72. Paderborner Osterlauf am 31. März 2018: Streckenrekord und Welt-Jahresbestleistung über 10 km

pb-osterlauf-2017-logoAuch beim 72. Paderborner Osterlauf wurde der Lauf über die 10 km zum leistungssportlichen Highlight der Veranstaltung. Emmanuel Kiprono (KEN) lief mit 27:26 eine neue Jahres-Weltbestzeit und Dorcas Tuitoek (KEN) verbesserte in 31:00 den Streckenrekord bei den Frauen. Damit etablierte man sich in der Paderstadt zunehmend in der Liga der Weltklasse über diese Distanz. Zwar fehlt diesen großartigen Leistungen ein wenig die Breite, die Konkurrenz lag jeweils zum Längen zurück, Die schnellen Zeiten belegen aber andererseits, dass man auch mit einem überschaubaren Etat im Elitesegment hochklassige Ergebnisse an der Spitze erreichen kann.

Das Rennen der Männer geriet schnell zur Ein-Man-Show des Emmanuel Kiprono (KEN), der im letzten Jahr im gleichen Rennen bereits Dritter in 28:18 wurde und schon beim ersten Kilometer auf einer Bahnüberführung in 2:44 knapp in Führung lag. Die baute er schnell über 5:27 bei 2 km und 8:10 bei 3 km aus. Bei 5 km nach 13:49 lag der Kenianer bereits fast eine volle Minute vor der Konkurrenz, wo Douglas Kipserem (KEN) der erste (einsame) Verfolger war. Mit km-Abschnitten von 2:41, 2:43, 2:46 und 2:44 erreichte der Führende die 9 km nach 24:43 Minuten und hatte zwar nicht mehr den Streckenrekord aus dem Vorjahr von 27:18, aber die Welt-Jahresbestleistung von 27:36 (Walelegn, Larado, 17.3.2018) in Reichweite. Mit einem Schlusskilometer von 2:42 ereichte er das Ziel auf dem Heierswall nach 27:26, womit es auch in diesem Jahr eine Weltklassezeit des Siegers gab.

pb-osterlauf-2018-winnre-9_5kmEmmanuel Kiprono lief in Paderborn mit 27:26 eine neue Welt-Jahresbestleistung über 10 km auf der Straße. Auf dem Motorrad daneben der sportliche Leiter Christoph Kopp. (c) H. Winter

Fast eine Minute lag der Zweitplatzierte Kipserem in 28:19 zurück, Platz 3 ging in 29:02 an Ezra Kering (KEN) in 29:02, womit die Leistungsdichte an der Spitze gegenüber den Vorjahren allerdings deutlich bescheidener ausfiel. Beachtlich war wieder einmal die Leistung des Kasselers Jens Nerkamp (GER), der sich als bester Deutscher auf Platz 9 in 29:20 einreihte. Somit lief Nerkamp im Rahmen seiner Vorbereitungen auf den Düsseldorf Marathon mit integrierter deutscher Meisterschaft eine neue persönliche Bestleistung.

Anmerkung: Nur wenige Stunden nach dem Paderborner Lauf erreichte Jake Robertson (NZL) beim Crescent City Classic Open eine Zeit von 27:28 und verfehlte auf der soeben noch Rekord-tauglichen Punkt-zu-Punkt-Strecke die Paderborner Bestmarke denkbar knapp!

pb-osterlauf-2018-winner-wm-9_7kmBei den Frauen lief Dorcas Tuitoek einen neuen Streckenrekord über die 10 km-Distanz. (c) H. Winter

Bei den Frauen gab es einen ähnlichen Rennverlauf, bei dem sich die Kenianerin Dorcas Tuitoek schnell vom Rest der Konkurrenz absetzte. Mit der Startnummer „F7“ hatte sie der sportliche Leiter Christoph Kopp bereits im Vorfeld als aussichtsreiche Anwärterin auf der Liste, nachdem sie im letzten Jahr in Durban 32:12 gelaufen war. Unterstützt vom erfahrenen Tempomacher Edwin Yano ging sie das Rennen sehr flott an und erreichte bereits nach 15:21 Minuten die 5 km-Marke. Im zweiten Teil ließ sie nur unwesentlich nach und erzielte in 31:00 die zweitbeste Zeit des Jahres, nur 3 Sekunden langsamer als die globale Bestmarke vom Januar in Valencia. Für Paderborn bedeutete dies zudem eine Verbesserung des Streckenrekords um 15 Sekunden.

