Die internationale Laufsport-Szene zu Beginn des Jahres 2020: Eine grandiose Bilanz … bis das Corona-Virus kam

Mittlerweile hat das Corona-Virus den gesamten Globus fest im Griff. Nicht nur auf den Strecken durch die Städte dieser Welt „läuft“ so gut wie nichts mehr. Kaum zu glauben, dass in der Hochphase der Ausbreitung in der chinesischen Provinz zu Beginn dieses Jahres der Laufsport weitgehend ungehindert auf höchstem Niveau betrieben werden konnte (und auch wurde). Mittlerweile ist dies schon Geschichte, die man angesichts der momentanen Auswirkungen des Virus auf die gesamte Gesellschaft kaum zu glauben vermag. Deshalb soll an dieser Stelle auf einmalige Resultate in den ersten Wochen des Jahres 2020 zurückgeblickt werden, die mit der Hoffnung verbunden werden, dass sich – zum Wohle Aller – die Dinge wieder normalisieren, auch in der Straßenlaufszene.

Ähnlich wie im wirtschaftlichen Umfeld werden auch die Veranstalter von Laufevents in hohem Maße von einer Krise heimgesucht, die es in dieser Ausprägung in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Entsprechend dramatisch werden sich auch die Dinge in der Laufszene darstellen, wenn es an der Zeit ist, Bilanz zu ziehen. Und wie in der Wirtschaft, der Bildung oder Kultur werden auch die Organisatoren von Laufevents zu stützen sein, wenn es um deren wirtschaftliche Existenz geht. Die verdienstvollen Appelle der German Road Races an die Community der Läufer werden diesbezüglich aber kaum ausreichen. Auch in diesem Segment muss die Politik handeln, wenn sie ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung Ernst nimmt.

Zu Beginn des Jahres lagen solche Entwicklungen noch in weiter Ferne, zeitlich sowie geographisch, das Virus tobte – noch weitgehend vom Rest der Welt isoliert – in den Weiten des chinesischen Festlands. Im Laufsport ging es mit Volldampf weiter, so wie das Vorjahr 2019 geendet hatte: Mit hochkarätigen Leistungen, unterstützt mit den Siebenmeilen-Stiefeln aus Beaverton, den NIKE Vaporflys und deren Ableger. Und dies begann am 2. und 3. Januar auf der japanischen Insel. Die Aoyama Gakuin University (AGU) gewann den 96. Hakonen Ekiden, einen Staffellauf über 217,1 km mit 21 Teams von jeweils 10 Läufern der Universitäten aus dem Großraum Tokyos.

Die Aoyama Gakuin University gewann den Hakone Ekiden zum fünften Mal. (c) TBS/Screenshot

Damit konnte dieses Team zum fünften Mal diesen Wettbewerb gewinnen, wobei die Strecke aus dem Zentrum Tokyos in die Sommerfrische Hakone und zurück in 10:45:23 so schnell wie noch nie in der 100-jährigen Geschichte dieser Veranstaltung zurückgelegt wurde. Wie grandios diese Gesamtzeit einzuschätzen ist, zeigt der Vergleich mit dem Streckenrekord von 10:52:09 aus dem Vorjahr durch die Tokai University, die diesmal in 10:48:25 Zweiter wurde. Die Siegerzeit von AGU entspricht einem km-Schnitt von 2:58,4 Minuten, gelaufen auf Etappen von ca. Halbmarathon-Länge von 10 Studenten einer Universität aus dem Großraum Tokyos. Und nicht nur im Siegerteam liefen fast alle Studenten in Vaporflys.

Mit einer eindrucksvollen äthiopischen Dominanz ging zwei Tage später die 18. Ausgabe des C&D Xiamen Marathon in der Metropole am chinesischen Meer über die Bühne. Dabei wütete das Virus schon in 800 km Entfernung mit rasender Geschwindigkeit. Bei den Männern war Birhan Tesfaye (ETH) in 2:08:16 vorne, bei den Frauen konnte Medina Deme Armino (ETH) in 2:26:12 ihren Erfolg aus dem Vorjahr mit einer etwas schnelleren Zeit wiederholen. Bei akzeptablen Bedingungen mit Temperaturen von 15°C bis 19°C, allerdings 85% Luftfeuchte (Taupunkt 14°C),  waren 35.071 Starter für den Lauf gemeldet (2019 waren das 36.826), insgesamt lagen den Veranstaltern 82.205 Anmeldungen für den mittlerweile größten Marathon-Lauf in China vor. Die Hoffnungen mit einem optimierten Kurs deutlich schnellere Zeiten der Elite in Xiamen zu erzielen, erfüllten sich aber nur sehr bedingt. Kurz danach war es dann mit der (sportlichen) Lauferei im Reich der Mitte vorbei.

