16. Leichtathletik WM in London am 5. August 2017: Usain Bolt gewinnt (nur) Bronze über 100 m – This was it!

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In seinem letzten Start über 100 m war es dem Superstar der Leichtahletikszene Usain Bolt (JAM) nicht vergönnt, sein Karriereende mit einem Erfolg und einer weiteren Goldmedaille zu krönen. Im Finale der WM 2017 in London hatte der Meister aus Jamaika zu keiner Phase des Rennens eine Chance und lag zur Hälfte so deutlich zurück, dass der Rückstand nicht mehr aufzuholen war. Sieger im Finale wurde Justin Gatlin (USA) in 9,92 vor Christian Coleman (USA) in 9,94. Usain Bolt gewann zum ersten Mal in seiner Karriere (nur) eine Bronzemedaille in 9,95.

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Nach der Hälfte des Rennens lag Bolt somit hinter Coleman zurück, dass an seiner Titelverteidigung kaum noch zu denken war. (c) BBC-Screenshot

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Alles Strecken im Ziel war vergebens, Usain kam zu spät und verpasste den Sieg zwar knapp aber eindeutig. (c) BBC-Screenshot

Während aber Bolt von der Menge gefeiert wurde, wurde der Sieger wegen seiner Doping-Vergangenheit ausgebuht und kauerte lange in sich versunken auf der Bahn, bevor Bolt kam, um ihm zu gratulieren. Bereits im Jahr 2005 in Helsinki war Gatlin Doppel-Weltmeister geworden, im Jahr zuvor wurde er Olympia-Sieger über die 100 m in Athen. Seine Dopingaffären erschienen in der Öffentlichkeit recht diffus und wurden nie richtig aufgearbeitet. Deshalb auch die Vorbehalte des Publikums im Londoner Olympia-Stadion. Andererseits sollte man auch die entsprechenden Entscheidungen der Verbände und Gremien respektieren, die seinen Fall (hoffentlich) gründlich analysiert und aufgearbeitet haben. Oder muss die Spürnase und „ARD-Doping-Experte“ Hajo Seppelt erst wieder in die Spur geschickt werden …

wm-2017-london-100m-men-winner-gatlinDer wegen seiner Doping-Vergangenheit wenig geliebte neue Weltmeister im Männer-Sprint: Justin Gatlin (USA). (c) BBC-Screenshot

Damit geht eine Karrierre zu Ende, die als einmalig bezeichnet werden muss, andererseits aber auch der gesamten Leichtathletik ein derartiges Diktat aufbürdete, dass man das kaum noch positiv einschätzen konnte. Dazu gehörte in den letzten Jahren seine (wenigen) Starts gegen „auserlesene“ Konkurrenz, um seine Siege nicht zu gefährden. Sein letzter Start vor London beim Diamond League Sportfest in Monaco geriet zu Posse, als man den Kanadier DeGrasse in die Staffel verbannte. Aber schon dort war klar zu erkennen, dass ein erneuter Titelgewinn in London kein Selbstläufer werden würde.

wm-2017-london-100m-men-goodbye-boltKönig Usain verabschiedet sich von den Fans nach einer langen und einmaligen Karriere. (c) BBC-Screenshot

Usain Bolt gewann in seiner Karriere acht Titel bei Olympischen Spielen, war elfmal bei Weltmeisterschaften siegreich und hält die Weltrekorde über 100 Meter, 200 Meter und in der 4 x 100-Meter-Staffel. Bei der WM hatte er auf der kurzen Sprintstrecke 2009, 2013 und 2015 Gold geholt, 2011 wurde er wegen eines Fehlstarts disqualifiziert. Sein zwölftes WM-Gold kann Bolt aber noch in einer Woche mit Jamaikas Sprintstaffel gewinnen.

wm-2017-london-100m-men-winning-ceremonyDie Medaillengewinner im 100 m-Lauf der Männer nach der Siegerehrung am Abend nach dem Rennen: Coleman, Gatlin und Bolt (v.l.). (c) BBC-Screenshot

This was it! Und man sollte im internationalen Leichtahtletik-Zirkus schnellstens realisieren, dass es auch Athleten und ein Leben „nach Bolt“ gibt. Mit oder ohne Bolt, die Ära der ganz schnellen Zeiten im Männersprint scheinen erst einmal vorbei zu sein.

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Und wohin die Leichtathletik mittlerweile in der öffentlichen Akzeptanz gesunken ist, verdeutlichen nüchterne Quoten vom Samstagabend, wo der Fussball-Super-Cup im ZDF direkt gegen die WM im Ersten konkurrierte. 6,75 Millionen waren bei dem eigentlich unbedeutenden Gekicke Dortmund – Bayern dabei, Usain Bolt wollten gerade einmal 2,77 Millionen sehen (Quelle: Quotenmeter.de).