42. Vodafone Istanbul Marathon am 8. November 2020: 3000 Läufer und zwei hochklassige Debütanten am Start

Am 8. November 2020 soll in Istanbul trotz der Einschränkungen im öffentlichen Leben durch die Corona-Pandemie die 42. Ausgabe des Istanbul Marathon über die Bühne gehen, eine Veranstaltung die seit vielen Jahren das „Golden Label“ eines Topevents des internationalen Leichtathletik-Verbandes „World Athletics“ besitzt. Während weltweit Großveranstaltungen in Sachen Laufsport fast ausschließlich abgesagt werden, was deren Veranstalter zunehmend in große wirtschaftliche Schwierigkeiten bringt, war es am Bosperus bereits für den Halbmarathon am 20. September 2020 gelungen unter Beachtung der Hygiene-Vorgaben 2500 Läufer an den Start zu bringen.

Der Start der Freizeitläufer unter Einhaltung der Hygiene-Vorgaben beim Halbmarathon in Istanbul. (c) SporIstanbul

Im gesamten  Verlauf des Halbmarathon wurde kein Infektionsgeschehen gemeldet, so dass man beim Marathon am kommenden Sonntag auf die dort vorgenommenen Prozeduren zurückgreifen wird. Den Start hat man von der Bosperus-Brücke in den 142.000 Quadratmeter großen Yenikapi-Park verlegt, der sich schon beim Halbmarathon bestens bewährte. Dann werden die Läufer entgegen der ursprünglichen Strecke über die Bosperus-Brücke laufen, asiatisches Terrain erreichen und nach einer Wende erneut die Brücke passieren. Weitgehend über den Kennedy-Express-Way geht es dann zurück nach Yenikapi zum Ziel.

Abgesagt wurden die Läufe am gleichen Tag über 15 km und 8 km, zu denen in den Vorjahren 30.000 bzw. bis zu 70.000 Läufer gemeldet hatten. Ein beachtliches Elitefeld wird am Start sein, das 5 Minuten vor der Masse das Rennen aufnimmt. Bis in die Startphase hinein sind Masken zu tragen, die dann in Container zu werfen sind, die 20 m, 200 m und 1 km nach der Startlinie aufgestellt sind. Beim Halbmarathon haben die Macher vor Ort gezeigt, dass diese Konzepte bestens funktioniert hatten und Großveranstaltungen auch in diesen Zeiten möglich und zu verantworten sind.

Auch die Läufer der Elite werden bis nach der Startphase Schutzmasken tragen müssen. (c) SporIstanbul

Bei der Rekrutierung der Elitefelder führ(t)en die Einreise der Topathleten zu erheblichen Problemen, vor der Abreise und am Samstag vor dem Rennen werden diese alle Tests auf das Virus unterzogen. Unter diesen Randbedingungen ist es dem Elitekoordinator Can Korkmazoglu durchaus gelungen, beachtliche Elitefelder in Istanbul an den Start zu bringen. Ein Highlight dürften sicher die Marathon-Debüts der beiden Weltklasse-Athleten Jairus Birech (KEN) und Edwin Soi (KEN) sein, die nach einer großartigen Karriere auf der Bahn und beachtlichen Vorstellungen über die Halbmarathon-Distanz in Istanbul erstmals einen vollen Marathon in Angriff nehmen wollen.

Birech gehörte über 3000 m-Hindernis zur absoluten Weltklasse, was auch seine PB von 7:58,41 aus dem Jahr 2014 in Brüssel ausweist. Im letzten Jahr absolvierte er bereits drei Starts im Halbmarathon mit Platz 2 und PB von 1:00:33 beim Stramilano im März 2019, 1:00:49 lief er im Mai in Göteborg und 1:00:50 im September in Kopenhagen. Der zweite „Edel-Debütant“ ist Edwin Soi, der viele Jahre zu den Spitzenkönnern über die Bahnlangstrecken zählte. Paradoxerweise gewann er ausgerechnet in Istanbul im Jahr 2012 bei der Hallen-WM über 3000 m seine einzige WM-Medaille. Und hochkarätig mit 12:51,34 ist auch seine PB über 5000 m aus dem Jahr 2013 in Monaco. Zuvor hatte er bereits 2008 die Bronzemedaille über die gleiche Distanz bei Olympia in Beijing gewonnen.

Sein Debüt im letzten Jahr im Halbmarathon war mit Sieg und PB in Granollers in 1:00:24 sehr erfolgreich, im Oktober 2019 lief er in Valencia 1:00:58. Die beiden Novizen treffen auf einige etablierte Könner der Szene, die bestens ausgewiesen sind. Schnellster Läufer im Feld wird Zewedu Hailu Bekele (ETH) sein, der im Januar 2020 bei seiner Premiere beim Dubai Marathon gleich 2:06:31 lief. Seit dieser Zeit hat der 25-jährige Äthiopier kein weiteres Rennen bestreiten können. Sein Landsmann Tsegaye Getachew (ETH) ereichte 2019 in Valencia 2:06:50, im Jahr davor wurde er in Shanghai in 2:09:24 Vierter. Cosmas Birech (KEN) wurde im letzten Jahr in Istanbul in 2:11:51 ebenfalls Vierter und lief seine PB im Jahr 2018 als Sieger des Rom Marathon in 2:08:03.