Julian Wanders und Rhonex Kipruto liefen Europa- bzw. Weltrekord über 10 km. (c) Veranstalter

In der jungen Straßenlaufsaison 2020 sorgte dann Valencia (wieder einmal) am 12. Januar für ein absolutes Highlight. Bei der 12. Auflage des Laufs über 10 km 10K Valencia Ibercaja verbesserte der Kenianer Rhonex Kipruto (KEN) den erst zwei Monate alten Weltrekord durch Jushua Cheptgei von 26:38 auf grandiose 26:24 Minuten. Damit rückt der Weltrekord auf der Straße immer näher an die Marke auf der Bahn heran, die immer noch Kenenisa Bekele mit 26:17,53 hält. Und zusammen mit Haile Gebrselassie 26:22,72 sind nur zwei Männer bisher schneller über 10 km unterwegs gewesen als Rhonex Kipruto. Im Sog seiner Ausnahmeleistung schaffte der Schweizer Julian Wanders (SUI) in 27:13 eine Verbesserung seines eigenen Europa-Rekords von 27:25 aus dem Jahr 2018.

In der darauf folgenden  „Marathon Week“ gaben die Organisatoren der 40. Ausgabe des Virgin money London Marathon die Listen der Topathleten bekannt, wobei der Start von Superstar Eliud Kipchoge (KEN) bereits vorab im Dezember 2019 gemeldet wurde. Mit Mosinet Geremew (ETH) und Mule Wasihun (ETH) wären jene beiden Läufer erneut am Start gewesen, die Kipchoge im letzten Jahr bis in die Schlussphase forderten, bevor sich der Kenianer absetzen und mit 2:02:38 einen neuen Kursrekord in London aufstellen konnte.

Das Jahrhundert-Duell Bekele vs. Kipchoge wird Ende April in London nicht über die Bühne gehen. (c) H. Winter

Wasimmer die Veranstalter in London geritten haben mag, die große Irritation um den Start von Superstar Kenenisa Bekele (ETH) wurde dann zur Wochenmitte aufgelöst und Bekele „nachnominiert“. Von Seiten der Medienarbeit ging dieser Coup daneben, ferner wurde das „Jahrhundert-Duell“ Kipchoge vs. Bekele bald darauf eines der vielen Opfer des Virus. Am 4.  Oktober soll der London Marathon nachgeholt werden. Ob die beiden Ausnahmeläufer dann immer noch aufeinandertreffen, ist aktuell noch nicht bekannt. Der mittlerweile verschobene Olympische Marathon würde diesem Treffen an der Themse nicht mehr im Wege stehen.

Jemal Yimer (ETH) sowie Hitomi Niiya (JPN) sorgten im Halbmarathon für die Highlights der 48. Ausgabe des Chevron Houston Marathon, bei dem (genau) gleichzeitig der aramco Houston Half Marathon ausgetragen wurde. Yimer gewann das Rennen der Männer in 59:25, womit er den Kursrekord von 59:22 durch Feyisa Lelisa nur knapp verpasste, während Niiya die gesamte afrikanische Konkurrenz düpierte und bei ihrem Sieg in grandiosen 1:06:38 nicht nur ihre PB von 1:11:41 bei einem Halbmarathon vor fast zehn Jahren „pulverisierte“, sondern auch ihre Jagd auf den Landesrekord von 1:07:26 von Kayoko Fukushi überaus erfolgreich abschloss. Ein weiterer Höhepunkt stellten insgesamt 9 Läufer dar, die bei recht windigem Wetter mit Temperaturen um 8°C unter der Schallmauer im Halbmarathon von 1 Stunde blieben.

Hitomi Niiya gewann den Halbmarathon in Houston mit Landesrekord. (c) Livestream/Screenshot

Im Marathon war Kekile Gezahegn (ETH), der im April 2018 in Rotterdam 2:05:56 erreichte, in 2:08:38 der Schnellste, wobei seine Leistung von einem starken Gegenwind im Schlussdrittel beeinträchtigt wurde. Bei den Frauen gewann Askale Merachi (ETH) in 2:23:29 und auf Platz 3 lief Malindi Elmore (CAN) in 2:24:50 neuen Landesrekord. Am gleichen Tag gewann der äthiopische Debütant Derara Hurisa (ETH) mit dem neuen Streckenrekord von 2:08:09 die 17. Ausgabe des Tata Mumbai Marathon in der indischen Mega-Metropole. Das Rennen der Frauen sah Amane Beriso (ETH) in 2:24:51 vorne.

