40. Valencia Marathon am 6. Dezember 2020 – Pressekonferenz: „Valencia ist ready to go (run)“ – Gidey nicht am Start

Auf der heutigen Pressekonferenz zur 40. Ausgabe des Valencia Marathon am 6. Dezember 2020, die  als ein reines Rennen der Leistungseliten geplant ist, sind eine Schar von Läufern der absoluten Weltklasse in der Metropole an der spanischen Mittelmeerküste angekommen. Seit einigen Jahren gehört Valencia in Sachen Straßenlauf zu den allerersten Adressen auf dem Globus, und man bezeichnet sich dort sehr gerne als „City auf Running“. Auch bei den grandiosen Listen an Startern war im Vorfeld eine gewisse Enttäuschung zu verspüren, als die Absage eines der Superstars der Szene für den Halbmarathon, die 21-jährige Letesenbet Gidey (ETH), wegen der bürgerkriegsähnlichen Zustände in ihrer Region bekannt wurde. Ansonsten ist bis auf weiterhin Bedan Karoki (KEN), der nun beim Fukuoka Marathon Tempo macht, alle weiten Akteure vor Ort.

Race Director Paco Borao ist einer der treibenden Kräfte für die ausßergewöhnlichen Rennen in Valencia. (c) Livestream/Screenshot

Auf der heutigen Pressekonferenz lobte zunächst der umtriebige Race Director Paco Borao die guten Zusammenarbeit mit den Behörden, erst durch die Kooperation wurde die Durchführung einer solchen Veranstaltung zu Zeiten der Corona Pandemie erst möglich. Finanziell war es vor allem die Trinidad Alfonso Foundation, die das Budget von ca. 6 Millionen US$ aufgebracht hat. Borao sah es als eine Verpflichtung an, den Athleten eine „opportunity to run“ zu verschaffen und dabei die Sicherheit der Sportler stets im Auge zu haben. Die Unterbringung geschieht in Einzelzimmer zweier Hotels, die Mahlzeiten werden auf den Zimmern eingenommen und der Transport zum Start erfolgt zu Fuß in Gruppen zu sechs Personen. „We always look for records“, schildert er seine sportlichen Erwartungen an die Läufe am Sonntag.

Der sportliche Leiter Marc Roig gab danach die Absage von Gidey bekannt und erwähnte, dass auch Topstar und HM-Weltrekordler Geoffrey Kamworor gerne gestartet wäre, aber nach einem Verkehrsunfall im Sommer noch nicht wieder über eine ausreichende Form verfüge. Ansonsten sind die Elitefelder in Valencia in der Tat von historischer Dimension: 23 Läufer im Marathon haben PBs von unter 2:07 Stunden, unglaubliche 37 unter 2:10 Stunden. Dazu kommen dann noch einige Debütanten wie Jemal Yimer (ETH), die über den halben Marathon Weltspitze darstellen.  Bei den Frauen sind 5 Läuferinnen am Start mit PBs von unter 2:20 Stunden, großartige 35 liefen schon unter 2:30. Und im Halbmarathon der Männer sind 11 schon unter einer Stunde gerannt.

Die Präsentation einer Topathleten auf der Pressekonferenz: Rhonex Kipruto, Senbere Teferi, Peres Jepchirchir und Birhanu Legese (v.l.). (c) Livestream/Screenshot

Auf dem Podium wurden vier Athleten präsentiert, alle voran der Topstar im Marathon Birhanu Legese (ETH), der auf die Frage nach einer Zeit von unter 2:02 Stunden nur kurz „yes“ antwortete. Die gleiche Antwort gab er aber auch, als die Frage in Richtung Weltrekord ging. Legese hatte eine strapaziöse Anreise, fühlt sich aber schon wieder gut erholt. Von Peres Jepchirchir (KEN), die in den letzten Monaten zweimal den HM-Weltrekord für reine Frauenrennen steigerte, konnte man keine konkreten Zeiten erfahren. Sie will eine PB, die bei 2:23:50 steht. Das dürfte am Sonntag aber kaum zu einer vorderen Platzierung reichen.

Auch vom Shooting Start der Szene Rhonex Kipruto (KEN), der im Fühjahr an gleicher Stelle den 10 km Weltrekord auf der Straße auf 26:24 schraubte, hielt sich in Sachen Prognosen zu seinem HM-Debüt sehr zurück. Artig verkündete er die Standardformel „my training went well and I am in good shape …“. Da war es bei der Vorjahressiegerin im Halbmarathon Senbere Teferi (ETH) schon anders, die ihre PB aus dem Vorjahr von 1:05:32 auf unter 1:05 Stunden drücken will. Sie fühlt sich sogar in Form in die Regionen des Weltrekords (1:04:31) zu laufen.

