13. Ras Al Khaimah (RAK) Halbmarathon am 8. Februar 2019: Julian Wanders (SUI) läuft Europarekord

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Stephen Kiprop (KEN) und Senbere Teferi (ETH) gewannen die 13. Ausgabe des Ras Al Khaimah (RAK) Half Marathon im Vereinigten Arabischen Emirat ca. 80 km nördlich von Dubai. Kiprop steigerte sich auf 58:42 und stellte damit den Kurs-(besser: Event-)Rekord ein, während die Debütantin Teferi in 1:05:45 einen neuen äthiopischen Rekord aufstellte. Von europäischer Seite sorgte der Schweizer Julian Wanders (SUI) mit dem neuen Europarekord von 59:13 für das Highlight dieser Veranstaltung. Die alte Kontinental-Bestmarke hatte Mo Farah mit 59:32 beim Lissabon Marathon im Jahr 2015 aufgestellt.  Auf einem völlig neuen Kurs, der etwa 20 km südlich vom Stadtzentrum weitgehend über die künstlichen Inseln von Al Marjan führt, wurde das Rennen nach guten 2:47 Minuten für den ersten Kilometer verhaltener angelaufen als im Vorfeld geplant. So wurden die ersten 5 km von einer 16-köpfigen Spitzengruppe nach 14:14 zurückgelegt, im Vorfeld war für die erste Gruppe ein Split von 13:55 geplant.

Nach dem Rennen beklagte sich der frisch gebackene Europa-Rekordler Wanders, dass er gerne hätte schneller laufen wollen, aber die Tempomacher nicht bereits waren, die Fahrt zu erhöhen. Nach 10 km in 28:11 war man dann schneller geworden und lag bereits auf Kurs zu einer Zeit von unter einer Stunde. Eine rennentscheinde Phase wurde zwischen 13 km und 14 km erreicht, wo der Kilometer-Abschnitt in 2:40 zurückgelegt wurde, so dass bei 15 km in 41:48 nur noch der Mann mit der schnellsten Vorleistung im Feld von 58:44 Abadi Hadis (ETH) und Stephen Kiprop (KEN) vorne lagen. Ein Trio bestehend aus Wanders, Fikadu Haftu (ETH) und Morris Gagacha (KEN) lag hier 8 Sekunden zurück.

rak-half-2019-winners-menDie Erstplatzierten beim Halbmarathon in Ras Al Khaimah: Kiprop, Hadis, Haftu (v.l.). (c) H. Winter

An der Spitze versuchte nun Hadis seinen Mitstreiter aus Kenia durch Laufen in Schlangenlinien zu irritieren und loszuwerden. Dies kostete zum einen etwas Zeit (18. km in 2:53) und war zum anderen wenig von Erfolg gekrönt. Bei 20 km lag das Duo in 55:46 bereits eine gute 1/4 Minute vor dem Verfolgerduo Wanders und Haftu. Dabei hatten die beiden Läufer an der Spitze die letzten 10 km trotz des zwischenzeitlichen Taktierens in überaus flotten 27:36 zurückgelegt. Hätte man auch auf den ersten 10 km in diesen Regionen agiert (dies lag möglicherweise an einem nicht im Vollbesitz seiner Kräfte befindlichen erkrankten Tempomacher), wäre es in Richtung Weltrekord gegangen. Hadis konnte sich auf dem Schluss-Kilometer in 2:40 Minuten etwas von Kiprop lösen, doch nur 100 m vor dem Ziel fand der Kenianer wieder den Anschluss, überholte Hadis und gewann in hochkarätigen 58:42 mit einer Sekunde Vorsprung auf den Äthiopier.

rak-hm-2019-winner-kipropStephen Kiprop gewann den RAK Halbmarathon 2019. (c) S. Hartnett