Weitgehend unbeachtet krönte Alexander Mutiso (KEN) mit dem großartigen Streckenrekord von 59:09 die 29. Auflage des Mitja Marató International Vila de Santa Pola. Bei den Frauen siegte Vivian Cepkirui (KEN) in 1:09:28. Die äthiopische Topläuferin Worknesh Degefa (ETH) sorgte mit ihrem Sieg in 2:19:38 bei den Frauen für das Highlight der 21. Ausgabe der Standard Chartered Dubai Marathon. Bei den Männern gewann der Debütant Olika Adugna (ETH) in 2:06:15, wobei insgesamt 11 Athleten unter 2:07 Stunden blieben. Auch diese einmalige Leistungsbreite basierte auf dem „Vaporfly“, der kurz darauf in einer Posse gleichen Aktion von World Athletics (unter „tatkräftiger“ Mitwirkung vom unmittelbar betroffenen NIKE Konzern) für ein weiteres Wettstreiten legalisiert wurde.

Sehr gute äußere Bedingungen konnte Mizuki Matsuda (JPN) bei der 39. Auflage des Osaka International Women’s Marathon nutzen, um sich mit ihrem Sieg in 2:21:47 für das japanische Olympiateam zu empfehlen. Mit ihrer Siegerzeit unterbot sie das geforderte Limit von 2:22:22 und errang damit zunächst den letzten noch vakanten Startplatz für das Team im Marathon der Frauen bei Olympia 2020 in Tokyo/Sapporo, dessen Start nun erst ein Jahr später erfolgen wird. Die deutsche Topläuferin Katharina Steinruck (GER) lag bis 10 km in einer Verfolgergruppe auf Kurs zu einer Zeit um 2:26 Stunden, konnte dieses Tempo aber nicht ganz halten und belegte am Ende in 2:28:48 Platz 14.

Hicham Laqouahi (MAR) sorgte mit seinem Sieg in 2:06:32 bei der 31. Ausgabe des Marathon International de Marrakech für die mit Abstand beste Leistung. Mit dem neuen Streckenrekord in der marokkanischen Metropole verpasste er die Jahres-Weltbestleistung von 2:06:15 aus Dubai nur recht knapp. Dafür konnte der Sieger den Streckenrekord von Stephen Tum aus dem Jahr 2012 um 3 Sekunden steigern. Bei den Frauen war Hawi Alemu Negeri (ETH) in 2:27:56 die Beste. Brett Robinson (AUS) in 59:57 Minuten und Helalia Johannes (NAM) in 1:08:10 gewannen die 74. Ausgabe des Kagawa Marugame International Half Marathon, bei der bei perfekten äußeren Bedingungen insgesamt fünf Landesrekorde aufgestellt wurden. In einem Rennen, das sich wieder einmal durch eine grandiose Leistungsdichte auszeichnete – so blieben im Ziel z.B. 62 Läufer unter 1:03 Stunden – stellte der Japaner Yosuke Ogura (JPN) in 1:00:00 einen neuen Landesrekord auf, den zuvor Yuta Shitara (JPN) mit 1:00:17 im Jahr 2017 in Usti nad Labem erzielt hatte.

Hamza Sahli (MAR) gewann in 2:08:01 am gleichen Tag (2. Februar) die 69. Ausgabe des Beppu Oita Manichi Marathon, dem sog. „Betsudai“. Bei guten äußeren Bedingungen mit Temperaturen um 11°C und geringer Luftfeuchte (Taupunkt 1°C) setzte sich der Marokkaner, der mit der Nummer #5 und einer Vorleistung von 2:10:19 (Rabat 2019) an den Start gegangen war, erst kurz vor dem Einlauf ins Stadion vom letzten Konkurrenten ab und verbesserte den Streckenrekord in der Hafenstadt auf der südlichsten japanischen Insel Kyushu von 2:08:15, den das Lauf-Unikum Yuki Kawauchi bereits im Jahr 2013 aufgestellt hatte.

