50. AJC Peachtree Road Race in Atlanta (USA) am 4. Juli 2019: Rhonex Kipruto und Brigid Kosgei laufen grandiose Streckenrekorde

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Auch ungünstige Bedingungen mit Temperaturen zur Startzeit um 7 Uhr von 25°C und hoher Luftfeuchte mit einem (aberwitzigen) Taupunkt von 21°C (88% rel. Luftfeuchte) hatten keine negative Effekte auf das Leistungsniveau bei der 50. Ausgabe des AJC Peachtree Road Race in Atlanta (GA, USA). Sowohl der Shooting Star der Szene, der erst 19-jährige Kenianer Rhonex Kipruto (KEN) mit 27:01 als auch Brigid Kosgei (KEN) mit 30:22 liefen Streckenrekorde bei dem mit ca. 60.000 Teilnehmern (zahlenmäßig) größten 10 km-Lauf der Welt. Insgesamt sollen seit der Premiere im Jahr 1970 fast 2 Millionen Läufer das Ziel in der 10th Street erreicht haben. Durch den Punkt-zu-Punkt-Kurs, der an der Phipps Plaza beginnt und dann auf der Peachtree Road quer durch die Stadt verläuft, sind die grandiosen Leistungen der Topläufer leider nicht Bestenlisten tauglich.

Der Start der Frauenelite um 6:50 Uhr bei 25°C. (c) Veranstalter

Im Rennen der Frauen bestimmte in der ersten Hälfte ein Quintett bestehened aus der aktuell vermeintlich besten Straßenläuferin Brigid Kosgei, Fancy Chemutai (KEN), Agnes Tirop (KEN), Caroline Kipkirui (KEN) sowie Norah Tanui (KEN) das Geschehen. Die erste Meile wurde in 4:54 zurückgelegt, nach 2 Meilen in 9:39 lag die Spitze genau auf Kurs zu einer Zeit von 30 Minuten. Dies bestätigte sich auch an der Zeitnahme bei 5 km, die die Spitze nach sehr flotten 14:58 erreichte. Tanui hatte hier bereits den Anschluss verloren und lag 5 Sekunden zurück. Mit 35 Sekunden Rückstand folgte eine Fünfergruppe mit den besten US-Läuferinnen.

Über 19:36 nach 4 Meilen reduzierte sich die Führungsgruppe auf Kosgei, Chemutai und Tirop, die 5 Meilen in 24:42 passierten und damit im hügeligen Teil der Strecke etwas auf eine Zeit von 30 Minuten verloren. Mit einer Projektion auf 30:40 Minuten war dort auch der Streckenrekord von 30:32 durch Lornah Kiplagat aus dem Jahr 2002 schon fast außer Reichweite, doch das Trio zog das Tempo noch einmal enorm an und blieb am Ende unter dieser Marke.

Die Siegerin Brigid Kosgei zusammen mit einigen Teilnehmern am Kinderlauf. Als besonderer Gag eine Titelseite einer fiktiven Zeitung, die unmittelbar nach dem Zieleinlauf bereits verfügbar war. (c) Veranstalter

Einen Kilometer vor dem Ziel konnte sich Kosgei leicht von Tirop und Chemutai absetzen, doch die Beiden holten sie wieder ein, Chemutai ergriff selbst die Initiative und ging in Führung. Kurz vor dem Ziel wurde Chemutai aber wieder langsamer und Kosgei zog mit Tirop an den Hacken an ihr vorbei. Im Zielsprint war Bridgid Kosgei in 30:22 die Beste, die zeitgleich mit Agnes Tirop ins Ziel kam. Fancy Chemutai war zurückgefallen und belegte in einem insgesamt großartigen Rennen in 30:32 (= voriger Streckenrekord) Platz 3. In der Saison 2019 scheint Kosgei momentan das Maß aller Dinge im Straßenlauf bei den Frauen zu sein; die 25-jährige Ausnahmeläuferin eilt momentan von Erfolg zu Erfolg. Hinter sechs Kenianerinnen wurde Emily Sission (USA) in 32:03 Siebte und lag damit noch deutlich vor der Grande Dame des Straßenlaufs Edna Kiplagat (USA) in 32:28 auf Platz 8.

Die Siegerin Brigid Kosgei im Interview nach dem Rennen. (c) 11-Alive/Screenshot

Im Rennen der Männer lag ein Quintett bis zu ersten Meile in 4:23 zusammen, wo sich schon hier trotz der widrigen Bedingungen eine Topzeit im Ziel andeutete. Der designierte Tempomacher (Ziel: 4:17) hatte keine 4 Minuten das Tempo halten können. Bei 2 Meilen in 8:33 hatten der Favorit Rhonex Kipruto, der im September in Prag die 10 km in 26:46 nur zwei Sekunden über der Weltrekordmarke von Leonard Komon gelaufen war, und der erst 18 Jahre alte Bravin Kiptoo (KEN) das Tempo ernorm angezogen und lagen auf Kurs zu sensationellen 26:33 Minuten.  Auch bei 5 km in 13:11 konnten die Beiden an der Spitze das aberwitzige Tempo halten, bis bei 4 Meilen in 17:17 Kipruto allein in Front lag. Als erste Verfolger der beiden Führenden lagen bei 5 km der 27:38-Mann Kennedy Kimutai (KEN) sowie Gabriel Geay (TAN) in 13:20 knapp 10 Sekunden zurück.

