95. Hakone Ekiden (Japan) am 2. und 3. Dezember 2018: Tag 1 – Festival der Rekorde, Seriensieger Aoyama Gakuin University weit zurück

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Der 95. Hakonen Ekiden, ein Staffellauf über gut 217 km mit 23 Teams von jeweils 10 Läufern der Universitäten aus dem Großraum Tokyo, erlebte bereits am ersten Tag auf dem Weg aus dem Zentrum Tokyos in die Sommerfrische Hakone viele Höhepunkte. Der Lauf ist ohne Zweifel kurz nach dem Jahreswechsel  DAS Sportereignis auf der Insel. Großartig von Nihon TV in allen Facetten in Szene gesetzt, verfolgen mehrere 10 Millionen Zuseher das Geschehen landesweit am Bildschirm, einige Millionen Zuschauer (und diese Zahlen sind belastbar) stehen in mehreren Reihen am überwiegenden Teil der Strecke.

Im Fokus des Interesses stand in dem Jahr die Frage, ob es der Aoyama Gakuin University gelingen würde, den Lauf zum fünften Mal in Serie zu gewinnen, was in der lange Geschichte des „Hakone“ bisher nur zwei Teams gelungen war. Und um diese Frage gleich zu beantworten: Der Erfolg von Aoyama Gakuin auch im Jahr 2019 ist mehr als unwahrscheinlich. Nach der Ankunft im fast 800 m hoch gelegenen Hakone liegt das vom Erfolg verwöhnte Team von Coach Susumu Hara nur auf Platz 6 mit einem Rückstand von 5 1/2 Minuten so gut wie aussichtslos zurück. In Führung liegt das gleichfalls im Vorfeld favorisierte Team der Toyo University, das mit einer Gesamtlaufzeit von 5:26:31 für das 107,5 km lange Segment des ersten Tages die beste Leistung in der Geschichte des Events erreichte.

Zur Einordnung dieser Leistungen japanischer Studenten (es gibt nur wenige afrikanische „Gast-Studenten“ in den Teams) sei angemerkt, dass dieses Zeit einem km-Schnitt von 3:02,2 Minuten entspricht. Dabei ist noch zu beachten, dass die letzte Etappe des ersten Tages hinauf nach Hakone über einen Pass mit 874 m Seehöhe führt. Ansonsten waren viele der Aktiven durchweg mit km-Splits von unter 3 Minuten auf den Etappen von typischer Halbmarathon-Länge unterwegs.

hakone-2019-startSekunden vor dem Start des 95. Hakone Ikiden im Zentrum von Tokyo. (c) NTV/Livestream

Bereits die erste Etappe mit Start im Zentrum von Tokyo war überaus ereignisreich. Schon nach 30 Sekunden stürzte Kohei Arai von der Daito Bunka University im Pulk und verletzte sich am Fuß. Mit Schmerz verzerrtem Gesicht und humpelnd lief er dem Feld der 1. Etappe hinterher, fand aber schon bald wieder Anschluss, weil das Tempo vorne mehr als moderat war. Nach 3:03 für den ersten Kilometer blieb die Fahrt ungewöhnlich langsam, 5 km km wurden nach 15:18 passiert, erst dann wurde das Tempo immer höher. Nach 7 km war es der Kenianer Mekubo Mogusu, der zuvor provokativ am Ende des Feldes lief und nun gewaltig schneller wurde. Nach 10 km in 30:05 wurde Mogusu wieder eingeholt, bevor er nochmals aus der Spitze kurz weglief.

Die Tempoverschärfung resultierte nicht nur  in einem 5 km-Abschnitt von 14:47, sondern der tapfer kämpfende Arai verlor nun zusehens an Boden. Beim Wechsel nach 21,3 km lag er am Ende aller seiner Kräfte und mit einer schlimmen Verletzung am Knöchel fast 10 Minuten zurück. Aber ein Samurai gibt nicht so schnell auf, zumal es hier um Belange des Teams geht, die Basis jeglichen Handelns in der Gesellschaft dieses Landes. So sehr man diese Willensleistung des Jahres bewundern mag, vernünftig war es sicher nicht, den armen Studenten in dieser Verfassung einem Kampf am absoluten Limit zu überlassen.