Die Startnummer „1“ trägt Felix Kimutai (KEN), der 2018 den Lauf in Istanbul in 2:09:57 mit der ersten Zeit vor Ort von unter 2:10 Stunden gewann. 2019 wurde er hier Dritter in 2:09:50, nachdem er im März in Dongying seine PB auf 2:09:23 verbesserte. Im Elitefeld der Männer sind auch noch die beiden Äthiopier Abdisa Duber (ETH) und Getaye Gelaw (ETH) zu beachten, die mit persönlichen Bestzeiten von 2:10:21 (Xiamen 2020) sowie 2:11:03 (Castellon 2020) notiert sind. In diesem Jahr sind bisher keine Tempomacher für die Männer-Elite geplant.

Das Elitefeld der Frauen wurde leider durch einige kurzfristige Absagen nicht unerheblich geschwächt. Hier ist Diana Kipyogei (KEN) auf dem Papier die schnellste Läuferin mit ihrem dritten Platz in 2:22:07 beim Ljubljana Marathon im letzten Jahr. Beachtlich sind auch ihre Leistungen über die halbe Distanz als Zweite bei Rom – Ostia im Jahr 2019 in 1:07:13 und ihre PB im Jahr 2018 in Valencia mit 1:07:07. Mit Tigist Memuye (ETH) kommt die Zweite des Hannover Marathon des letzten Jahres nach Istanbul, wo sie 2:27:35 lief. Sie war im Januar 2020 in Marrakesch am Start und belegte dort allerdings in 2:33:11 nur Platz 12.

Hiwot Gebrekidan (KEN) gewann im letzten Jahr in 2:23:50 den Marathon im chinesischen Guangzhou, während ihre Landsfrau Yeshi Chekole (ETH) bei ihrem Marathon-Debüt 2019 in Abu Dhabi in 2:24:28 Dritte wurde. Angela Tanui (KEN) wurde im letzten Jahr in Istanbul Vierte mit PB von 2:25:18, zuvor belegte sie in 2:25:37 den zweiten Rang beim Wien Marathon im April 2019. Mit Ftaw Zeray Bezabh (ETH) ist noch eine weitere Starterin mit einer PB von unter 2:30 Stunden dabei. Im November 2019 siegte sie bei ihrem Marathon-Debüt im chinesichen Hefei in 2:29:15.

Neben spannenden Rennen – auch auf Grund des Streckenprofils wird nicht mit einer Steigerung der Streckenrekorde gerechnet – werden sicher viele mit dem Laufsport verbundene Interessenten nach Istanbul schauen. Sollte es auch beim Marathon, wie schon beim Halbmarathon zuvor, keine auffälligen Anzahlen von Infektionen geben, wäre das ein weiterer Beleg für das geringe Risiko eines open-air Laufevents in Zeiten einer Corona-Epidemie. Diesbezüglich sind in unseren Regionen viele singuläre Entscheidungen und Maßnahmen der politisch Verantwortlichen nur bedingt nachzuvollziehen, vor allem auch hinsichtlich bisheriger Versäumnisse in der Handhabung der Krisensituation.

Elitefeld der Männer:
2 Zewedu Hailu Bekele ETH 2:06:31 Dubai 2020
6 Tsegaye Getachew ETH 2:06:50 Valencia 2019
3 Cosmas Birech KEN 2:08:03 Rom 2018
1 Felix Kimutai KEN 2:09:23 Dongying 2019
5 Abdisa Duber ETH 2:10:21 Xiamen 2020
8 Getaye Gelaw ETH 2:11:03 Castellon 2020
9 Benard Sang KEN 2:13:02 Istanbul 2017
4 Jairus Birech (Debüt) KEN 1:00:33 Mailand 2019
7 Edwin Soi (Debüt) KEN 1:00:24 Granollers 2019
   Elitefeld der Frauen:
1 Diana Kipyogei KEN 2:22:07 Ljubljana 2019
5 Hiwot Gebrekidan ETH 2:23:50 Guangzhou 2019
7 Yeshi Chekole ETH 2:24:28 Abu Dhabi 2019
3 Angela Tanui KEN 2:25:18 Istanbul 2019
2 Tigist Memuye ETH 2:27:35 Hannover 2019
4 Ftaw Bezabh ETH 2:29:15 Hefei 2019
6 Meseret Merine ETH 2:34:54 Toulouse 2019
8 Tubal Erdal TUR 2:39:45 Düsseldorf 2018