70. Fukuoka Marathon (Japan) am 4. Dezember 2016: Patrick Makau (KEN) vor dem Triple

fukuoka-mar-2015-logo1Ex-Marathon-Weltrekordler Patrick Makau (KEN) ist einer der Topstars beim 70. Jubliäum der Fukuoka International Open Marathon Championships, die allerdings durch die Entwicklungen in der globalen Marathonszene der letzten Dekaden überrollt und von der prominenten Bedeutung früherer Jahre etwas zurückgedrängt wurden. Makau hatte sich 2011 in Berlin in einem denkwürdigen Duell gegen Haile Gebrselassie mit 2:03:38 den Weltrekord über die Marathondistanz von seinem Kontrahenten geholt.

Danach wurden aber seine Leistungen – vor allem auch verletzungsbedingt – immer bescheidener. An Tempojagden in die Regionen seiner Bestleistung ist auch nach seiner eigenen Einschätzung nicht mehr zu denken. Beim Fukuoka Marathon haben aber Leistungen im Bereich von 2:08 Stunden ausgereicht, um in der Hafenstadt auf der südlichen Insel Kyushu zu gewinnen. Ein Jahr nach seinem Weltrekord lief er bei eisigen Temperaturen in Frankfurt noch einmal 2:06:08, danach waren seine Läufe in Fukuoka im Jahr 2014 in 2:08:22 und im Jahr 2015 in 2:08:18 die besten Zeiten, die der Kenianer erzielen konnte. Zuletzt hatte der legendäre Japaner Toshihiko Seko in den Jahren 1978 bis 1980 das Triple in Fukuoka geschafft.

Dazu der Ex-Weltrekordler im Interview mit der Agentur Xinhua: „I am training well and really look forward to running in Fukuoka. I have every motivation and hope that it will be a good run for me. Injuries are part and parcel of an athlete and I always hope that I escape them, but when they catch up, you just have to listen to your body and take a long rest. I am happy they are over and am back in training and Fukuoka will be a good place to return and defend my crown. I do not look much at the record, because when it comes to the real running, the experience and records sometimes do not count and the health status of the body on the material day is crucial. I want to win the race though.“

fukuoka-mar-2015-winner-makauPatrick Makau startet wieder in Fukuoka und möchte den Lauf zum dritten Mal in Folge gewinnen. (c) H. Winter

Die ernsthafteste Konkorrenz bei der Gewinn des dritten Fukuoka-Titels in Folge dürfte aus seinem Land kommen. James Kwambai war nach seinem Sieg in Rotterdam im Jahr 2009 in 2:04:27, in den Jahren 2012 bis 2014 beim Seoul Marathon 2:05:50, 2:06:27 und 2:07:38 (zweimal JoongAng, einmal DongA) gelaufen. In diesem Jahr war er im koeranischen Daegu dabei und gewann dort knapp in 2:10:46. Der dritte Läufer am Start, der schon die 2:05 Stunden unterboten hat, ist Yemane Tsegay (ETH), der bei der letzten WM die Silbermedaille gewann. Seinen Bestzeit von 2:04:48 stammt vom Rotterdam Marathon aus dem Jahr 2012. 2014 ist er in Daegu in 2:06:51 seinen letzten schnellen Marathon gelaufen. In diesem Jahr ist von ihm nur eine Zeit im Halbmarathon verzeichnet, die er im Februar gleichfalls in Japan lief. Seine 1:02:53 in Marugame lassen für den 31jährigen Äthiopier nicht unbedingt auf Ambitionen auf einen vorderen Platz erwarten.

Ein weiterer Topathlet ist Yared Asmerom (ERI), der mit 2:07:27 den Landesrekord hält. Diese Zeit ist allerdings schon aus dem Jahr 2011, im letzten Jahr lief er 2:09:41 beim Tokyo Marathon. Regelmäßig in Japan am Start ist der Pole Henryk Szost, der in Otsu in 2:07:39 im Jahr 2012 polnischen Rekord lief. Auch er ist momentan kaum in der Form eine derartige Zeit zu laufen. In diesem Jahr lief er im April in Warschau nur 2:12:40 und nach wie vor durch viele Starts in einer seiner Eigenschaft als Angehöriger des Militärs gehandicapt.