Rhonex Kipruto kurz vor dem Ziel auf Kurs zu einer Weltklasse-Zeit. (c) Veranstalter

Auf dem hügeligen Mittelteil büßte nun der Spitzenreiter etwas von der extrem schnellen Fahrt auf der ersten Hälfte ein, konnte aber über 5 Meilen in 21:43 das Tempo so hoch halten, dass er im Ziel den hochklassigen Streckenrekord von 27:04 durch Joseph Kimani aus dem Jahr 1996 unterbieten konnte. Rhonex Kipruto gewann die Jubiläumsausgabe hoch überlegen in 27:01, der drittschnellsten Zeit über diese Distanz in der Geschichte, Platz 2 erreichte Bravin Kiptoo, der bei seínem Debüt auf der Straße in 27:29 seine Bahnzeit um eine 3/4 Minute steigern konnte. Damit schaffte Kipruto die schnellste Zeit eines Läufers über 10 km auf amerikanischem Boden. Seine aktuell bestechende Form hatte der Nachwuchsstar bereits Ende Mai beim Diamond League Meeting in Stockholm mit der Weltjahres-Bestleistung von 26:50,16 unter Beweis gestellt.

Rhonex Kipruto erreicht das Ziel auf der 10th Street nach 27:01 Minuten. (c) 11-Alive/Screenshot

Nettes Feature am Rande: Bravin ist der (ein Jahr jüngere) Bruder von Rhonex, die zusammen damit eine einmalige Zeit in der Geschwister-Wertung über 10 km aufgestellt haben. Platz 3 und Platz 4 gingen gleichfalls in Zeiten von unter 28 Minuten weg. Kennedy Kimutai wurde in 27:54 Dritter vor Gabriel Geay in 27:56. Der US-Topläufer Stephen Sambu (USA) wurde in 28:38 auf Platz 7 bester Nicht-Afrikaner. Für Siegerin und Sieger gab es neben dem Preisgeld jeweils einen Bonus von 50.000 US$ (50. Jubiliäum!) für einen Streckenrekord. Zu erwähnen ist auch Bill Thorn, der als einziger von 110 Finishern im Jahr 1970 alle 50 Ausgaben des „Peachtree“ absolvieren konnte, eine in der Tat großartige Bilanz für den mittlerweile 89 Jahre alten Veteran. Und diese zogen auch zu Recht hochzufriedene Organisatoren eines denkwürdigen Events.

Rhonex Kipruto gewann die 50. Ausgabe des AJC Peachtree Road Race über 10 km in Atlanta. (c) Veranstalter

Ergebnisse 10 km der Männer:
1. Rhonex Kipruto KEN 27:01
2. Bravin Kiptoo KEN 27:29
3. Kennedy Kimutai KEN 27:54
4. Gabriel Geay TAN 27:56
5. Bernard Kibet KEN 28:22
6. Joseph Panga TAN 28:28
7. Stephen Sambu USA 28:38
8. Colin Bennie USA 29:10
9. Tsegay Tuemay ERI 29:19
10. Edwin Mokua KEN 29:20
Liste der Eliteathleten:
Rhonex Kipruto KEN 26:46
Stephen Sambu KEN 27:25
Kennedy Kimutai KEN 27:38
Edwin Mokua KEN 27:38
David Bett KEN 28:08
Abdi Abdirahman USA 28:11
Bravin Kiptoo KEN 28:17.06
Tsegay Tuemay ETH 28:13
Gabriel Geay TAN 28:24
Tyler Pennel USA 28:30
James Ngandu KEN 28:40
Elkanah Kibet USA 28:57
Colin Bennie USA 29:01
Brendan Gregg USA 29:37
Matt McDonald USA 29:38
Augustus Maiyo USA 29:41
Alex Monroe USA 29:54
Bernard Kibet KEN 29:57
Liste der Eliteathletinnen:
Brigid Kosgei KEN 29:54
Fancy Chemutai KEN 30:06
Caroline Chepk. Kipkirui KEN 30:19
Agnes Tirop KEN 30:50
Edna Kiplagat KEN 31:06
Helen Tola ETH 31:13
Norah Jerutu Tanui KEN 31:17
Ruti Aga ETH 31:35
Emily Sisson USA 31:47
Hiwot Ayalew ETH 31:47
Sharon Lokedi KEN 32:05
Jen Rhines USA 32:16
Hannah Everson USA 32:28.35
Kellyn Taylor USA 32:34
Molly Seidel USA 32:55
Tish Jones GBR 32:58
Becky Wade USA 33:03