„Ein Jahr der Superlative“ – Rückblick auf die internationale Marathonszene des Jahres 2018 – Teil 1

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Der Fabel-Weltrekord von 2:01:39 im Marathon der Männer durch Eliud Kipchoge am 16. September 2018 in Berlin war zweifellos das Highlight einer grandiosen Saison 2018 in der internationalen Straßenlaufszene. Dazu kam eine Flut weiterer Bestleistungen und Rekorde, die Entwicklung des Marathonlaufs zu einem Event von globaler Dimension schreitet unaufhaltsam voran.

Die ersten Welt-Jahresbestleistungen vom Züricher Neujahrsmarathon mit breitensportlichem Charakter bestanden dieses Jahr nur wenige Stunden, denn ein japanischer Läufer sorgte für die ersten Schlagzeilen des Jahres. Temperaturen um – 15°C und  eisiger Wind  konnten den Vielstarter Yuki Kawauchi (JPN) beim Marshfield New Year´s Day Marathon nicht daran hindern, mit 2:18:59 zum 76. Mal in seiner Laufkarriere unter 2:20 Stunden zu laufen, womit er diesen Rekord dem  US-Amerikaner Doug Kurtis abnahm. Die Organisatorin dieses Laufs südlich von Boston ist auch die Elitemanagerin des Boston Marathon, und das sollte im April 2018 überraschende Folgen haben. marshfield-mar-2018-strecke-yukiYuki Kawauchi lief zu Neujahr in Marshfield (MA, USA) zum 76.mal unter 2:20 Stunden, zum 75.mal unter 2:19 Stunden. (c) Veranstalter

In Yukis Heimat wurde einen Tag später die 94. Ausgabe des legendären Hakone Ekiden Staffellaufs (10 x ~ HM) von Tokyo in die Sommerfrische Hakone und zurück über 217 km gestartet. Die perfekt organisierte Veranstaltung sah den vierten Sieg der Aoyama Gakuin University in Folge, womit (incl. des Anstiegs auf 800 Höhenmeter) die siegreichen 10 Studenten einen km-Schnitt von knapp unter 3:02 Minuten liefen. Am 7. Januar litt der 16. Xiamen Marathon unter heftigen Regenfällen, so dass es diesmal statt der ersten Weltklasse-Zeiten des Jahres im Marathon durch Dejene Debele (ETH) in 2:11:22 und Fatuma Sado (ETH) in 2:26:41 wenig spektakuläre Jahres-Weltbestleistungen gab.xiamen-mar-2018-rainStrömender Regen sorgte beim Xiamen Marathon für erschwerte Bedingungen. (c) Weibo

Auch beim Chevron Houston Marathon gab es nach der Wärme im Vorjahr diesmal mit Temperaturen unweit des Gefrierpunktes extreme Bedingungen, wo der Neuseeländer Jake Robertson im Halbmarathon in 1:00:01 die gesamte ostafrikanische Konkurrenz inkl. Topstar Guyle Adola (ETH) hinter sich lassen konnte. Bei den Frauen gewann Ruti Aga (ETH) in 1:06:39, während im gleichzeitig gestarteten Marathon mit Bazu Worku in 2:08:30 und Biruktayit Degefa in 2:24:51 äthiopische Athleten vorne waren.

Die Vorjahressiegerin Gulume Tollesa (ETH) gewann auch die 22. Ausgabe des Standard Chartered Hong Kong Marathon. Bei für die Region der Erde günstigen Temperaturen von 15 bis 20°C, aber heftigem Wind schaffte die Äthiopierin im Ziel mit 2:29:37 die erste Zeit einer Frau in Hong Kong von unter 2 1/2 Stunden, womit sie die Bestmarke ihrer Landsfrau Misiker Demissie aus dem Jahr 2012 um 36 Sekunden steigern konnte. Bei den Männern siegte der 44-jährige Oldie und Masters-Weltrekordler Kenneth Mungara (KEN) in 2:13:39.

