Tony Reavis „Wandering in a Running World“: Ein interessanter Vorschlag zur Problematik der Fehlstarts bei Bahn-Wettbewerben

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Die beiden Fehlstarts beim kürzlichen Diamond League Meeting in London sind sicher nicht die Ursache für den rapiden Schwund des Interesse der breiteren Öffentlichkeit an einer der Kern-Sportarten im Olympischen Programm. Aber ein Ärgernis sind sie allemal, das zudem die Leistungen (nach dem erneuten Start) kaum zum Positiven beeinflusst, vor allem wenn Topstars durch wenig aussichtsreiche Konkurrenten ausgebremst werden. Auf seiner Webseite „Wandering in a Running World“ hat kurz nach dem Meeting in London der bekannte Laufexperte und -kommentator Tony Reavis aus San Diego (USA) den einfachen wie grandiosen Vorschlag gemacht, die Prozedur beim Start im Stadion abzuändern. Da der „Fehlstarter“ anhand der erfassten Daten unzweifelhaft ermittelt und dann anschließend dafür auch mit dem Ausschluss „bestraft“ wird, fragt sich Reavis völlig zu Recht, warum man diesen Ausschluss nicht auch nach dem Rennen vornehmen kann.

Sollte sich der Fehlstart im Rahmen halten (es macht natürlich wenig Sinn, wenn man einen Frühstarter mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Feld rennen lässt), würde nach Reavis das Feld um den Sieg rennen, selbst wenn ein (oder auch mehrere) Akteur(e) zu früh den Block verlassen. Das Rennnen geht anschließend trotzdem über die Bühne, die Disqualifikation wird NACH dem Lauf ausgesprochen, womit der Fehlstart zu keinem Startabbruch sowie einem Neustart führen würde. Am Ergebnis würde sich bei diesem Verfahren nichts ändern, da der „Sünder“ im nachhin ausgeschlossen würde. Damit hätte der Zirkus beim Start ein Ende, die Felder würde geschlossen auf die Reise gehen und selbst der Frühstarter würde sogar noch mit einem Ergebnis nach Hause fahren, obwohl dieses natürlich keine Anerkennung finden könnte.

Es ist sicherlich lohneswert, diese Idee einmal bei Sportfesten auszuprobieren. Vermutlich würde sich dieses Prozedere schnell durchsetzen. Für den Superstar der Szene kommen diese Entwicklungen sicher zu spät. Usain Bolt läuft nun beim Diamond League Meeting in Monaco ein letztes Mal gegen (handverlesene) Konkurrenz, bevor er sich den Topläufern wohl oder übel bei der WM in London noch ein letztes Mal stellen muss. Danach ist für ihn Schluss, hoffentlich aber nicht mit den Bemühungen, die Vorschläge von Reavis in die Realität umzusetzen.