13. Valencia Trinidad Alfonso EDP Halb-Marathon am 28. Oktober 2018: Abraham Kiptum läuft Halbmarathon-Weltrekord

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Mit einer Sensation wartete die 13. Ausgabe des Medio Maratón de Valencia Trinidad Alfonso EDP am Sonntagmorgen auf, denn völlig unerwartet lief der 29-jährige Kenianer Abraham Kiptum mit 58:18 einen neuen Weltrekord im Halbmarathon der Männer. Damit steigerte er die Marke von Zersenay Tadese aus dem Jahr 2010 von 58:23 aus Lissabon um 5 Sekunden und lief dabei das letzte Drittel der Strecke allein an der Spitze. Auch das Rennen der Frauen war beachtlich, wo Gelete Burka (ETH) in 1:06:11 gewann. Zudem zeichnete sich der Lauf auf dem überwiegenden Teil der WM-Strecke zu Beginn des Jahres durch eine großartige Leistungsbreite aus.

Im Vorfeld des Rekord-Rennens war keinesfalls in Richtung Weltrekord gedacht worden. Die Vorgaben lagen im Bereicht von 27:50 Minuten für die ersten 10 km, womit man Chancen hatte, hochwertige Zeiten (knapp) unter 59 Minuten zu erzielen. Bei günstigen Temperaturen um 12°C und 81% rel. Luftfeuchte (Taupunkt: 8°C) lagen bei 4 km in 11:08 etwa 20 Läufer an der Spitze des Feldes, 5 km wurde in 13:56 zurückgelegt. Mit Hilfe des Tempomachers Edward Kibet war man exakt im Soll. Über 25:15 bei 9 km erreichte man die 10 km-Marke nach 28:03 und hatte damit deutlich an Fahrt verloren. Man lag auf Kurs zu einer Zeit von 59:11, beim Streckenrekord durch Abraham Cheroben von 58:48 war dieser in 27:41 an dieser Stelle registriert worden.

valencia-hm-2018-winner-kiptum-vor-zielAbraham Kiptum auf dem Weg zu einem neuen Weltrekord im Halbmarathon. (c) Livestream/Screenshot

Doch dann kam Bewegung in das Rennen und die Spitzengruppe riss schnell auseinander. Nach 35 Minuten übernahm Abraham Kiptum, der im September in Kopenhagen schon 59:09 gelaufen war, die Spitze und setzte sich schnell von 6 Verfolgern ab. Vor der 15km-Marke hatte er schon einen Vorsprung von ca. 30 m und erreichte diese nach 41:38, womit er den letzten 5 km-Abschnitt in 13:37 zurücklegte. Mit einem Rückstand von 3 Sekunden folgten Jemal Yimer (ETH) und Abadi Hadis (ETH), weitere 4 Sekunden lag Amdamlak Berta (ETH) dahinter. Ein Blick in die Unterlagen zeigte, dass Kiptum bei 15 km 15 Sekunden unter der Durchgangszeit des Streckenrekords und auf einer Zeit im Ziel von 58:34 lag.

valencia-hm-2018-winner-kiptum-wrAbraham Kiptum im Ziel mit neuer globaler Bestmarke. (c) Livestream/Screenshot

Dass dieser Zwischenspurt der Spitze kein Strohfeuer war, zeigte der Split von 47:06 bei 17 km, wohin Kiptum die letzten 2 km in 5:26 raste (2:43 pro km). Es kündigte sich eine außergewöhnliche Zeit an, was sich auch bei 20 km in 55:19 (neue Weltbestleitung) bestätigte. Mit letzten 5 km in 13:39 war der Führende die letzten 10 km in phänomenalen 27:16 gelaufen, Yimer folgte 13 Sekunden, Hadis 22 Sekunden später. Als Kiptum das Schild für die letzten 400 m erreichte, zeigten die Uhren 57:14, damit war einer neuer Weltrekord im Halbmarathon der Männer so gut wie sicher. Bei 58:18 (zunächst 58:19) blieben die Uhren für Kiptum stehen, NEUER WELTREKORD!

Damit löschte er die gut 8 Jahre alte Marke von 58:23 durch Zersenay Tadese aus, an der sich schon zuvor etliche Akteure vergebens versucht hatten. Da man im Vorfeld einen Rekord nicht thematisiert hatte, kam dieser mehr als überraschend. Da man im letzten Jahr bereits den Weltrekord bei den Frauen durch Joyciline Jepkosgei mit 1:04:51 feiern konnte, hält Valencia nun etwas überraschend beide Weltrekorde über diese Distanz, die sich nun wieder beide in kenianischem Besitz befinden. Die Freude bei alle Beteilgten war danach natürlich riesengroß. Ganz unvorbereitet war man auf diese Eventualität allerdings nicht, denn schnell hatte das Team um Francisco Boroa ein Schild mit „New World Record“ zur Hand …

valencia-hm-2018-celebrationDer neue Rekordhalter (Mitte) sowie das Organisations-Team um Fancisco Boroa (2.v.l.) feiern die neue Bestmarke im Halbmarathon der Männer. (c) Livestream/Screenshot

So unerwartet dieser neue Rekord kam, so überraschend war auch der Name des Akteurs der neue Bestmarke. Kiptum hatte zwar zuvor im September in Kopenhagen mit 59:09 eine beachtliche Zeit gelaufen, dort erzielte er auch zwei Jahre zuvor bereits 59:36. Aber selbst aktuelle Marathonzeiten von 2:05:26 im letzten Jahr als Dritter beim Amsterdam Marathon und in diesem Frühjahr in Daegu in 2:06:26 reichten nicht aus, ins Elitefeld in Chicago Anfang Oktober aufgenommen zu werden. So eine Begebenheit dürfte sich künftig wohl kaum wiederholen. Der Lauf in Valencia sollte Kiptum „nur“ zu einer Formüberprüfung dienen, denn Anfang Dezember ist er bei der Premiere des Abu Dhabi Marathon dabei, wo er nach einer ersten Hälfte in 1:02:30 erstmals unter 2:05 Stunden laufen will.