Die ambitionierten Vorgaben an die Tempomacher. Ca. 22 „Hasen“ sind im Einsatz. (c) Veranstalter/H.Winter

Im technischen Meeting wurden dann für eine ganze Kohorte an Tempomachern für den Halbmarathon eine Durchgangszeit bei 10 km von 27:35 festgelegt, das projiziert sich auf eine Zeit im Ziel von 58:12 und würde nicht weit vom aktuellen Weltrekord von 58:01 durch Geoffrey Kamworor liegen. Im vollen Marathon liegen die Vorgaben für die Halbdistanz bei 1:01:30, damit kann man dann schwerlich noch einen Weltrekord laufen, aber für eine 2:02er-Zeit würde dies schon reichen. In den letzten Jahren haben die Akteure in Valencia immer wieder durch kaum nachzuvollziehende, schnelle Schlussparts gesorgt, so dass man in der Tat mit allem rechnen kann (und muss).

Die modifzierte Strecke wird sicher sehr schnelle Zeiten ermöglichen und auch die äußeren Temperaturen um 9°C bei einem sehr günstigen Taupunkt von 1°C sind so gut wie optimal. Mit Sorge schauen aber alle Beteiligten auf die Vorhersagen in Sachen Wind, der vom Landesinneren aus Richtung WNW mit Geschwindigkeiten um 25 km/h durch die Straßen der drittgrößten Stadt Spaniens fegen wird. Im folgenden noch einmal Auszüge aus einer früheren Vorschau über die Elitefelder im Marathon.

Die Strecken für den halben und vollen Marathon. (c) Veranstalter

Neben dem (schmerzlichen) Verzicht auf die Läufermassen hat das Corona Virus auf einen Einfluss auf den Streckenverlauf gehabt, der maßgeblich modifiziert werden musste. Die Basis der beiden Läufe über die halbe und volle Distanz besteht nun aus einer Halbmarathon-Runde, die an den Kurs bei der WM in Valenica im Jahr 2018 angelehnt ist und für den Marathon zweimal zu durchlaufen ist. Unverändert bleibt das spektakuläre Finish an den Wasserbecken des städtischen Science Museums.

Birhanu Legese ist einer der Topstars beim Valenica Marathon. (c) Veranstalter

Um 8:30 Uhr Ortzeit wird am 6. Dezember der Marathon gestartet, beim dem ein hochklassiges Elitefeld mit fast unglaublichen 23 Läufern mit PBs von unter 2:07 Stunden auf die Jagd nach Topzeiten gehen wird. Bei den Frauen stehen 5 Athletinnen mit PBs von unter 2:20 Stunden auf der Startliste, 9 waren bereits nach 2:21:01 im Ziel eines Marathonlaufs. Mit der Startnummer #1 wird der Vorjahressieger Kinde Atanaw (ETH) ins Rennen gehen, der den Kursrekord in Valencia auf 2:03:51 schraubte. Seit seinem Sieg hat Atanaw kein weiteres Rennen mehr bestritten. Sein Streckenrekord dürfte eines der Minimal-Ziele im Rennen der Männer sein, am Ende – sollte es nach Willen der Organisatoren gehen – erwartet man bei entsprechenden Bedingungen eine noch weit schnellere Zeit.

Daran könnte der Mann mit der besten Vorleistung im Männerfeld, Birhanu Legese (ETH), maßgeblich beteiligt sein, der sich beim Kampf gegen Lauflegende Kenenisa Bekele (KEN) als Zweiter beim Berlin Marathon 2019 auf großartige 2:02:48 steigerte und dabei durch renntaktische Fehler am Ende wertvolle Zeit einbüßte. In diesem Jahr gewann er am 1. März überlegen den als reines Eliterennen ausgetragenen Tokyo Marathon in 2:04:14, womit er aktuell immer noch der Welt-Jahresschnellste 2020 im Marathon der Männer ist. In den letzten Wochen waren Gerüchte zu lesen, dass auch Kenenisa Bekele plant, in Valencia an den Start zu gehen. Dies hätte dem Lauf noch einen besonderen Twist verpasst, als sich die Beiden im letzten Jahr in Berlin in die Nähe des Weltrekords von 2:01:39 durch Eliud Kipchoge trieben.

