38. Virgin money London Marathon am 22. April 2018: Weltrekord-Jagden verpuffen in der Schwüle

londom-mar-logoKenianische Siege gab es bei der 38. Ausgabe des Virgin money London Marathon am heutigen Sonntag. Dabei verfehlten aber beiden Gewinner, Eliud Kipchoge in 2:04:17 als auch Vivian Cheruiyot in 2:18:31, die im Vorfeld angepeilten Weltrekorde. Nach den wärmsten Tagen auf der Insel im April in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen waren die Temperaturen um 20°C beim Lauf der Eliten abgesunken, doch bei einem Taupunkt um 13°C war die (absolute) Luftfeuchte einfach zu hoch. Die Topathleten ignorierten dieses Faktum und lagen jeweils bis zur Hälfte der Distanz in 1:01:00 und 1:07:16 deutlich unter den Weltrekordmarken. Dass dort der Marathon erst richtig beginnt, bestätigte sich auch am letzten Sonntag.

Wie angekündigt starteten die Frauen das Rennen zunächst unterstützt von drei männlichen Tempomachern im Weltrekordtempo. Schon nach dem ersten Kilometer in 3:13 und Meile in 5:08 wurde deutlich, dass es diesmal in der Tat in die Regionen des Weltrekordes gehen sollte (Radcliffe 2:15:25, London 2003). Nach 3 km in 9:30 waren nur noch Mary Keitany und Tirunesh Dibaba (ETH) mit Kurs auf 2:13:31 vorne. 5 km passierte die Spitze nach 15:46, 10 Sekunden dahinter lag das Duo Brigid Kosgei (KEN) und Gladys Cherono (KEN); mit einem Rückstand von einer halben Minute folgten Vivian Cheruiyot (KEN), die amtierende Olympiasiegerin über 5000 m, Mare Dibaba (ETH), Tigist Tufa (ETH), Rose Chelimo (BRN) und Tedelech Bekele (ETH).

london-mar-2018-display-17minDie Spitze der Frauen nach gut 5 km, vorne Keitany und T. Dibaba mit drei Tempomachern. (c) BBC/Screenshot

Bei 10 km nach 31:46 hatten Keitany und Tirunesh Dibaba einen Vorsprung von 30 Sekunden auf das Verfolgerduo, Cheruiyot et al. lagen schon über eine Minute zurück. Nach gut 50 Minuten fiel plötzlich Tirunesh Dibaba zurück und Keitany war allein an der Spitze, passierte 20 km nach 1:03:50 und lag beim Halbmarathon in 1:07:16 deutlich unter dem Radcliffe Rekord. Dibaba folgte mit schon 23 Sekunden Rückstand, Cheruiyot war mittlerweile zu Kosgei und Cherono aufgelaufen. Das Trio lag in 1:08:56 1:40 Minuten hinter Mary, aber auch auf Kurs zu einer Weltklassezeit von unter 2:18 Stunden.

Dass das Rennen um den Sieg noch nicht entschieden schien, deutete sich bereits bei 25 km an, denn Mary wurde hier mit 1:20:24 gestoppt und lag mit einer Projektion von 2:15:25 exakt auf dem Weltrekord. 30 km passierte die Kenianerin nach 1:37:03 und für den 5 km-Abschnitt nach 35 km brauchte sie 17:33 Minuten. Mit einer Zeit von 1:54:36 lag sie hier noch 12 Sekunden vor Cheruiyot, die sie nun schnell überholte und mit den zwei verbliebenen Tempomachern davonzog.

london-mar-2018-cheruiyot-41kmVivian Cheruiyot lag nach gut 35 km an der Spitze. (c) H. Winter

Die Weltklasseläuferin auf der Bahn hatte sich ihren dritten Marathonlauf nach dem zu schnellen Beginn an gleicher Stelle im letzten Jahr viel besser eingeteilt und lief das Rennen in km-Abschnitten um 3:20 Minuten zu Ende. Über 2:11:08 bei 40 km erreichte sie das Ziel auf The Mall nach 2:08:31, womit sie ihre Bestzeit von 2:23:35 Stunden vom windigen Frankfurt Marathon 2017 um gute 5 Minuten steigerte. Angesichts der Temperaturen von am Ende über 20°C und vor allem der Schwüle ist die Leistung der Kenianerin in Regionen des Women-Only-Rekords von 2:17:01 anzusiedeln. Cheruiyot dürfte nun nach der Bahn eine gleichfalls glänzende Karriere auf der Straße absolvieren.

london-mar-2018-keitany-vor-finishMary Keitany wurde diesmal beim London Marathon nur Fünfte in 2:24:27. (c) H. Winter

Hinter der Siegerin kam es noch zu dramatischen Entwicklungen. Die erste Konkurrentin auf den Sieg, Tirunesh Dibaba, steckte das Rennen nach mehreren Gehpausen um die 30 km auf, während sich eine weitere Mitstreiterin aus der Verfolgergruppe, Brigid Kosgei, als Zweite in 2:20:13 ins Ziel kam. Damit konnte sie ihre Platzierung vom Chicago Marathon 2017 wiederholen. Dritte wurde Tadelech Bekele in 2:21:40. Noch auf der Zielgeraden überholte Cherono in 2:24:10 die völlig entkräftete Keitany, die 2:24:27 brauchte.

