20. Standard Chartered Dubai Marathon am 25. Januar 2019: Grandiose Streckenrekorde im Emirat

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Die 20. Jubiläumsausgabe des Standard Chartered Dubai Marathon 2019 hat mit hochklassigen Kursrekorden durch Ruth Chepngetich (KEN) mit 2:17:08 und durch Getaneh Molla (ETH) mit 2:03:34 selbst höchste Erwartungen erfüllen können. Mit dieser Zeit ist Chepngetich nun die drittschnellste Läuferin aller Zeiten, und Molla legte das schnellste Debüt in der Marathon-Geschichte auf dem schnellen Pflaster des Emirats hin. Nach ihrer großartigen Steigerung in Istanbul auf 2:18:35 erst im November lief sich das 22-jährige Ausnahmetalent Chepngetich in Dubai in die absolute Weltklasse. Auch angesichts der keinesfalls optimalen Bedingungen mit Temperaturen um 17°C und vor allem einem Taupunkt von 15°C ist ihr schon in der nahen Zukunft eine Steigerung in die Regionen einer Paula Radcliffe – die war als Kommentatorin eines sehenswerten Livestreams gleichfalls vor Ort – zuzutrauen.

dubai-mar-2019-finish-chepngetichRuth Chepngetich gewann den Dubai Marathon mit Kursrekord. (c) H. Winter

Das Rennen der Männer begann Dubai-spezifisch flott mit einem ersten Kilometer in 2:53 (nicht 3:01 wie „offiziell“ gemeldet wurde). Mit drei erstklassigen Tempomachern passierten ca. 15 Topläufer die 5km-Marke nach 14:40 und lagen damit mit einer Projektion von 2:04:45 bereits unter dem Kursrekord von 2:04:00 aus dem letzten Jahr. Dann zog die Fahrt der Spitzengruppe weiter an, 10 km wurden in 29:10 zurückgelegt, womit man sich auf Kurs zu einer Zeit von 2:03:05 befand. 15 km wurden nach 43:46, 20 km nach 58:30 passiert. Überraschender Weise hatten zwei Kandidaten auf den Sieg, Hayle Berhanu (ETH) sowie Topfavorit und 2:03:45-Mann Guye Adola (ETH) sichtbare Probleme das Tempo der Temopomacher mitzugehen.

Beim Halbmarathon wurden 1:01:43 gestoppt, womit man sich zwar 13 Sekunden hinter den Vorgaben im Vorfeld befand, dafür war aber die Spitzengrupe mit 14 Läufern immer noch ausgesprochen stark. Nach 25 km in 1:13:09 und 30 km in 1:27:42 stieg der letzte verbliebene Tempomacher Vincent Kipchumba (KEN) aus und 5 Läufer bildeten nun die Kopfgruppe. Man lag zu diesem Zeitpunkt auf Kurs zu einer Zeit von 2:03:44, Hayle Berhanu lag knapp 30 Sekunden, Adola sogar 1:43 Minuten zurück

dubai-mar-2019-lead-men-36kmMengistu, Molla und Negasa (v.l.) kämpften nach 35 km um den Sieg und schnelle Zeiten. (c) Livestream/Screenshot

Im Gegensatz  zum letzten Jahr wurde nach Ausscheiden der Tempomacher das Tempo nicht verschleppt, sondern mit km-Splits bis hinunter zu 2:50 wurde der 5 km-Abschnitt nach 35 km in 14:33 zurückgelegt. Auf diesem Abschnitt hatte zunächst der großartige Sieger von Buenos Aires im letzten Herbst, Emmanuel Saina (KEN), den Anschluss verloren, bald darauf ereilte Asefa Mengstu (ETH) das gleiche Schicksal. Vorne agierte nun das Duo Getaneh Molla (ETH), der seinen ersten Marathon lief, und Herpassa Negasa (ETH), der mit einer Bestzeit von 2:09:14 angereist war. Mit diesem Gespann an der Spitze in der Schlussphase des Rennens konnte man im Vorfeld kaum rechnen.

Bei 35 km nach 1:42:16 konnte Mengstu den Anschluss zu den beiden Führenden noch einmal kurz herstellen, schnell setzten sich Molla und Negasa wieder ab, wobei auch deren km-Splits bis auf 3:02 Minuten anstiegen. Der 5 km-Abschnitt nach 40 km (1:57:15) wurde somit nur in 14:59 zurückgelegt, mit dem Kursrekord und einer Zeit unter 2:04 Stunden wurde es eng. Am Schluss mit dem abfallenden Part auf der Umm Suqeim Road wurde das Tempo aber noch einmal erhöht, Molla setzte sich vom Landsmann ab und gewann mit einem Schlusspart in 6:19 das Rennen in der großartigen Zeit von 2:03:34. Kurz darauf lief in 2:03:40 Negasa als Zweiter ein und für Platz 3 musste man auch in diesem Jahr unter 2:04:30 laufen, Asefa Mengstu erreichte 2:04:24, womit er allerdings seinen Hausrekord vom letzten Jahr auf gleicher Strecke von 2:04:06 nicht ganz erreichte.

Auch auf den folgenden Plätzen gab es glänzende Zeiten. Shooting Star Emmanuel Saina rettete mit 2:05:02 die Ehre der im Rennen allerdings unterrepräsentierten Kenianer; auch er steigerte seine Bestzeit. Aber es gab auch enttäuschte Gesicherte, sicher bei Guye Adola, der seine großartige Leistung vom Berlin Marathon 2017 nicht wiederholen konnte und frustiert jenseits der 30 km ausstieg. Auch Tadesse Abraham (SUI) konnte sein Vorhaben in Sachen eines Europarekords nicht umsetzen (2:05:11), abgeschlagen auf Platz 10 lief er 2:09:48.

