Diamond League Meetings in Rabat und Monaco – 3000 m Hindernislauf der Männer: Umwälzungen auf der Paradestrecke der Kenianer

 

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Gut zwei Wochen vor dem Start der Leichtathletik-WM in London scheint sich nach den Diamond League Meetings in Rabat und Monaco an den letzten beiden Freitagen eine Wachablösung der besonderen Art anzustehen. Der 3000 m-Hindernislauf war seit vielen Jahren die Paradestrecke der Kenianer, die die Athleten dieses Landes fast im Monopol beherrschten. ALLE Weltmeister über diese Disziplin seit dem Jahr 1991 (wenn man den Staatenwechsler Stephen Cherono als Kenianer zählt) sowie ALLE Olympiasieger seit 1984 kamen aus Kenia. Bei der letzten WM im Jahr 2015 feierte man einen Dreifacherfolg, wobei aber schon bei den letzten Olympischen Spiele in Rio de Janeiro diese Dominanz zu schwinden begann.

Olympiasieger im 3000 m-Hinderlauf der Männer: (Quelle:Wikipedia)
1984 Kenia Julius Korir Frankreich Joseph Mahmoud Vereinigte Staaten Brian Diemer
1988 Kenia Julius Kariuki Kenia Peter Koech Vereinigtes Königreich Mark Rowland
1992 Kenia Matthew Birir Kenia Patrick Sang Kenia William Mutwol
1996 Kenia Joseph Keter Kenia Moses Kiptanui Italien A. Lambruschini
2000 Kenia Reuben Kosgei Kenia Wilson Boit Kipketer Marokko Ali Ezzine
2004 Kenia Ezekiel Kemboi Kenia Brimin K. Kipruto Kenia Paul Kipsiele Koech
2008 Kenia Brimin K. Kipruto Frankreich M. Mekhissi-Benabbad Kenia Richard K. Mateelong
2012 Kenia Ezekiel Kemboi Frankreich M. Mekhissi-Benabbad Kenia Abel Mutai
2016 Kenia Conseslus Kipruto Vereinigte Staaten Evan Jager Frankreich M. Mekhissi-Benabbad
Weltmeister im 3000 m-Hinderlauf der Männer: (Quelle:Wikipedia)
1991 Kenia Moses Kiptanui Kenia Patrick Sang Algerien Azzedine Brahmi
1993 Kenia Moses Kiptanui Kenia Patrick Sang Italien A. Lambruschini
1995 Kenia Moses Kiptanui Kenia Christopher Koskei Saudi-Arabien Saad S. Al-Asmari
1997 Kenia Wilson B. Kipketer Kenia Moses Kiptanui Kenia Bernard Barmasai
1999 Kenia Christopher Kosgei Kenia Wilson B. Kipketer Marokko Ali Ezzine
2001 Kenia Reuben Kosgei Marokko Ali Ezzine Kenia Bernard Barmasai
2003 Katar Saif S. Shaheen
Kenia Ezekiel Kemboi Spanien Eliseo Martin
2005 Katar Saif S. Shaheen
Kenia Ezekiel Kemboi Kenia Brimin K. Kipruto
2007 Kenia Brimin K. Kipruto Kenia Ezekiel Kemboi Kenia Richard K. Mateelong
2009 Kenia Ezekiel Kemboi Kenia Richard K. Mateelong Frankreich Bouabdellah Tahri
2011 Kenia Ezekiel Kemboi Kenia Brimin K. Kipruto Frankreich M. Mekhissi-Benabbad
2013 Kenia Ezekiel Kemboi Kenia Conseslus Kipruto Frankreich M. Mekhissi-Benabbad
2015 Kenia Ezekiel Kemboi Kenia Conseslus Kipruto Kenia Brimin K. Kipruto

Damit ist (war?) der 3000 m-Hindernislauf die Laufdisziplin, in der die Sieger und in der Regel auch die Nächstplatzierten so gut wie gesetzt waren. Allerdings drang schon in den letzten Jahren der Franzose Mahiedine Mekhissi-Benabbad in die Regionen der Kenianer vor, in Rio im August des letzten Jahres gewann der US-Amerikaner Evan Jager sogar die Silbermedaille und brachte auch bei den Sportfesten die Kenianer an den Rand von Niederlagen.

dl-monaco-2017-steeple-yager-kenyansEvan Jager am letzten Freitag mit den „Kenianern“ im Schlepptau beim Diamond League Meeting in Monaco. (c) Screenshot

Und es ist vor allem dieser Evan Jager, der spätestens seit dem Meeting in Monaco andeutete, dass der Sieg bei der WM für die kenianischen Läufer keinesfalls der Regelfall werden wird. Dazu war die Vorstellung des (weißen) Mannes aus den USA einfach zu souverän. Nachdem das schnelle Anfangstempo von etwa 2:37 Minuten für eine Zeit unter 8 Minuten auf dem zweiten Kilometer nach 5:25,4 nicht gehalten wurde, setzte sich Jager an die Spitze und diktierte das Renngeschehen.

dl-monaco-2017-steeple-last-lapAls es in die letzte Runde nach 7:00,6 ging, war Jager den Boys aus Kenia schon weit enteilt.

