36. Zurich Maratón de Sevilla (ESP) am 23. Februar 2020: Merkuant Ayenew und Juliet Chekwel gewinnen Festival der Rekorde, Hendrik Pfeiffer und Anja Scherl mit Olympianorn

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Mit einen Festival der Rekorde endete die 36. Ausgabe des Zurich Maratón de Sevilla. Bei idealen äußeren Bedingungen stellten Mekuant Ayenew (ETH) in 2:04:46 und Juliet Chekwel (UGA) in 2:23:13 neue Streckenrekorde auf. Ayenew und Chekwel verbesserten die Bestmarken aus dem Vorjahr von 2:06:36 und 2:24:28 um jeweils über eine Minute. Im Sog der Flut hochklassiger Rekorde unterboten Hendrik Pfeiffer (GER) aus Wattenscheid in 2:10:18 und Anja Scherl (GER) aus Regensburg in 2:28:25 die jeweiligen Olympianormen recht deutlich.

Nachdem es bereits im letzten Jahr bei den Männern 5 Zeiten unter 2:07 Stunden gab, waren die Erwartungen entsprechend hoch und das Elitefeld erfüllte diese dann auch in allen Belangen. Bereits der erste Split nach 5 km von 14:43 stimmte optimistisch, 24 Läufer bildeten eine große Spitzengruppe, der der deutsche Topläufer Hendik Pfeiffer nach 15:32 in einem Pulk von 40 Aktiven auf der Jagd nach der Olympianorm von 2:11:30 folgte. Über 29:23 bei 10 km, 44:16 bei 15km und 59:14 bei 20 km erreichten vorne 16 Läufer die Hälfte nach 1:02:32 und lagen damit weiter unter dem Kursrekord. Die Gruppe um Pfeiffer hatte sich bis zum Halbmarathon auf 30 Läufer reduziert, auf Platz 53 (!) passierte der Deutsche diese Distanz nach 1:05:25 mit Kurs auf Erfüllung der Olympianorm.

Nach 1:14:23 für 25 km brach die Spitzengruppe auseinander und Ayenew setzte sich zusammen mit Barnabas Kiptum (KEN) ab und hatten bei 20 km in 1:28:39 einen Vorsprung von 17 Sekunden auf eine fünfköpfige Verfolgergruppe herausgelaufen. Auf Platz 43 lag an dieser Stelle Hendrik Pfeiffer, der mit einem Split von 1:32:36 auf Kurs zu einer Zeit von 2:10:15 bestens unterwegs war. Bei 34 km fiel an der Spitze eine Vorentscheidung als sich Ayenew von Kiptum lösen konnte und bei 35 km in 1:43:24 einige Sekunden vor dem Kenianer lag, der anschließend schnell weiter an Boden verlor. Mit 1:47:57 konnte hier Pfeiffer auf Platz 33 sein hohes Tempo weiterhin halten.

Mekuant Ayenew gewann den Sevilla Marathon in 2:04:46. (c) Livestream/Screenshot

An der Spitze war die Entscheidung gefallen und nach 40 km in 1:58:09 lief Ayenew in 2:04:46 ins Ziel ein, womit er neben einem Streckenrekord auch eine neue Jahres-Weltbestleistung erzielte. Damit konnte der Sieger seine PB von 2:09:00 beim Prag Marathon im Jahr 2017 um über vier Minuten auf eine Weltklassezeit steigern. Auch der Zweite Barnaba Kiptum lief mit PB von 2:05:05 eine Topzeit, Dritter wurde Regasa Bejiga (ETH) in 2:06:24. Ein auch in der Leistungsbreite großartiges Ergebnis rundeten Worknesh Tesfa (ETH) in 2:06:26, Michael Kunyuga (KEN) in 2:06:43 sowie Bazu Worku (ETH) in 2:06:47 ab, wobei der Äthiopier nach langer Zeit wieder einmal durch ein schnelles Rennen überzeugen konnte.

