IAAF World Athletics Championships in Doha (Katar) – Marathon der Männer: Lilesa Desisa gewinnt „Geisterlauf“

Der Äthiopier Lelisa Desisa (ETH) sorgte in 2:10:40 nach 2001 für den zweiten Erfolg eines Marathonläufers seines Landes bei einer Weltmeisterschaft. Bei weit „besseren“ Bedingungen als bei Marathon der Frauen und den Geher-Wettbewerben mit Temperaturen um 30°C aber „nur“ 51 % relativer Feuchte (Taupunkt 19°C) war Desisa im Spurt eines Laufs der Beste, der an Tristesse im Umfeld kaum zu überbieten war. Wer stellt sich auch schon nach Mitternacht an eine Autobahn, um bei ungeeigneten Bedingungen einen landesfremden Event zu erleben. Während die Einheimischen vermutlich schon auf der Matratze lagen, suchte ein kleiner Zirkel ausländischer Klientel ihren globalen Meister.

Derlys Ayala bestimmte in der ersten Hälfte das Geschehen an der Spitze. (c) Livestream/Screenshot

Das Rennen an der Spitze bestimmte in der ersten Hälfte der vielfache Landesmeister Paraguays Derlys Ayala (PAR), der bereits nach einem schnellen ersten Kilometer in 2:56 weit in Front und bei 5 km in sehr flotten 15:06 eine volle Minute vor der Konkurrenz lag. Dort war es auf dem Weg nach 10 km vor allem Ex-Halbmarathon-Weltrekordler Zersenay Tadese (ERI), der versuchte das Tempo der Verfolgergruppe zu erhöhen. Doch auch bei 10 km in 30:40 für den Führenden änderte sich in 31:40 für die Verfolger zunächst nichts.

Erst nach 15 km in 46:34 für Ayala, der erst vor zwei Wochen den Marathon in Buenos Aires in 2:10:27 gelaufen war, und 47:36 für den ersten Verfolger Paul Loyangata (KEN) kam Bewegung ins Rennen, woran nach ca. 55 Minuten wieder maßgeblich Tadese beteiligt war. Mit einem Kilometer in 3:01 sprengte Tadese den Verfolgerpulk, der sich auf 6 Läufer dezimierte und sich bei 20 km in 1:02:44 bis auf 6 Sekunden an Ayala genähert hatte. Beim Halbmarathon in 1:05:56 – deutete auf eine Siegerzeit von 2:12 Stunden hin – war Ayala eingeholt, dessen Einmann-Show im TV damit beendet war, konsequenter Weise stieg er auch aus dem Rennen aus.

Nach der Halbmarathon-Marke bestimmte eine sechsköpfige Gruppe das Geschehen an der Spitze. (c) Livestream/Screenshot

In einer sechsköpfigen Kopfgruppe lagen nun Tadese, Desisa, der Mann mit der besten Vorleistung von 2:02:55 Mosinet Geremew (ETH) (Hinweis an die TV-Kommentatoren: „ew“ wird wie „o“ ausgesprochen), Stephen Mokoka (RSA) sowie die beiden Kenianer Amos Kipruto (KEN) und der Titelverteidiger Geoffrey Kirui (KEN) an der Spitze des sich immer länger ziehenden Feldes, das mit 73 Athleten gestartet war. Über 1:17:38 bei 25 km erreichte man 30 km in 1:33:13, wonach der sogar zu Späßen aufgelegte Mokoka das Tempo anzog und Kirui sowie Tadese zurückfielen.

Kurz vor 40 km kommt Hawkins der Spitzengruppe immer näher. (c) Livestream/Screenshot

Bei 35 km in 1:48:49 lag man auf Kurs zu einer Zeit von 2:11:11, und während hinten im Feld die Aussteigerquote erhebliche Ausmaße annahm, arbeiteten sich Hamza Sahli (MAR) und der Brite Callum Hawkins (GBR) immer weiter nach vorne. Nur noch 17 Sekunden betrug ihr Rückstand bei 35 km, den vor allem Hawking nun schnell weiter reduzierte. Nach gut 2 Stunden holte Hawkins zunächst den zurückgefallenen Tadese ein, kurz darauf schaffte der Brite auch den Anschluss an die Spitzengruppe.

