Äthiopische WM-Trials in Hengelo (NED) am 17. Juli 2019: Hagos Gebrhiwet und Letesenbet Gidey gewinnen 10.000 m in Topzeiten

Fast unter “Ausschluss der Öffentlichkeit” fanden am Mittwochabend kurz nach 20 Uhr auf der Bahn des FBK-Stadions im niederländischen Hengelo die äthiopischen WM-Trials über 10.000 m der Frauen und Männer statt. Die sehr schnellen Rennen gewannen Hagos Gebrhiwet (ETH) in 26:48,95 und Letsenbet Gidey (ETH) in 30:37,89. Diese beiden Zeiten sind neue Welt-Jahresbestmarken, und die einmaligen Leistungsbreiten in den beiden Läufen dokumentieren 11 der 13 schnellsten Zeiten im Jahr 2019 bei den Frauen und bei den Männern sogar 13 der 14 schnellsten Zeiten. 6 Läufer blieben unter der Schallmauer bei den Männern von 27 Minuten, 10 Läuferinnen unterboten 31 Minuten.

Das Rennen der Männer wurde mit Unterstützung eines “elektronischen Tempomachers” gelaufen, einem Lauflicht an der Kante der Bahn, das auf eine Zeit von 27 Minuten eingestellt worden war, d.h. km-Abschnitten von 2:42 Minuten. Die gleiche Technik kam schon 12 Tage zuvor bei der “Night of the 10.000 m PBs” in London zum Einsatz. Wie diverse Diskussionen aktuell andeuten, ist dieses Hilfsmittel nicht ganz unumstritten und in enger Auslegung nicht im Einklang mit der IAAF-Rule 144.3. Wie dem auch sei, nach 1000 m in 2:43 lag eine fast 20-köpfige Spitzengruppe mit dem Tempomacher Roy Hoornweg (NED) knapp zurück. Daran änderte sich über 5:25 bei 2 km, 8:07 bei 3 km und 10:51 bei 4 km bis zur Hälfte wenig.

Nach der ersten (von 25) Runden lieg der Tempmoacher Hoornweg knapp vor dem Lauflicht. (c) Jeroen Deen/Screenshot

5000 m wurde in 13:31 passiert, fast exakt auf einem Tempo für 27 Minuten. Zu diesem Zeitpunkt lag Vicent Kibet (KEN) mit ca. 13 Läufern im Schlepptau kurz in Führung; mit dabei war auch Julian Wanders (SUI), der nach seinem Schweizer Rekord von 27:44,36 Ende Mai in Stockholm das WM-Limit von 27:40 Minuten erfüllen wollte. Über 16:16 nach 6000 m lagen bei 8 km in 21:41 noch 9 Läufer an der Spitze, Wanders hatte zuvor schon den Anschluss verloren und lag etwa 50 m zurück. Mit 24:19 bei 9000 m ging es in das Finale, wobei die Spitzengruppe mittlerweile einen deutlichen Vorsprung auf das Lauflicht (und damit einer Zeit von 27 Minuten) herausgelaufen hatte.

Den Zielsprint gewann Hagos Gebrhiwet vor Selemon Barega und Yomif Kejelcha. (c) Jeroen Deen/Screenshot

Mit einem Schlusskilometer von 2:30 Minuten setzte sich Hagos Gebrhiwet am Ende in 26:48,95 durch, wobei er die zweite Hälfte auch dank des flotten letzten Kilometers in 2:30 mit 13:18 deutlich schneller absolvierte. Damit hielt sich der äthiopische Topläufer schadlos gegenüber seinem “Verzählen” beim kürzlichen Diamond League Meeting in Lausanne, wo er eine Runden zu früh spurtete und abstoppte. Jungstar Selemon Barega (ETH) lief als Zweiter mit 26:49,46 die zweitbeste Zeit eines Läufers unter 20 Jahren und Yomif Kejelcha (ETH) absolvierte als Dritter in 26:49,99 das zweitbeste Debüt aller Zeiten (nur Superstar Eliud Kipchoge war da in 26:49,02 einmal schneller).

6 Läufer blieben unter 27 Minuten, und Julian Wanders fiel zwar immer weiter zurück, schaffte aber in diesem hochklassigen Rennen auf Platz 9 in 27:17,29 einen neuen Landesrekord, weit unterhalb der WM-Norm von 27:40 Minuten. Er gehört damit auch über 10.000 m zur absoluten Spitze in Europa über diese Distanz in einer für in bisher einmaligen Saison 2019.

Weltklasse-Leistungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gab es am Mittwochabend im FBK-Stadion von Hengelo. (c) Veranstalter

Bei den Frauen machten zunächst Halbmarathon-Weltmeisterin Netsanet Gudeta (ETH) und die WM-Zweite über 5000 m Senbere Teferi (ETH) das Tempo an der Spitze. 3000 m wurden in 9:18, die Hälfte bei 5000 m in 15:30,69 erreicht. Auch bei den Frauen sollte der zweite Part deutlich schneller gelaufen werden. Hier war es dann Letesenbet Gidey, die 1000 m vor dem Ende die Initiative ergriff und sich zunehmend von ihren 8 verbliebenen Konkurrentinnen absetzen konnte, um das Rennen nach 30:37,89 zu gewinnen. Platz 2 ging an Gudeta in 30:40,85 und Dritte wurde Teferi in 30:45,14. Als letzte Läuferin in der Spitze blieb als Zehnte Yasmin Can (TUR) in 30:59,20 noch unter einer Zeit von unter 31 Minuten.

  Ergebnisse 10.000 m der Männer:
1. 26:48,95
2. 26:49,46
3. 26:49,99
4. 26:53,15
5. 26:54,39
6. 26:56,46
7. 27:00,73
8. 27:02,26
9. 27:17,29
10. 27:18,10
11. 27:22,89
12. 27:23,49
13. 27:24,09
14. 27:31,76
15. 27:46,65
16. 27:51,89
17. 27:52,54
18. 27:58,17
19. 28:13,71
20. 28:23,01
21. 28:31,03
22.  28:31,22
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