Die Vorstellung der Ausnahmeläuferin erinnerte ein wenig an den New York City Marathon im Jahr 2010, wo sie gleichfalls nach einer Hatz im Weltrekordtempo einbrach. Wichtig für die zierliche Kenianerin war aber das Erreichen des Ziels, womit sie Tirunesh Dibaba im direkten Duell besiegte konnte und damit ein weiteres Mal die World Marathon Majors Serie (Nr. XI) gewann. Die 250.000 US$-Dotierung liegt um einiges über der 55000 US$-Preissumme für die Siegerin in London.

london-mar-2018-wmm-kipchoge-keitanyEliud Kipchoge und Mary Keitany gewannen die WMM-Wertung Serie XI und damit jeweils 250.000 US$. (c) H. Winter

Das Rennen der Männer verlief ähnlich wie das der Frauen mit einer Tempohatz auf den Weltrekord. Mit km-Abschnitten von 2:45, 2:48, 2:46, 2:47 und 2:42 (2:50,6 ist das Tempo für einen Zwei-Stunden-Marathon) erreichte man 5 km nach 13:48 und lag damit auf Kurs zu aberwitzigen 1:56:27. Dabei bleibt das Tempo auch aberwitzig, wenn man das Gefälle von 2 km nach 3 km in Betracht zieht. Über 28:19 bei 10 km erreichte man 15 nach 43:04. An der Spitze lagen neben 3 Tempomachern Kipchoge, Shura Kitata (ETH), Abel Kirui (KEN), Kenenisa Bekele (ETH), Vorjahressieger Daniel Wanjiru (KEN), Mo Farah (GBR) in seinem zweiten Marathon sowie Bedan Karoki (KEN). Etwas zurückgefallen waren hier schon Lawrence Cherono (KEN) und der schnellste Marathon-Debütant Guye Adola (ETH).

Die Halbmarathon-Marke hinter der Tower Bridge wurde wie im Vorfeld vorgenommen in 1:01:00 erreicht. Hier war der Ex-Marathon-Weltmeister Ghirmay Gebreslassie (ERI) schon ausgestiegen. Bei 25 km nach 1:12:36 lag man mit 2:02:31 immer noch auf Weltrekord-Kurs. Hier stieg der letzte „Hase“ aus und an der Spitze konnten sich Kipchoge, Kitata und der lange stets am Ende der Gruppe laufende Mo Farah absetzen. Dabei fiel Mo schon wenige Minuten später zurück und Kipchoge sowie Kitata kämpften nun um den Sieg. Bei 30 km in 1:27:24 lag man zwar noch eine Sekunde unter dem Weltrekord, aber schon auf den folgenden Kilometern kam der Rekord schnell außer Reichweite.

london-mar-2018-kipchoge-200m-vor-ziel-low-resEliud Kipchoge konnte in London zum dritten Mal gewinnen. (c) H. Winter

Die km-Splits lagen nun zum Teil über 3 Minuten, so dass der Sieg vorrangig wurde. In einer Unterführung 4 km vor dem Ziel setzte sich Kipchoge von Kitata ab und gewann nach 2:04:17. Dabei wurde zunächst eine 11 Sekunden langsamere Zeit verkündet, weil die ansonsten in London exakte Startprozedur durch Verzögerungen beim Start durch die Queen von Windsor Castle aus den Fugen geriet. Nach Antonio Pinto, Dionisio Ceron und Martin Lel ist Kipchoge der nächste Läufer, der das Rennen an der Themse dreimal (2015, 2016 und 2018) gewinnen konnte. 2017 war er wegen des Breaking2-Projekts nicht am Start.

london-mar-2018-mo-100m-vor-zielMo Farah lief in 2:06:21 einen Landesrekord. (c) H. Winter

Platz 2 ging in persönlicher Bestzeit von 2:04:49 an Shura Kitata, während Mo Farah Position 3 absichern konnte und den Uralt-Landesrekord von Steve Jones von 2:07:13 auf 2:06:21 verbessern konnte. Abel Kirui wurde in 2:07:07 Vierter und Bedan Karoki Fünfter in 2:08:34. Erst dann kam der höher eingeschätzte Kenenisa Bekele in 2:08:53, der ein weiteres Mal auf der Marathonstrecke nicht zu überzeugen wusste, aber immerhin das Ziel ereichte.