Eine Aufsehen erregende Schlagzeile in Fukuoka könnte der Text „Bekele gegen den Ex-Weltrekordler“ sein. Damit ist allerdings nicht die Neuauflage des großartigen Duells vom Berlin Marathon – Kenenisa Bekele gegen Wilson Kipsang – gemeint, sondern Bruder Tariku Bekele will in Fukuoka einen weiteren Versuch unternehmen, sein Potential von den Unterdistanzen auf die Marathonstrecke zu übertragen. Im Jahr 2014 fungierte er beim Chicago Marahon als Tempomacher (da gab es die dort noch) und passierte den Halbmarathon in Bestzeit von 1:02:11. Ein halbes Jahr später misslang sein Debüt beim Tokyo Marathon gründlich, vor 20 km lag er schon zurück und stieg bald darauf aus. Quellen, die also den Lauf des Bekele Bruders als Debüt titulieren, liegen somit nicht ganz richtig. Wie dem auch sei, man darf insbesondere auf seinen Auftritt über die volle Marathondistanz sehr gespannt sein.

b-marathon-2016-yuki-w-eber1Vielstarter Yuki Kawauchi (JPN) will sich in Fukuoka für das japanische WM-Team 2017 (London) qualifizieren. (c) H. Winter

Von japanischer Seite ist vor allem das Lauf-Unikum Yuki Kawauchi zu nennen, der nicht nur mit seiner Bestzeit von 2:08:14 auf einem vorderen Platz zu erwarten ist. Yuki lief im Juli in einem grandiosen Zweikampf gegen Kenneth Mungara an der australischen Gold Coast mit 2:09:01 die beste Zeit eines japanischen Läufers außerhalb des Landes in diesem Jahr. Seine Vorstellung beim Berlin Marathon im September, zu dem er ausgeruht (!) antrat, war in 2:11:03 durchwachsen. Zudem plagt ihn aktuell eine Zerrung an der Wade, die seinen Start in Fukuoka in gut einer Woche mehr als fraglich macht. Auf der Webseite der Veranstaltung ist er aber nach wie vor gelistet.

Interessant aus ganz anderer Sicht könnte der Start von Reid Coolsaet (CAN) werden. Denn nachdem vor einem Monat sein Landsman Eric Gilles den 40 Jahre alten Landesrekord von 2:10:09 beim Toronto Marathon verfehlte, will er versuchen diese Marke auszulöschen. Paradoxerweise hatte Jerome Drayton diese Zeit im Jahr 1975 in Fukuoka aufstellt. In diesen Jahren hatte Fukuoka allerdings international noch ein ganz anderen Stellenwert in der internationalen Szene.

Beachten sollte man auch jene Läufer Ostafrikas, die aktuell in Japan „arbeiten“. Zu diesen gehört vom Team Konica Minolta Paul Kuira (KEN), der 2015 den Kagawa Marugame International Half Marathon in 59:47 gewann und in Fukuoka seinen ersten Marathon bestreiten will. 2012 gab Joseph Gitau (KEN) in Fukuoka sein Debüt und gewann auf Anhieb in guten 2:06:58. Ein Jahr später lief er nochmals 2:09:00, in den Jahren danach waren seine Vorstellungen indiskutabel.  Benjamin Ngandu (KEN) lief 2015 2:09:18 beim Tokyo Marathon und  Melaku Abera (ETH) gewann im Februar sein Debüt beim Beppu-Oita Mainichi Marathon in 2:09:27.

Von den weiteren japanischen Eliteläufern sind Tomoya Adachi, der 2014 in Fukuoka 2:09:59 lief, und Kazuhiro Maeda  mit einer Bestzeit von 2:08:00 vom Tokyo Marathon im Jahr 2013 zu nennen. Als Tempomacher sind Robert Curtis (USA), Daniel Chebii (KEN), Charles Ndirangu (KEN) sowie Cyrus Njui (KEN) vorgesehen.

Vor etwa drei Wochen stürzte unweit des Bahnhofs von Hakata ein ganzer Kreuzungsbereich in die Tiefe und sorgte für ein überdimensionales Loch. Der Vorfall machte auch außerhalb Japans erhebliche Schlagzeilen. Der Marathon war von diesem Ereignis aber nicht tangiert, da dieses unweit des 25 km Punktes die Strecke nicht unmittelbar betraf. Zudem hatte man in landestypischer Emsigkeit die erheblichen baulichen Schäden innerhalb von Wochenfrist wieder beseitigt.

Liste der Eliteläufer:

Patrick Makau (KEN) 2:03:38
James Kwambai (KEN) 2:04:27
Yemane Tsegay (ETH) 2:04:48
Dmytro Baranovskyy (UKR) 2:07:15
Yared Asmerom (ERI) 2:07:27
Henryk Szost (POL) 2:07:39
Kazuhiro Maeda (JPN) 2:08:00
Yuki Kawauchi (JPN) 2:08:14
Amanuel Mesel (ERI) 2:08:17
Benjamin Gandu (KEN) 2:09:18
Mulaku Abera (ETH) 2:09:27
Cuthbert Nyasango (ZIM) 2:09:52
Tomoya Adachi (JPN) 2:09:59
Chiharu Takada (JPN) 2:10:03
Paulo Paula (BRA) 2:10:23
Reid Coolsaet (CAN) 2:10:28
Yoshiki Otsuka (JPN) 2:11:40
Tariku Bekele (ETH)
Paul Kuira (KEN) Debüt