47. „Prefontaine Classic“ IAAF Diamond League Meeting in Stanford (CA, USA) am 27./28. Mai 2022: Weltrekord-Jagden ohne Erfolg

Die im Vorfeld mit großem medialen Aufwand angekündigten Jagden auf einige Langstrecken-Weltrekorde bei der Distance Night am Abend des 27. Mai vor dem Diamond League Meeting Prefontaine Classic in Eugene (OR, USA) waren alle ohne Erfolg. Am nächsten kam der globalen Bestmarke dabei noch Fancine Niyonsaba (BDI), die über die selten gelaufene 2 Meilen-Distanz mit 8:59,08 dem Weltrekord von Meseret Defar von 8:58,58 aus dem Jahr 2007 bis auf eine halbe Sekunde nahe kam. In den 5000 m-Läufen verpassten die Sieger Ejgayehu Taye (ETH) in 14:12,98 und Joshua Cheptegei (UGA) in 12:57,99 mit Welt-Jahresbestleistungen die Rekordmarken von 14:06,62 sowie 12:35,36 recht deutlich.

Vor den Weltrekord-Versuchen wurden die US-Meister über 10.000 m gesucht und gefunden. Bei den Frauen siegte die Mitafvoritin Karissa Schweizer (USA) in 30:49,56, womit sie ihre PB um weniger als 2 Sekunden verpasste, und bei den Männern gab es ein denkbar enges Finish, in dem Joe Klecker (USA) in 28:28,71 eine 1/10.Sekunde vor dem Favoriten Grant Fisher (USA) vorne lag. Fisher hatte vor einigen Wochen die Topzeit von 26:22,84 erzielt.

Zielfoto der Siegerin Niyonsaba über 2 Meilen der Frauen. (c) Veranstalter

Im Rennen über 2 Meilen (3218,7 m) der Frauen ging Niyonsaba nach Ausscheiden der Tempomacherin bei 900 m an die Spitze und erhöhte das Tempo, doch zwei Runden vor Schluss fiel sie hinter die Pace zum WR zurück und konnte diesen Rückstand bis ins Ziel nicht mehr ganz wettmachen. Sie verpasste mit 8:59,08 den WR denkbar knapp. Die übrige Konkurrenz spielte schon früh keine Rolle mehr, Beatrice Chebet (KEN) lag mit 9:14,71 am Ende 15 Sekunden zurück und auf Platz 5 konnte Konstanze Klosterhalfen (GER) mit 9:16,73 ihre PB knapp steigern.

Das Rennen der Frauen über 5000 m stand ganz im Fokus einer Steigerung des Weltrekords, den die äthiopische Ausnahmeläuferin Letesenbet Gidey (ETH) mit 14:06,62 in Valencia im Jahr 2020 aufgestellt hatte. Dazu musste man jeden Kilometer in 2:49,33 zurücklegen. Somit waren die ersten 1000 m in 2:53,67 deutlich zu langsam, was erst nach 2 km in 5:43,50 mit 2:49,83 korrigiert wurde. Schon nach 3 1/2 Minuten waren die beiden Tempomacherinnen ausgestiegen und Gidey musste mit Rundenzeiten um 67,5 Sekunden das Tempo machen. Bei 3000 m in 8:32,07 (2:48,57) hatten an der Spitze Gidey und ihre Landsfrau Ejgayehu Taye das Lauflicht zum Weltrekord so gut wie eingeholt und Gidey setzte sich erwartungsgemäß vorne ab und gewann schnell an Vorsprung.

Ejgayahu Taye gewann etwas überraschend die 5000 m in Eugene. (c) Livestream/Screnshot

Doch schon bald konnte Gidey das Tempo nicht mehr halten und fiel hinter ein WR-Tempo zuück, was sich auch in einer drittletzten Runde von 69,51 manifestierte. Bei 4000 m ging sie in 11:24,38 durch und hatte somit den vierten Kilometer in nur noch 2:52,31 absolviert. Und auch die vorletzte Runde in 70,50 zeigte, dass die Ausnahmeläuferin heute keine Ausnahmeleistung produzieren würde. Es kam sogar noch extremer. Durch die Schwäche von Gidey kam Taye 500 m vor den Ziel an ihre Landsfrau heran und setzte sich sofort entscheidend ab, um das Rennen in 14:12,98 überlegen zu gewinnen. Gidey hatte diesem Antritt nicht mehr entgegenzusetzen, zuviel Kraft hatte ihr Lauf an der Spitze gekostet, und wurde abschlagen in 14:24,59 nur Zweite, weit hinter ihrer WR-Marke zurück. Platz 3 ging an  Rahel Daniel (ERI) in 14:36,66.

Auch bei den Männern wollte der Weltrekord-Inhaber seine Bestmarke über 5000 m jagen. Cheptegei hatte diese Marke von 12:35,36 im August 2020 in Monaco aufgestellt. Dafür sind die km-Abschnitte in jeweils 2:31 zu absolvieren. Somit war der erste Kilometer in 2:30,69 für die beiden Tempomacher nahezu perfekt, aber bereits der zweite km-Abschnitt in 2:33,49 (2000 m: 5:04,18) war zu langsam. Hier stieg auch der zweite Tempomacher aus und das Unternehmen WR war eigentlich bereits hier gescheitert. An der Spitze lagen hier nur noch der Superstar Cheptegei sowie der Äthiopier Milkesa Mengesha (ETH), die mit Rundenzeiten von 62,81 und 62,24 die 3000 m in 7:41,19 mit einem km-Schnitt von 2:37,01 zurücklegten.

Joshua Cheptegei gewann die 5000 m in Eugene in 12:57,99. (c) Livestream/Screenshot

Danach ging Mengesha sogar an die Spitze und das Tempo verschleppte sich mit 65er-Runden weiter. Bei 4000 m in 10:24,44 war sogar eine Zeit von unter 13 Minuten in Gefahr. Als 700 m vor dem Ziel Mengasha attackierte, konnte Cheptegei kontern und setzte sich eine Runde vor Schluss an die Spitze. 250 m vor dem Ziel konnte sein äthiopischer Kontrahent nicht mehr folgen und Cheptegei gewnn am Ende noch deutlich in 12:57,99 vor Mengesha in 13:01,11 und dem kenianischen Vielstarter Daniel Ebenyo (KEN) in 13:10,61. Zum WR fehlten am Ende mehr als 20 Sekunden, das Unternehmen WR war somit krachend gescheitert. Da war es schon fast blamabel, dass einen Tag später der zweite 5000 m-Lauf im Rahmen des Prefontaine Classic mit 12:50,05 durch Berihu Aregawi (ETH) eine deutlich schnellere Siegerzeit aufweisen konnte.

   Ergebnisse 2 Meilen der Frauen:
1.
8:59.08
2.
9:14.71
3.
9:15.74
4.
9:16.73
5.
9:17.62
6.
9:18.73
7.
9:19.01
8.
9:20.17
9.
9:20.19
10.
9:35.67
  Ergebnisse 5000 m der Frauen:
1.
14:12.98
2.
14:24.59
3.
14:36.66
4.
14:44.73
5.
14:44.89
6.
14:47.37
7.
14:52.64
8.
15:05.68
Ergebnisse 5000 m der Männer:
1.
12:57.99
2.
13:01.11
3.
13:10.61
4.
13:12.88
5.
13:15.31
6.
13:24.21
7.
13:25.19
8.
13:25.33
9.
13:25.82
10.
13:48.79