Der Star der US-Laufszene Galen Rupp (USA) gewann den Halbmarathon im Rahmen der 9. Ausgabe des Sprouts Mesa Marathon in Phoenix, Arizona in 1:01:19 und absolvierte somit einen erfolgreichen Test für die US Olympia-Trials im Marathon am 29. Februar 2020 in Atlanta. Dass die Form des US-Topstars nach langen Verletzungsproblemen stimmte, sollte sich dann wenige Wochen später bei den Trials bestätigen. Bei ungewohnt guten äußeren Bedingungen sorgten David Barmasai (KEN) in 2:10:23 und Sharon Cherop (KEN) in 2:31:40 bei der 5. Auflage des Access Bank Lagos City Marathon für neue Streckenrekorde. Und der 29jährige Japaner Ryoichi Matsuo (JPN) gewann in 2:12:02 die 58. Auflage des Nobeoka Nishi Nippon Marathon auf der südlichen Insel Kyushu.

Joel Mwangi (KEN) in 1:00:40 und Lokalmatadorin Valeri Straneo (ITA) in 1:11:32 gewannen die 13. Auflage des Gensan Juliet & Romeo Halbmarathon am 16.Februar. Arne Gabius (GER) belegte in kaum überzeugenden 1:03:25 Platz 7. Victor Chumo (KEN) und Ashete Bekere (ETH) waren die Sieger der 30. Ausgabe des eDreams Mitja Marató de Barcelona. Dabei liefen sie mit 59:58 bzw. 1:06:37 zwar schnelle Zeiten, die hohen Erwartungen der Organisatoren, insb. im Rennen der Frauen, erfüllten sich schon in einer frühen Phase der Rennen nicht. Die Vorjahressiegerin Roza Dereje (ETH) hatte im Vorfeld die Jagd auf den Streckenrekord von 1:05:09 und sogar den Weltrekord der Frauen von 1:04:51 angekündigt. Der sollte schon wenige Tage später fallen.

Joshua Cheptegei steigerte den 5 km Weltrekord im Straßenlauf auf 12:51 Minuten. (c) Veranstalter

Zuvor gab es allerdings noch einen weiteren Weltrekord bei der 2. Auflage des Monaco Run im Fürstentum an der Mittelmeerküste durch Joshua Cheptegei (UGA) im Straßenlauf über 5 km. Bei guten äußeren Bedingungen und auf gut geschützen Tunnelpassagen „pulversierte“ der Mann aus Uganda die erst im Januar aufgestellte Rekordmarke von 13:18 Minuten durch Rhonex Kipruto in Valencia mit 12:51 in neue Dimensionen. Nach der mehr als umstrittenen Neu-Kalibrierung des 5 km-Weltrekords für die Straße hievte Cheptegei in einem eindrucksvollen Tempopolauf ohne jeden Tempomacher diesen in Regionen, die höchste Anerkennung verdienen.

Benson Kipruto (KEN) und Lucy Cheruiyot (KEN) gewannen die 34. Auflage des Electrolit Guadalajara Half Marathon in der Millionenstadt im mexikanischen Hochland. Kipruto siegte in einer Spurtentscheidung in 1:02:13, während bei den Frauen Lucy Cheruiyot die Schnellste war. Mitte Februar wurde dann in rasanter Fahrt die Bedrohung des Laufsports durch Corona-Virus immer deutlicher. So machten die Organisatoren des 14. Tokyo Marathon am 1. März 2020  bekannt, den zu den World Marathon Majors gehörenden Lauf für alle Freizeitläufer ersatzlos abzusagen, nachdem zuvor schon Teilnehmer aus China ausgeschlossen worden waren.

Ababel Brihane steigerte den Weltrekord im Halbmarathon der Frauen auf 1:04:31. (c) Livestream/Screenshot

Eine kleine Sensation gab es am 21. Februar bei der 14. Ausgabe des Ras Al Khaimah (RAK) Half Marathon im Vereinigten Arabischen Emirat ca. 80 km nördlich von Dubai. Nicht die hochfavorisierte Brigid Kosgei (KEN) sondern Ababel Brihane (ETH) gewann das superschnelle Rennen in der neuen Weltrekordzeit von 1:04:31. Die Ausnahmeläuferin und Marathon-Weltrekordlerin Kosgei musste sich in 1:04:49 mit Platz 2 zufrieden geben, blieb aber gleichfalls unter der alten globalen Bestmarke von 1:04:51 durch Joyciline Jepkosgei in Valencia aus dem Jahr 2017. Das Rennen der Männer war gleichfalls schnell, aber weit weniger spektakulär. Hier gewann Kibiwott Kandie (KEN) mit der neuen Welt-Jahresbestleistung von 58:58. Ein kleiner Wermutstropfen dieser Erfolge stellt allerdings ein klarer Fehlstart dar, mit dem das Rennen ca. 3 Sekunden vor dem Startschuss begann. Es dürfte spannend werden, wie der internationale Verband die „Regel 240“ auslegt, wenn es um die Anerkennung der neuen Rekordmarke geht.

