42. TCS London Marathon am 2. Oktober 2022: Amos Kipruto und Yalemzerf Yehualaw gewinnen mit schnellem Finish

Amos Kipruto (KEN) sowie Yalemzerf Yehualaw (ETH) konnte sich heute bei der 42. Auflage des TCS London Marathon in der britischen Hauptstadt gegen starke Konkurrenz durchsetzen. Kipruto gewann nach einem sehr schnellen Schlusspart in 2:04:39 und Yehualaw konnte auch ihren erst zweiten Marathon gewinnen und war nach 2:17:26 im Ziel auf der Mall. Der im Vorfeld gemeldete Regen blieb aus, so dass bei Temperaturen um 14°C und wenig Wind sehr gute Bedingungen für ein Ausdauerevent bestanden. Ca. 40.000 Läufer wurden im Ziell registriert. Zum letzten Mal wurde wegen der Corona-Pandemie der London Marathon zu einem Herbsttermin ausgetragen, die nächsten Ausgabe im Jahr 2023 findet wieder am angestammten Termin im April statt.

Zunächst wurde das Elitefeld der Frauen gestartet, das durch einige Absagen, insb. der Weltrekordhalterin Brigid Kosgei, geschwächt wurde. Mit ersten km-Splits von 3:22, 3:17 und 3:11 erreichte ein achtköpfige Sptzengruppe 5 km in 16:01, 10 km in 32:18 und 15 km in 48:51. Mit einer Projektion auf 2:17:25 befand man auf Kurs zu einer guten Endzeit und in Schlagweite zum Kursrekord sowie Women-Only-Record von 2:17:01. Die Hälfte der Distanz wurde in 1:08:46 absolviert, d.h. einer Zeit im Ziel von 2:17:32. An diesem Tempo änderte sich wenig bis 25 km in 1:21:29. Dort stiegen die Tempomacherinnen aus, mit 1:37:52 blieb die Pace aber weitgehend konstant.

Als nach 1:45 Stunden die Vorjahressiegerin Joyciline Jepkosgei (KEN) nach vorne ging, gab es kurze Aufregung, da die Mitfavoritin Yehualaw an einer Bodenwelle stürzte und kurz zurückfiel. Sie fand aber schnell wieder Anschluss und bildete an der Spitze zusammen mit Judith Korir (KEN), Jepkosgei sowie Alemu Megertu (ETH) ein Quartett, das bei 35 km in 1:54:30 gestoppt wurde, d.h. mit Kurs auf 2:18:02. Nach zwei Stunden konnte Korir den drei Mitstreiterinnen nicht mehr folgen und bei 37 km in 1:50:01 waren die beiden Topfavoritinnen Yehualaw und Jepkosgei unter sich. Die dort beginnende Meile legte Yehualaw in „4:43“ zurück und konnte sich damit entscheidend von der Olympiasiegerin lösen. Die als „historisch einmalig schnell“ gefeierte Meile hält einer Überprüfung aber nicht stand, da der Marker für die 24. Meile falsch stand und korrigiert die Meile in „nur“ 5:00 absolviert wurde.

Die spätere Siegerin Yalemzerf Yehualaw passiert die 24 Meilen an der korrekten Stelle. Der vom Veranstalter vermeldete Split für die 24. Meile von 4:43 war nicht korrekt. (c) Livestream/Screenhot (hw)

Davon unbenommen hatte Yehualaw gegenüber Jepkosgei einen großen Vorsprung herausgelaufen, der bei 40 km in 2:10:21 bereits 16 Sekunden betrug. Weitere 20 Sekunden später folgten Judith Korir und Alemu Megertu. Mit einem flotten Finale siegte Yehualaw in 2:17:26 und verpasste dabei ihre PB beim Debut im April in Hamburg um nur 3 Sekunden. In ihren zwei bisher absolvierten Marathonläufen bleibt sie damit unbesiegt mit einem Mittel von 2:17:25. Platz 2 ging an die Titelverteidigerin und Siegerin des Vorjahres Jepkosgei in 2:18:07 vor Megertu in 2:18:32. Und auch die Viertplatzierte Judith Korir blieb in 2:18:43 noch deutlich unter 2:19 Stunden. Mit ihrem Sieg beim Paris Marathon in 2:19:48 und Platz 2 bei der WM in 2:18:20 lief damit die 26-jährige Kenianerin innerhalb eines halben Jahres drei Marathonläufe unter 2:20 Stunden; das dürfte in der Geschichte des Marathon bei den Frauen unerreicht sein.