Das Rennen der Frauen wurde deutlich schneller angelaufen, als es im Vorfeld mit 1:09:30 für die erste Hälfte geplant war. Zunächst bestand die Spitzengruppe aus sieben Läuferinnen, die 5 km in 16:16 zurücklegten, 10 km wurde nach 32:23 erreicht, mit einem 5 km-Abschnitt von fast 16 Minuten, das ist das Tempo für einen Weltrekord. Kurz vor der 15 km-Marke in 48:30 bildete sich ein Trio bestehend aus Chepngetich, der Dubai-Siegerin von 2017 Worknesh Degefa (ETH) und  Workenesh Edesa (ETH), die mit einer Bestzeit von 2:24:04 ins Emirat gekommen war. Bei 20 km wurde für das Trio 1:04:35 gestoppt, bei der Hälfte 1:08:10; man war also auf Kurs zu einer grandiosen Zeit. Hier ist interessant, dass Paula Radcliff bei ihrem Fabel-Weltrekord von 2:15:25 bei der Hälfte mit 1:08:02 nur 8 Sekunden schneller war.

dubai-mar-2019-winner-chepngetichRuth Chepngetich steigert sich beim Dubai Marathon auf grandiose 2:17:08. (c) H. Winter

Nach 25 km in 1:20:50, nur eine knappe Minute über dem Weltrekord für diese Distanz, war Edesa das erste Opfer des (zu) hohen Tempos und lag bei 30 km in 1:37:16 bereits eine gute halbe Minute hinter Degefa und Chepngetich, die zuvor zweimal an Verpflegungsstationen abstoppte, um ihr Getränk zu finden. Bei 35 km in 1:54:00 lag das Duo vorne noch zusammen, als aber Degefa angriff, konterte Chepngetich souverän und war bei 40 km in 2:10:09 bereits 13 Sekunden vor der Äthiopierin. Den Schlusspart ins Ziel lief die Kenianerin in fast genau 7 Minuten und gewann in der Weltklassezeit von 2:17:08. Auch Degefa lief mit 2:17:41 in gleichen Regionen, wobei sie sogar ihrer Landsfrau und Lauflegende Tirunesh Dibaba den Landesrekord entriss. Mit respektablem Abstand wurde Edesa in 2:21:05 Dritte, womit sie ihre Bestleistung um 3 Minuten steigerte.dubai-mar-finisher-2006-2019-compDie Anzahl der Finisher in Dubai in den letzten Jahren. (c) H. Winter

Insgesamt hat somit der Dubai Marathon auch im Jahr 2019 die hohen Erwartungen an Spitzenzeiten und Leistungsbreiten erfüllen können. Leider reflektiert sich dies nicht in den Finisherzahlen, die seit Jahren stagnieren und nun sogar zurückgehen. Beim Marathon erreichten 1437 Männer und 385 Frauen insgesamt das Ziel, das sind schon grenzwertige Zahlen, wobei der 10 km (und ein 4 km Fun Run) die Gesamtzahlen etwas retten. Dass man damit auch nicht in Ansätzen die Kriterien von 15.000 Finishern im Marathon hinsichtlich des in Kürze etablierten IAAF-Platinum Labels erfüllt, hat nicht nur vor Ort für einige Debatten über den Sinn dieser Vorgaben des internationalen Verbandes geführt.

Ergebnisse Marathon der Männer:
1. Getaneh Molla ETH 2:03:34
2. Herpassa Negasa ETH 2:03:40
3. Asefa Mengstu ETH 2:04:24
4. Emmanuel Saina KEN 2:05:02
5. Shifera Tamru ETH 2:05:18
6. Kelkile Gezahegn ETH 2:06:09
7. Adugna Takele ETH 2:06:32
8. Birhanu Teshome ETH 2:08:20
Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. Ruth Chepngetich  KEN 2:17:08
2. Worknesh Degefa  ETH 2:17:41
3. Worknesh Edesa  ETH 2:21:05
4. Waganesh Mekasha  ETH 2:22:45
5. Sintayehu Lewetegn  ETH 2:25:59
6. Rahma Tusa  ETH 2:26:38
7. Muluhabt Tsega  ETH 2:27:36
8. Sule Utura  ETH 2:32:52
Die Splits des führenden Läufers:
  5 km 14:40 14:40 2:52, 2:57, 2:58, 2:54, 2:58
10 km 29:10 14:30 2:52, 2:56, 2:54, 2:54, 2:55
15 km 43:46 14:36 2:55, 2:58, 2:53, 2:55, 2.54
20 km 58:30 14:44 2:56, 2:57, 2:57, 2:55, 2:59
 HM 1:01:43
25 km 1:13:09 14:39 2:54, 2:58, 2:55, 2:55, 2:56
30 km 1:27:42 14:33 2:57, 2:56 , 2:53, 2:52, 2:55
35 km 1:42:16 14:33 3:01, 2:55, 2:50, 2:50, 2:57
40 km 1:57:15 14:59 3:02, 3:02, 2:57, 2:59, 2:59
 Ziel 2:03:34   6:19 2:57, 2:46  (2.HM 1:01:51)