35. Zevenheuvelenloop in Nijmegen (NED) am 17. November 2019: Letesenbet Gidey läuft Fabel-Weltbestzeit über 15 km

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Die erst 21-jährige Äthiopierin Letesenbet Gidey (ETH) sorgte bei der 35. Ausgabe des Zevenheuvelenloop über 15 km im niederländischen Nijmegen mit der neuen Weltbestzeit von unglaublichen 44:20 Minuten für ein weiteres Highlight in der Straßenlauf-Saison des Jahres 2019.

Gidey setzte sich bei kalten und windigen Bedingungen bereits nach dem ersten Kilometer in 3:03 von ihrer letzten Mitstreiterin Evaline Chirchir (KEN) ab und raste in einem einmaligen Tempo auf dem hügeligen Kurs der Traditionsveranstaltung über die 15 km-Distanz. Über 12:06 bei 3 km und 15:09 bei 5 km passierte sie 6 km in 18:07 und hatte schon dort einen Vorsprung von 40 Sekunden auf die erste Verfolgerin Chirchir. Damit lag sie bereits hier im Regime des „Weltrekords“ von Joycilinie Jepkosgei, die im Prager Halbmarathon bei 15 km mit 45:37 notiert wurde.

Manager Jos Hermens feuerte Gidey immer wieder vom Motorrad aus an. (c) omroep/Screenshot

Nach 8 km in 24:00 und zwei flotten Kilometer unter 3 Minuten, quittierte der überforderte Tempomacher seine Dienste, was Gidey jedoch kaum aufzuhalten schien. In sensationellen 29:44 Minuten passierte sie die 10 km-Marke und war damit nur eine Sekunde langsamer als der Weltrekord von 29:43 über diese Distanz durch Joyciline Jepkosgei. Auch Strecken bedingt waren die folgenden beiden Kilometer in 3:04 und 3:01 wieder etwas langsamer, doch bei 13 km in 38:39 und einem Kilometer in 2:50 war die Äthiopierin, die bei der WM in Doha Zweite über 10.000 m geworden war, wieder auf Kurs zu einer Fabelzeit.

Letesebet Gidey gewinnt den Zevenheuvelenloop in der Fabelzeit von 44:20 Minuten. (c) omroep/Screenshot

Auch auf den letzten beiden Kilometern konnte Gidey das außergewöhnlich hohe Tempo halten und das Rennen in in der Tat unglaublichen 44:20 Minuten gewinnen. Dabei war die junge Äthiopierin die letzten 10 km in 29:11, die letzten 5 km in 14:36 Minuten gelaufen, für das Finale einer Frau in einem Straßenlauf kaum für möglich gehaltene Zeiten. Den „Weltrekord“ über diese nicht mehr offiziell gelistete Distanz „pulverisierte“ Gidey um die Ewigkeit von 1:17 Minuten. Dazu die Schlagzeile in der lokalen Presse: „Ethiopische Gidey wint Zevenheuvelenloop en verpulvert wereldrecord“.  Und um auch gleich diese Frage zu beantworten: Ja! Sie trug den „Vaporfly“ an ihren Füßen.

Das Höhen-Profil der Strecke beim Zevenheuvelenloop. (c) Veranstalter

Lange musste man auf die Nächstplatzierten bei den Frauen warten. Evaline Chirchir wurde in 46:33 Zweite vor Eva Cherono (KEN) auf Platz 3 in 48:15. Auch diese beiden Damen waren auf dem nicht einfach zu laufenden, hügeligen Kurs schnell unterwegs, denn im letzten Jahr lief die Siegerin Stella Chesang „nur“ 47:19 Minuten. Vergleicht man diese Zeit mit der neuen Rekordmarke, dann kann man nur ungläubig staunen und hoffen, das dies in allen Belangen auch seine Richtigkeit hat. Ein euphorischer Manager Jos Hermens verweist diesbezüglich auf die Optimierung vieler Faktoren hin, die sicher nicht bei den Schuhen aufhören.

Manager Jos Hermens war zu recht über die Leistung seiner Athletin begeistert. (c) omroep/Screenshot

Seine Schützlinge Eliud Kipchoge (Marathon unter 2 Stunden), Geoffey Kamworor (Halbmarathon 58:01 Minuten) und jetzt Letesenbet Gidey (15 km in 44:20 Minuten) mischen die Szene gehörig auf. Einmal abgesehen von Kipchoges etwas übertriebener Floskel, fragt man sich in der Tat, wo die Grenzen liegen. Vor allem auch bei den Frauen. Skaliert man die heutige Leistung von Gidey am Halbmarathon von Kamworor, endet man beim Halbmarathon im Regime von 62:30 Minuten. Bei den Frauen wohl gemerkt! Man kann fast sicher sein, dass es schon in Kürze in diese Regionen gehen wird. Ein Anfang wurde heute gemacht.

Die Siegerin nach dem Rennen im Interview. (c) omroep/Screenshot

Nachdem im letzten Joshua Cheptegei mit 41:05 Weltbestzeit lief, stand das Rennen der Männer ein wenig im Schatten der Ausnahmeleistung bei den Frauen. Schon nach dem ersten Kilometer in 2:52 und 14:18 bei 5 km war klar, dass es diesmal kaum in die Regionen nahe 41 Minuten gehen würde. Bei 6 km in 17:07 waren noch sechs Akteure vorne, was sich über 19:51 bei 7 km und 25:33 bei 9 km nach 11 km in 31:02 auf das Duo Stephen Kissa (UGA) und Edwin Kiptoo (KEN) reduzierte.

Bei 12 km in 33:48, 13 km in 36:28 und 39:09 bei 14 km lagen das Duo an der Spitze zusammen, dann trat Kissa, der im übrigen mit dem Vorjahressieger Cheptegei zusammen trainiert, an und gewann das Rennen in 41:49 vor Kiptoo, der am Ende noch einmal gewaltig aufkam und in 41:51 nur knapp geschlagen Platz 2 belegte. Bereits früh in der Saison hatte Kissa für Aufsehen gesorgt, als er im spanischen Laredo den Landesrekord über 10 km auf 27:13 schraubte. Den weiteren Platz auf dem Podium schaffte Moses Koech (KEN) in 42:06. Bester Europäer wurde (wieder einmal) Vielstarter David Nilsson (SWE) in 43:34, eine 3/4 Minute vor der Siegerin bei den Frauen Gidey.

Der Sieger Stephen Kissa im Interview. (c) omroep/Screenshot

Anmerkung: Zeit der Siegerin bei 15 km (Ziel) wurde noch auf 44:20 korrigiert.