Die Männer begannen die im Vorfeld angekündigte Tempojagd mit ersten km-Splits von 3:00, 2:57, 2:57, 2:59 und 2:52, so dass 5 km von 10 Läufern in 14:45 zurückgelegt wurden. Über 29:26 bei 10 km, 44:20 bei 15 km und 59:12 bei 20 km auf der Tower Bridge erreichte eine achtköpfige Spitze die Hälfte nach 1:02:14. Mit einem Tempo auf 2:04:28 lag man weit hinter den Vorgaben zurück, schon hier war klar, dass man an die Tempohatz von Kipchoge in Berlin (Eliud war vor Ort und verlieh Medaillen im Mini-Marathon am Tag zuvor) nicht in Ansätzen herankommen würde. 25 km wurden in 1:13:41 absolviert, wobei schon hier Superstar Kenenisa Bekele (ETH) am Ende der Spitzengruppe zu finden war.

Nach 30 km in 1:28:49, das Tempo war mittlerweile auf 2:05:02 abgesunken, ging mit Benard Ngeno der letzte Tempomacher aus dem Rennen und als danach vorne Leul Gebresilase (ETH) für eine Tempoverschärfung sorgte, fiel Bekele überraschend zurück, so dass aus seiner Ankündigung, das Rennen zu gewinnen und sehr schnell zu laufen, zum wiederholten Mal einmal wieder nichts zu werden schien. Bei 35 km in 1:43:54, d.h. auf Kurs zu einer Zeit von 2:05:16, lagen noch die sechs Läufer Kipruto, Gebresilase, Bashir Abdi (BEL), Vorjahressieger Sisay Lemma (ETH), Birhanu Legese (ETH) sowie Kinde Atanaw (ETH) an der Spitze.

Amos Kipruto gewann den London Marathon im Jahr 2022. (c) Livestream/Screenshot

Während ca. 100 m zurück Bekele immer wieder die Arme hob, um seine Probleme zu lindern, bahnte sich vorne die Entscheidung an. Nach 37 km zog Amos Kipruto das Tempo an, dem Legese als Erster nicht mehr zu folgen vermochte und mit Meilenabschnitten von 4:36 und aberwitzigen 4:21 setzte sich der Kenianer schnell von der gesamten Konkurrenz ab und hatte bei 40 km in 1:58:27 ein Vorsrpung auf Gebresilase, Atanaw und Abdi von 17 Sekunden, weitere 20 Sekunden später folgte erst Legese, der noch 10 Sekunden vor Bekele lag.

Kipruto zeigte keine Schwächen mehr und gewann überlegen in 2:04:39 vor Gebresilase in 2:05:12 und Abdi in 2:05:19. Ganz überraschend kam der Erfolg von Kipruto nicht, hatte er doch im März beim Tokyo Marathon in 2:03:13 nur Eliud Kipchoge den Vortritt lassen müssen. Beim Olympischen Marathon 2021 in Sapporo stieg er aus, beim Valencia Marathon 2020 wurde er in 2:03:30 Vierter. Der Sieg in London war für den 30-jährigen Kenianer der größte Erfolg in seiner Karriere. Etwas untergangen war bei dem Trubel im Ziel, dass Altmeister Kenenisa Bekele zwar etwas enttäuschend für ihn nur auf Platz 5 in 2:05:53 ins Ziel kam. Aber mit dieser Zeit verbesserte er den Masters-Weltrekord (über 40 Jahre) um über eine halbe Minute.