Mit einen Festival der Rekorde endete die 36. Ausgabe des Zurich Maratón de Sevilla. Bei idealen äußeren Bedingungen stellten Merkuant Ayenew (ETH) in 2:04:46 und Juliet Chekwel (UGA) in 2:23:13 neue Streckenrekorde auf. Ayenew und Chekwel verbesserten die Bestmarken aus dem Vorjahr von 2:06:36 und 2:24:28 um jeweils über eine Minute. Im Sog der Flut hochklassiger Zeiten unterboten Hendrik Pfeiffer (GER) aus Wattenscheid in 2:10:18 und Anja Scherl (GER) aus Regensburg in 2:28:25 die jeweiligen Olympianormen recht deutlich.

Merkuant Ayenew gewann mit Streckenrekord in Sevilla. (c) Livestream/Screenshot

Bei guten äußeren Bedingungen mit Temperaturen um 10°C gewann Henry Rono (KEN) in 1:00:04 und Viola Cheptoo in 1:06:47 (KEN) die 7. Ausgabe des Napoli City Halbmarathon mit neuen Streckenrekorden. Im dritten Jahr war das in Prag ansässige Unternehmen Run Czech für den Ablauf der Veranstaltung verantwortlich, bei der 4300 Läufer das Ziel erreichten. Das sportliche Ziel einer Zeit von unter einer Stunde verfehlte man diesmal denkbar knapp. Von deutscher Seite war die ehemalige Landesmeisterin im Marathon am Start. Fabienne Königstein (geb. Amrhein) (GER) lief in 1:14:03 auf Platz 7 ein. Dieser Lauf am 23. Februar sollte für längere Zeit die letzte Laufveranstaltung in Italien sein, wo das Virus schon Tage später sein verheerendes Regiment übernahm.

Auf einem anspruchsvollen Kurs in der ehemaligen Olympiastadt Atlanta mit 261 Männern und 510 Frauen am Start gewannen Galen Rupp (USA) in 2:09:20 und Aliphine Tuliamuk in 2:27:23 die US-amerikaníschen Olympia-Ausscheidungen. Konnte man mit den Erstplatzierten in gewissen Grenzen noch rechnen, so waren die weiteren Platzierungen mehr als überraschend. So belegten die „Nobodies“ Jacob Riley (USA) und die Debütantin Molly Seidel (USA) die zweiten Plätze und sind damit ebenso für das US-Marathon-Team für Olympia 2020 qualifiziert wie „Oldie“ Abdi Abdirahman (USA) und Sally Kipyego (USA), die zum fünften bzw. zweiten Mal an Olympischen Spielen teilnehmen werden. Bei kühlen und vor allem windigen Bedingungen konnten viele der hocheingeschätzten US-Läufer/innen am Ende nicht überzeugen und werden somit – dies sind nun einmal die Spielregeln der Trials – beim Olympischen Marathon in Sapporo (im kommenden Sommer) zu Hause bleiben.

Die Erstplatzierten der Männer bei den US OlympiaTrials in Atlanta: Jake Riley, Galen Rupp und Abdi Abdirahman (v.l.). (c) Livestream/Screenshot

Birhanu Legese (ETH) gewann in 2:04:15 den 14. Tokyo Marathon. Den hart umkämpften dritten Startplatz im japanischen Olympiateam für den Marathon der Männer sicherte sich endgültig Suguru Osako (JPN), der seinen eigenen Landesrekord von 2:05:50 auf 2:05:29 steigerte. Noch spektakulärer war die Siegerzeit von Lonah Salpeter (ISR), die mit 2:17:45 gleichfalls Landesrekord lief und damit zur sechstschnellsten Marathon-Läuferin aller Zeiten wurde. Ohne die Beteiligung der 40.000 Freizeitläufer durch die gewollter Maßen leeren Straßen der Hauptstadt, schafften 17 Läufer, darunter 10 Japaner, eine Zeit von unter 2:08 Stunden. 28 der 30 Erstplazierten waren mit den Vaporflys an den Füßen unterwegs.

