„NN Mission Marathon“ auf dem Twente-Airport am 18. April 2021: „Mission accomplished“, Eliud Kipchoge gewinnt in 2:04:30, Katharina Steinruck läuft 2:25:59

Eliud Kipchoge (KEN) in 2:04:30 und Katharina Steinruck (GER) in 2:25:59 gewannen die „NN Mission Marathon“ am heutigen Sonntag (18. April) auf der Runway des aktuell still gelegten Flughafens Twente-Enschede. Damit feierte Superstar Kipchoge ein zu erwartendes „Comeback“ nach seinem Einbruch beim London Marathon im Oktober 2020 und zeigte sich im Siegerinterview recht optimistisch hinsichtlich seines Starts bei Olympia im Sommer im japanischen Sapporo. Bei den Frauen dominierten am Ende die deutschen Frauen mit drei Läuferinnen auf den ersten vier Plätzen, wobei Steinruck ihr Olympia-Ticket nochmals absichern konnte.

Die Spitzengruppe der Männer passiert einen der drei noch auf dem Flugfeld in Twente-Enschede abgestellten Lufthansa-Jumbos. (c) NN Team

Im Rennen der Männer war schon nach den ersten Kilometern mit Splits von 3:01, 3:04 und 2:59 klar, dass es an diesem Tag kein super-schnelles Rennen auf dem Beton des Flugfeldes geben würde. Noch sieben Läufer lagen nach 5 km in 14:54 an der Spitze zusammen, auf Kurs zu 2:05:40. Das lag deutlich über der Jahres-Weltbestzeit von 2:04:56 durch Kengo Suzuki beim letzten Lake Biwa Marathon. Danach zog das Tempo aber gewaltig an, 14:21 brauchte man für den 5 km-Abschnitt nach 10 km und lag damit auf Kurs zu einer Zeit von 2:03:24. An der Spitze agierten neben den beiden Tempomachern Philemon Kacheran (KEN) sowie Noah Kipkemboi (KEN) nur noch Eliud Kipchoge und Jonathan Korir (KEN).

Die Verfolgergruppe mit Goitom Kifle (ERI) und Filex Chemonges (UGA) lag hier schon 35 Sekunden zurück. Mit Splits von 43:46 bei 15 km und 58:29 bei 20 km hielt man vorne die Fahrt hoch und lag nach der Hälfte in 1:01:43 auf Kurs zu einer schnellen Zeit im Ziel von 2:03:26. Kurz darauf stieg der „Hase“ Kipkemboi aus und das verbliebene Trio an der Spitze passierte 25 km in 1:13:17. Nach einem moderaten 27. km in 3:01 ging Kipchoge an die Spitze und erhöhte das Tempo mit einem Split bei 30 km von 1:28:10. Man lag mittlerweile im Regime von 2:04:01 und nachdem nur Tempomacher Kacheran hinter Kipchoge laufend dem Meister noch folgen konnte, fiel dann nach 33 km die Vorentscheidung.

Eliud Kipchoge beim Ziellauf der NN Marathon Mission nach 2:04:30. (c) NN Team

Kipchoge setzte sich scheinbar mühelos vom letzten verbliebenen Konkurrenten ab und hatte bei 35 km in 1:43:02 bereits einen Vorsprung von 16 Sekunden auf den ersten Verfolger herausgelaufen, das war mittlerweile Jonathan Korir. Kipchoge konnte im Schlusspart nicht mehr zulegen, lief die km-Splits um 3 Minuten und erreichte über 1:57:58 bei 40 km das Ziel nach 2:04:30. Das war immerhin eine neue Jahres-Weltbestzeit. Mehr als 2 Minuten musste man warten, bevor Korir als Zweiter in 2:06:40 das Ziel erreichte. Und Platz 3 ging an Goitom Kifle in 2:08:07. Nur acht Läufer blieben unter einer Zeit von 2:10 Stunden, der einige deutsche Teilnehmer Tom Gröschel (GER) konnte zwar mit Platz 18 seine PB von 2:13:49 auf 2:12:45 steigern, für Olympia reichte das aber nicht.

Etwas überraschend geriet das Rennen der Frauen zu einer weitgehend deutschen Angelegenheit, wobei es zwischen Katharina Steinruck, Laura Hottenrott (GER) aus Kassel und Rabea Schöneborn (GER) von der LG Nord Berlin einen direkten Kampf um die Olympiatickets gab. Über 17:21 bei 5 km lagen bei 10 km in 34:39 Steinruck und Hottenrott in der Spitzengruppe, Rabea Schöneborn war das Rennen etwas konservativer angegangen und lag 15 Sekunden zurück. Herausragend geführt von den beiden deutschen Läufern Steffen Uliczka und Simon Stützel erreichte man über 51:57 bei 15 km und 1:09:13 bei 20 km den Halbmarathon in 1:12:58, die perfekte Pace für eine Zeit um 2:26 Stunden.

