45. BMW Berlin Marathon am 16. September 2018: Eliud Kipchoge und Wilson Kipsang wieder am Start

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Wie die Veranstalter des 45. BMW Berlin Marathon soeben bekannt gemacht haben, wird der Superstar auf der Marathonstrecke, Eliud Kipchoge (KEN), auch in diesem Jahr auf der schnellen Berliner Strecke an den Start gehen. Es wird der vierte Auftritt des kenianischen Ausnahmekönners an der Spree werden, wo er bei seinem ersten Rennen in Berlin in seinem zweiten Marathon seine einzige „Niederlage“ im Marathon überhaupt erlitt. Zu jener Zeit fehlte ihm aber noch die Erfahrung mit dieser Distanz und vor allem lief in jenem denkwürdigen Rennen Wilson Kipsang (KEN) mit 2:03:23 einen neuen Weltrekord. Und jener Wilson Kipsang wird auch am 16. September 2018 wieder auf seinen Landsmann treffen, nachdem dessen letzten beiden Starts in Berlin 2017 und Tokyo 2018 jeweils mit unerfreulichen Aufgaben verliefen. Gleichfalls als Konkurrent wurde bereits der amtierende Weltrekordler über die Halbmarathon-Distanz, Zersenay Tadese (ERI), benannt, der auf der Basis seiner Vorleistungen in den letzten Jahren vermutlich aber kaum eine Rolle um den Sieg und vor allem schnelle Zeiten spielen wird.

london-mar-2018-kipchoge-200m-vor-ziel-low-resEliud Kipchoge startet auch 2018 wieder beim Berlin Marathon. (c) H. Winter

Durch Kipchoges Zusage an den Berlin Marathon sind alle jene Gerüchte gegenstandlos, die besagten, dass Kipchoge nicht in Berlin sondern bei einer Neuauflage des „Breaking2“-Projekts laufen will. Nun wird es also den nächsten Angriff Kipchoges auf den Weltrekord von Dennis Kimetto geben, dessen 2:02:57 sich als doch wesentlich robuster erweisen, als man im Jahr 2014 zunächst gedacht hatte, als der Marathon-Weltrekord in Berlin fast im Jahrestakt verbessert wurde. Am nächsten ist dieser Zeit Kenenisa Bekele im vorletzten Jahr in Berlin mit 2:03:03 gekommen, aber auch Kipchoge lief im Iahr 2016 in London mit 2:03:05 denkbar dicht an Kimettos Marke heran. Ob Bekele – wie im letzten Jahr – noch recht kurzfristig in Berlin „nachmelden“ wird, erscheint möglich, ist aber wohl eher unwahrscheinlich.

Im positiven Fall würde es in Berlin eine Neuauflage des „Kampfes der Giganten“ Bekele-Kipsang-Kipchoge geben, der leider im letzten Jahr in erheblichem Maße durch den Regen beeinträchtigt wurde. Bis kurz vor Schluss war Kipchoge im Duell mit dem Debütanten Ayole Adola auf Rekordkurs, es fehlten aber am Ende die Kräfte auf den Pfützen übersäten Straßen, um Kimettos Rekord zu gefährden. Der amtierende Weltrekorder ist aktuell eine Schatten seinerselbst, auch beim Wien Marathon im April konnte er das Rennen nicht beenden. Sollte diesmal der sonst in Berlin immer gnädige Wettergott mitspielen, sind die Chancen eines neuen Weltrekords auf gleicher Strecke recht aussichtsreich.

Dass Kipchoge deutlich schneller als der aktuelle Weltrekord rennen kann, hat er spätestens beim „Breaking2“-Projekt mit 2:00:25 demonstriert, wo vor allem die (von den Betreibern des Projekts) unterschätzte Luftfeuchte in Monza mit einem Taupunkt um 8 bis 9°C keinesfalls optimal war. Was die Zeit von Monza unter regulären Bedingungen Wert ist, ist (entgegen anderer Aussagen) sehr schwer abzuschätzen, sicherlich dürfte diese im Bereich von unter 2:02 Stunden liegen. Dass Kipchoge weiter auf extreme Zeiten fokusiert ist, zeigte auch sein Bestehen auf einen Halbmarathon-Split von 61 Minuten beim London Marathon, wo die Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchte ausgesprochen ungünstig waren.

Kipchoge war dann der einzige Läufer, der die Tempojagd an der Themse halbwegs überlebte. Für den Angriff auf die globale Bestmarke am 16. September wird neben guten Bedingungen vor Ort auch wichtig werden, wie weit sich der kenianische Ausnahmekönner in allen Belangen von der Aktion am Limit in Monza vor gut einem Jahr regeneriert hat. Momentan scheinen die 2:03 Stunden im Marathon eine Schallmauer darzustellen, die nicht mehr so ganz einfach in einem regulären Stadt-Marathon unterboten werden kann.

rak-hm-2016-finish-kipsangEx-Marathon-Weltrekordler Wilson Kipsang ist einer der Gegner von Eliud Kipchoge beim Berlin Marathon. (c) H. Winter

Ob sich Kipchoge bei der – sicher wieder minutiös geplanten – Rekordjagd auf Wilson Kipsang stützen kann, steht in den Sternen. Neben Kimetto hat auch Kipsang (beide werden vom Volare Management betreut) in letzter Zeit eine ganze Reihe DNFs produziert und zuletzt beim Tokyo Marathon sowie beim Göteborger Halbmarathon das Ziel nicht erreicht. Immerhin war es Kipsang, der Kipchoges einmalige Bilanz ein wenig trübt, denn 2013 konnte er bei seinem Weltrekord-Lauf (2:03:23) Kipchoge die einzige Niederlage in einem Marathon zufügen.

Eliud Kipchoges Marathon-Läufe:
1. Hamburg 1 2:05:30 2013
2. Berlin 2 2:04:04 2013
3. Rotterdam 1 2:05:00 2014
4. Chicago 1 2:04:11 2014
5. London 1 2:04:42 2015
6. Berlin 1 2:04:00 2015
7. London 1 2:03:05 2016
8. Rio de Janeiro (OG) 1 2:08:44 2016
Monza 1 2:00:25 2017
9. Berlin 1 2:03:32 2017
10. London 1 2:04:17 2018