71. Paderborner Osterlauf am 15. April 2017: Benard Kimeli (KEN) läuft Fabelzeit über 10 km

pb-osterlauf-2017-logoDer Kenianer Benard Kimeli sorgte beim 71. Paderborner Osterlauf mit der Fabelzeit von 27:18* für das Highlight der Veranstaltung. Damit wurde nach fast 25 Jahren der Uralt-Rekord mit 27:47 von Carsten Eich regelrecht „pulverisiert“. Und auch bei den Frauen sorgte Gladys Kimaina (KEN) in gleichfalls beachtlichen 31:15 für eine neue Bestmarke auf der Paderborner 10 km-Strecke.

Dabei meinte es das Wetter am Ostersamstag mit den Osterläufern nicht besonders gut, es regnete zum Teil in Strömen und es wehte ein zum Teil stark böiger Wind. Eigentlich keine Bedingungen für schnelle Zeiten. Und so war der erste Split im 10 km-Lauf bei 1 km von 2:56 nicht überraschend, man war auf Kurs zu einer Zeit von 29 Minuten. Der Streckenrekord von Carsten Eich aus dem Jahr 1993 von 27:47 schien (wieder einmal) außer Reichweite. Dieser Status änderte sich bereits auf dem folgenden km in 2:43, wo eine zehnköpfige Spitzengruppe 2 km nach 5:39 erreichte. Schnell war auch der nächste km in 2:42. Damit war man bereits auf Kurs zu 27:50 Minuten. Unmittelbar nach 3 km fiel bereits die Vorentscheidung.

Von den drei Läufern an der Spitze – Kimeli, Bernhard Kipkemoi (KEN) und Emmanuel Kiprono (KEN) – löste sich scheinbar mühelos Kimeli und hatte bei 4 km in 11:05 bereits einen Vorsprung von etwa 50 m herausgelaufen. In dem virtuellen Duell mit Streckenrekordler Eich, der damals 4 km nach 10:43 durchlief, lag Kimeli aber noch weit zurück. Dieser Rückstand bestand auch bei 5 km in 13:48 noch, für die Eich seinerzeit 13:37 brauchte. Danach änderte sich die Situation maßgeblich. Während Eich im Jahr 2003 im zweiten Part etwas einbrach, konnte Kimeli sogar noch zulegen. Wie ein Uhrwerk spulte der Kenianer trotz strömendem Regens und wechselden Winden die km-Abschnitte herunter. Von 4 km bis 9 km betrugen alle (!) km-Splits 2:42. Dabei war er an der Spitze völlig auf sich allein gestellt, seine beiden engsten Verfolger lagen bei 5 km schon 15 Sekunden zurück und verloren am Ende fast eine volle Minute auf den Spitzenreiter.

pb-osterlauf-2017-10k-kimeli-5_5kmBenard Kimeli (KEN) bei strömendem Regen kurz nach der 5 km-Marke im 10 km-Lauf. Hinter ihm auf dem Motorrad der sportliche Leiter Christoph Kopp. (c) H. Winter

Als Kimeli vor dem Inselbadstadion, Austragungsort des Osterlaufs bis in die 1990er Jahre, die 8 km nach 21:53 erreichte, hatte er Eich bereits „überholt“, der bei 8 km (war damals am Schützenplatz) mit 22:10 nun deutlich zurücklag. Und auf den letzten beiden km ließ Kimeli nicht nach, mit Splits von 2:42 und 2:43 durchriss er das Zielband auf dem Heierswall nach 27:18. Damit war der Uralt-Rekord im Sinne des Wortes „pulverisiert“. Damit war das Erstaunen im Ziel groß, zumal der Sieger in der Startliste mit Nummer „17“ nur weit unten zu finden war. Kimeli wird vom Ikaika Managment von RUNCzech betreut und war in den Listen nur mit einer 12 km-Zeit von 36:49 als Fünfter in der Läuferhochburg Eldoret (KEN) in 2200 m Seehöhe notiert.

Er ist derzeit zum ersten Mal in Europa, hat sich bezüglich des Trainings auch von Paul Tergat beraten lassen, wobei er erst seit November 2016 wieder einem gezielten Training nachgeht, nachdem er für ein Jahr als Wildhüter in einem Nationalpark tätig war. Und natürlich darf auch diese Story nicht fehlen: Acht Jahre ging (besser: lief) er zur Schule, die 7 km entfernt war. Die Konsequenzen dieses frühen Trainings waren am Samstag überaus sichtbar. Vielleicht haben wir in Paderborn – und das wäre nicht das erste Mal – die Geburt eines läuferischen Superstars miterleben können. Leider sehen wir danach die Abel Kiruis, Roger Rops oder Ghirmay Ghebreslassies anschließend an der Pader nie mehr wieder ….

