5. Copenhagen Half Marathon am 15. September 2019: Geoffrey Kamworor läuft Fabel-Weltrekord

Geoffrey Kamworor (KEN), zweifacher Weltmeister im Halbmarathon, krönte die 5. Ausgabe des Copenhagen Half Marathon mit einem fantastischen neuen Weltrekord von 58:01 Minuten. Damit steigerte der Kenianer die mittlerweile etwas umstrittende Bestmarke des mit Doping belasteten Abraham Kiptum um 17 Sekunden. Bei Temperaturen um 15°C waren mit 78% rel. Luftfeuchte (Taupunkt 11°C), auffrischender Wind und leichtem Niesel-Regen die Bedingungen gut, aber keinesfalls optimal. Trotzdem war eine anfangs 20-köpfige Spitzengruppe mit anvisierten km-Splits um 2:46 Minuten/km sofort auf Kurs in Richtung Weltrekord. Während von den europäischen Topläfuern Sondre Moen (NOR) anfangs vorne mit dabei war, ging Arne Gabius (GER) das hohe Tempo nicht mit.

Start um 11:15 Uhr zur 5. Ausgabe des Copenhagen Halbmarathon. (c) Livestream/Screenshot

Nach 3 km in 8:17 war man mit Kurs auf 58:15 perfekt gestartet und erreichte 5 km nach 13:51. Ein Quartett mit Arne Gabius passierte die Matten bei 5 km eine gute Minute später in 14:54. Gegen den zum Teil erheblichen Wind hielt der verbliebene Tempomacher die Fahrt hoch, so dass sich bei 8 km in 22:08 die Spitzengruppe auf 7 Akteure reduzierte, die über 24:53 bei 9 km die Zeitnahme bei 10 km nach 27:32 erreichten. Damit lag man mit Kurs auf 58:05 deutlich auf Weltrekord-Kurs. Eine Schrecksekunde stellte sich ein, als der letzte Tempomacher schon hier seine Dienste quittierte (bis 15 km war angedacht), doch Kamworor ging entschlossen an die Spitze und zog das Verfolgerfeld schnell auseinander. Die Siuation erinnerte ein wenig an Eliud Kipchoge Weltrekord-Lauf in Berlin, wo der letzte Tempomacher schon nach 25 km ausstieg.

Bei 11 km in 30:17 war Kamworor allein vorne und sein Vorsprung wuchs schnell an. Und seine km-Splits blieben nach wie vor im Regime für einen Weltrekord: 2:45, 2:40, 2:43, 2:38 und 2:45 waren diese von 10 km nach 15 km, die er nach 41:03 erreichte. Für einen Weltrekord hätte er diesen Punkt erst nach ca. 41:30 Minuten erreichen müssen. Bei einem Mann von der Klasse Kamworors war hier schon klar, dass der Halbmarathon-WR in akutuer Gefahr war. Hinter Kamworor hatte sich ein Trio bestehend aus Bernard Ngeno (EKN), Berehanu Tsegu (ETH) und Edwin Kiptoo (KEN) gebildet, das bei 15 km in 41:28 25 Sekunden zurücklag.

Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass Kamworor, begleitet von seinem Manager  Valentijn Trouw auf dem Fahrrad, das 5 km-Segment von 10 km nach 15 km in 13:31 zurücklegte. Kamworor lag zu diesem Zeitpunkt auf Kurs zu fast nicht mehr fassbaren 57:44 Minuten! Sollte sein Split bei 15 km von 41:03 bestätigt werden, ist dies eine Verbesserung der globalen Bestmarke von Joshua Cheptegei aus dem letzten Jahr um 2 Sekunden. (Anmerkung. Split wurde später auf 41:05 korrigiert).

Geoffrey Kamworor lief mit 58:01 Minuten beim Copenhagen Halbmarathon einen neuen Weltrekord. (c) Livestream/Screenshot

Gegenwind und dem „Höllentempo“ geschuldete nachlassende Kräfte zeigten nun ihre Wirkung, die km-Splits stiegen auf 2:46/2:47 an, aber nach 20 km in 54:58 war klar, dass der Weltrekord nach Kopenhagen wandern würde. (Anmerkung: Split wurde später auf 55:00 korrigiert, ist aber immer noch Weltbestzeit über 20 km). Über 57:43 bei 21 km erreichte Kamworor das Ziel nach offiziellen 58:01 – neuer Weltrekord über die Halbmarathon-Distanz. Da Kamworor im Camp von Eliud Kipchoge trainiert, ist dies auch ein Erfolg dieser Gruppe im kenianischen Kapsabet, wo man sich aktuell auf die „INEOS 1:59“ Mitte Oktober in Wien vorbereitet. Angesichts dieser Ausnahmeleistung musste man im Ziel lange auf die Verfolger warten, die trotzdem absolute Weltklassezeiten erzielten.