Erst nach 32:44 kam die Zweite Naumi Ndolo (KEN) in 32:22 ins Ziel, bevor in 32:40 die Dritte Lilian Jelagat einlief. Beste deutsche Läuferinnen waren Deborah Schöneborn in 34:01 sowie Victoria Brandt in 34:52. Damit belegten die beiden Berlinerinnen die Plätze 7 und 9. Insgesamt waren für den 10 km-Lauf 4570 Läufer gemeldet, von denen 3861 im Ziel registriert wurden (2561 Männer, 1300 Frauen).

Im Halbmarathon waren schon im Vorfeld vergleichbare Topergebnisse wie bei den 10 km nicht zu erwarten. Bei den Männern bestimmte ein Quartett bis zur Hälfte das Rennen: der Sieger von 2011 Charles Maina, Philemon Kacherian, Bethwel Chemwono und Patrick Kimeli (alle KEN). Über 14:47 bei 5 km erreichte man die 10 km nach 29:24 und kurz darauf die Wende auf dem Heierswall. Kurz vor 11 km in 32:18 entschied ein Zwischenfall das Rennen. Ein Hund hatte sich von seiner Halterin losgerissen und griff die vier führenden Läufer an. Glücklicherweise gingen die Bisse des Hundes ins Leere und die Läufer konnten mit Mühe einen Sturz vermeiden, aber die Aktion zerriss die Spitzengruppe.

pb-osterlauf-2018-hm-11k-dogIm Halbmarathon sprengte ein Hund kurz nach der Wende die Spitzengruppe. (c) H. Winter

Mit einem schnellen Kilometer von 2:52 setzte sich Kacherian, der erst vor 14 Tagen beim Venloop in den Niederlanden 1:01:22 lief, ab und gewann über 43:58 bei 15 km überlegen die Konkurrenz in 1:01:54. Platz 2 ging an PB-Dauerstarter Charles Maina in soliden 1:02:49 und Dritter wurde Bethwel Chemweno in 1:02:54. Bei den Frauen war nur eine Kenianerin am Start, und die gewann den Halbmarathon hoch überlegen. Cynthia Cherop (KEN) lief 1:12:53, sicherlich die „schwächste“ Siegerzeit aller Wettbewerbe in Paderborn, und lag damit sehr deutlich vor Karen van Proyen (BEL) in 1:17:20. 1737 Teilnehmer hatten für den Halbmarathon gemeldet.

Ergebnisse 10 km der Männer:
1. Emmanuel Kiprono KEN 27:26
2. Douglas Kipserem KEN 28:19
3. Ezra Kering KEN 29:02
4. David Nilsson SWE 29:03
5. Moses Wamaitha KEN 29:03
6. Dominic Mibei KEN 29:04
7. Ross Millington GBR 29:04
8. Jesper Van Der Wielen NED 29:18
9. Jens Nerkamp GER 29:20
10. Benard Koech KEN 29:25
Ergebnisse 10 km der Frauen:
1. Dorcas Tuitoek KEN 31:00
2. Naumi Ndolo KEN 32:22
3. Lilian Jelagat KEN 32:40
4. Maryanne Wanjiru KEN 33:16
5. Tabitha Gichia KEN 33:50
6. Jasmijn Lau NED 33:51
7. Deborah Schöneborn GER 34:01
8. Lucie Sekanova CZE 34:50
9. Victoria Brandt GER 34:54
10. Michelle Rannacher GER 35:58
Die Splits des führenden Läufers über 10 km:
distance  split last km last 5 km projection bib#
1 km 2:44 2:44 27:20 #3
2 km  5:27 2:43 27:15
3 km 8:10 2:43 27:14
4 km  11:01 2:51 27:33
5 km 13:49 2:48 13:49 27:38  #3
6 km  16:30 2:41 27:30
7 km  19:13* 2:43  27:27
8 km 21:59 2:46  27:29
9 km 24:43 2:44  27:28
10 km 27:26 2:42  13:37  WL  #3