Hinter Kimeli ging das Feuerwerk der „Namenlosen“ weiter. Mit Startnummer „26“ wurde Benard Kipkemoi (KEN) Zweiter in 28:13 und Emmanuel Kiprono (KEN) bei seinem Debüt über 10 km Dritter in 28:18. Der Mann mit der schnellsten Vorleistung Amos Kurgat (KEN, PB 28:10) belegte Platz 4 in 28:56 und Philimon Maritim (KEN, PB 28:20) in 28:59.  Somit blieben 5 Läufer unter 29 Minuten, für Paderborn eher ein schwächeres Resultat, 16 Läufer liefen unter einer halben Stunde ein. Darunter auch als beste deutsche Läufer Philipp Reinhardt in 29:27, Jens Nerkamp (Kassel) mit Bestzeit von 29:38, Lukas Eisele in 29:52 sowie der neue deutsche Halbmarathon-Meister Philipp Baar (ART Düsseldorf) in 29:55.

pb-osterlauf-2017-10k-kimainaAuch bei den Frauen lief Gladys Kimaina (KEN) einen neuen Streckenrekord. (c) H. Winter

Einen Streckenrekord gab es auch im 10 km-Lauf der Frauen, den Gladys Kimaina in 31:15 gewann und damit die Bestmarke auf dem Paderborner Kurs von 31:19 durch Lenah Cheruiyot aus dem Jahr 2002 um vier Sekunden unterbot. Sofiya Chegen (ETH) wurde in 31:23 Zweite und Naom Jebet (KEN) in 31:49 Dritte. Damit verbesserten alle Erstplatzierten ihre persönlichen Bestzeiten, auch Jebet mit der schnellsten Vorleistung von 31:57. Beste deutsche Läuferin wurde auf Platz 10 Katharina Heinig mit 33:42.

