IAAF World Athletics Championships in Doha (Katar) – 20 km Gehen der Männer: Herr Dr. Bach, Lord Coe stoppen sie diesen WAHNSINN!!

Während die Präsidenten des IOC Dr. Thomas Bach und der IAAF Sir Lord Sebastian Coe wohl temperiert mit den Scheichs auf der Ehrentribühne hocken, spielen sich draußen in der Hitze und Schwüle dramatische Szenen ab. Bei der abnormen Wärme draußen gehen die Leistungssportler über jedes Limit hinaus und brechen reihenweise ein- und zusammen, während die „Führer“ des Weltsports ohne jede Skrupel alles, was sich zu (viel) Geld machen lässt, verscherbeln.

Dr. Bach und Lord Coe hocken mit den Scheichs beieinander, draußen fallen die Athleten um wie die Fliegen. Aber die Kasse bei Dr. Bach und Knallchargen stimmt! (c) Livestream/Screenshot

Szenen kurz nach Mitternacht: Der deutsche Geher Nils Brembach brach soeben völlig erschöpft und überhitzt zusammen und wird mit Eiswasser wieder auf Normaltemperatur hinuntergekühlt. (c) Livestream/Screenshot

Herr Dr. Bach, Sir Lord Coe stoppen sie diesen WAHNSINN!

Nach den Skandal-Wettbewerben von Doha darf es keine Ausdauerwettbewerbe während der Olympischen Spiele im Sommer 2020 in Tokyo geben.

Es kann einfach nicht angehen, dass Athleten für eine völlig aus dem Ruder gelaufene Planung herhalten müssen. Die Entscheidung Ende September/Anfang Oktober in der Hitze und Schwüle des Arabischen Subkontinents Ausdauerevents im Freien abzuhalten, war ein kapitaler Fehler, der in allen Belangen den Verbänden und allen voran deren Präsidenten anzulasten ist. Trotz etlicher Lichtblicke war die WM in Katar ein Desaster und wird am Ende der Sportart Leichtathletik weit mehr geschadet haben, als man aktuell realisiert.

Während im überdimensionalen Kühlschrank des Khalifa International Stadium zumindest die Bedingungen für leistungssportliche Aktionen in einem allerdings tristen Umfeld stimmten, waren die Bedingungen „draußen“ so, wie sie auch zu erwarten waren. Heiß und schwül, d.h. selbst zur Mitternachtsstunde Temperaturen jenseits der 30°C und hoher Luftfeuchte mit einem kaum geringeren Taupunkt. Man muss sich schon fragen, wer so unverantwortlich handeln kann und (Weltklasse-)Athleten in diese Sauna zum Wettkampf schickt. Man kann von Glück sprechen, dass bisher nicht noch Schlimmeres als kollabierende Athleten produziert wurden, die in den Ausdauerrennen – nach dem Motto: „Survial of the fittest“ – völlig dehydriert aufgeben mussten, aber in der Regel wieder schnell „auf die Beine kamen“.

Wie unsinnig das Betreiben von Leistungssport unter derartigen Verhältnissen ist, zeigen simple physikalisch-physiologische Fakten. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn die verantwortlichen Funktionäre diese Dinge in Betracht ziehen würden, als einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeiten auf das Aushandeln von Sponsoren- oder Medienverträgen zu konzentrieren. Das Wohl und Wehe der Athleten spielt in dieser eigenen Welt so gut wie keine Rolle mehr: Leichtathletik im September in der Wüste, Olympia im subtropischen Sommer, solange die Kasse stimmt, ist scheinbar heutzutage alles möglich.Der Wassergehalt gesättigter Luft als Funktion der Temperatur. Die blaue Kurve gibt den Gehalt zu 100% gesättigter Luft an, was dem sog. Taupunkt entspricht. (c) H. Winter

Um die Diskussion an dieser Stelle zu versachlichen, ist in der obigen Grafik der Wassergehalt der Luft als Funktion der Temperatur gezeigt. Die Grenze von 100% mit Wasser gesättiger Luft (mehr geht nicht) ist der Taupunkt, der als blaue Kurve in dem Diagramm gezeichnet ist. Bei hohen Temperaturen, wie sie in Katar aktuell herrschen und im kommenden Sommer auch in Tokyo anzutreffen sind, spielt dieser thermodynamischer Fakt die kardinale Rolle. Denn der einzige Mechnismus der Kühlung der „Wärme-Kraft-Maschine“ Mensch ist die (mit 680 Wh pro Liter Wasser) hocheffiziente Verdunstungskälte. Dazu muss aber das Wasser – hier: Schweiß – vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand übergehen.

Und dies ist in Doha das Problem! Da die Luft schon hochgradig gesättigt ist, kann der Schweiß nicht verdunsten und läuft als Wasser ohne Kühleffekt am Körper herunter. Den Effekt kann man mit obiger Grafik schnell abschätzen. Während bei in unseren Breiten üblicher Feuchte mit Taupunkten um 5°C die Luft 30g Wasser/kg aufnehmen kann, sind das bei Bedingungen wie in Doha nur noch ca. 1/3 davon. Dies hat die dramatische Konsequenz, dass bei äußeren Bedingungen, wo ein hoher Grad von Kühlung notwendig ist, der kardinale Kühlprozess nur noch sehr reduziert funktioniert. Jeder der sich in der Sauna körperlich ertüchtigen will, wird dies umgehend am eigenen Leib erfahren.

Fazit: Für die wichtigsten Funktionsgruppen im Körper sind Temperaturen jenseits der 42°C von höchster Gefahr und die humanen Kontroll-Mechanismen tun alles, um dieses Regime zu meiden. Wenn aber auch die exzessive Ausschüttung von Wasser nicht mehr hilft, dann kommt es zu Szenen, die mit Sport nicht mehr zu tun haben und jegliche Verantwortlichkeit gegenüber dem Wohl der Athleten vermissen lassen. Dass angeblich die TV-Crews in Doha angewiesen wurden, explizit keine kollabierenden Sportler zuzeigen, ist ein Akt der Arroganz bis zur Menschenverachtung und der Abwälzung der Probleme auf die Athleten, die einen sprachlos machen und – bei Bestätigung dieser Anweisungen – unabdingbare personelle Konsequenzen bis in den Bereich des Präsidiums nach sich ziehen müssten.

Nach dem Desaster von Doha liegt es nun in der Hand der Leichtathletik-Community, nachhaltig auf die Veränderung derartiger Entwicklungen zu drängen. Diesbezüglich sind dann vor allem auch die bis zur Unmündigkeit degradierten Athleten gefragt. Unterstützung von Seiten der Verbände und Präsidien wird man allerdings kaum erwarten können. Im Interviews mit den TV-Anstalten scheint Präsident Lord Coe kaum willens, auf diese Problematik einzugehen. Die Organisation ist perfekt, die Athleten nach seinen Befragungen hoch zufrieden und vor allem der medizinische Bereich hat toll funktioniert. In Doha  ist man bis heute offensichtlich noch einmal glimpflich davon gekommen. Das gleiche Lotteriespiel mit der Gesundheit der Athleten in Tokyo noch einmal spielen zu wollen, ist ein handfester Skandal.