„NN Mission Marathon“ auf dem Twente-Airport am 18. April 2021: Eliud Kipchoge plant ein „beautiful race“ auf der Flugplatzrunde

Nachdem der 35. Haspa Hamburg Marathon auf den 12. September 2021 verschoben wurde, wollten die Veranstalter den „NN Mission Marathon“ am 11. April 2021 mit hochklassiger Elite auf einem Rundkurs durch die Hamburger Innenstadt rennen. Das Vorhaben wurde ein (weiteres) Opfer der Vorsichtsmaßnahmen in Sachen Corona-Virus und findet nun am kommenden Sonntag (18. April) auf dem Flughafen Twente-Enschede in den Niederlanden statt. Dieses aktuell still gelegte Flugfeld sorgte in den letzten Monaten für Schlagzeilen durch sechs B747 Jumbojets der Lufthansa, die dort für viel Geld zwischengeparkt wurden. Nach den Landungen stellte sich aber heraus, dass nach den Spezifikationen der Runway keine Genehmigung für den Start von Großraumflugzeugen bestand.

Mittlerweile wurde allerdings eine kurzfristige Start-Erlaubnis erteilt und 3 Maschinen wurden zum Umbau in die USA verlegt. Somit sind weitere 3 „Jumbo-Jets“ noch für Ort, für deren Abflug die Startzusage im Juni 2021 erlischt, der Vertrag mit der Laufhansa läuft aber noch bis Mitte 2022. Diese (delikate und kostspielige) Problematik dürfte die Elite-Läufer am Sonntag wenig tangieren, solange die Monster nicht den 5 km-Rundkurs auf der Startbahn und den Taxiways versperren. Topstar der Eliteläufer ist und bleibt der Superstar der Szene, Eliud Kipchoge (KEN), der mit seinem Weltrekord von 2:01:39 eine 3 1/2 Minuten schnellere PB aufweist als der nächste Konkurrent.

Eine Skizze des Streckenverlaufs: Neben einer 5 km-Runde, die achtmal zu durchlaufen ist, ist noch ein 1100 m langes Teilstück am Anfang und Ende zu absolvieren. (c) NN Team

Nach dem Mißgeschick beim verregneten London Marathon im Oktober 2020 und dem Einbruch Kipchoges im Schlusspart, geht es in diesem Rennen vor allem darum, vier Monate vor Olympia wieder zu alter Leistungsstärke zurückzufinden. Eine weitere Niederlage Kipchoges dürfte nach aktueller Einschätzung recht unwahrscheinlich sein. Dazu haben die „Mitläufer“ kaum das erforderliche Potential und das Athletenfeld dünnte nach der Absage für den Lauf auf Hamburger Boden spürbar aus. Eigentlich dürften nur Filex Chemonges (UGA) und Jonathan Korir (KEN) in der Lage sein, dem Meister von Beginn an zu folgen.

Filex (man findet auch: Felix) Chemonges wurde 2019 beim Toronto Waterfront Marathon Dritter in 2:05:12 und Korir wurde beim letzten Berlin Marathon im September 2019 Vierter in 2:06:45. Weitere hochkarätige Starter sind der Olympiasieger von 2012 Stephen Kiprotich (UGA) und Laban Korir (KEN). Die PBs der Beiden von 2:06:33 sowie 2:05:54 liegen aber schon einige Jahre zurück. Gespannt sein darf man auf das Marathon-Debüt von Augustine Choge (KEN), der 2017 in Ras Al Khaimah den Halbmarathon in 59:26 zurücklegte. Eine Schar von insgesamt 15 Tempomachern soll bei dem Rennen die Topathleten unterstützen, wobei es weiter hinten bei Männern und Frauen noch um die Qualifikation für den Olympischen Marathon gehen wird.

Ein Trainingslauf des NN Teams am heutige Freitagmorgen. Im Hintergrund eine von drei B747, die aktuell noch auf dem Flugfeld in Twente abgestellt worden ist. (c) NN Team

In einem kurzen Pressegespräch wurde Kipchoge interviewt, über seine dezidierten Pläne ließ er aber die Öffentlichkeit im Ungewissen. Er lobte den Kurs und versprach in schwierigen Zeiten der Pandemie ein „beautiful race“ abzuliefern, zeitliche Vorgaben machte er aber nicht. Dafür erläuterte er im Detail einen Glykogen-Monitor eines Sponsors, den er mittlerweile im Training mit großen Erfolg ersetzt. Kein Wort fiel zur Schuh-Problematik, nach den Eindrücken beim Trainingslauf dürften sich aber wieder die Siebenmeilen-Stiefel aus Beaverton an seinen Füßen befinden.

Eliud Kipchoge beim heutigen Pressegespräch. (c) Livestream/Screenshot

Ob diese dem zweifachen deutschen Meister Tom Gröschel (GER) helfen werden, die für eine Teilnahme bei Olympia notwendigen 2:10:18 von Henrik Pfeiffer zu unterbieten, wäre bei seiner PB von 2:13:49 eine Riesenüberraschung. Gröschel will das Rennen mit 65:30 angehen und mit einem negativen Split sich der Zeit von Pfeiffer nähern, der wegen des Trainingsausfalls auf Grund einer Verletzung seine Teilnahme an dem Rennen abgesagt hatte.

Im Gegensatz zum Elitefeld der Männer ist das Frauenfeld ungleich weniger spektakulär bestetzt. Die schnellste Frau im Feld ist Madai Perez (MEX), die ihre PB von 2:22:59 bereits 2006 in Chicago erzielte. Aktuell ist die 40-jährige Landesrekordlerin eher an einer Zeit von 2:30:04 zu messen, die sie 2019 beim Hamburg Marathon schaffte. Damit sind allerdings die Chancen für die beiden deutschen Topstarterinnen  Katharina Steinrück (GER) und Rabea Schöneborn (GER) recht gut, ganz vorne mitzumischen. Für beide Läuferinnen des DLV geht es darum, den Platz im Olympiateam abzusichern bzw. zu erringen. Die beiden ersten Plätze nehmen aktuell Melat Kejeta mit 2:23:57 (Berlin 2019) sowie Zwillingsschwester Deborah Schöneborn mit 2:26:55 (Valenica 2020) ein.

Katharina Steinrück – hier beim Zieleinlauf bei den Berlin 10K Invitational im September 2020 in Berlin-Schmöckwitz – ist hinsichtlich einer Qualifikation für das deutsche Olympia-Team eindeutig favorisiert. (c) B. Winter

Mit 2:27:26 liegt Steinrück aktuell auf Platz 3. Sie muss damit vor allem darauf achten, dass sie nicht im direkten Duell mit Rabea Schöneborn mit einer schnelleren Zeit unterliegt. Zuletzt zeigte die Tochter von Katrin Heinig gute Form und konnte über 10 km im März in Dresden erstmals die 32 Minuten unterbieten. Die Gruppe, in der sie am Sonntag mitlaufen will – vor allem unterstützt durch Steffen Uliczka und Simon Stützl – , will das Rennen im Regime von 2:26 Stunden beginnen. Dieser Gruppe dürfte sich auch Schöneborn anschließen, die hofft, ähnlich wie 2016 die Hahner-Twins, gemeinsam mit Schwester Debbie das Ticket für Olympia in Twente zu lösen. Dass in diesen Kampf um die Olympiateilnahme im deutschen Team Anke Esser (GER) oder Laura Hottenrott (GER) mit PBs von 2:32:06 bzw. 2:33:01 eingreifen können, ist kaum zu erwarten.