42. Bank of America Chicago Marathon am 13. Oktober 2018: Einmaliges Elitefeld bei den Männern

Mit 5 Läufern mit Bestzeiten von unter 2:05 Stunden ist das Feld der Männerelite bei der 42. Ausgabe des Bank of America Chicago Marathon wieder hochklassig besetzt. Bei den Frauen ragt die Vorjahressiegerin Brigid Kosgei (KEN) heraus, die ein in der Leistungsbreite weniger attraktives Feld an Athletinnen anführt. Von deutscher Seite ist der Start von Anke Esser (GER) anmerkenswert, die allerdings von ihrem Leistungspotential eher in den Bereich engagierter Freizeitsportler einzuordnen ist.

Schon vor längerer Zeit wurde bekannt gemacht, dass der Vorjahressieger Sir Mo Farah (GBR) auch in diesem Jahr am Start sein wird. Im letzten Jahr konnte er im Regenrennen nach verhaltenem Beginn im Schlusspart überzeugen und den Lauf in Europarekordzeit von 2:05:11 gewinnen. Sein Auftritt beim London Marathon im April war mit Platz 5 in 2:05:39 gut, aber mit der Spitze konnte er nach der Hälfte nicht mehr mithalten. Mo soll in Erwägung ziehen, zwei Wochen vor Chicago noch in Doha bei der WM über 10.000 m auf der Bahn seinen Titel zu verteidigen. In wieweit diese Ambitionen Ernst gemeint sind, ist aktuell nicht gesichert.

Mo Farah tritt auch dieses Jahr beim Chicago Marathon an. (c) H. Winter

Im letzten Jahr lieferte sich Farah bis zum Schlussanstieg auf der Brücke der Roosevelt Ave ein Duell mit dem äthiopischen Nachwuchsstar Mosinet Geremew, der in London hinter Eliud Kipchoge überzeugen konnte, in Chicago diesmal aber nicht auf den Startlisten steht (ggfs. wird er in Doha bei der WM laufen). Somit sind seine Landsleute Getaneh Molla (ETH) und Herpasa Negasa (ETH) die Athleten mit den besten Vorleistungen im Feld. Beide waren beim Dubai Marathon im Januar 2019 am Start und überzeugten mit grandiosen Leistungen.

Molla beendete seinen ersten Marathon mit dem schellsten Debüt aller Zeiten von 2:03:34 und kurz darauf kam auch Negasa in 2:03:40 ins Ziel. Diese Zeiten liegen unter dem aktuellen Streckenrekord in Chicago, den seit 2013 Ex-Weltrekordler Dennis Kimetto mit 2:03:45 hält. Nach den Tempomacher-losen Zeiten in den Jahren 2015 bis 2017 wird es sicher in diesem Jahr wieder eine sehr schnelle Zeit des Siegers geben, und Mo Farah wird seinen Europarekord erheblich steigern müssen, wenn er seinen „Titel“ in Chicago verteidigen will.

Getaneh Molla (Bildmitte) und Herpassa Negasa (rechts) sind die Läufer mit der besten Vorleistungen beim Chicago Marathon 2019. (c) H. Winter

Dickson Chumba (KEN) lief seinen schnellsten Marathon im Jahr 2014 mit 2:04:32 als Dritter in Chicago. In der Tempomacher-losen Epoche gewann er hier im Jahr 2015 in 2:09:25 und wurde ein Jahr später hinter Abel Kirui Zweiter. Im letzten Jahr stieg er aus und Anfang März 2019 wurde er in Tokyo Dritter in 2:08:44. Mit Lawrence Cherono (KEN) kommt der Sieger des diesjährigen Boston Marathon erstmals nach Chicago, nachdem er zweimal in Honolulu und auch vor allem Amsterdam als Sieger einlief. Im letzten Jahr gewann er den Amsterdam Marathon mit Streckenrekord on 2:04:06.