Ergebnisse Marathon der Männer:
1. KIPCHOGE, Eliud (KEN) 1:01:00 2:04:17
2. KITATA, Tola Shura (ETH) 1:01:00 2:04:49
3. FARAH, Mo (GBR) 1:01:03 2:06:21
4. KIRUI, Abel (KEN) 1:01:01 2:07:07
5. KAROKI, Bedan (KEN) 1:01:00 2:08:34
6. BEKELE, Kenenisa (ETH) 1:01:01 2:08:53
7. CHERONO, Lawrence (KEN) 1:01:34 2:09:25
8. WANJIRU, Daniel (KEN) 1:01:01 2:10:35
9. MESEL, Amanuel (ERI) 1:03:56 2:11:52
10. GEBREGERGISH, Yohanes (ERI) 1:03:35 2:12:09
11. OLEFIRENKO, Ihor (UKR) 1:06:30 2:15:06
12. SCULLION, Stephen (IRL) 1:07:48 2:15:55
13. CABADA, Fernando (USA) 1:06:30 2:17:39
14. MELLOR, Jonny (GBR) 1:06:30 2:17:55
15. CHELANGA, Samuel (USA) 1:04:42 2:21:17
Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. CHERUIYOT, Vivian (KEN) 1:08:56 2:18:31
2. KOSGEI, Brigid (KEN) 1:08:56 2:20:13
3. BEKELE, Tadelech (ETH) 1:09:47 2:21:40
4. CHERONO, Gladys (KEN) 1:08:56 2:24:10
5. KEITANY, Mary (KEN) 1:07:16 2:24:27
6. CHELIMO, Rose (BRN) 1:10:52 2:26:03
7. DIBABA, Mare (ETH) 1:09:48 2:27:45
8. PARTRIDGE, Lily (GBR) 1:14:03 2:29:24
9. BARLOW, Tracy (GBR) 1:14:03 2:32:09
10. BRUCE, Stephanie (USA) 1:14:03 2:32:28
11. WADE, Rebecca (USA) 1:14:38 2:35:01
12. MURRAY, Rebecca (GBR) 1:17:10 2:39:37
13. COSTELLO, Liz (USA) 1:16:12 2:40:04
Zwischenzeiten des führenden Läufers:
distance  split last km/mi last 5 km  pace
1 km 2:45 2:45 1:55:54
1 mi 4:25 4:25 1:55:48
2 km  5:31 2:48 1:57:05
3 km  8:19 2:46 1:56:58
2 mi 8:55 4:30 1:56:54
4 km 11:06 2:47 1:57:11
3 mi  13:19 4:24 1:56:23
5 km 13:48 2:42 13:48 1:56:27
6 km 16:37 2:49 1:56:54
4 mi  17:55 4:36 1:57:26
7 km 19:31 2:53 1:57:37
8 km  22:26 2:56 1:58:21
5 mi  22:34 4:39 1:58:21
9 km 25:24  2:57 1:59:04
6 mi  27:15 4:41  1:59:03
10 km  28:19  2:55 14:31  1:59:29
11 km  31:18 2:59 2:00:05
7 mi  32:06  4:51  2:00:13
12 km  34:17  2:58  2:00:32
8 mi  36:49  4:44  2:00:41
13 km 37:12 2:55 2:00:45
14 km 40:09  2:57 2:01:00
9 mi  41:34  4:44 2:01:04
15 km 43:04 2:56 14:45 2:01:10
16 km  45:58  2:53  2:01:13
10 mi  46:17  4:43 2:01:20
17 km  48:53 2:55 2:01:20
11 mi  51:00 4:44 2:01:34
18 km  51:55 3:02 2:01:42
19 km  54:51 2:56 2:01:49
12 mi  55:49 4:48 2:01:57
20 km 57:49 2:58 14:44 2:01:58
13 mi  1:00:30 4:41 2:02:00
21 km  1:00:44 2:55 2:02:02
HM  1:01:00 2:02:00
22 km 1:03:42  2:58 2:02:11
14 mi  1:05:18 4:48 2:02:17
23 km  1:06:38 2:55 2:02:14
24 km  1:09:36 2:58 2:02:21
15 mi  1:10:00 4:42 2:02:21
25 km  1:12:36 3:00 14:47 2:02:31
16 mi 1:14:46 4:46 2:02:30
26 km  1:15:32 2:56 2:02:35
27 km 1:18:27 2:54 2:02:36
17 mi 1:19:30 4:44 2:02:37
28 km 1:21:22 2:55 2:02:37
18 mi  1:24:19 4:49 2:02:49
29 km  1:24:24 3:02 2:02:49
30 km 1:27:24 3:00 14:48 2:02:56