Auch in der indischen Mega-Metropole setzten äthiopische Läufer ihre aktuelle Erfolgssträhne beim 15. Tata Mumbai Marathon eindrucksvoll fort. Während Solomon Deksisa (ETH) das Rennen in 2:09:34 gewann, siegte bei den Frauen seine Landsfrau Amane Gobena in 2:25:49.Damit lief Deksisa bis auf 2 Sekunden die gleiche Zeit wie der Sieger des Vorjahres und Gobena lief nach dem Streckenrekord durch Valentine Kipketer (2:24:33, 2013) die zweischnellste jemals in Mumbai notierte Siegerzeit. Insgesamt zählten die Organisatoren in diversen Wettbewerben vom Fun Run über wenige Kilometer bis zum Marathon fast 45.000 Teilnehmer.

Screenshot-1660-dubai-2018-finale-7-in-rowBeim Dubai Marathon gab es eine Leistungsdichte von historischer Dimension. Innerhalb 2:04:45 kamen sieben Läufer ins Ziel. (c) Livestream/Screenshot/H. Winter

Mit großartigen Zeiten ging der 19. Standard Chartered Dubai Marathon über die Bühne. Beide Sieger liefen neue Streckenrekorde, bei den Männern Mosinet Geremew (ETH) in 2:04:00 und bei den Frauen Roza Dereje (ETH) in 2:19:17. Nahezu sensationell waren die Leistungsdichten in beiden Rennen. Vier Frauen kamen unter 2:20 Stunden ins Ziel, bei den Männern liefen sechs Männer unter 2:04:15, sieben unter 2:05 Stunden; dies sind in der Tat historische Dimensionen.

Mit dem Sieg der japanischen Debütantin Mizuki Matsuda in 2:22:44 endete die 37. Auflage des Osaka Womens Marathon. Erfreulich von deutscher Seite war der vierte Platz von Anja Scherl in 2:29:29. Die beste Leistung bei der 29. Ausgabe des Marathon International de Marrakech vollbrachte über die halbe Distanz der Marrokaner Hicham Amghar, der die Konkurrenz in guten 1:00:23  gewann. Im Marathon war Kipkorir Biwot (KEN) in 2:11:04 der Schnellste, bei den Frauen siegte Gidey Weldegebriel (ETH) in 2:26:48.

Traditionell beginnt Anfang Februar die Marathonsaison in Japan mit dem Lauf in Beppu und Oita auf der südlichen Insel Kyushu , wo in einem spannenden Finale Desmond Mokgobu (KEN) die 67. Ausgabe des Beppu-Oita Mainichi Marathon in 2:09:31 gewann. Starker Wind drückte die Zeiten bei der 72. Auflage des Kagawa Marugame International Half Marathon, wo die Debütanten Edward Waweru (KEN) bei den Männern in 1:00:31 und Betsy Saina (KEN) bei den Frauen in 1:09:17 vorne waren. Neue Streckenrekorde gab es  am 4. Februar beim 5. Napoli City Halbmarathon durch  Abel Kipchumba (KEN) in 1:00:12 und Shitay Eshete (BRN) in 1:08:38, die auch die Folgen eines Wolkenbruchs vor dem Rennen nicht aufzuhalten vermochten.

rak2018-winner-womenDie besten Frauen bei der Siegerehrung des RAK Halbmarathon. (c) H. Winter

Ein Feuerwerk von Weltklassezeiten gab es beim 12. RAK Half Marathon im Vereinigten Arabischen Emirat Ras Al Khaimah, einem der besten Halbmarathon-Läufe auf dem Globus.  Sowohl bei den Männern gab es durch den Vorjahrsieger Bedan Karoki (KEN) in 58:42 als auch bei den Frauen durch Fancy Chemutai (KEN) in 1:04:52 neue Streckenrekorde, die in das Regime der absoluten Weltklasse einzuordnen sind. Chemutai verpasste den aktuellen Weltrekord der Frauen um eine winzige Sekunde, den Joyciline Jepkosgei im Oktober 2017 mit 1:04:51 in Valencia aufgestellt hatte. Pikanterweise war zu jenem Zeitpunkt der Weltrekord aus Valencia noch nicht von der IAAF ratifiziert worden, interessant war somit die Diskussion um die Rekordprämie von 100.000 US$.