Lawrence Cherono ist einer der Topfavoriten. (c) Veranstalter

Wie aber vor einigen Tagen zu erfahren war, ist Bekele nach Auskurieren seiner Verletzung zum Zeitpunkt des London Marathon erst wieder ins Training eingestiegen, konkrete künftige Pläne gibt es noch nicht. Aber auch ohne den Superstar der Laufszene ist die weitere Besetzung des Elitefeldes herausragend. Leul Gebreselasie (ETH) lief seine schnellsten Zeiten im Jahr 2018, zunächst als Zweiter in Dubai mit 2:04:02 und im Dezember schraubte er als Sieger beim Valencia Marathon den damaligen Streckenrekord auf 2:04:31. Zu den derzeit besten Topläufern gehört zweifellos auch Lawrence Cherono (KEN), der sich mittlerweile zu einem Siegerläufer ersten Ranges entwickelt hat. 2017 gewann er in Amsterdam in 2:05:09 und Honolulu in 2:08:27, ein Jahr später siegte er erneut in Amsterdam mit PB von 2:04:06, um dann 2019 die WMM-Läufe von Boston und Chicago zu gewinnen. In diesem Jahr hat der Kenianer bisher noch keinen Wettkampf bestritten.

Die Liste der weiteren Topläufer ist lang, mit „Europa-Rekordler“ Kaan Kigen Özbilen (TUR) (PB 2:04:16), Hayle Lemi (ETH) (PB 2:04:33), Reuben Kiprop (KEN) (PB 2:04:40), dem amtierenden Weltmeister Lelisa Desisa (ETH) (PB 2:04:45), Abebe Negewo (ETH) (PB 2:04:51), Evans Chebet (KEN) (PB 2:05:00) und Philemon Rono (KEN) (PB 2:05:00) sind sieben weitere Läufer mit PBs bis 2:05 Stunden dabei. Geringere Aussichten auf eine Topplatzierung dürfte da der Ex-Doppel-Weltmeister Abel Kirui (KEN) haben, der seine PB von 2:05:04 bereits im Jahr 2009 als Dritter beim Rotterdam lief. Gespannt sein darf man auf das Debüt von Jemal Yimer (ETH), der sich in Valencia bereits bestens auskennt. 2018 gewann er dort den Halbmarathon mit Landesrekord von 58:33, 2019 wurde er dort Dritter in 59:09. Im Januar dieses Jahres siegte er bei dem schnellen Rennen in Houston in 59:25.

Richard Ringer absolvierte vor dem Start in Valencia einen erfolgreichen Test im Halbmarathon in Dresden. (c) H. Winter

Auf alle Läufer kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden, dazu ist das Starterfeld in Valencia vor allem auch in der Leistungsbreite einmalig besetzt. Allein 37 Athleten sind in ihrer Karriere schon unter 2:10 Stunden gelaufen. Vier deutsche Läufer sind in Valencia im Marathon dabei, wobei es hier aber um zeitliche Dimensionen von 2:10 Stunden und darüber geht. Allen voran könnte Amanal Petros (GER) von derTV Wattenscheid diese Marke „knacken“, der sich im letzten Jahr an gleicher Stelle auf  2:10:29 verbessern konnte. Auch Debütant Richard Ringer (GER) vom LC Rehlingen hat im Vorfeld ähnliche Ziele benannt, wobei er das Rennen in ca. 65:30 konservativ anlaufen will. Und um die Erfüllung der Olympia-Norm (2:11:30) wird es bei Philipp Pflieger (GER) vom LT Haspa Marathon Hamburg (PB 2:12:50) und dem Deutschen Meister der letzten beiden Jahre Tom Gröschel (GER) von TC Fiko Rostock (PB 2:13:49) gehen.

Ruti Aga ist die Frau mit der besten Vorleistung aller Läuferinnen. (c) Veranstalter

Bei den Frauen sind fünf Läuferinnen schon unter der Schallmauer im Marathon der Frauen von 2:20 Studen gelaufen. Ruti Aga (ETH) erreichte vor zwei Jahren beim Berlin Marathon 2:18:34. Im Jahr 2019 gewann sie in Tokyo in 2:20:40. Bei der WM in Doha stieg sie aus, in New York City wurde sie danach in 2:25:51 Dritte. In diesem Jahr ist ihre Bilanz bislang wenig überzeugend, im Januar wurde sie Houston im Halbmarathon in 1:08:25 nur Sechste – fast zwei Minuten hinter der japanischen Siegerin Niiya – und beim Tokyo Marathon im März gab sie auf.