Dazu wird der neue Rekordhalter bei der IAAF zitiert: “ I can’t believe it, I’m over the moon. Obviously I knew I was in good shape because I set a PB last month in Copenhagen but I was eager to run in Valencia because it’s one of the flattest circuits I’ve ever run and I was confident of improving on my best. I realised the race slowed down between the ninth and 10th kilometre so I decided to step up the pace and go for everything.”

Auch die Nächstplatzierten lieferten grandiose Zeiten in Valencia ab. Jemal Yimer, schon zuvor einer der Besten in diesem Metier, steigerte sich auf 58:33 und liegt damit zusammen mit Sammy Winjiru auf Platz 3 der Alltime-List. Und auch der Drittplatzierte Abdi Hadis blieb mit 58:44 unter dem alten Steckenrekord und im Regime der absoluten Weltklasse, wobei er seine PB um 2 Minuten steigern konnte. Danach musste man einige Zeit auf die Nächstplatzierten waren, aber am Ende blieben 10 Läufer unter einer Stunde. Eine in der Tat historische Leistungsdichte. Nach dem grandiosen Weltrekord durch Eliud Kipchoge in Berlin über die volle Distanz gab es nun in Valencia ein weiteres absolutes Highlight.

valencia-hm-2018-winner-burkaGelete Burka gewann in Valencia das Rennen bei den Frauen. (c) Livestream/Screenshot

Das Rennen der Frauen war im Vergleich zum Rekordlauf bei den Männern weniger spektakulär, zumal auch erst im letzten Jahr der Weltrekord an gleicher Stelle erzielt wurde. Über 12:29 bei 4 km erreichte eine Spitzengruppe von acht Frauen 5 km nach 15:39, im letzten Jahr wurde Jepkosgei bei ihrem Weltrekord hier mit 14:42 registriert. Die Durchgangzeit bei 10 km betrug 31:37, das war 1:28 Minuten langsamer als der WR-Split. Dann agierte an der Spitze  ein Duo und bald darauf ein Trio bestehend aus Bahnlegende Gelete Burka (ETH), Edith Chelimo (KEN) und Alia Mohamed Saeed (UAE), die aber aus Äthiopien stammt.

Wie bei den Männern zog auch bei den Frauen die Fahrt nach 10 km erheblich an (liegt das am Kurs?), und 15 km wurden nach 47:18 erreicht. Kurz nach 20 km in 1:02:54 steigerte Burka das Tempo nochmals und konnte sich in 1:06:11 bis ins Ziel absetzen. Platz 2 ging an Alia Mohammed Saeed (UAE) in 1:06:13, die damit natürlich einen neuen Landesrekord für die Vereinigten Arabischen Emirate aufstellte. Auch die Läuferinnen auf dem nächsten Plätzen Edith Chelimo (KEN) in 1:06:18 und Pauline Korikwiang (KEN) in 1:06:31 blieben noch unter 2:07 Stunden. Auf Platz 5 folgte Diana Chemtai Kipyogei (KEN) mit 1:07:07.

  Ergebnisse Halbmarathon der Männer:
1. Abraham Kiptum (KEN) 58:18
2. Jemal Yimer (ETH) 58:33
3. Abadi Hadis (ETH) 58:44
4. Amdamlak Belihu Berta (ETH) 59:19
5. Stephen Kiprop (KEN) 59:21
6. Bernard Kipkorir Ngeno (KEN) 59:22
7. El Hassan Elabassi (MAR) 59:27
8. Simon Cheprot (KEN) 59:28
9. Abel Kipchumba (KEN) 59:29
10. Josphat Boit (KEN) 59:42

  Ergebnisse Halbmarathon der Frauen:
1. Gelete Burka (ETH) 1:06:11
2. Alia Mohammed Saeed (UAE) 1:06:13
3. Edith Chelimo (KEN) 1:06:18
4. Pauline Korikwiang (KEN) 1:06:31
5. Diana Chemtai Kipyogei (KEN) 1:07:07
6. Bekelech Gudeta (ETH) 1:07:48
7. Yeshi Kalayu Chekole (ERI) 1:07:58
8. Helen Bekele Tola (ETH) 1:08:39
9. Risper Chebet (KEN) 1:10:02
10. Karoline Nadolska (POL) 1:10:43
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Die schnellsten Läufer im Halbmarathon:

Abraham Kiptum

KEN

58:18

Valencia, 2018

Zersenay Tadese

ERI

58:23

Lisbon, 2010

Jemal Yimer

ETH

58:33

Valencia, 2018

Sammy Wanjiru

KEN

58:33

City-Pier-City, 2007

Abraham Cheroben

BRN

58:40

Copenhagen, 2017

Bedan Karoki

KEN

58:42

RAK, 2018

Erick Kiptaniu

KEN

58:42

Berlin, 2018

Abadi Hadis

ETH

58:44

Valencia, 2018

Solomen Yego

KEN

58:44

Rome, 2016

Mathew Kisorio (Kenya)

58:46

Philadelphia, 2011