Toyko Marathon am 28. Februar 2016: Hochklassige Elitefelder bei Männern und Frauen

toyko-mar-2016-logoAm Sonntag findet mit dem Tokyo Marathon der erste Marathon der World Marathon Majors Serie statt, der vermeintlichen Eliteliga des globalen Marathonlaufs. Die Veranstaltung in der japanischen Hauptstadt wird noch insofern aufgewertet, als die Serie mit dem Namessponsor ABOTT des Jahres 2015/2016 in Tokyo zu Ende geht und jeweils 500.000 USD bei Männern und Frauen ausgeschüttet werden. Das Regelwerk ist nicht ganz logisch, aber simpel, den WMM-Wettbewerb verfolgen aber nur jene Athleten (und deren Manager), die eine Chance auf den „Jackpot“ am Ende haben. Der breiten Öffentlichkeit bleibt der Kampf um das große Geld weitgehend verborgen und wird so gut wie nicht verfolgt. Die Intention den Marathonlauf in der öffentlichen Akzeptanz populärer zu machen, ging und geht bei dieser Aktion gründlich daneben. Da könnte man das Geld in Sachen Öffentlichkeitsarbeit weit sinnvoller einsetzen.

Wie dem auch sei, in Tokyo ist wieder Zahltag, und man muss schon genauer hinschauen, welcher Läufer und welche Läuferin noch Aussichten auf den Sieg in der aktuellen Serie haben, der direkte Wettstreit um den Sieg im Marathon am Sonntag wird sicher weit mehr Beachtung finden. Und da haben der Olympiasieger Stephen Kiprotich (UGA), der Streckenrekordler in Tokyo Dickson Chumba (KEN) (2:05:42) sowie dessen Landsmann Emmanuel Mutai mit der besten Vorleistung von 2:03:13 (Berlin 2014) die besten Aussichten auf den Sieg. Bei den Frauen sind Edna Kiplagat (KEN), die 2014 den London Marathon gewann, und die beiden Äthiopierinnen Birhane Dibaba sowie Aberu Kebede, die beide schon in Tokyo gewannen, die Läuferinnen mit den vermeintlich größten Aussichten.tokyo-2015-spitze-20kmDie Spitzengruppe der Männer bei der 20 km Marke im letzten Jahr.  (c) H. Winter

Der schnellste Mann in Tokyo ist Emmanuel Mutai (KEN), der u.a. den London Marathon im Jahr 2011 gewann und im Kampf gegen Dennis Kimetto zwar 2013 und 2014 in Chicago sowie Berlin nur Zweiter wurde, aber dabei mit 2:03:52 und 2:03:13 Weltklassezeiten erzielte. Seine hohe Klasse zeigt auch das Mittel seiner fünf besten Zeiten von 2:04:53, damit ist er der fünftschnellste Läufer aller Zeiten (Haile liegt mit 2:05:57 einen Platz hinter ihm). In der letzten Zeit läuft es aber bei ihm nicht ganz so schnell, beim Berlin Marathon Ende September wurde er nur Vierter in 2:07:46. Feyisa Lelisa (nicht so verwechseln mit Lelisa Desisa) ist der einzige äthiopische Topläufer im Feld, der in Chicago 2012 seine Bestzeit von 2:04:52 aufstellte. Beim Berlin Marathon 2015 landete er als Dritter in 2:06:57 einen Platz vor Mutai. Eliud Kiptanui (KEN) hatte nach seinem tollen Lauf in Prag im Jahr 2010 in 2:05:39 eine lange Durststrecke zu überstehen, beim Berlin Marathon 2015 meldete er sich als Zweiter hinter Kipchoge in 2:05:21 mit neuer Bestzeit eindrucksvoll zurück.

Dickson Chumba gewann 2014 den Lauf in Tokyo und wurde im gleichen Jahr in Chicago Dritter mit Bestzeit von 2:04:32. Seine Siegerzeit in Tokyo von 2:05:42 ist nach wie vor der Streckenrekord. Letztes Jahr tauschte er die Plätze und wurde Dritter in Tokyo in 2:06:34 und gewann das „Tempomacher-lose“ Rennen in Chicago nach 2:09:25. Abel Kirui feierte seine größten Erfolge bei Meisterschaftsrennen. Bei den Weltmeisterschaften 2009 und 2011 war er vorne, bei Olympia 2012 in London gewann er Silber. Ansonsten zeigt seine Formkurve nicht unbedingt nach oben, 2014 wurde er in 2:09:04 nur 10. in Tokyo und nach einem DNF im April 2015 in Boston wurde er im Oktober 2015 in Amsterdam in 2:10:55 wieder nur Zehnter.

