Dinge weiterhin aggressiv an und teilte in den Medien mit, dass er in Tokyo 2:04 Stunden laufen will. Falls das nicht gelingt, will er auf Olympia verzichten, weil er bei warmen Bedingungen keine Topleistungen erbringen kann. Im letzteren Fall wäre dann Osako automatisch qualifiziert. Osako war am letzten Wochenende beim Dubai Marathon dabei, lief nur einen Testlauf über 25 km, der aber sehr erfolgreich war.

Auch bei den Frauen ist die Vorjahressiegerin Ruti Aga die Schnellste im Feld. Im Jahr 2018 gewann sie den Berlin Marathon in 2:18:34. Im letzten Jahr war sie in Tokyo in 2:20:40 vorne, beim New York City Marathon im November wurde sie in 2:25:51 Dritte und vor gut einer Woche in Houston im Halbmarathon in 1:08:25 sogar nur Sechste. Diesbezüglich zeigte Birhane Dibaba (ETH) zuletzt eine bessere Form, Anfang Dezember lief sie Valencia Bestzeit in 2:18:46. Im Januar 2018 konnte sie den Tokyo Marathon in 2:19;51 gewinnen, was dort aktuell der Streckenrekord ist. Valery Aiyabei (KEN) lief in Frankfurt im Oktober 2019 ein großartiges Rennen in 2:19:10, wobei ihr am Ende aber etwas die Puste nach einem fulminaten Beginn ausging. Sie dürfte in der Form von Frankfurt eine erste Anwärterin auf den Sieg sein.

Valery Aiyabei ist eine der Topfavoritinnen beim Tokyo Marathon. (c) H. Winter

Mit Lonah Salpeter (ISR) und Tigist Girma (ETH) sind zwei weitere sub-2:20-Läuferinnen am Start. Salpeter schraubte im letzten Jahr den Streckenrekord in Prag auf 2:19:46 und Tigist Girma wurde im Oktober 2019 Zweite beim Amsterdam Marathon in 2:19:52. Weitere Läuferinnen mit PBs von unter 2:21 Stunden sind Azmera Gebru (ETH) (PB 2:20:48, Amsterdam 2019) und Shure Demise (ETH), die bereits vor fünf Jahren in Dubai 2:20:59 erreichte.

Liste der Eliteathleten:
LEGESE, Birhanu ETH 2:02:48 Berlin 2019
MOLLA, Getaneh ETH 2:03:34 Dubai 2019
LEMMA, Sisay ETH 2:03:36 Dubai 2019
MENGSTU, Asefa ETH 2:04:06 Dubai 2019
CHUMBA, Dickson KEN 2:04:32 Chicago 2014
LEMI, Hayle ETH 2:04:33 Dubai 2016
EL ABBASSI, El Hassan BRN 2:04:43 Valencia 2018
EKIRU, Titus KEN 2:04:46 Mailand 2019
KIPRUTO, Amos KEN 2:05:43 Amsterdam 2017
KAROKI, Bedan KEN 2:05:53 Chicago 2019
ADBI, Bashir BEL 2:06:14 Chicago 2019
OSAKO,Suguru JPN 2:05:50 Chicago 2018
SHITARA,Yuta JPN 2:06:11 Tokyo 2018
INOUE,Hiroto JPN 2:06:54 Tokyo 2018
YAMAMOTO,Kenji JPN 2:08:42 Otsu 2019
MURAYAMA,Kenta JPN 2:08:56 Berlin 2019
SATO,Yuki JPN 2:08:58 Tokyo 2018
SONODA,Hayato JPN 2:09:34 Beppu-Oita 2018
KAMINO,Daichi JPN 2:10:18 Tokyo 2018
MIYAWAKI,Chihiro JPN 2:08:45 Tokyo 2018
UEKADO,Daisuke JPN 2:09:27 Fukuoka 2017
HASHIMOTO,Ryo JPN 2:09:29 Beppu-Oita 2019
IWATA,Yuji JPN 2:09:27 Beppu-Oita 2019
SIMON,Kariuki JPN 2:09:41 Frankfurt 2007
ISSHIKI,Tadashi JPN 2:09:43 Tokyo 2018
Liste der Eliteathletinnen:
AGA, Ruti ETH 2:18:34 Berlin 2018
DIBABA, Birhane ETH 2:18:46 Valencia 2019
AIYABEI, Valary KEN 2:19:10 Frankfurt 2019
CEMTAI SALPETER, Lonah ISR 2:19:46 Prag 2019
GIRMA, Tigist ETH 2:19:52 Amsterdam 2019
GEBRU, Azmera ETH 2:20:48 Amsterdam 2019
DEMISE, Shure ETH 2:20:59 Dubai 2015
CHEPYEGO KAPTICH, Selly KEN 2:21:06 Berlin 2019
ESHETE, Shitaye BRN 2:21:33 Ljubljana 2019
LEMA, Marta ETH 2:22:35 Toronto 2018
ASEFA KEBEDE, Sutume ETH 2:23:31 Beijing 2019
TEFERI, Senbere ETH 2:24:11 Dubai 2018
DEELSTRA, Andrea NED 2:26:46 Berlin 2015
CLIFF, Rachel CAN 2:26:56 Nagoya 2019
YAMAGUCHI, Haruka JPN 2:26:35 Osaka 2020
YOSHIDA,Kaori JPN 2:28:24 Nagoya 2017
NOGUCHI,Risa JPN 2:28:32 Gold Coast 2017