Suguru Osako lief in 2:05:29 neuen Landesrekord im Marathon der Männer. (c) Veranstalter

Die Lauflegende Kenenisa Bekele (ETH) demonstrierte bei der 3. Ausgabe des Vitality Big Half in den Straßen der britischen Haupstadt seine gute Form. Ohne aussichtreiche Konkurrenz gewann er den Halbmarathon in 1:00:22 und verbesserte damit den Streckenrekord von 1:01:15 aus dem Vorjahr durch Mo Farah um fast eine Minute. Das geplante Duell zwischen Bekele und Farah kam durch eine Absage des Briten wegen einer Verletzung nicht zustande, und auch der „Ersatzmann“ Lawrence Cherno (KEN) musste am Tag vor dem Rennen durch eine Verletzung am Oberschenkel seine Teilnahme absagen. Bei den Frauen gewann Lily Patridge (GBR) in 1:10:50. Schon kurz darauf wurde der London Marathon an gleicher Stelle absagt. Auch den Primus der Laufszene zwang das Virus am Ende in die Knie.

Mao Ichiyama qualifizierte sich mit ihrem Sieg beim Nagoya Women´s Marahon in 2:20:29 für Olympia. (c) Livestream/Screenshot

Mit einer großen Überraschung endete eine Woche später am 8. März die 36. Ausgabe des Nagoya Women’s Marathon, den die Japanerin Mao Ichiyama (JPN) in ausgezeichneten 2:20:29 gewann. Diese Leistung war nicht nur wegen der schlechten Bedingungen mit Dauerregen bei Temperaturen knapp unter 10°C bemerkenswert, sondern die erst 22-jährige Nachwuchsläuferin konnte damit die im Vorfeld nicht mehr für möglich gehaltene Zeit von 2:21:47 unterbieten, die ihre Landsfrau Mizuki Matsuda im Januar beim Osaka International Women´s Marathon aufgestellt hatte.

Diese Zeit war das Qualifikations-Kriterium für den dritten Startplatz im japanischen Olympia-Team 2020, das in einem mehr als aufwendig inszeniertem Qualifikations-Ritual – „Marathon Grand Championship (MGC)“ – ermittelt wurde. Im nachhinein muss man dem japanischen Verbund für dieses Verfahren Anerkennung zollen, denn entgegen aller Erwartungen haben die MGC das Leistungsniveau ungemein angespornt. Dabei werden allerdings die neuen Entwicklungen im Schuhwerk gerade zur rechten Zeit gekommen sein.

Zeitgleich zum Lauf in Nagoya gewann Evans Chebet (KEN) die 75. Ausgabe des Lake Biwa Mainichi Marathon im japanischen Otsu in 2:07:29. Im strömenden Regen waren die äußeren Bedingungen alles andere als gut, vor allem auch für einige japanische Läufer, die sich noch Hoffnungen machten, ähnlich wie beim parallel in Nagoya ausgetragenem Elite-Frauen-Marathon den dritten Startplatz im Olympiateam ihres Landes zu erringen. Neben fehlender Klasse waren es aber auch die mit Regenwasser überfluteten Straßen am Ufer des Lake Biwa, die einen Angriff auf den japanischen Landesrekord von 2:05:29 vom letzten Wochenende von Anfang an im Keim erstickten.

Nachdem die 45. Ausgabe des City-Pier-City Loop in der niederländischen Hauptstadt Den Haag im letzten Jahr wegen einer Sturmwarnung abgesagt werden musste, wurde diese in diesem Jahr nachgeholt und sah mit Dawit Wolde (ETH) in 59:58 und Joyline Chemutai (KEN) in 1:09:44 ostafrikanische Sieger. Am gleichen Tag gab es Siege von Debütant Bayelign Teshager (ETH) in 2:08:28 und Margaret Muriuki (KEN) in 2:29:28 bei der 35. Ausgabe des Los Angeles Marathon (presented by ASICS) mit einem neuen Titelsponsor.

Bayelign Teshager und Margaret Muriuki gewannen den Los Angeles Marathon. (c) Livestream/Screenshot

Der Elitekoordinator Mathew Turnbull war erstmals in LA für die Verpflichtung der Topathleten zuständig und konnte aus dem Stand das zuletzt abgesunkene Leistungsniveau der Veranstaltung wieder deutlich erhöhen. Bei sehr guten äußeren Bedingungen mit günstigen Temperaturen um 10°C und geringer Luftfeuchte (Taupunkt ca. 1°C) machten sich knapp 24.000 Läufer vom Dodgers Stadium auf den Weg über Hollywood und anderen Attraktionen am Streckenrand zum Ziel in der Nähe der Piers von Santa Monica an der Pazifikküste (“Stadium to the Sea”).

