44. BMW Berlin Marathon am 24. September 2017: Auch Kenenisa Bekele beim „Kampf der Giganten“ dabei

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Zu dem bekannt gegebenen Duo der beiden Ausnahmeläufer Eliud Kipchoge und Wilson Kipsang (beide KEN) wird sich nun beim 44. BMW Berlin Marathon noch ein weiterer Topstar der Laufszene, der Äthiopier Kenenisa Bekele, gesellen.Damit wird bei der Männerelite ein einmaliges Spitzenfeld an den Start gehen, das in der Tat historische Dimensionen hat. Man kann am 24. September 2017 ohne Übertreibung von einem „Kampf der Giganten“ über die Marathondistanz in der deutschen Bundeshauptstadt sprechen.

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Auch der Ausnahmeläufer Kenenisa Bekele wird am 24. September 2017 beim BMW Berlin Marathon an den Start gehen. (c) H. Winter

Im unmittelbaren Vergleich der drei aktuell wohl besten Läufer über die volle Marathondistanz bleibt neben den absoluten Weltklassezeiten, die alle drei bisher erzielen konnten, anzumerken, dass sich die persönlichen Bestzeiten in einem Intervall von nur 10 Sekunden unterscheiden und alle im letzten Jahr aufgestellt worden sind: Bekele 2:03:03 (Berlin), Kipchoge 2:03:05 (London) und Kipsang 2:03:13 (Berlin). Somit muss man davon ausgehen, dass das Rennen auf Berlins Straßen eine recht offene Sache sein sollte.

b-mar-2015-kipchoge-portrait-pkEliud Kipchoge ist der Favorit auf den Sieg beim Berlin Marathon 2017. (c) H. Winter

Falls man für den 24. September so etwas wie einen Favoriten auswählen müsste, hätte Kipchoge ggfs. eine gewisse Präferenz, die vor allem auf seinen großartigen Vorstellungen im Rahmen des „Breaking2-Projekts“ auf der Autopiste in Monza beim Halbmarathon in 59:19 und dann über die volle Marathonstrecke am 6. Mai in 2:00:25 fusst. Da waren zwar wechselnde Tempomacher im Spiel, aber allein der Vergleich mit seinen damaligen Mitstreitern im Projekt, Halbmarathon-Weltrekordler Zersenay Tadese (ERI) als auch Lelisa Desisa, demonstrieren, auf welchem Ausnahme-Niveau der Kenianer agierte. Die große Frage ist, die aber erst in Berlin beantwortet werden wird, wieviel Verlust an Substanz die etwas fragwürdige Aktion des „Breaking2“-Projekts Kipchoge am Ende gekostet hat.

Bekeles Bilanz in diesem Jahr ist eher durchwachsen. In Dubai wurde er beim Start in einen Sturz verwickelt und musste später aufgeben, beim London Marathon fehlte augenscheinlich die letzte Fitness, um ein Topzeit zu erzielen und zu gewinnen. Dagegen war aber seine Vorstellung im letzten Jahr mehr als beeindruckend, wo er Wilson Kipsang – in der Nähe des Weltrekords laufend – in 2:03:03 besiegte und ein grandioses (und schnelles) Finale auf das Berliner Pflaster legte.

rak-hm-2016-finish-kipsangWilson Kipsang überzeugte im Februar beim Tokyo Marathon mit der schnellsten Zeit eines Marathonläufers auf japanischem Boden. (c) H. Winter

Kipsang wurde in jenem Rennen Zweiter in persönlicher Bestzeit von 2:03:13 und startete Ende Februar 2017 einen weiteren Angriff auf den Weltrekord beim Tokyo Marathon, wo er in 2:03:58 den japanischen All Comers Rekord in der Tat pulverisierte. Mit dieser Zeit führt Kipsang nach wie vor die aktuelle Welt-Jahresbestenliste an (Kipchoges Zeit aus Monza von 2:00:25 war nicht regelform erzielt worden). In Toyko lag er bis etwa 30 km auf Weltrekord-Kurs, musste dann aber im Schlussteil dem (zu) hohen Tempo zu Beginn Tribut zollen. Aber auch er ist ein Anwärter für ganz schnellen Zeiten, und er präsentierte sich bei seinen letzten Starts stets in Topform.