Hadis verbesserte somit seine PB um 2 Sekunden, beim Sieger Kiprop waren es gegenüber 59:21 sogar 39 Sekunden. Der Kampf des Verfolgerduos um Platz 3 wurde gleichfalls nach 20 km in 56:03 entschieden, dabei konnte sich aber Haftu deutlich früher absetzen, um im Ziel mit 59:08 gestoppt zu werden. In 59:13 war dann Julian Wanders im Ziel, der damit seine Ankündigungen in Sachen Europarekord umsetzen und die Zeit von der Lauflegende Mo Farah um 19 Sekunden steigern konnte.

rak-half-2019-wanders-clockJulian Wanders lief mit 59:13 einen neuen Europarekord über die Halbmarathon-Distanz. (c) H. Winter

Insgesamt blieben in diesem Rennen bei nahezu idealen Bedingungen (kaum Wind, Temperaturen um 14°C, Taupunkt bei 4°C) elf Läufer unter der magischen Stunden-Barriere, wobei der 11. Platzierte Kaan Kigen Özbilen (TUR) in 59:48 einen neuen „Landesrekord“ für die Türkei erzielte. Nach aktuell vorliegenden Informationen hat es eine solche Leistungsdichte in der langen Geschichte des Halbmarathon bisher noch nicht gegeben.

Das Rennen der Frauen wurde zunächst von sechs Läuferinnen bestimmt, die zusammen mit 3 Tempomachern 5 km in 15:32 zurücklegten. Peres Jepchirchir (KEN), die vor zwei Jahren an gleicher Stelle mit 1:05:06 einen Weltrekord aufstellen konnte, war hier schon deutlich zurückgefallen. Als erste Läuferin fiel Pascalia Kipkoech (KEN) aus der Spitzengruppe heraus, die 10 km in 31:03 lief. An der Spitze agierten nun noch die Weltmeisterin Netsanet Gudeta (ETH), Teferi, Zeineba Yimer (ETH), Degitu Azimeraw (ETH) sowie Valary Aiyabei (KEN), die als einzige Athletin die Farben von Kenia dort vertrat. Aber nach 15 km in 46:43 fielen nacheinander Aiyabei und Azimeraw aus der Spitze heraus und die drei verbliebenen Äthiopierinnen stritten um den Sieg. Auch bei 20 km in 1:02:27 blieb das Trio zusammen, um in einem sehenswerten Finale die Siegerin zu ermitteln.

rak-hm-2019-finish-wmHart umkämpft war der Sieg bei den Frauen: Teferi, Gudeta und Yimer (v.l.). (c) S. Hartnett

Hier erwies sich die Debütantin Senbere Teferi, die bisher nur einen vollen Marathon in 2:24 Stunden absolviert hatte, als die Stärkste und sie gewann nach 1:05:45. Diese Zeit ist äthiopischer Landesrekord,  die im übrigen auch für die Zweitplatzierte Netsanat Gudeta gestoppt wurde. Kurz dahinter in 1:05:46 lief Zeineba Yimer auf Platz 3. Ex-Weltrekordlerin Peres Jepchirchir wurde in 1:07:36 mit deutlichem Abstand Sechste, in einem gleichfalls hochklassigen Wettbewerb, in dem sieben Läuferinnen 68 Minuten unterbieten konnten.

Keine Frage, nach dem Feuerwerk an Höchstleistungen vor zwei Wochen über die volle Distanz in Dubai hat nun auch der ungeliebte Bruder im Norden des Emirats nachgezogen. Die Topleistungen von heute, die selbstredend auch Jahres-Weltbestleistungen sind, werden auch am Ende der Saison 2019 weit vorne in den Bestenlisten platziert sein. Für die „Etablierten“ und „Großen“ der Szene wird es nicht einfach werden, die Flut an außergewöhnlichen Zeiten zu erreichen. Mit einem Zehnermittel der besten auf einem Kurs erzielten Zeiten konnte sich RAK bei den Männern mit 58:52 wieder etwas von Valencia mit 58:58 absetzen. Auch bei den Frauen bleibt RAK mit dem Mittel von 1:05:23 weiter souverän an der Spitze vor Prag (66:04) und Valencia (66:30).