Danach war es dann mit der Lauferei endgültig vorbei. Das Corona-Virus hatte sein Heimatland verlassen und begann immer sichtbarer seine Ausbreitung um den Globus, mit schon heute verheerenden Konsequenzen. Was nun begann, war ein Marathon an Absagen, die vom 37. Vienna City Marathon (VCM) am 19. April 2020 über den 74. Paderborner Osterlauf am 11. April 2020 bis zum 40. London Marathon am 26. April reichten. Diesbezüglich war dann auch eine Anordnung des Ministry of Sports in Kenia von Bedeutung, die wegen der Gefahr einer Corona-Epidemie allen kenianischen Topathleten nicht mehr gestattete, das Land in den kommenden vier Wochen wegen eines Starts im Ausland zu verlassen.

Verbot der Teilnahme kenianischer Athleten an Veranstaltungen im Ausland durch das Ministry of Sports, Culture and Heritage. (c) Ministry of Sports

Und am Ende kam dann, was nach einer viel zu langen Posse zu erwarten war. Nach einem Telefonat zwischen Premier-Minister Abe und IOC-Präsident Thomas Bach war zu erfahren, dass die 32. Olympischen Spiele der Neuzeit entgegen den bisherigen Planungen nicht mehr im Juli und August 2020 über die Bühne gehen werden. Damit beugte sich auch das IOC den Fakten, die weltweit das Corona-Virus schuf, wobei der Prozess der „Einsicht“ bei Herrn Dr. Bach sicher noch ein Nachspiel haben dürfte. Dazu war sein Auftreten und der Umgang mit der weltweiten Epidemie einfach nur blamabel.

Kämpfte der „Führer“ der Olympischen Bewegung bis kurz vor seinem „Umdenken“ in dieser Sache verbissen um den Termin im Hochsommer, wurde der gute Mann am Ende von den Entwicklungen im Umfeld überrannt und musste dem Druck von allen Seiten nachgegeben. Aber auch dies tat er in der ihm eigenen eigenmächtigen Attitüde. Die Gremien des IOC werden aber sicher seinem Vorpreschen mit der Verschiebung gehorsam folgen. Mit großer Enttäuschung darf registriert werden, dass man nach allen Problemen mit dem Sommer-Termin im Jahr 2020 an einem solchen auch in 2021 festhalten will. Der „Sport“ und den diesen ausübenden Athleten sind dem IOC sehr sichtbar gleichgültig.

Wie es in der Saison 2020 weitergeht, wird weitgehend davon abhängen, ob es in absehbarer Zeit gelingen wird, die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Die kurz- und längerfristigen Konsequenzen des gesellschaftlichen „Shut-Downs“ werden sicher dramatisch sein, auch für den Laufsport. Die ungemeine Verdichtung an Toplevel-Events im Herbst und die daraus resultierenden Probleme im Elitesegment, etc. dürften fast ein marginales Problem im Vergleich zu den Aussichten darstellen, in jenen Zeiten wieder ohne Einschränkungen Massen-Veranstaltungen zu realisieren.

Das Corona-Virus könnte über die Ausdauer eines Marathonläufers verfügen.

