Maratón Valencia Trinidad Alfonso EDP am 30. Januar 2020 mit „Platinum Label“ ausgezeichnet

Sehr pünktlich vor dem 40. Jubliäum am 6. Dezember 2020 wurde dem Maratón Valencia Trinidad Alfonso das neu geschaffene „Platinum Label“ des internationalen Leichtathletikverbands IAAF (World Athletics) verliehen. Damit fungieren weltweit 12 Veranstaltungen unter diesem vermeintlichen Elitelabel, das in der Tat erhebliche Anforderungen an den Status und die Durchführung eines Laufevents stellen. Neben der selbst ernannten Eliteliga der World Marathon Majors (WMM) mit den Läufen in Tokyo, Boston, London, Berlin, Chicago und New York City sind der Nagoya Women’s Marathon (Japan), der Seoul Marathon (Südkorea), der Shanghai Marathon (China) sowie der Bogota Halb-Marathon (Kolumbien) auf der Kandidatenliste.

Die „Macher“ in Valencia mit Joshua Cheptegei nach seinem Weltrekord im 10 km-Lauf. (Paco Borao links, Cheptegei Mitte). (c) Livestream/Screenshot

Damit will sich die Eliteliga, für die es bisher auch nur das „Gold Label“ der IAAF gab, von der restlichen Konkurrenz abheben. Mit dem Teilnehmerlimit von 15.000 Aktiven will man leistungsstarke Konkurrenten außen vorhalten, wobei man völlig übersehen hat – wie der deutsche Laufsportjournalist Jörg Wenig kürzlich zu Recht anmerkte – , dass seit einigen Jahren Gold deutlich kostbarer ist als Platin. Aber das sind sicher nur Marginalien in einem knallharten Geschäft der Verdrängung, wo nicht unbedingt inhaltliche oder sportliche Belange eine dominante Rolle spielen. Wie könnte die WMM-Liga ansonsten immer noch einen Wettbewerb veranstalten, der selbst von den Laufenthusiasten so gut wie nicht verfolgt wird.

Aber bei aller Kritik muss man den Machern in Valencia um AIMS-Präsident Paco Borao neidlos zugestehen, dass sie in den letzten Jahren in der ostspanischen Hafenstadt Gewaltiges auf die Füße gestellt haben. Dazu gehören die Steigerung der Leistungen im Marathon mit Kursrekorden von 2:03:51 durch Kinde Alejew (ETH) bei den Männern und von 2:18:30 durch Roza Dereje (ETH) bei den Frauen, verbunden mit einmaligen Leistungsbreiten. Im Halbmarathon hielt man kurzfristig den mittlerweile wegen Dopingvergehens annulierten Weltrekord von 58:18 durch Abraham Kiptum (KEN), im 10 km-Lauf wurde der Weltrekord von 26:38 durch Joshua Cheptei (UGA) vom Dezember 2019 erst Mitte Januar durch Rhonex Kipruto (KEN) auf 26:24 gesteigert.

Valencia hat sich somit in letzter Zeit mehr als nachdrücklich auf die Landkarte der globalen Laufszene gesetzt und sich mit hochprofessioneller Realsierung in die absolute Elite-Liga des Straßenlaufs vorgearbeitet. Dass dabei vor allem im Segment von Zwischenzeiten und Zwischenmarken Unstimmigkeiten zu notieren sind, erfordert sicher eine sorgfältige Analyse des bereits Erreichten, schmälert aber die großartigen Erfolge vor Ort kaum. Bis zur nächsten Auflage des Marathon am 6. Dezember 2020 mit erwarteten 30.000 Teilnehmern sollten sich die Defizite abstellen lassen. Good Luck und Keep on Running, Valencia!