38. Virgin money London Marathon am 22. April 2018: Weltklasseathleten jagen die Weltrekorde

londom-mar-logoWie in den Jahren zuvor wird auch im Jahr 2018 ein einmaliges Feld an Eliteathleten an den Start zur 38. Ausgabe des Virgin money London Marathon gehen. In Pressekonferenzen vom Dienstag bis zum Donnerstag wurden zunächst der britische Superstar Mo Farah, die Elitefrauen und am Ende die Elitemänner präsentiert. Aktuell herrscht in London fast Hochsommer mit Temperaturen unweit der 30°C, dies wird sich aber bis zu den Startzeiten am Sonntag – 9:15 Uhr für die Frauen, 10 Uhr für die Männer (Start durch die Queen von Schloss Windsor) – weit günstiger für schnelle Rennen entwickeln. Nach letzten Wetterprognosen wird geringer Regen in der Nacht zum Sonntag die Temperaturen ins Regime von 15°C bis 17°C reduzieren, allerdings wird es bei einem Taupunkt um 12°C eine etwas ungünstige Luftfeuchte geben.

Das Rennen der Männer hat mehrere aussichtsreiche Athleten auf den Sieg, wobei in der Liste möglicher Sieger Eliud Kipchoge (KEN) ganz oben steht. Der Kenianer dürfte aktuell der beste Mann in Sachen Marathon sein, obwohl er seit seinem Sieg im verregneten Berlin Ende September 2017 kein Rennen mehr bestritten hat. In London wird der 33-jährige Kenianer seinen zehnten Marathon bestreiten, davon wurde er nur einmal Zweiter, wobei in jenem Lauf der Sieger Wilson Kipsang Weltrekord lief. In Berlin 2017 siegte er angesichts der Bedingungen in glänzenden 2:03:32 und zog dabei den Debütanten Guye Adola (ETH) zur der großartigen Zeit von 2:03:46. Auch Adola ist in London dabei, äußerst sich aber sehr zurückhaltend über seine Aussichten in seinem zweiten Marathon am Sonntag.

Der Mann mit der schnellsten Vorleistung ist die Lauflegende Kenenisa Bekele (ETH), der nach seiner ehemaligen Karriere auf der Bahn auch im Marathon zur absoluten Weltspitze gehört. Im September 2016 gewann er den Berlin Marathon mit der zweitschnellsten Zeit in der Geschichte des Marathon von 2:03:03, war im letzten Jahr nach einer eindrucksvollen Verfolgungsjagd in London Zweiter, seine beiden Läufe im Jahr 2017 in Dubai und Berlin hat er im letzten Jahr aber nicht beenden können. Nach eigener Aussage fühlt er sich in guter Form und will das „Höllentempo“ der Spitze um 61 Minuten für die erste Hälfte mitgehen.

Im letzten Jahr konnte er den enteilten Daniel Wanjiru (KEN) bis ins Ziel nicht einholen, der das Rennen nach 2:05:48 gewann. Wanjiru lief beim Amsterdam Marathon im Oktober 2016 in 2:05:21, seine aktuelle persönliche Bestzeit. Im letzten Sommer beendete er den WM-Marathon in London, der allerdings auf einem Rundkurs durch die Innenstadt verlief, als Achter in 2:12:16. Einer der benannten Athleten wird auch bei einem Sieg in London die aktuelle Wertung der World Marathon Majors gewinnen, dotiert mit einer erheblichen Preissumme, wobei aber die Außenwirkung dieses Wettbewerbs völlig verpufft und die Akzeptanz in der Öffentlichkeit verschwindend gering ist.

london-mar-2018-pcall-topmenDie Topathleten des London Marathon 2018 beim Fototermin. (c) H. Winter

Weiterhin zu beachten sind Ex-Weltmeister Abel Kirui (KEN), der sich in guter Form fühlt und das Tempo der Spitze mitgehen möchte und bisher als schnellste Zeit 2:05:04 aufweisen kann, sowie der Sieger des Frankfurt Marathon 2017 Shura Kitata Tola (ETH) in 2:50:50. Noch schneller war bereits Lawrence Cherono (KEN) bei seinem Sieg in 2:05:09 beim Amsterdam Marathon. Einiges erwarten kann man nach seinem Marathon-Debüt an gleicher Stelle vor einem Jahr von Bedan Karoki (KEN), der im Moment die Weltjahres-Bestenliste über die halbe Distanz in 58:42 anführt.

Und mit 2:08:21 in seinem bisher einzigen Marathon ist die britische Lauflegende Mo Farah notiert, der den britischen Rekord von Steve Jones (2:07:13) aus dem Jahr 1985 als Minimalziel ausgegeben hat. Er will unter Umständen sogar das Tempo der ersten Gruppe von Anfang an mitgehen.

Bei den Frauen steht das Vorhaben von Mary Keitany (KEN) und Tirunesh Dibaba (ETH) im Fokus des Interesses, den Weltrekord von Paula Radcliffe von 2:15:25 anzugreifen.  Nach den Fabelzeiten des Vorjahres mit einem Weltrekord in einem reinen Frauenrennen in 2:17:01, will Keitany (und ggfs. auch Dibaba) die Marke von Radcliffe aus dem Jahr 2003 unterbieten. Für Mary gibt es die realistische Chance, den Lauf an der Themse zum vierten Mal zu gewinnen. Keitany zeigte sich beim Halbmarathon in Ras Al Khaimah im Februar 2018 weiter verbessert und lief erstmal mit 1:04:55 unter 65 Minuten. Und Dibaba konnte nach London im Oktober 2017 beim Chicago Marathon überzeugen, wo sie im Sololauf im zweiten Teil ohne Einsatz von Tempomachern 2:18:31 schaffte. Beide Ausnahme-Läuferinnen wollen mit dem Einsatz männlicher Tempomacher die Marke von Radcliffe ins Visier nehmen.

london-mar-2018-tower-ken-wmDie kenianischen Topläuferinnen beim London Marathon 2018: Ceruiyot, Keitany und Cherono. (c) H. Winter

Das hohe Tempo der beiden Topläuferinnen dürfte der „Rest“ des Elitefeldes, das jeder anderen Veranstaltung zur Ehre gereichen würde, kaum mitgehen wollen (und können). Dabei haben zwei weitere Starterinnen die Schallmauer im Marathon der Frauen von 2:20 Stunden bereits unterboten. Gladys Cherono (KEN) lief in Berlin 2:29:25 und Mare Diba (ETH) in Xiamen 2:19:52. Brigid Kosgei (KEN) ist mit einer Bestzeit von 2:20:22 b im letzten Chicago Marathon notiert und schaffte beim Honolulu Marathon grandiose 2:22:14. Tigist Tufu (ETH), die Siegerin des London Marathon von 2015, lief im Jahr zuvor in Shanghai Streckenrekord mit 2:21:52. Unbedingt zu beachten ist auch die Olympiasiegerin über 5000 m auf der Bahn von 2016 Vivian Cheruiyot (KEN), die sich beim windigen Frankfurt Marathon im Oktober 2017 im zweiten Marathon auf 2:23:35 steigerte.