„Stadionmila“ in Kristiansand (NOR) am 7. August 2020: Sondre Moen läuft Stunden-Europarekord

Bei der „Stadionmila“ im norwegischen Kristiansand lief der Ex-Marathon-Europarekordler Sondre Moen (NOR) mit 21.131 m (inoffiziell) einen neuen Europa-Rekord im Stundenlauf auf der Bahn auf. Damit löschte der norwegische Topstar über die längeren Distanzen einen der Uralt-Rekord der europäischen Leichtathletik aus, den die Lauf- und Managerlegende Jos Hermens mit 20.944 m bereits im Jahr 1976 aufgestellt hatte. In einem perfekt getimten Rennen brachten zwei Tempomacher Moen zunächst nach 2:51, 5:43 und 8:36 Minuten für die ersten 3 km auf 14:18 bei 5 km und 6 km auf 17:15. Dann stieg der letzte Hase aus und Moen musste nun allein das Tempo machen, wobei er mit einer Projektion auf 20.870 m etwas hinter der Rekordmarke von Hermens zurücklag.

Startaufstellung zum 10 km- und Stunden-Lauf bei der Stadionmila. Mit #293 Sondre Moen, zwei Positionen daneben Philipp Pflieger. (c) Livestream/Screenshot

Moen war danach in der Lage leicht zuzulegen, bei 10 km in 28:35 und 15 km in 42:45 hatte er die letzten beiden 5 km-Abschnitte in 14:17 und 14:10 zurückgelegt. Schon hier lag er mit einer Projektion auf eine Stunde von 21.053 m auf Rekordkurs. Moen konnte sogar noch etwas zulegen passierte nach 56:53 die 20 km mit dem schnellsten 5 km-Segment des Rennens von 14:08 und hatte nach 52 Runden, d.h. 20.800 m mit 59:01 noch eine volle Minute Zeit, die Hermens´sche Marke zu übertrumpfen. 21 km erreichte er in 59:38 und nach exakt einer Stunde platzierte ein Kampfrichter einen Verkehrskegel nach 31 m auf der Zielgeraden.

Sondre Moen nach 20.800 m auf dem weg zum Europa-Rekord. Kurz dahinter Philipp Pflieger, der zu diesem Zeitpunkt bereits dreimal von Moen überrundet wurde. (c) Livestream/Screenshot

Damit war Moen 21.131 m in einer Stunde gelaufen, womit er die Uralt-Marke von Jos um fast 200 m steigern konnte. Zum Weltrekord von Lauflegende Haile Gebrselassie von 21.285 m aus dem Jahr 2007 in Ostrava fehlte Moen eine knappe halbe Runde. Bezogen auf den Halbmarathon war der Norweger gute 30 m weiter, lag somit für diese Distanz knapp unter einer Stunde; eine hervorragende Leistung, wobei im Halbmarathon z.B. im Januar in Houston neun Läufer schneller waren. Im Rennen selbst war der halbe Marathon eine wichtige Bezugsmarke, die Trainer-Guru Renato Canova als Richtschnur ausgegeben hatte. Der Lauf bestätigte den Coach wieder einmal in allen Belangen.

Nur drei Läufer beendeten das Stundenrennen, wobei Philipp Pflieger (GER) Zweiter wurde und dabei gut dreimal von Moen überrundet wurde. Bereits nach den ersten 26 Minuten hatte der Führende den Deutschen die erste Runde abgenommen, und es nicht nur er, der dem Norweger das Verlassen der Innenbahn nicht ersparte. Mit Splits von 29:56 bei 10 km und 59:05,4 bei 19.600 m erreichte er die 20 km nicht mehr ganz. Die genaue Wegstrecke ist aktuell noch nicht bekannt, sollte aber im Regime von 19.900 m liegen. Zu Werner Schilhauers Landesrekord fehlten ihm gut 600 m. Philipp spurtete nach der Stunde noch die Zielgerade herunter und schaffte die 20 km in etwa 1:00:15, offiziell wurde diese Zeit aber nicht mehr genommen.

Während ab dem morgigen Samstag bei der DM in Braunschweig die Dinge doch etwas übertrieben gehandhabt scheinen, war in Sachen Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie im Stadion von Kristiansand wenig zu spüren und zu sehen. Das galt nicht nur für viele Stunden für die Athleten in einer ganzen Serie von Zeitläufen, sondern auch für die Zuschauer, die auf der Zielgeraden ein dichtes Spalier bildeten. Wie das Event von der gesundheitlichen Seite zu bilanzieren sein wird, kann erst mit der Virus-spezifischen Zeitspanne der Inkubation erfasst werden. Sportlich geht es aktuell vor allem den Nischen-Rekorden an den Kragen.

Die Jagd nach der Distanz in einer Stunde geht aber schon in Kürze weiter, am 4.September will Superstar Mo Farah den Weltrekord von Haile beim Diamond League Meeting in Brüssel brechen. Dann könnte dem guten Sondre das gleiche Schicksal drohen, wie bei seinem Marathon-Europarekord in Fukuoka, den ihm der Brite schon im Jahr darauf in Chicago entriss. Das Corona Virus – ein ausgewiesener Ausdauer-Akteur – zeigt diesbezüglich eine weitere Fazette seiner vielfältigen Auswirkungen auf die Gesellschaft.