Halbmarathon Frauen
5km 10km 15km 20km HM
1. Senbere Teferi
ETH
15:32 31:03 46:43 1:02:27 1:05:45
2. Netsanet Gudeta
ETH
15:32 31:03 46:43 1:02:26 1:05:45
3. Zeineba Yimer
ETH
15:32 31:03 46:43 1:02:27 1:05:46
4. Degitu Azimeraw
ETH
15:32 31:02 46:43 1:02:40 1:06:07
5. Valary Aiyabei
KEN
15:32 31:03 46:44 1:02:42 1:06:14
6. Peres Jepchirchir
KEN
15:44 31:27 47:34 1:04:02 1:07:36
7. Paskalia Kipkoech
KEN
15:33 31:08 47:33 1:04:02 1:07:38
8. Naom Jebet
KEN
15:45 31:27 47:41 1:04:38 1:08:19
9. Gerda Steyn
RSA
17:20 34:33 51:46 1:08:51 1:12:35
Ergebnisse Halbmarathon Männer
5km 10km 15km 20km HM
1. Stephen Kiprop
KEN
14:14 28:11 41:49 55:47 58:42
2. Abadi Hadis
ETH
14:13 28:11 41:48 55:46 58:44
3. Fikadu Haftu
ETH
14:13 28:11 41:56 56:04 59:08
4. Julien Wanders
SUI
14:13 28:11 41:56 56:03 59:13
5. Morris Gachaga
KEN
14:13 28:11 41:56 56:11 59:22
6. Mule Wasihun
ETH
14:14 28:12 42:03 56:26 59:34
7. Daniel Kipchumba
KEN
14:13 28:11 42:16 56:29 59:36
8. Amedework Walelegn
ETH
14:14 28:12 42:00 56:29 59:39
9. Abel Kipchumba
KEN
14:13 28:12 42:04 56:36 59:40
10. Shadrack Kiminning
KEN
14:14 28:10 42:13 56:35 59:42
11. Kaan Kigen Ozbilen
TUR
14:14 28:11 42:16 56:42 59:48
12. Edwin Kiprop Kiptoo
KEN
14:13 28:11 42:08 57:00 1:00:20
13. Lelisa Desisa
ETH
14:14 28:11 42:17 57:14 1:00:36
14. Alex Korio
KEN
14:14 28:12 42:34 57:48 1:01:11
15. Sikiyas Misgenaw
ETH
14:14 28:12 42:45 58:08 1:01:31
16. Jorum Okombo
KEN
14:14 28:34 43:49 59:23 1:02:31
17. Tamri Ahmed
MAR
14:46 29:36 44:28 59:23 1:02:34
18. Asefa Tefera
ETH
14:18 29:23 44:27 59:22 1:02:44
Liste der Eliteathleten:
Abadi Hadis ETH 58:44
Jorum Okombo KEN 58:48
Alex Korio KEN 58:51
Daniel Kipchumba KEN 59:06
Stephen Kiprop KEN 59:21
Fikadu Haftu ETH 59:22
Amedework Walelegn ETH 59:22
Benard Ngeno KEN 59:22
Edwin Kiprop Kiptoo KEN 59:28
Abel Kipchumba KEN 59:29
Lelisa Desisa ETH 59:30
Morris Gachaga KEN 59:36
Mule Wasihun ETH 59:44
Kaan Kigen Ozbilen TUR 59:58
Asefa Tefera ETH 60:07
Julien Wanders SUI 60:09
Gabriel Geay TAN 60:26
Sisay Lemma ETH 62:06
Liste der Eliteathletinnen:
Peres Jepchirchir KEN 65:06
Netsanet Gudeta ETH 66:11
Alia Mohammed Saeed UAE 66:13
Zeineba Yimer ETH 66:21
Senbere Teferi ETH Debut
Degitu Azmeraw ETH 66:47
Delvine Meringor KEN 67:48
Valary Jemeli Aiyabei KEN 67:50
Naom Jebet KEN 68:22
Etagegn Woldu ETH 69:20