  Wichtige Laufveranstaltungen im Herbst 2020:
 6. September Prag Halbmarathon CZE
13. September Kopenhagen Halbmarathon
Hamburg Marathon
DEN
GER
14. September Boston Marathon USA
20. September Buenos Aires Marathon
Istanbul Halbmarathon
ARG
TUR
27. September Berlin Marathon GER
4. Oktober London Marathon GBR
11. Oktober Chicago Marathon USA
17. Oktober Halbmarathon WM Gdingen POL
18. Oktober Amsterdam Marathon
Paris Marathon
Toronto Waterfront Marathon
Delhi Halbmarathon
NED
FRA
CAN
IND
25. Oktober Frankfurt Marathon
Valencia Halbmarathon
Rotterdam Marathon
GER
ESP
NED
1. November New York City Marathon
Seoul Marathon
USA
KOR
8. November Istanbul Marathon TUR
Weltjahres-Bestenliste 2020 Marathon der Männer: (IAAF/WA)
1 2:04:15 Birhanu LEGESE  ETH Tokyo 01 MAR 2020
2 2:04:46 Mekuant Ayenew GEBRE  ETH Sevilla 23 FEB 2020
3 2:04:49 Bashir ABDI  BEL Tokyo 01 MAR 2020
4 2:04:51 Sisay LEMMA  ETH Tokyo 01 MAR 2020
5 2:05:05 Barnabas KIPTUM  KEN Sevilla 23 FEB 2020
6 2:05:29 Suguru OSAKO  JPN Tokyo 01 MAR 2020
7 2:06:15 Olika ADUGNA  ETH Dubai 24 JAN 2020
7 2:06:15 Bedan KAROKI  KEN Tokyo 01 MAR 2020
9 2:06:17 Eric KIPTANUI  KEN Dubai 24 JAN 2020
10 2:06:18 Tsedat Abeje AYANA  ETH Dubai 24 JAN 2020
10 2:06:18 Tesfaye Lencho ANBESA  ETH Dubai 24 JAN 2020
12 2:06:21 Yitayal Atnafu ZERIHUN  ETH Dubai 24 JAN 2020
13 2:06:22 Yihunilign ADANE  ETH Dubai 24 JAN 2020
13 2:06:22 El Hassan EL ABBASSI  BRN Tokyo 01 MAR 2020
15 2:06:23 Aychew BANTIE  ETH Dubai 24 JAN 2020
15 2:06:23 Asefa MENGSTU  ETH Tokyo 01 MAR 2020
17 2:06:24 Regasa BEJIGA  ETH Sevilla 23 FEB 2020
18 2:06:26 Seifu TURA  ETH Dubai 24 JAN 2020
19 2:06:27 Tesfa WOKNETH  ETH Sevilla 23 FEB 2020
20 2:06:29 Deso GELMISA  ETH Dubai 24 JAN 2020
Weltjahres-Bestenliste 2020 Marathon der Frauen: (IAAF/WA)
1 2:17:45 Lonah Chemtai SALPETER  ISR Tokyo 01 MAR 2020
2 2:18:35 Birhane DIBABA  ETH Tokyo 01 MAR 2020
3 2:19:38 Worknesh DEGEFA  ETH Dubai 24 JAN 2020
4 2:20:11 Gutemi Shone IMANA  ETH Dubai 24 JAN 2020
5 2:20:29 Mao ICHIYAMA  JPN Nagoya 08 MAR 2020
6 2:20:30 Sutume Asefa KEBEDE  ETH Tokyo 01 MAR 2020
7 2:21:42 Selly Chepyego KAPTICH  KEN Tokyo 01 MAR 2020
8 2:21:47 Mizuki MATSUDA  JPN Osaka 26 JAN 2020
9 2:21:55 Bedatu HIRPA  ETH Dubai 24 JAN 2020
10 2:21:56 Tigist GIRMA  ETH Tokyo 01 MAR 2020
Weltjahres-Bestenliste 2020 Halb-Marathon der Männer: (IAAF/WA)
1 58:58 Kibiwott KANDIE  KEN Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
2 59:09 Alexander MUTISO  KEN Santa Pola 19 JAN 2020
3 59:25 Jemal Yimer MEKONNEN  ETH Houston, TX 19 JAN 2020
4 59:26 Bernard Kipkorir NGENO  KEN Houston, TX 19 JAN 2020
5 59:27 Shadrack KIMINING  KEN Houston, TX 19 JAN 2020
6 59:28 Philemon KIPLIMO  KEN Houston, TX 19 JAN 2020
7 59:35 Abel KIPCHUMBA  KEN Houston, TX 19 JAN 2020
8 59:36 Geoffrey KOECH  KEN Houston, TX 19 JAN 2020
9 59:42 Gabriel Gerald GEAY  TAN Houston, TX 19 JAN 2020
10 59:47 Shura KITATA  ETH Houston, TX 19 JAN 2020
10 59:47 Mule WASIHUN  ETH Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
Weltjahres-Bestenliste 2020 Halb-Marathon der Frauen: (IAAF/WA)
1 1:04:31 Ababel YESHANEH  ETH Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
2 1:04:49 Brigid KOSGEI  KEN Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
3 1:05:34 Rosemary M. WANJIRU  KEN Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
4 1:06:01 Evaline CHIRCHIR  KEN Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
5 1:06:16 Joan Chelimo MELLY  KEN Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
6 1:06:35 Yalemzerf YEHUALAW  ETH Ras Al Khaimah 21 FEB 2020
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