Mule Wasihun (ETH) gewann zwei Tage später den Barcelona Halbmarathon in beachtlichen 59:44, wo der erst 21-jährige Schweizer Nachwuchs-Star Julien Wanders als Zweiter in 1:00:09 Landesrekord lief. Eine Überraschung gab es bei der 12. Auflage des Tokyo Marathon, wo die Jagd nach dem Weltrekord durch Wilson Kipsang (KEN) nach 50 Minuten durch seine Aufgabe vorbei war. Sein Landsmann Dixon Chumba gewann und kann in Anlehnung an Wilson Chebet in Amsterdam als „Mr. Tokyo“ bezeichnet werden. Seine großartige Erfolgsbilanz in der japanischen Hauptstadt: 1. 2018 – 2:05:30, 1. 2014 – 2:05:42, 3. 2017 – 2:06:25, 3. 2015 – 2:06:34.

Der japanische Shooting Star Yuta Shitara mobilisierte in einem grandiosen Finale letzte Kräfte und verbesserte als Zweiter in 2:06:11 den 15 Jahre alten japanischen Rekord um 5 Sekunden. Damit sicherte sich Shitara, der erst im Sommer 2017 den Landesrekord im Halbmarathon verbesserte, eine spezielle Prämie von umgerechnet ca. 800.000 US$. Bei den Frauen lag im Ziel Birhane Dibaba (ETH) in 2:19:50 vorne, womit sie den Streckenrekord aus dem Vorjahr von 2:19:47 denkbar knapp verpasste, aber damit die 26. Läuferin wurde, die die Barriere von 2:20 Stunden bei den Frauen unterbieten konnte.

tokyo-mar-2018-winnerDickson Chumba gewann den Tokyo Marathon 2018. (c) FujiTV/Screenshot

Der Kenianer Dickson Tuwei gewann in den Straßen der katalanischen Metropole die 34. Ausgabe des Zurich Maratón Sevilla in 2:08:18; bei den Frauen war Kaoutar Boulaid (MAR) in 2:25:32 vorne. Und mit dem Sieg des Marathon-Debüten Macharia Ndirangu (KEN) in 2:07:53 ging am 4. März die 73. Ausgabe des Lake Biwa Mainichi Marathon im japanischen Otsu über die Bühne. Am gleichen Tag gewann einer der Topstars der Laufszene Sir Mo Farah
(GBR) die Premiere des „The Vitality Big Half“ in der britischen Haupstadt London bei winterlichen Bedingungen in 1:01:40. Im Vergleich mit dem“ großen“ London Marathon hat dieser Lauf mit ca. 11.000 Teilnehmern noch erhebliches Potential an Verbesserung. Einen Tag zuvor war in Oxford die Lauflegende Sir Roger Bannister (23.3.1929 – 3.3.2018) verstorben, der am 6. Mai 1954 als erster Mensch die (metrische) Meile unter 4 Minuten rannte.

sir-roger-bannister-historic-mileRoger Bannister lief am 6. Mai 1954 als erster Mensch die englische Meile (1609,344 m) in unter 4 Minuten. (c) Archivfoto

