ASICS Stockholm Marathon: Die Posse ums Preisgeld

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Keine Frage, der Stockholm Marathon hat einen wunderschönen Kurs und der Einlauf ins ehrwürdige Olympia-Stadion ist schon etwas besonders. Das meinen jedes Jahr immer wieder über 20000 Teilnehmer, die auch am kommenden Samstag (30.5.2015) an den Start gehen werden.

Im leistungssportlichen Bereich sieht das schon anders aus, da gehört der Lauf von den Zeiten her zu den Schlusslichtern der internationalen Szene. Mit einem Kursrekord von 2:11:37 (aus dem Jahr 1983!) kann man heutzutage kaum noch Staat machen. Und auch eine Armada (meistens zweitklassiger) Ostafrikaner kam in Zeiten zwischen 2:13 und 2:20 Stunden ins Ziel.

Das fiel natürlich auch den Organisatoren auf, aber so richtig etwas geändert haben sie an dem Status nichts. So ganz richtig war dies aber bis vor kurzem nicht, denn die guten Leute in Stockholm kamen auf die gloreiche Idee, wenn wir schon keine Spitzenkräfte aus Afrika bekommen, dann könnten die auch gleich ganz wegbleiben. Und um diese Klientel ganz charmant auszuladen, begrenzte man die Vergabe des (erheblichen) Preisgeldes an die Zugehörigkeit zur „nordischen Rasse“ (Entschulding für die Phrase, aber so ist es oder besser: war es).

Dass solche Allüren einen Aufschrei der Entrüstung provozierten und die Organisatoren zu einem hektischen Rückrudern bewegten, spricht für das Funktionieren simpler gesellschaftlicher Kontrollmechnismen in der heutigen Zeit.

Nun sind auch wieder Läufer außerhalb der Weiten Skandinaviens als Empfänger des Preisgelds akzeptiert. Wer von den Ostafrikanern an der Startlinie stehen wird, war noch nicht zu erfahren. Erstaunlich ist nur, dass der Hauptsponsor, der dem Event auch noch seinen Namen leiht, solche Eskapaden mitmacht. Ganz zu schweigen vom pseudo-breitensportlichen Niveau, das dann übrig bleibt und mit dem eine umfangreiche TV-Übertragung noch langweiliger über die Bühne gehen muss.

Eigentlich erstaunlich, dass sich solche Dinge in einem ansonsten recht fortschrittlichen und aufgeschlossenen Land wie Schweden ereignen.