Ihre Landsfrau Birhane Dibaba (ETH) hat mit 2:18:35 fast die gleiche PB, die sie erst im März in Tokyo lief. Im letzten Jahr wurde sie in Valencia Dritte in 2:18:46 und 2018 gewann sie den Tokyo Marathon in 2:19:51. Auch die weiteren sub-2:20-Läuferinnen kommen aus Äthiopien. Degitu Azimeraw (ETH) gewann im letzten Jahr den Amsterdam Marathon in 2:19:26, Zeineba Yimer (ETH) wurde im letzten Jahr in Valencia Fünfte in 2:19:28 und belegte bei der Halbmarathon-WM in Gdynia im Oktober in flotten 1:05:39 Platz 4. Tigist Girma lief ihre Bestzeit als Zweite beim Amsterdam Marathon 2019 in 2:19:52, in diesem Jahr finishte sie in Tokyo als Fünfte in 2:21:56.

Im weiteren Teilnehmerfeld sind die frisch gebackene Weltmeisterin im Halbmarathon Peres Jepchirchir (KEN) zu nennen, deren PB von 2:23:50 als Siegerin bei ihrem Debüt in Saitama (Tokyo) sicher nicht ihr aktuelles Leistungsniveau widerspiegelt. In diesem Herbst zeigte sie mit HM-Zeiten von 1:05:34 in Prag und von 1:05:16 bei der WM in Gdynia großartige Form mit jeweils Nur-Frauen-Weltrekorden. Ähnlich dürfte die Sache bei Fancy Chemutai (KEN) gelagert sein, die in Valencia zum ersten Mal auf die volle Marathondistanz geht. 1:04:52 ist ihre PB im Halbmarathon, die sie 2018 in Ras Al Khaimah erzielte. Gute Aussichten auf eine vordere Platzierung sind auch Helen Tola (ETH) zuzutrauen, die im letzten Jahr in Tokyo 2:21:01 und dann in Berlin als Vierte 2:21:36 schaffte. Im September zeigte sie bei den Berlin 10K Invitational mit 30:59 eine gute aktuelle Form.

Von deutscher Seite sind Anja Scherl (GER) von der LG Telis Finanz Regensburg mit einer PB von 2:27:50 und  Deborah Schöneborn (GER) (PB 2:31:18) sowie ihre Zwillingsschwester Rabea (GER) von der LG Nord Berlin dabei. Die sensationelle Vize-Weltmeisterin im Halbmarathon Melat Kejeta (GER) vom Laufteam Kassel musste krankheitsbedingt ihren Start in Valencia absagen. Auch bei den Frauen ist die Leistungsbreite sehr beeindruckend, 27 Frauen im Starterfeld haben PBs von unter 2:30 Stunden.

Elitefeld Marathon der Männer:
Birhanu Legese (ETH) 2:02:48
Kinde Atanaw (ETH) 2:03:51
Leul Gebreselasie (ETH) 2:04:02
Lawrence Cherono (KEN) 2:04:06
Kaan Kigen Ozbilen (TUR) 2:04:16
Hayle Lemi (ETH) 2:04:33
Reuben Kiprop (KEN) 2:04:40
Lelisa Desisa (ETH) 2:04:45
Abebe Negewo (ETH) 2:04:51
Evans Chebet (KEN) 2:05:00
Philemon Rono (KEN) 2:05:00
Abel Kirui (KEN) 2:05:04
Betesfa Getahun (ETH) 2:05:28
Amos Kipruto (KEN) 2:05:43
Andualem Belay Shiferaw (ETH) 2:06:00
Ashenafi Moges (ETH) 2:06:12
Abdi Nageeye (NED) 2:06:17
Tsedat Ayana (ETH) 2:06:18
Geoffrey Kirui (KEN) 2:06:27
Chalu Deso Gelmisa (ETH) 2:06:29
Daniel Kemboi (KEN) 2:06:31
Lani Rutto (KEN) 2:06:34
Okubay Tsegay (ERI) 2:06:46
Jemal Yimer (ETH) Debüt
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Elitefeld Marathon der Frauen:
Ruti Aga (ETH) 2:18:34
Birhane Dibaba (ETH) 2:18:35
Degitu Azimeraw (ETH) 2:19:26
Zeineba Yimer (ETH) 2:19:28
Tigist Girma (ETH) 2:19:52
Meskerem Assefa (ETH) 2:20:36
Purity Rionoripo (KEN) 2:20:39
Jordan Hasay (USA) 2:20:57
Helen Tola (ETH) 2:21:01
Helalia Johannes (NAM) 2:22:25
Abeba Gebremeskel (ETH) 2:22:29
Joyciline Jepkosgei (KEN) 2:22:38
Madai Perez Carrilo (MEX) 2:22:59
Hawi Feysa (ETH) 2:23:36
Valeria Straneo (ITA) 2:23:44
Peres Jepchirchir (KEN) 2:23:50
Fancy Chemutai (KEN) Debüt