Es ist im übrigen nicht das erste Mal, dass die drei Ausnahmeathleten in einem Marathon aufeinandertreffen. Beim London Marathon im April 2016 gewann Kipchoge in persönlicher Bestzeit von 2:03:05. Dabei hatte er sich im letzten Viertel mit Stanley Biwott (KEN) von Bekele und Kipsang absetzen können. Allerdings verfügte Bekele nach langer Verletzungspause noch nicht über die ausreichende Fitness. Kipsang kollidierte mit einem (langsameren) Rollstuhlfahrer, kam zu Fall und wurde so um die Chancen zu einer besseren Platzierung gebracht. Bekele wurde damals Dritter in 2:06:36, Kisang in 2:07:32 sogar nur Fünfter. Für den Ausgang des kommenden Rennens in Berlin hat dieses Resultat aus dem letzten Jahr aber wenig zu bedeuten.

Dass die Fahrt in Berlin gleich zu Beginn in Richtung Weltrekord – den hält aktuell immer noch Dennis Kimetto mit 2:03:57, erzielt an gleicher Stelle 2014 – gehen wird, ist das erklärte Ziel des Dreikampfs an der Spitze. Somit muss dann Bekele auch nicht bei einem möglichen Start zu einem späteren Zeitpunkt an anderer Stelle einen bereits verbesserten Weltrekord jagen, sondern hat in Berlin das Heft des Handeln in gewissen Grenzen in der eigenen Hand. Sollte Bekele gewinnen und das auch noch mit neuem Weltrekord, dann hätte erstmals in der Geschichte des Laufsports ein Läufer die Weltrekorde über 5000 m, 10000 m sowie im Marathon in seinen Händen. Soetwas gab es in der (Lauf-)Geschichte noch nie!

b-marathon-2016-mark-milde-pkDer Berliner Race Director Mark Milde freut sich auf einen historischen Dreikampf beim Berlin Marathon am 24. September 2017. (c) H. Winter

Somit kann man den Ausführungen des Berliner Race Directors Mark Milde, der seit 1999 u.a. für die Verpflichtung der Topläufer zuständig ist, nur beipflichten: „Dies ist eine Traum-Konstellation. Nicht oft gibt es die Gelegenheit, dass die drei aktuell stärksten Marathonläufer der Welt in einem Rennen aufeinander treffen. Als Organisatoren wünschen wir uns gutes Wetter und einen spannenden Rennverlauf.“

Freuen wir uns auf eine Sternstunde des Marathonlaufs.

Aufstellung der Marathonläufe der drei Topstars des BMW Berlin Marathon:

(c) hw Kenenisa Bekele Eliud Kipchoge Wilson Kipsang
2017 – Dubai: DNF
– London: 2:05:57
– Monza: „2:00:25“ – Tokyo: 2:03:58
2016 – Berlin: 2:03:03
– London: 2:06:36
– London: 2:03:05
– Rio (OG): 2:08:44
– Berlin: 2:03:13
– London 2:07:52
2015 – Dubai: DNF – Berlin: 2:04:00
– London: 2:04:42
– London: 2:04:47
– NY City: 2:12:45
2014 – Paris: 2:05:00
– Chicago: 2:05:51
– Chicago: 2:04:11
– Rotterdam: 2:05:00
– London: 2:04:29
– NY City: 2:10:59
2013 – Berlin: 2:04:05
– Hamburg: 2:05:30
– Berlin: 2:03:23
– London: 2:07:47
2012 – London: 2:04:44
– London (OG): 2:07:37
– Honolulu 2:12:31
2011 – Frankfurt: 2:03:42
– Otsu: 2:06:13
2010 – Frankfurt: 2:04:57
– Paris: 2:07:13