Benard Negeno wurde in 59:16 Zweiter – mit dieser Zeit gewinnt man die meisten Halbmarathon-Rennen – vor Berehanu Tsegu (ETH) in 59:22. Und auch Edwin Kiptoo (KEN) in 59:27, Amos Kurgat (KEN) in 59:37 und Philemon Kiplimo (KEN) in 59:57 blieben unter der magischen Grenze von einer Stunde. Sondre Moen wurde in 1:00:18 Neunter, Arne Gabius endete in 1:04:05 auf Platz 24. Damit waren die rührigen Organisatoren einer mustergültigen Veranstaltung im fünften Anlauf erfolgreich, den Weltrekord in die dänische Hauptstadt zu holen, der im Gegensatz zum Weltrekord über die volle Distanz zu stets neuen Destinationen wandert: Nach Rotterdam, Tempe, Den Haag, Lissabon und Valencia (?) ist dieser nun in Kopenhagen angekommen. Auf welchem Niveau der neue Rekord angekommen ist, veranschaulicht eine Mittel von 27:30 Minuten pro 10 km oder 2:45 Minuten pro km.

Der neue Inhaber des Weltrekords im Halbmarathon der Männer: Geoffrey Kamworor. (c) Veranstalter

In Anbetracht der Hatz nach dem Weltrekord geriet das Rennen der Frauen etwas in den Hintergrund, in dem 10 Läuferinnen nach 5 km in 15:46 und nach 10 km in 31:13 zusammenlagen. Diese Konstallation dünnte danach schnell aus und sah bei 15 km in 46:53 noch ein Quartett vorne, bestehend aus der Marathon-Spezialistin Birhane Dibaba (ETH), Evaline Chirchir (KEN), der Frau mit der besten Vorleistung im Feld Dorcas Tuitoek (KEN) und Megertu Kebede (ETH). Schon hier lag man deutlich über dem hochklassigen Kursrekord, den Sifan Hassan im letzten Jahr bei ihrem Halbmarathon-Debüt auf 1:05:15 schraubte.

An der Spitze konnte sich noch vor 20 km in 1:02:31 Birhane Dibaba absetzen, um den Lauf nach 1:05:57 zu gewinnen. Damit „pulverisierte“ Dibaba ihren Hausrekord von 1:07:47 mehr als deutlich. Evaline Chirchir erreichte Platz 2 in 1:06:22 und Dorcas Tuitoek wurde Dritte in 1:06:36, ganz dicht an ihrer PB von 1:06:33.

Splits des führenden Läufers:
 5 km 13:51 13:51
10 km 27:32 13:41
15 km 41:03 13:31
20 km 54:58 13:55
 HM 58:01 WR
 3:03
Ergebnisse Halbmarathon der Männer:
1. Geoffrey Kamworor KEN 58:01 WR
2. Benard Kipkorir Ngeno KEN 59:16
3. Berehanu Wendemu Tsegu ETH 59:22
4. Edwin Kiprop Kiptoo KEN 59:27
5. Amos Kurgat KEN 59:37
6. Philemon Kiplimo KEN 59:57
7. Shadrack Koech KEN 1:00:12
8. Kinde Atanaw Ayalew ETH 1:00:13
9. Sondre Nordstad Moen NOR 1:00:20
10. Alfred Barkach KEN 1:00:22
11. John Langat KEN 1:00:37
12. Kelvin Kiptum KEN 1:00:38
13. Jairus Kipchoge Birech KEN 1:00:50
14. Solomon Kirwa Yego KEN 1:01:25
15. Milkesa Mengesha ETH 1:01:46
Ergebnisse Halbmarathon der Frauen:
1. Birhane Dibaba Adugna ETH 1:05:57
2. Evaline Chirchir KEN 1:06:22
3. Dorcas Jepchirchir Tuitoek KEN 1:06:36
4. Megertu Alemu Kebede ETH 1:06:43
5. Brillian Jepkorir Kipkoech KEN 1:07:12
6. Bekelech Gudeta ETH 1:07:21
7. Naom Jebet KEN 1:08:08
8. Hiwot Gebremaryam ETH 1:08:21
9. Sutume Asefa  Kebede ETH 1:09:05
10. Birhan Mhretu  Gebrekidan ETH 1:09:44