Bernard Kipyego zeigte zuletzt wieder beeindruckende Form, im Oktober 2015 gewann er den Amsterdam Marathon in guten 2:06:19, nachdem er an gleicher Stelle bereits 2014 in 2:06:22 vorne lag. Stephen Kiprotich ist der Ex-Weltmeister und Olympiasieger, der mit seiner Zeit von 2:06:33 in Tokyo Zweiter wurde, aber noch nie richtig schnell gelaufen ist. Bei der WM in Beijing im August konnte er als Sechster seinen Titel nicht verteidigen. Im letzten Jahr war er der „König der Herzen“ in Tokyo, da er trotz des Schicksalschlags des Verlusts seiner kleinen Tochter an den Start ging. Samuel Ndungu (KEN) lebt in Japan und gewann den Lake Biwa Marathon in Otsu im Jahr 2012 (2:07:02, PB) sowie 2015. Ferner wurde er letztes Jahr Dritter beim Chicago Marathon.

Ein besonderes Gewicht wird der Lauf von japanischer Seite bekommen, da Tokyo das vorletzte Rennen zur Olympiaqualifikation des japanischen Männerteams ist. Hier sind besonders Masato Imai zu nennen, der im letzten Jahr mit 2:07:39 als Siebter in Tokyo eine gute Zeit lief, Hiroaki Sano schaffte dort 2014 2:09:12 und Koji Gokaya 2015 2:09:21. Auf ein Comeback hofft Arata Fujiwara, der nach Platz 2 in Tokyo in 2:07:48 im Jahr 2012 einen massiven Leistungseinbruch erlebte, 2014 wurde er nur 76. und 2015 37. in indiskutablen Zeiten. Er glaubt mit einer guten Leistung noch an einen Startplatz für Rio.

Weiter stehen die Debüts einer ganzen Reihe junger Läufer an, die sich vor allem beim Hakone-Ekiden einen Namen gemacht habe. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich (endlich) das sehr hohe Leistungsniveau im Nachwuchsbereich auf die Elite auswirkt. Läufer wie Kenta Murayama, Yuma Hattori, Tadashi Isshiki und Yuta Shimoda haben das Potential für schnelle Zeiten, auch über die volle Marathondistanz. Die japanischen Debüt- und Universitätsrekorde stehen bei 2:08:12. Diese Zeit sollte man sich für Sonntag merken. Noch schneller wollen die Topläufer agieren, einen Zeit um 62:30 für die erste Hälfte wird angestrebt. Die schnellste jemals auf japanischem Boden erzielte Marathonzeit schaffte im Jahr 2009 mit 2:05:18 Tsegaye Kebede (ETH) in Fukuoka.

Bei der WMM Wertung könnte Dickson Chumba mit einem Sieg am Sonntag noch zu Kipchoge aufschließen (überholen kann er ihn nicht, da nur zwei WMM-Events gewertet werden). Da die Beiden in der Wertungsphase keinen Wettstreit miteinander hatten, würden dann die Race Directoren der WMM-Läufe entscheiden. Diesen Modus verstehe, wer wolle. Da Kipchoge die höherwertigen Rennen von London und Berlin gewonnen hat, dürfte er schon jetzt als Sieger feststehen.

Stand WMM Wertung 2015/16 der Männer:
1. Eliud Kipchoge KEN 50 Punkte
2. Lelisa Desisa ETH 34 Punkte
3. Dickson Chumba KEN 34 Punkte
4. Yemane Tsegay ETH 32 Punkte
5. Stanley Biwott KEN 29 Punkte

Bei den Frauen ist Altmeisterin Edna Kiplagat die schnellste Läuferin im Elitefeld. Sie lief in London 2012 2:19:50 als Zweite und gewann dort 2014 in 2:20:21. Traditionell waren die Elitefelder der Männer nicht ganz so stark wie die der Männer, das sieht aber in diesem Jahr weit besser aus. Dafür sorgen schon die Starts von Aberu Kebede (ETH, PB 2:20:20, Berlin 2012), Shure Demisse (ETH, PB 2:22:30, Tokyo 2014) oder der Vize-Weltmeisterin von Beijing 2015 Helah Kiprop (KEN).tokyo-2015-dibaba-vor-zielBerhane Dibaba gewann in Tokyo im letzten Jahr und hat nun gute Aussichten die WMM-Wertung und 500.000 USD zu gewinnen.  (c) H. Winter

Ein besondere Rolle dürfte Berhane Dibaba (ETH) spielen, die den Lauf im letzten Jahr in 2:23:15 gewann und mit einem Sieg in diesem Jahr 50 WMM-Punkte gesammelt hätte. Damit hätte sie gesamte Konkurrenz überflügelt und eine halbe Million USD gewonnen. Dass ihr der Kurs in Tokyo liegt, zeigt auch ihr zweiter Platz im Jahr 2014 in 2:22:30. Dies ist nach wie vor ihre Bestzeit. Gespannt darf man auch auf den Start der Schweizerin Maja Neuenschwander sein, die beim letzten Berlin Marathon in 2:26:49 Hausrekord erreichte. Wie schon Victor Röthlin belegte, scheint der im Schlußteil nicht sehr attraktive Kurs in Tokyo den Schweizern zu liegen.