Die Äthiopierin Meskerem Assefa gewann am 11. März etwas überraschend die 34. Ausgabe des Nagoya Women´s Marathon und war in persönlicher Bestzeit von 2:21:44 die Schnellste von gut 23500 Läuferinnen. James Rungaru (KEN) und Maja Neuschwander (SUI) gewannen die 44. Ausgabe des City-Pier-City Loop in der niederländischen Hauptstadt Den Haag. Homiyu Tesfaye (GER) lief in 1:01:20 als Sechster die fünftschnellste Zeit eines deutschen Läufers. Mit dem Sieg des US-Topläufers Galen Rupp in 59:47 endete die 44. Auflage des Huawei Roma Ostia Halbmarathon von Rom in den nahegelegenen Badeort Ostia an der Mittelmeerküste, während zur gleichen Zeit bei der 18. Ausgabe des EDP Lissabon Halbmarathon Erick Kiptanui (KEN) mit 1:00:05 sowie Etagegne Woldu (ETH) in 1:11:17 mit den heftigen Windböen am besten zurechtkamen.

Die 40. Jubiläumsausgabe des Zurich Marató de Barcelona konnte durch ein hohes Leistungsniveau – vor allem bei den Männern – überzeugen, Anthony Maritim (KEN) in 2:08:08 und Ruth Chebitok (KEN) in 2:25:49 waren die Besten.  Eine Woche danach gewann der Äthiopier Amdework Walelegn die 10 km Villa de Laredo in 27:36 Minuten, bei den Frauen war Mary Munamu (KEN) in 31:47 vorne, und nur einen Tag später gab es auf einem neuen Kurs des United Airlines New York City Half den überraschenden Sieg des US-Debütanten Ben True. Auch im Jahr 2018 konnte der Seoul International Marathon, der seit 1931 jeweils im Frühjahr von der Zeitung Dong-A Ilbo organisiert wird (nicht zu verwechseln mit dem Marathon an gleicher Stelle im späten Herbst), durch eine hohe Leistungsbreite überzeugen. Der Lauf endete mit dem vierten Sieg von Wilson Erupe Loyanae (KEN) in 2:06:57, während bei den Frauen Damte Hiru (ETH) in 2:24:08 vorne war.

hm-wm-2018-winner-kamwororGeoffrey Kamworor konnte seinen WM-Titel im Halbmarathon in Valencia verteidigen. (c) Livestream/Screenshot

Bei der 23. Ausgabe der IAAF World Half Marathon Championships gewannen am 24. März der Titelverteidiger Geoffrey Kamworor (KEN) sowie Netsanet Kebede (ETH) die WM-Rennen. Bei windigen Bedingungen lief Kamworor mit 1:00:02 knapp an einer Stunde vorbei, errang aber seinen dritten Titel in Folge. Bei den Frauen siegte Kebede in 1:06:11 mit neuer Weltrekordzeit für einen reinen Frauen-Halbmarathon. Der erst 18 Jahre alte Stephen Kiprop (KEN) sorgte mit der Einstellung des Streckenrekords von 59:44 für das Highlight bei der 13. Ausgabe des Venloop im niederländischen Venlo über die Halbmarathon-Distanz.

Gute Zeiten erreichten die Sieger Sutume Asefa Kebede (ETH) und Felix Kibitok (KEN) bei der 47. Ausgabe des Stramilano durch das Zentrum von Mailand. Kebede gewann den Halbmarathon in 1:07:54, Kibitok war in 1:00:11 unterwegs. Höhepunkt der 25. Jubiläumsausgabe des Media Maratón Azkoitiazpeitia im Baskenland war der neue Masters-Weltrekord des 41-jährigen Mark Kiptoo (KEN) im Halbmarathon der Männer in 1:01:04, womit er eine der wenigen verbliebenen Bestmarken von Superstar Haile Gebreselassie auslöschte. Beim 72. Paderborner Osterlauf wurde auch in diesem Jahr der Lauf über die 10 km zum leistungssportlichen Highlight der Veranstaltung. Emmanuel Kiprono (KEN) lief mit 27:26 eine neue Jahres-Weltbestzeit und Dorcas Tuitoek (KEN) verbesserte in 31:00 den Streckenrekord bei den Frauen. Damit etabliert man sich in der Paderstadt zunehmend in der Liga der Weltklasse über diese Distanz.

Rückblick wird fortgesetzt.