Jager drückte nun enorm aufs Tempo, was bei den Mitläufern deutliche Konsequenzen zeigte. Das Quartett an der Spitze brach auseinander, Jager vergrößerte schnell seinen Vorsprung auf ein Trio, das eingangs der letzten Runde schon über 10 Meter zurücklag. Die letzte Runde um 60 Minuten (die letzten beiden Runden in 2:03,3) kamen einer Demontage der Konkurrenz gleich. Ungefochten gewann Jager in am Ende noch hochklassigen 8:01,29. Damit ist er nicht nur der Schnellste des Jahres 2017, sondern landete den ersten Sieg über diese Distanz eines „weißen Mannes“ bei einem Diamond League Sportfest. Weit dahinter lagen Jairus Birech (KEN) mit 8:07,68 und Stanley Kebenei (USA mit kenianischen Wurzeln) mit 8:08,30 zurück.

dl-monaco-2017-steeple-finishJager überwand ohne Probleme das letzte Hindernis auf der Zielgeraden und deklassierte die gesamte Konkurrenz. (c) Screenshot

Ergebnisse 3000 m-Hindernislauf DL-Meeting Monaco 21.7.2017
1. Evan JAGER USA 8:01.29
2. Jairus Kipchoge BIRECH KEN 8:07.68
3. Stanley Kipkoech KEBENEI USA 8:08.30
4. Benjamin KIGEN KEN 8:11.38
5. Amos KIRUI KEN 8:15.91
6. Andrew BAYER USA 8:19.27
7. Hillary BOR USA 8:25.88
8. Abraham KIBIWOTT KEN 8:32.39
9. Djilali BEDRANI FRA 8:33.02
10. Haron Kiptoo LAGAT KEN 8:36.04
11. Matthew HUGHES CAN 8:38.72
12. Mitko TSENOV BUL 8:44.91
Justus Kipkorir LAGAT KEN DNF
Bouabdellah TAHRI FRA DNF
Conseslus KIPRUTO KEN DNS

Der Olympiasieger von Rio, Conseslus Kipruto (KEN), war wegen einer leichten Verletzung in Monaco nicht am Start, aber auch er ging in der Woche zuvor beim Diamond League Sportfest im marokkanischen Rabat unter, als der erst 18-jährige der Lokalmatador Soufiane Elbakkali gleichfalls die gesamte kenianische Macht düpierte und ähnlich überlegen das Rennen gewann. Am 8. Juni in Rom hatte Kipruto den Marokkaner in 8:04,63 noch knapp geschlagen, in Rabat drehte Elbakkali in Bestzeit von 8:05,12 die Dinge um, was noch lange nicht das Limit für den Jungstar sein dürfte. Kipruto erreichte das Ziel nach einer leichten Verletzung am Fuß nicht.

dl-rabat-2017-3000m-steeple-finishIn Rabat deklassierte der Marokkaner Elbakkali die (kenianische Konkurrenz) sehr deutlich. (c) Sreenshot

Auch der Blick in die Jahres-Weltbestenliste für 2017 für den 3000 m Hindernislauf belegt, dass es mit der kenianischen Herrlichkeit in dieser Disziplin nicht gut bestellt ist. Zum einen beruhen die aktuellen Entwicklungen auf den beiden Ausnahmeathleten Jager und Elbakkali, ferner hat man aber in Kenia auch angesichts der Dominanz über die diese Distanz die Zügel etwas schleifen lassen, was schon an dem aktuellen Leistungsniveau abzulesen ist, wie es die nachstehende Bestenliste des Jahres reflektiert.

Man kann sich bei der WM in London auf spannende Rennen über diese Distanz freuen. Die Vorläufe finden am Sonntag (6. August) ab 10:05 Uhr statt, das Finale gibt es dann um 21:10 Uhr am Dienstag (8. August). Es würde kaum überraschen, wenn bei der Siegerehrung am selben Abend um 21:40 Uhr zum ersten Mal seit langer Zeit kein Kenianer mehr auf dem obersten Treppchen des Podiums stehen würde.

Jahres-Weltbestenliste 2017 über 3000 m-Hindernis der Männer:
1. 8:01.29 Evan Jager  USA Monaco 21.7.2017
2. 8:04.63 Conseslus Kipruto  KEN Rom 08.6.2017
3. 8:05.12 Soufiane Elbakkali  MAR Rabat 16.7.2017
4. 8:05.17 Soufiane Elbakkali  MAR Rom 08.6.2017
5. 8:07.68 Jairus Kipch. Birech  KEN Monaco 21.7.2017
6. 8:07.84 Jairus Kipch. Birech  KEN Rom 08.6.2017
7. 8:08.30 Stanley Kipk. Kebenei  USA Monaco 21.7.2017
8. 8:08.37 Amos Kirui  KEN Rom 08.6.2017
9. 8:10.11 Jairus Kipch. Birech  KEN Marseille 03.6.2017
10. 8:10.62 Abraham Kibiwott  KEN Marseille 03.6.2017