Vorne wechselte das Team von der Toyo University mit Kazuya Nishiyama nach 1:02:35 praktisch zeitgleich mit der Chuo University mit Ken Nakayama. Wie enorm das Tempo angezogen hatte, zeigen Splits von 44:25 bei 15 km und 58:39 bei 20km, d.h. die letzten beiden 5 km-Abschnitte in 14:20 und 14:14. Das ist auch nach internationalen Maßstäben allerhöchstes Niveau. Titelverteidiger Aoyama Gakuin lag hier mit 5 Sekunden Rückstand durch Taisei Hashizume in Schlagdistanz.

Von der zweiten Etappe ist vor allem der Sololauf eines weiteren Kenianers im Feld zu nennen, Patrick Mathenge Wambui lief mit 1:06:18 die jemals zweitschnellste Zeit auf dem 23,1 km langen Segment und beförderte damit die Nihon University von Platz 17 auf den vierten Platz. Beim zweiten Wechsel lag Aoyama Gakuin mit 1:05 Minuten Rückstand auf Platz 8, doch Homare Morita brachte mit einem Streckenrekord von 1:01:26 Aoyama Gakuin an die Spitze des Feldes. Seine Leistung auf dem 21,4 langen Teilstück entspricht einer Halbmarathon-Zeit von ca. 60:34 Minuten!

Doch diese Führung sollte schon auf der kommenden vierten Etappe wieder verloren gehen, wo Akira Aizawa die Toyo University mit einem phänomenalen Kursrekord von 1:00:54 an die Spitze brachte, bis auf Ryoji Tatezawa von der Tokai University in 1:02:37 brauchten alle anderen Läufer mehr als 2 Minuten länger für diesen Part. Aoyama Gakuin war auf dieser Etappe durch Iwami in 1:04:32 deutlich länger unterwegs und lag nur noch auf Platz 3 mit einem Rückstand von 3:30 Minuten. Das letzte Teilstück gewann Yuhei Urano von der Koku Gakuin University mit Streckenrekord von 1:10:54. Auf dieser Königsetappe vom 20,8 km Länge hinauf nach Hakone wartet ein Anstieg bis auf 874 m auf die Läufer.

Koku Gakuin verbesserte sich dadurch auf Platz 3 mit einer Gesamtlaufzeit von 5:29:15, aber viel wichtiger war, dass Toyo mit dem Streckenrekord von 5:26:31 nicht nur Platz 1 halten konnte, sondern dass Naoto Takeishi und damit auch Aoyama Gakuin auf Platz 6 zurückfiel. Mit einer Gesamtlaufzeit von 5:32:01 liegt das Team des Seriensiegers nun genau 5 1/2 Minuten hinter der Spitze zurück. Im letzten Jahr beim vierten Erfolg in Folge brauchte das  Team mit 5:29:05 fast drei Minuten weniger. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Aoyama Gakuin im letzten Jahr in Hakone gut 30 Sekunden gegenüber Toyo zurücklag, um am Ende mit 5 Minuten Vorsprung zu siegen. Das war somit eine Zeitdifferenz von 5 1/2 Minuten, die man im zweiten Part gutmachte. Um genau diese Zeit geht es morgen!

Ob Aoyama Gakuin mit seiner bekannt guten Besetzung am zweiten Tag noch in die Entscheidung um den Sieg eingreifen kann, ist sicher einer der vielen Spannungsmomente des zweiten Tages. Start in Hakone ist am Donnerstag um 8 Uhr Ortszeit, da ist es bei uns genau Mitternacht. Aufbleiben lohnt sich, die TV-Übertragung von Nihon TV ist wie in jedem Jahr grandios.

Die schnellsten Läufer auf den ersten fünf Etappen:
1 21.3 km Kazuya Nishiyama Toyo Univ 1:02:35
2 23.1 km Patrick Wambui Nihon Univ. 1:06:18
3 21.4 km Homare Morita Aoyama Gakuin Univ. 1:01:26 – CR
4 20.9 km Akira Aizawa Toyo Univ. 1:00:54 – CR
5 20.8 km Yuhei Urano Koku Gakuin Univ. 1:10:54 – CR
Die TOP10 nach dem ersten Tag:
Tokyo – Hakone (107,5 km)
1. Toyo University 5:26:31 – CR
2. Tokai University 5:27:45 – (CR)
3. Koku Gakuin University 5:29:15
4. Komazawa University 5:29:59
5. Hosei University 5:31:36
6. Aoyama Gakuin University 5:32:01
7. Juntendo University 5:32:05
8. Takushoku University 5:32:08
9. Teikyo University 5:33:30
10. Chuo Gakuin University 5:33:32

 

Weitere Infos zu Hakone bei: Japan Running News (Brett Larner)