Katharina Steinruck gewann die NN Mission Marathon in 2:25:59. (c) Livestream/Screenshot

Nach 25 km in 1:26:27 war die letzte nicht-deutsche Läuferin in der Kopfgruppe, Gladys Chesir (KEN), zurückgefallen und lag bei 30 km in 1:43:38 für die Spitze dort bereits fast eine halbe Minute zurück. Der Rückstand von Rabea Schöneborn auf die führenden Steinruck und Hottenrott betrug hier 35 Sekunden. Nach 34 km konnte sich Steinruck mit ihren beiden „Hasen“ von Hottenrott lösen, um das Renn über 2:00:58 bei 35 km und 2:18:30 bei 40 km in neuer PB von 2:25:59 zu gewinnen. Im Schlusspart hatte sich die Altmeisterin Sara Moreira (POR) kontinuierlich nach vorne gearbeitet und wurde am Ende in 2:26:42 noch Zweite. Dann folgte schon Rabea Schöneborn auf Platz 3 in 2:27:03.

Das Rennen der Frauen bei der NN Mission Marathon war fest in deutschen Händen. (c) Livestream/Screenshot

Damit konnte die Berlinerin ihre PB von 2:28:43 um mehr als 1 1/2 Minuten steigern, für Olympia zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Deborah wird das aber (leider) nicht ganz reichen. „Debbie“ lief im Dezember 2020 in Valencia 2:26:55 und war damit ganze 8 Sekunden schneller, womit sie nun Platz 3 im Rennen um die Olympia-Startplätze im deutschen Marathon-Team der Frauen einnimmt. In der (Zwillings-)Geschwister-Wertung konnten Debbie und Rabea mit 4:53:58 die Hahner-Twins Lisa und Anna mit 4:55:23 nun deutlich hinter sich lassen. Platz 4 ging an Laura Hottenrott, die mit 2:28:02 ihre PB von 2:33:01 massiv zu steigern wusste.

Ein kurzes Fazit: Neben der tollen Vorstellung der deutschen Läuferinnen zeigte sich „König Eliud“ von seinem Leistungseinbruch beim London Marathon vor einem halbem Jahr bestens erholt. Entsprechend zuversichtlich war er auch beim Siegerinterview in Sachen Titelverteidigung seines Olympiasieges von 2016 auf dem Ausweichkurs in Sapporo (so der Olympische Marathon Anfang August 2021 statffinden wird). Standesgemäß schloss Eliud die Veranstaltung in Enschede mit einer neuer Welt-Jahresbestleisung ab.

In der Leistungsbreite agierte allerdings der Lauf vor einer Woche auf dem Flugfeld im italienischen Siena allerdings in einer anderen Liga. Dies war aber auf Grund der ausgedünnten Startlisten schon im Vorfeld zu erwarten. Trotzdem gebührt den Veranstaltern Lob in Zeiten der durch das Corona-Virus diktierten Einschränkungen, vor allem auch durch die sehr kurzfristige Verlegung der Veranstaltung aus der Hamburger Innenstadt in die Weiten des niederländischen Flachlands.

Ergebnisse Marathon der Männer:
1. Kipchoge, Eliud KEN 2:04:30
2. Korir, Jonathan KEN 2:06:40
3. Kifle, Goitom ERI 2:08:07
4. Kacheran, Philemon KEN 2:08:47
5. Kiprotich, Stephen UGA 2:09:04
6. Kusuro, Geoffrey UGA 2:09:53
7. Sang, Mathew KEN 2:09:54
8. Chemonges, Filex UGA 2:09:59
9. Tewelde, Hiskel ERI 2:10:07
10. Chabowski, Marcin POL 2:10:17
Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. Steinruck, Katharina GER 2:25:59
2. Moreira, Sara POR 2:26:42
3. Schöneborn, Rabea GER 2:27:03
4. Hottenrott, Laura GER 2:28:02
5. Joglova, Marcela CZE 2:28:16
6. Holterman, Jill NED 2:28:18
7. Gorissen, Mieke BEL 2:28:31
8. Chesir, Gladys KEN 2:29:16
9. Mendez, Laura ESP 2:29:28
10. van der Meijden, Ruth NED 2:29:30