Stand WMM Wertung 2015/15 der Frauen:
1. Mary Keitany KEN 41 Punkte
2. Mare Dibaba ETH 41 Punkte
3. Birhane Dibaba ETH 34 Punkte
Tigist Tufa ETH 34 Punkte
5. Helah Kiprop KEN 32 Punkte

 

Eliteläufer:

Emmanuel Mutai (KEN) – 2:03:13 (Berlin 2014)
Dickson Chumba (KEN) – 2:04:32 (Chicago 2014)
Eliud Kiptanui (KEN) – 2:05:21 (Berlin 2015)
Bernard Kipyego (KEN) – 2:06:19 (Amsterdam 2015)
Stephen Kiprotich (UGA) – 2:06:33 (Tokyo 2015)
Feyisa Lilesa (ETH) – 2:04:52 (Chicago 2012)
Masato Imai (JPN) – 2:07:39 (Tokyo 2015)
Kohei Matsumura (JPN) – 2:08:09 (Tokyo 2014)
Samuel Ndungu (KEN) – 2:07:04 (Otsu 2012)
Abel Kirui (KEN) – 2:09:04 (Tokyo 2014)
Hiroaki Sano (JPN) – 2:09:12 (Tokyo 2015)
Benjamin Ngandu (KEN) – 2:09:18 (Tokyo 2015)
Koji Gokaya (JPN) – 2:09:21 (Tokyo 2015)
Javier Guerra (ESP) – 2:09:33 (London 2015)

Eliteläuferinnen:

Edna Kiplagat (KEN) – 2:19:50 (London 2012)
Aberu Kebede (ETH) – 2:20:30 (Berlin 2012)
Shure Demise (ETH) – 2:20:59 (Dubai 2015)
Birhane Dibaba (ETH) – 2:22:30 (Tokyo 2014)
Amane Gobena (ETH) – 2:23:29 (Paris 2015)
Ashete Bekele Dido (ETH) – 2:23:43 (Dubai 2015)
Helah Kiprop (KEN) – 2:24:03 (Tokyo 2015)
Isabellah Andersson (SWE) – 2:26:05 (Dubai 2013)
Maja Neuenschwander (SUI) – 2:26:49 (Berlin 2015)
Hiroko Yoshitomi (JPN) – 2:31:28 (Tokyo 2013)
Winfridah Kebaso (KEN) – 2:32:08 (Saitama 2015)
Yukiko Okuno (JPN) – 2:32:41 (Osaka 2015)

Die schnellsten Zeiten der Männer beim Tokyo Marathon:
2:05:42 Dickson Chumba KEN 1 2014
2:05:57 Tadese Tola ETH 2 2014
2:06:00 Endeshaw Negesse ETH 1 2015
2:06:30 Sammy Kitwara KEN 3 2014
2:06:33 Stephen Kiprotich UGA 2 2015
2:06:34 Dickson Chumba KEN 3 2015
2:06:50 Dennis Kimetto KEN 1 2013
2:06:58 Michael Kipyego KEN 2 2013
2:06:58 Michael Kipyego KEN 4 2014
2:07:05 Peter Some KEN 5 2014

     Die Sieger beim Tokyo Marathon seit 2007:

   Männer:    Frauen:
2015 Endeshaw Negesse ETH 2:06:00 Birhane Dibaba ETH 2:23:15
2014 Dickson Chumba KEN 2:05:42 Tirfi Tsegaye ETH 2:22:23
2013 Dennis Kimetto KEN 2:06:50 Aberu Kebede ETH 2:25:34
2012 Michael Kipyego KEN 2:07:37 Atsede Habtamu ETH 2:25:28
2011 Hailu Mekonnen KEN 2:07:35 Noriko Higuchi JPN 2:28:49
2010 Masak. Fujiwara  JPN 2:12:19 Alev. Biktimirova RUS 2:34:39
2009 Salim Kipsang KEN 2:10:27 Mizuho Nasukawa JPN 2:25:38
2008 Viktor Röthlin SUI 2:07:23 Claudia Dreher GER 2:35:35
2007 Daniel Njenga KEN 2:09:45 Hitomi Niiya JPN 2:31:02