Kenneth Kipkemoi (KEN) ist erst seit wenigen Jahren auf der vollen Marathondistanz aktiv, dies aber mit beachtlichem Erfolg. Bei seinem Debüt gewann er 2018 den Rotterdam Marathon  in 2:05:44, im letzten Jahr wurde er in Chicago Vierter in 2:05:57 und beim Boston Marathon 2019 landete er in 2:08:07 auf Platz 3. Hassan El Abbassi (BRN) startet mittlerweile für Bahrain und machte im Dezember 2018 beim Valencia Marathon einen Leistungsprung mit Landesrekord auf 2:04:43.

Galen Rupp (USA) gewann in Chicago im vorletzten Jahr, im letzten Jahr wurde er in 2:06:21 Fünfter, nachdem er beim Prag Maratrhon im Mai seine PB auf 2:06:07 steigerte. Unklar ist nach langer Verletzungspause das Leistungspotential seines Landsmanns Dathan Ritzenhein (USA). Dagegen hat Bedan Karoki (KEN) fast den Status eines Geheimfavoriten, der sich erst vor wenigen Wochen bei seinem Sieg beim Halbmarathon in Buenos Aires in 59:05 in großartiger Form präsentierte. Bedan wurde beim Tokyo Marathon 2019 Zweiter in PB von 2:06:48, hat aber sicher das Potential für wesentlich schnellere Zeiten.

Brigid Kosgei ist die hohe Favoritin im Rennen der Frauen. (c) H. Winter

Bei den Frauen ist Brigid Kosgei (KEN) die erklärte Favoritin für einen erneuten Sieg in der Windy City. Im Regen von Chicago rannte sie im letzten Jahr phänomenale 2:18:35 und bestätigte diese Leistung nach einer grandiosen zweiten Hälfte beim London Marathon im April in 2:18:20. Seit dieser Zeit blieb sie in etlichen schnellen Rennen auf den Unterdistanzen ungeschlagen. Sie ist aktuell sicher das Non-Plus-Ultra im Marathonlauf der Frauen.

Ihre Konkurrenz ist sehr überschaubar. Da ist zum einen die US-Nachwuchshoffnung Jordan Hasay (USA), die sich 2017 in Chicago auf 2:20:57 steigerte und nach längerer Verletztungspase beim Boston Marathon 2019 Platz 3 in 2:25:20 erreichte. Betsy Saina (KEN) gewann 2018 den Paris Marathon in 2:22:56, in Frankfurt lief sie 2017 2:24:35. Madai Perez (MEX) lief ihren ersten Marathon vor 16 Jahren in Chicago und 2006 ihre PB von 2:22:59. 2017 überraschte sie noch einmal in Chicago als Vierte in 2:24:44. Seit dieser Zeit hat sie keinen Marathon mehr beendet.

 Elitefeld der Männer:
Getaneh Molla
Herpasa Negasa
Lawrence Cherono
Dickson Chumba
Hassan El Abbassi
Mo Farah
Kenneth Kipkemoi
Galen Rupp
Bedan Karoki
Dathan Ritzenhein
Minato Oishi
Shoya Osaki
Ryoma Takeuchi
Yuta Takahashi
Tsubasa Hayakawa
Joel Tobin-White
Emmanuel Roudolff-Lévisse
ETH
ETH
KEN
KEN
BRN
GBR
KEN
USA
KEN
USA
JPN
JPN
JPN
JPN
JPN
AUS
FRA
2:03:34
2:03:40
2:04:06
2:04:32
2:04:43
2:05:11
2:05:44
2:06:07
2:06:48
2:07:47
2:10:39
2:10:48
2:11:20
2:11:25
2:12:01
Debüt
Debüt
 Elitefeld der Frauen:
Brigid Kosgei
Jordan Hasay
Betsy Saina
Madai Perez
Lisa Weightman
Fionnuala McCormack
Jovana de la Cruz
Natasha LaBeaud
Chirine Njeim
Anke Esser
Alice Wright
KEN
USA
KEN
MEX
AUS
IRL
PER
CAN
LBN
GER
GBR
2:18:20
2:20:57
2:22:56
2:22:59
2:25:15
2:30:38
2:31:33
2:35:33
2:39:21
2:43:14
Debüt