Nach 40 km in 2:04:24 versuchte Hawkins, der wegen der großen Hitze bei den Commomwealth Games im April 2018 nach dieser Distanz spektakulär zusammengebrochen war, sich sogar von seinen vier Mitstreitern zu lösen, doch seine grandiose Aufholjagd hatte viel Kraft gekostet und sein Zwischenspurt wurde von der Konkurrenz umgehend gekontert. Es war dann Desisa der nach 2:07 Stunden die Entscheidung herbeiführte. Nach 41 km in 2:07:23 konnte nur noch Jungstar Geremew dem Boston- und New York City Marathon-Sieger folgen, der sich dann im Spurt in 2:10:40 gegen seinen Landsmann in 2:10:44 durchsetzen konnte. Doppelsieg für Äthiopien! Angesichts der äußeren Bedingungen sehr respektable Zeiten.

Lelisa Desisa wurde in 2:10:40 Weltmeister im Marathon. (c) Livestream/Scrrenshot

Bronze und Platz 3 ging an Amos Kipruto, dann folgte Callum Hawkins in 2:10:57, der damit wie bei der letzten WM 2017 in London den undankbaren vierten Platz belegen konnte. Mokoka wurde in 2:11:09 Fünfter vor Tadese in 2:11:29. Der Titelverteidiger Geoffrey Kirui wurde im Schlussteil weit nach hinten durchgereicht und wurde in 2:13:54 Vierzehnter. Nicht viel besser erging es dem Ex-Weltmeister und Olympiasieger Stephen Kiprotich (UGA), der in 2:15:04 Platz 18 erreichte. Das japanische Lauf-Unikum Yuki Kawauchi (JPN) beendete den Lauf in 2:17:56 auf Platz 29.

Ergebnisse Marathon der Männer:
1. Lelisa DESISA ETH 2:10:40
2. Mosinet GEREMEW ETH 2:10:44
3. Amos KIPRUTO KEN 2:10:51
4. Callum HAWKINS GBR 2:10:57
5. Stephen MOKOKA RSA 2:11:09
6. Zersenay TADESE ERI 2:11:29
7. El Hassan EL ABBASSI BRN 2:11:44
8. Hamza SAHLI MAR 2:11:49
9. Tadesse ABRAHAM SUI 2:11:58
10. Daniel MATEO ESP 2:12:15
11. Laban Kipngetich KORIR KEN 2:12:38
12. Yassine RACHIK ITA 2:12:41
13. Fred MUSOBO UGA 2:13:42
14. Geoffrey KIRUI KEN 2:13:54
15. Eyob GHEBREHIWET FANIEL ITA 2:13:57
16. Alphonce Felix SIMBU TAN 2:13:57
17. Tomas Hilifa RAINHOLD NAM 2:14:38
18. Stephen KIPROTICH UGA 2:15:04
19. Paulo DE ALMEIDA PAULA BRA 2:15:09
20. Shaohui YANG CHN 2:15:17

Die Splits des führenden Läufers:

1 km 2:56 Derlys AYALA
2 km 5:54 Derlys AYALA
3 km 8:57 Derlys AYALA
4 km 12:02 Derlys AYALA
5 km 15:06 Derlys AYALA
6 km 18:11 Derlys AYALA
7 km 21:17 Derlys AYALA
8 km 24:22 Derlys AYALA
9 km 27:31 Derlys AYALA
10 km 30:40 Derlys AYALA
11 km 33:52 Derlys AYALA
12 km 37:02 Derlys AYALA
13 km 40:11 Derlys AYALA
4 km 43:23 Derlys AYALA
15 km 46:34 Derlys AYALA
16 km 49:46 Derlys AYALA
17 km 52:59 Derlys AYALA
18 km 56:12 Derlys AYALA
19 km 59:27 Derlys AYALA
20 km 1:02:38 Derlys AYALA
21 km 1:05:39 Zersenay TADESE
Half 1:05:56 Zersenay TADESE
22 km 1:08:31 Zersenay TADESE
23 km 1:11:29 Zersenay TADESE
24 km 1:14:29 Stephen MOKOKA
25 km 1:17:38 Geoffrey KIRUI
26 km 1:20:46 Geoffrey KIRUI
27 km 1:23:51 Zersenay TADESE
28 km 1:26:54 Amos KIPRUTO
29 km 1:30:04 Geoffrey KIRUI
30 km 1:33:13 Zersenay TADESE
31 km 1:36:18 Stephen MOKOKA
32 km 1:39:20 Stephen MOKOKA
33 km 1:42:23 Stephen MOKOKA
34 km 1:45:38 Amos KIPRUTO
35 km 1:48:48 Stephen MOKOKA
36 km 1:51:52 Stephen MOKOKA
37 km 1:54:55 Lelisa DESISA
38 km 1:58:04 Amos KIPRUTO
39 km 2:01:18 Stephen MOKOKA
40 km 2:04:24 Callum HAWKINS
41 km 2:07:23 Callum HAWKINS
42 km 2:10:11 Lelisa DESISA
Marathon 2:10:40 Lelisa DESISA