19 mi 1:29:08 4:49  2:03:00
31 km  1:30:21  2:57 2:02:59
32 km 1:33:19 2:58 2:03:03
20 mi 1:33:52 4:44 2:03:03
33 km  1:36:24 3:05 2:03:16
21 mi 1:38:50 4:58 2:03:24
34 km  1:39:26 3:02 2:03:24
35 km 1:42:32 3:06 15:09 2:03:37
22 mi 1:43:44 4:54 2:03:37
36 km 1:45:34 3:02 2:03:44
37 km 1:48:44 3:09 2:04:00
23 mi 1:48:46 5:02 2:03:59
38 km  1:51:38 2:54 2:03:58
24 mi 1:53:30 4:44 2:04:00
39 km  1:54:38 2:59 2:04:01
40 km 1:57:35 2:57 15:02 2:04:04
25 mi 1:58:24 4:54 2:04:10
41 km 2:00:39 3:04 2:04:10
26 mi 2:03:16  4:52 2:04:18
42 km 2:03:41 3:02  2:04:16
Marathon  2:04:17 6:42 #3
Zwischenzeiten der führenden Läuferin:
distance  split last km/mi last 5 km pace
1 km 3:13 3:13 2:15:27
1 mi  5:08 5:08 2:14:30
2 km 6:20 3:07 2:13:35
3 km  9:30 3:10 2:13:31
2 mi  10:12 5:05 2:13:48
4 km 12:40 3:10 2:13:36
3 mi 15:13 5:01 2:13:04
5 km 15:46 3:06  15:46 2:13:08
6 km  19:02 3:15 2:13:48
4 mi 20:27 5:14 2:14:05
7 km 22:09 3:07  2:13:33
8 km 25:20 3:11 2:13:38
5 mi  25:30 5:03 2:13:41
9 km 28:36 3:16 2:14:05
6 mi 30:42 5:12 2:14:07
10 km  31:46 3:10  15:59 2:14:02
11 km  34:56 3:10 2:14:00
7 mi 35:49 5:08  2:14:11
12 km  38:11 3:15 2:14:17
8 mi 40:58 5:09  2:14:15
13 km  41:21 5:10 2:14:12
14 km  44:41 3:20 2:14:39
9 mi 46:06 5:08 2:14:17
15 km  47:46 3:05 16:00  2:14:21
16 km  50:57 3:11 2:14:21
10 mi  51:16 5:10 2:14:26
17 km 54:10 5:13 2:14:28
11 mi 56:23 5:06 2:14:23
18 km  57:20 3:10  2:14:23
19 km  1:00:33  3:13 2:14:29
12 mi  1:01:36  5:13  2:14:35
20 km  1:03:50  3:17 16:04 2:14:40
13 mi 1:06:46 5:10  2:14:40
21 km 1:07:05  3:15 2:14:46
HM  1:07:17     2:14:34
22 km 1:10:09 3:04 2:14:33
14 mi  1:12:05  5:19 2:15:01
23 km 1:13:42  3:33 2:15:13
24 km 1:16:59  3:17 2:15:21
15 mi  1:17:29 5:24 2:15:23
25 km 1:20:24  3:25 16:34 2:15:25
16 mi  1:22:52  5:23  2:15:47
26 km  1:23:41 3:17  2:15:49
27 km 1:26:58  3:17  2:15:55
17 mi  1:28:14  5:22 2:16:05
28 km 1:30:20 3:22 2:16:07
18 mi  1:33:35 5:21 2:16:18
29 km  1:33:39  3:20 2:16:16
30 km  1:37:03  3:24 16:39  2:16:30
19 mi  1:39:04  5:29 2:16:42
31 km  1:40:25 3:22 2:16:41
32 km  1:43:50 3:25 2:16:55
20 mi 1:44:29 5:25 2:16:59
33 km 1:47:22 3:31 2:17:16
21 mi  1:50:11 5:41 2:17:34
34 km  1:50:51 3:30 2:17:34
35 km  1:54:36 3:45 17:33 2:18:10
22 mi  1:56:02 5:51 2:18:18
36 km  1:57:59 3:23 #109 2 :18:17
37 km  2:01:18 3:19 2:18:20
23 mi  2:01:22 5:20 2:18:21
38 km  2:04:32 3:14 2:18:17
24 mi  2:06:37 5:15 2:18:19
39 km 2:07:54  3:22 2:18:23
40 km  2:11:08 3:14 16:32 2:18:20
25 mi  2:11:59 5:22 2:18:25
41 km 2:14:30 3:22 2:18:25
26 mi  2:17:23  5:24 2:18:32
42 km  2:17:52 3:22 2:18:31
Marathon  2:18:31   7:23 #109