Fast unbeachtet erreicht Hendrik Pfeiffer das Ziel nach 2:10:18 und erfüllt die Olympianorm. (c) Livestream/Screenshot

Hendrik Pfeiffer konnte sein Tempo halten und belegte in 2:10:18 Platz 25. Er ist damit im Jahr 2020 der schnellste deutsche Marathonläufer und verbesserte seine persönliche Bestleistung von 2:13:11 aus dem Jahr 2016 um fast 3 Minuten. Damit sollte der Mann vom TV Wattenscheid beste Aussichten haben, sich gegen die heimische Konkurrenz in Sachen Olympiaticket durchzusetzen. Der Deutsche zeigte sich nach dem Lauf hoch zufrieden und war glücklich, dass er sich für den Lauf in Sevilla entschieden hatte. Eigentlich hatte er vor, nur einen Teil der Distanz in Angriff zu nehmen, nachdem es aber sehr gut bei ihm lief, „zog“ der immer wieder von Verletzungen geplagte Athlet mit großem Erfolg durch.

Pfeiffer trug dann am Ende zu einer einmaligen Leistungsbreite bei. 30 Läufer unterboten eine Zeit von 2:11 Stunden, 19 blieben unter 2:09 Stunden und 14 erreichten das Ziel inuntre 2:08 Stunden. Die letzten Zahlen wurde zuletzt vor einem Monat in Dubai erreicht. Es wird immer deutlicher, mit welcher Macht die spanischen Eliteevents in die Weltklasse des Laufsports vordringen.

Auch im Rennen der Frauen ging man flott zur Sache, elf Läuferinnen passierten 5 km nach 16:54 und 10 km nach 33:48. Dann reduzierte sich die Spitze auf 8 Läuferinnen, die 15 km nach 51:02, 20 km nach 1:08:15 und die Halbdistanz nach 1:12:00 passierten. Anja Scherl lag bisher stets auf Platz 14 und mit Splits von 17:19 bei 5 km, 34:46 bei 10 km und 1:13:63 bei der Hälfte im Regime einer Zeit um 2:28 Stunden, d.h. deutlich unter der Olympianorm von 2:29:30. Mit Hanne Lindblom (SWE) hatte sie eine ideale Begleiterin. An der Spitze dünnte das Feld zunehmend aus, nach 1:25:17 bei 25km, 1:42:05 bei 30 km und 1:59:14 bei 35 km war die erste Gruppe von 5 auf 3 Läuferinnen zusammengeschmolzen.

Anja Scherl hatte sich in 2:03:22 bei 35 km bereits auf Platz 10 vorgelaufen. Bald darauf fiel vorne eine Vorentscheidung, als sich Juliet Chekwel absetzte und bei 40 km in 2:15:53 sieben Sekunde vor Gada Bontu lag. Diesen Vorsprung gab die Frau aus Uganda bei ihrem Debüt über die volle Marathondistanz (PB Halbmarathon: 1:09:45) nicht mehr aus der Hand und gewann in der Streckenrekordzeit von 2:23:13. Bontu wurde in 2:23:39 Zweite, Platz 3 ging in 2:23:49 an Sifan Melaku (ETH). Anja Scherl konnte ihr Tempo fast über die volle Distanz halten und arbeitete sich in 2:28:25 auf Platz 8 vor. Damit erfüllte sie nicht nur die Olympianorm im Marathon der Frauen, sondern ist aktuell beim Kampf um einen Startplatz in Sapporo im Sommer hinter Melat Kejeta und Katharina Streinruck die drittbeste deutsche Marathonläuferin.

Anjy Scherl ereicht völlig erschöpft das Ziel beim Sevilla Marathon. (c) Livestream/Screenshot

 Ergebnisse Marathon der Männer:
1. Mekuant Ayenew ETH 2:04:46
2. Barnabas Kiptum KEN 2:05:05
3. Regasa Bejiga ETH 2:06:24
4. Worknesh Tesfa ETH 2:06:27
5. Michael Kunyuga KEN 2:06:43
6. Bazu Worku ETH 2:06:47
7. Eyob Faniel ITA 2:07:19
8. Maru Teferi ETH 2:07:20
9. Alemyehu Mekonen ETH 2:07:23
10. Javier Guerra ESP 2:07:27
Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. Juliet Chekwel UGA 2:23:13
2. Gada Bontu KEN 2:23:39
3. Sifan Melaku ETH 2:23:49
4. Josephine Chepkoech KEN 2:24:14
5. Purity Changwony KEN 2:24:30
6. Gladys Tejeda PER 2:27:07
7. Beji Bekelu ETH 2:27:50
8. Melkam Gizaw ETH 2:28:05
9. Anja Scherl GER 2:28:25
10. Marcela Gomez ARB 2:28:58