18. Volksbank Münster Marathon am 8. September 2019: James Barmasai und Chaltu Negesa vorne

James Barmasai (KEN) und Chaltu Negesa (ETH) gewannen in 2:11:40 sowie 2:30:59 die 18. Ausgabe des Volksbank Münster Marathon. Damit blieben auf dem Kurs durch die Innenstadt der Domstadt und deren westliche Außenbezirke die Streckenrekorde unangetastet. 1728 Finisher wurden auf dem Prizipalmarkt stimmungsvoll beim Zieleinlauf empfangen, nachdem sie bei recht guten Bedingungen mit Temperaturen um 14°C 42195 m hinter sich gebracht hatten. Das Gros der ca. insgesamt 8000 Teilnehmer war im Staffel-Wettwerb unterwegs.

Das Rennen an der Spitze wurde in 15:33 für die ersten 5 km angelaufen und die 10 km erreichte eine fünfköpfige Gruppe zusammen mit 2 Tempomachern (auch in Münster in „Sträflingskleidung“) nach 30:53. Als man nun die Innenstadt Richtung Aasee verließ, zog die Fahrt weiter an und bei 15 km in 46:10 war man (in der einzigen Phase des Rennens) mit 2:09:52 auf Kurs zu einer Zeit von unter 2:10 Stunden und im Regime des Streckenrekords von 2:09:28 aus dem Vorjahr.

Der erst Läufer, der aus der Kopfgruppe hier zurückfiel war der 20-jährige Äthiopier Dereje Legese (ETH) und bald darauf auch der Veteran Charles Maina (KEN), der von einem Trainingslager in St. Moritz nicht ganz fit an den Start gegangen war. Auf dem Weg in den nördlichen Stadtteil Nienberge verlor man wertvolle Zeit und passierte nach 1:01:55 die Halbmarathon-Marke auf (!) einer Brücke über eine Aufbahn nach 1:05:20 (nicht: 1:05:12). Damit geriet schon hier ein Angriff auf den Kursrekord außer Reichweite, was sich am Ende dann auch bestätigte.

Charles Maina hatte sich nach der Passage durch Nienberge nach 22 km wieder an die Spitze zurückgekämpft, man passierte 25 km nach 1:17:16, bevor er dann im Stadtteil Roxel bei 30 km in 1:33:06 endgültig die Kontrahenten ziehen lassen musste. Hier verabschiedete sich auch der letzte Tempomacher, was James Barmasai (KEN), der im letzten Jahr in 2:11:39 in Münster Zweiter geworden war, und Edwin Kirwa (KEN), der mit 2:11:11 vom Graz Marathon 2018 der Mann mit der besten Vorleistung im Feld war, zum Anlass nahmen, mit einem Zwischenspurt die Spitzengruppe zu sprengen.

Die entscheidende Phase um Sieg. Nach 31 km zog Barmasai das Tempo an und Kirwa (links) konnte nicht mehr folgen. (c) H. Winter

Einem schnellen Kilometer in 3:00 Minuten von 31 km nach 32 km konnte Kirwa nicht mehr folgen und das Rennen wurde praktisch hier schon entschieden. Über 1:48:27 bei 35 km ging es zurück nach Gievenbeck, wo bei 36 km in 1:51:41 Barmasai bereits einen Vorsprung von 28 Sekunden herausgelaufen hatte. Da der Mitfavorit Kirwa auch noch Magenprobleme bekam, zog der Führende weiter davon, schwächelte aber mit dem langsamsten 5 km-Abschnitt des Rennens von 16:03 nach 40 km in 2:04:30, um am Ende in 2:11:40 den Marathon mit über eine Minute Vorsprung auf die Konkurrenz zu gewinnen. Kirwa wurde Zweiter in 2:12:58 vor Mark Kangogo (KEN) in 2:14:38. Bravourös lief Charles Maina trotz Handicap recht locker als Vierter in 2:16:02 bis ins Ziel durch.

Die Erstplatzierten beim Münster Marathon 2019. Der Sieger Barmasai steht ganz links. (c) W. Philipp

Ein Novum war dann bereits Platz 6 für einen deutschen Läufer, den sich der Stammgast Elias Sansar (GER), der Hermannslauf-Seriensieger aus Detmold, mit einem klug eingeteilten Rennen (er lief die ersten 5 km in 17:33 mit der Frauenspitze) in 2:24:13 sicherte. Dabei war ihm Raoul Jankowski (GER) schon weit enteilt, den er aber nach ca. 40 km einholte, um die gut dotierte deutsche Wertung ein weiteres Mal in Münster zu gewinnen.

Bei den Frauen machten die beiden Ätiopierinnen Chaltu Negasa (ETH) und Chaltu Chawo (ETH) Jagd auf den Kursrekord der Frauen, den bereits 2013 Eleni Gebrehiwot mit 2:29:12 aufgestellt hatte. Über 17:33 bei 5 km setzte sich das Duo von der Konkurrenz ab und hatte bei 10 km in 34:56 bereits 10 Sekunden Vorsprung auf Cynthia Kosgei (KEN) als erste Verfolgerin, der bis zum Halbmarathon in 1:14:16 auf eine 3/4 Minuten angestiegen war. Bis 30 km in 1:45:55 lagen die beiden Chaltus noch unter der Pace zum Streckenrekord, dann mussten sie aber ihrer Tempojagd Tribut zollen und wurden sichtbar langsamer.

Im Finale hatte Negasa die besten Reserven und gewann das Rennen bei den Frauen, blieb aber im Ziel in 2:30:59 doch sehr deutlich über die Bestmarke auf dem Münsteraner Kurs. Eine von Muskelkrämpfen geplagte Chawo wurde mit 10 Sekunden Rückstand Zweite vor Cynthia Kosgei in 2:32:50. Die im Vorfeld mit erheblicher Aufmerksamkeit der Medien propagierte Qualifikation für Olympia 2020 von Läuferinnen diverser Nationalitäten geriet weniger erfolgreich. Am besten schlug sich da noch die Türkin Meryem Gündogdu (TUR) in 2:44:00 als Siebte, die damit aber auch die Vorgaben von 2:40 recht klar verfehlte.

Immerhin gehörte sie zu den ca. 80 Läuferinnen/Läufer, die unter 3 Stunden das Ziel erreichten, ca. 850 schafften dies in unter 4 Stunden. Die Zahlen der Teilnehmer und Finsher am vollen Marathon sind weiter rückläufig, ein allgemeiner Trend in den deutschen Landen, gegen den sich auch eine in den meisten Belangen hervorragend organisierte Veranstaltung stemmen mag, wie sie will. Da machte auch die diesjährige Ausgabe keine Ausgabe, zu der noch nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer bei der Premiere im Jahr 2002 den Weg in die Domstadt fanden. Und auch bei den Zuschauern am Streckenrand scheint das Interesse an der Veranstaltung (leider!) gleichfalls rückläufig zu sein.

Die Finisherzahlen des Münster Marathon 2002 – 2019:

Splits des führenden Läufers
 5 km  15:37 15:37
10 km  30:53 15:16
15 km 46:10 15:17
20 km 1:01:55 15:45
 HM 1:05:20*
25 km 1:17:16 15:21
30 km 1:33:06 15:50
35 km 1:48:27 15:19
40 km 2:04:30 16:03
 Mar. 2:11:40   7:10

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Die detaillierten km-Splits des führendenLäufers.