  Ergebnisse 10 km der Männer:
1. Kimeli, Benard (KEN) 00:13:48 00:27:18 CR
2. Kipkemoi, Benard (KEN) 00:14:03 00:28:13
3. Kiprono, Emmanuel Kipchirchir (KEN) 00:14:06 00:28:18
4. Kurgat, Amos Kibiwot (KEN) 00:14:21 00:28:56
5. Maritim, Philimon Kipkorir (KEN) 00:14:22 00:28:59
6. Kiptarus, Dominic (KEN) 00:14:36 00:29:16
7. Ali Elmi, Abdillahi (DJI) 00:14:31 00:29:19
8. El Jaddar, Ahmed (MAR) 00:14:37 00:29:20
9. Reinhardt, Philipp (GER) 00:14:52 00:29:27
10. Chemweno, Bethwel (KEN) 00:14:31 00:29:31
11. Maina, Charles Wachira (KEN) 00:14:46 00:29:35
12. Kering, Ezra Kipchumba (KEN) 00:14:30 00:29:39
13. Nerkamp, Jens (GER) 00:14:51 00:29:39
14. Eisele, Lukas (GER) 00:14:58 00:29:54
15. Baar, Philipp (GER) 00:14:51 00:29:56
16. Berye, Ybekal Daniel (ETH) 00:14:51 00:29:59
17. Clarkson, Fabian (GER) 00:14:51 00:30:03
18. Schwiegelshohn, Fynn (GER) 00:15:14 00:30:14
19. Uya, Abdi (ETH) 00:14:57 00:30:18
20. Kfle, Biemnet (ERI) 00:14:57 00:30:31
Inoffizielle Splits des führenden Läufers
(10 km-Lauf):
distance  split last km last 5 km projection
1 km 2:56 2:56 29:20
2 km  5:39 2:43 28:15
3 km 8:21 2:42 27:50
4 km  11:05 2:44 27:43
5 km 13:47 2:42 13:47 27:34
6 km  16:29 2:42 27:29
7 km  19:11 2:42  27:25
8 km 21:53 2:42  27:22
9 km 24:35 2:42  27:19
10 km 27:18 2:43  13:31  CR
Weltjahresbestenliste 10 km Straße Männer (Quelle: IAAF):
1. 27:18 Benard Kimeli  KEN Paderborn 15 APR 2017
2. 27:52 Nicholas Mboroto Kosimbei  KEN Valencia, ESP 08 JAN 2017
2. 27:52 Bedan Karoki Muchiri  KEN Ras Al Khaimah 10 FEB 2017
2. 27:52 Solomon Kirwa Yego  KEN Ras Al Khaimah 10 FEB 2017
2. 27:52 Augustine Kiprono Choge  KEN Ras Al Khaimah 10 FEB 2017
2. 27:52 Kenneth Keter  KEN Ras Al Khaimah 10 FEB 2017
7. 27:53 Yigrem Demelash  ETH Ras Al Khaimah 10 FEB 2017
8. 27:59 Stephen Omiso Arita  KEN Laredo, ESP 18 MAR 2017
9. 28:02 Shadrack Korir Kimining  KEN Ras Al Khaimah 10 FEB 2017
10. 28:03 Daniel Kinyua Wanjiru  KEN Ras Al Khaimah 10 FEB 2017
 Ewige Weltbestenliste 10 km Straßenlauf der Männer (Quelle: IAAF):
1. 26:44 Leonard Patrick Komon  KEN Utrecht 26 SEP 2010
2. 27:01 Micah Kipkemboi Kogo  KEN Brunssum 29 MAR 2009
3. 27:02 Haile Gebrselassie  ETH Doha 11 DEC 2002
4. 27:04 Joseph Kimani  KEN Atlanta, GA 04 JUL 1996
4. 27:04 Josphat Kiprono Menjo  KEN Barcelona 18 APR 2010
27:07 Micah Kipkemboi Kogo  KEN Brunssum 01 APR 2007
6. 27:09 Peter Kamais Lotagor  KEN Tilburg 06 SEP 2009
27:10 Leonard Patrick Komon  KEN Utrecht 27 SEP 2009
7. 27:11 Sammy Kipketer Cheruiyot  KEN New Orleans 30 MAR 2002
7. 27:11 Sammy Kirop Kitwara  KEN Utrecht 26 SEP 2010
9. 27:15 James Ndirangu Mwangi  KEN København 18 SEP 2016
10. 27:18 Benard Kimeli  KEN Paderborn 15 APR 2017
11. 27:19 Moses Ndiema Masai  KEN San Juan, PUR 28 FEB 2010
11. 27:19 Geoffrey Kiprono Mutai  KEN Boston, MA 26 JUN 2011
13. 27:22 Martin Irungu Mathathi  KEN Brunssum 28 MAR 2010
13. 27:22 Joseph Ebuya  KEN Portsmouth 24 OCT 2010
15. 27:23 Mark Nenow  USA New Orleans, LA 01 APR 1984
Ergebnisse 10 km der Frauen:
1. Kimaina, Gladys (KEN) 00:15:30 00:31:15 CR
2. Chegen, Sofiya Shemsu (ETH) 00:15:49 00:31:23
3. Jebet, Naom (KEN) 00:15:49 00:31:49
4. Atudonyang, Jackline (KEN) 00:16:12 00:32:20
5. Wanjiru, Maryanne Wangari (KEN) 00:16:15 00:32:36
6. Njoroge, Martha Wanjiku (KEN) 00:16:18 00:32:57
7. Beyan, Tsehay Gemechu (ETH) 00:16:27 00:33:07
8. Cherotich, Daisy (KEN) 00:16:21 00:33:07
9. Chepkwony, Betty Jematia (KEN) 00:16:29 00:33:10
10. Heinig, Katharina (GER) 00:17:04 00:33:42
11. Sussmann, Jana (GER) 00:17:03 00:33:51
12. Themann, Tabea (GER) 00:17:00 00:33:54
13. Gamachu, Ferahiwat (BEL) 00:17:05 00:33:57
14. Chebet, Rachael Zena (UGA) 00:17:04 00:34:13
15. Brandt, Victoria (GER) 00:17:08 00:34:35
Ergebnisse Halbmarathon der Männer:
1. Kimeli, Patrick (GER) 01:02:28
2. Maina, Paul Muchemi (KEN) 01:02:40
3. Kurui, Dickson (KEN) 01:04:37
4. Sang, Simion Kiprop (KEN) 01:06:14
5. Lehmann, Jonas (GER) 01:07:54
6. Kohlwes, Sebastian (GER) 01:10:01
7. Bunte, Marian (GER) 01:12:31
8. Aselmeyer, Holger (GER) 01:16:06
9. Jäger, René (GER) 01:16:32
10. Dr. Wilms, Robert (GER) 01:16:44
Ergebnisse Halbmarathon der Frauen:
1. Gichia, Tabitha Wambui (KEN) 01:10:08
2. Kioko, Eunice Mumbua (KEN) 01:10:31
3. Wanjiku, Mary Njoki (KEN) 01:12:44
4. Kibet, Ivy (KEN) 01:12:50
5. Ojstersek, Svenja (GER) 01:18:37
6. Sporleder, Manuela (GER) 01:27:45