70 Jahre Paderborner Osterlauf am 26. März 2016: „Blowin´in the wind“ – Bei einem grandiosen Jubiläum verhindert starker Wind (noch) bessere Zeiten

pb-osterlauf-2016-logoKeine Frage, das 70. Jubiläum des Paderborner Osterlaufs war ein großer Erfolg, was sich schon an den Teilnehmerzahlen absehen lässt. Insgesamt ca. 11700 Teilnehmer wurden in den diversen Wettbewerben gezählt, das Sportzentrum am Maspernplatz kommt zwar immer deutlicher an die Kapazitätsgrenzen, aber die Dinge laufen immer noch reibungslos und sprechen nach wie vor als ideale Lokalität für diese Veranstaltung. Dazu hatten die Veranstalter unglaubliches Glück mit dem Wetter, das an den Tagen davor und danach dem sprichwörtlichen westfälischen Schmuddelwetter recht nahe kam. Christian Stork und sein Team müssen vermutlich über besondere Beziehungen zu woimmer hin verfügen, um solch einen wunderschönen Frühlingstag zu erwischen. Allerdings bedeutet ideales (Lauf-)Wetter neben angenehmen Temperaturen im 15°C Regime und strahlend blauem Himmel auch geringer Luftaustausch, sprich Wind. Und das war am Samstag ein Problem, denn aus südöstlicher Richtung wehte ein strammer Wind, der insbesondere in den recht freien Passagen in der Stadtheide und entlang des Fürstenwegs leistungshemmend wirkte.

pb-osterlauf-2016-startKurz vor dem Start für den 10 km Lauf, der weit weg von den Tribünen am Ende der langen Geraden auf dem Heierswall erfolgt. Starthelfer, wie hier die Recken von den Paderborn Dolphins gehören bei Eliteläufern allerdings nicht in die erste Reihe.  (c) W. Philipp

Somit war dem Unterfangen, den Kursrekord von Carsten Eich von 27:47 aus dem Jahr 1993 zu unterbieten, keine guten Chancen einzuräumen. Zudem war das Feld von den Vorleistungen her nur bedingt in der Lage, in diesen Regionen zu agieren. Schon nach dem ersten Kilometer, auf dem der Keniaer Chemweno und Arne Gabius das Tempo machten, drohte das Unternehmen zu scheitern. 2:56 zeigten die Uhren auf der Brücke einer Bahnüberführung, das war fast 10 Sekunden zu langsam. Vor allem auch durch die Initiative von Gabius und dem Wind im Rücken wurde man deutlich schneller, mit km-Abschnitten von 2:46 und vor allem 2:40 erreichte man 3 km in 8:22. Das war plötzlich im Soll, man war auf Kurs zu einer Zeit von 27:54; für einen Angriff auf die Rekordmarke war das nahezu perfekt.

pb-osterlauf-2016-start-gabiusArne Gabius, hier beim Start zusammen mit dem späteren Sieger Yegon machte im ersten Teil maßgeblich die Tempoarbeit an der Spitze.  (c) W. Philipp

Es gehört zu den Kuriosa dieses Rennens, dass man nach dieser Aufholjagd genauso schnell die Zeit auf den Rekord verlor. Als es nach gut 3 km auf dem Bayernweg und Dr. Rörig-Damm aus der Stadtheide zurück Richtung Stadt ging, blies der siebenköpfigen Spitzengruppe ein scharfer Wind aus Südosten entgegen. Und das zeigte Wirkung. Mit km-Abschnitten von 3:03 (!) und 2:58 erreichte man am Ende der Bahnüberführung die 5 km nach 14:23, damit war der Streckenrekord so gut wie dahin. Carsten Eich, der allerdings 1993 das Rennen damals fast zu schnell anlief, passierte diese Marke schon nach 13:32.

Gabius drückte nun aufs Tempo und nach 6 km in 17:10 fielen erst Eyob Solomun (SG Wenden) und dann auch David Bett zurück. Die Entscheidung fiel dann an der 8 km Marke (22:51), wo der Kenianer Geoffrey Yegon plötzlich einen Zwischenspurt einlegte, der die Fünfergruppe schnell auseinanderriss. Auch Gabius blieb zurück und agierte zunächst an Position 4. Yegon, der sich erstmals in Europa aufhielt und am Sonntag zuvor beim Venloop als Sieger im Halbmarathon mit einer Zeit von 59:44 glänzte, entfernte sich scheinbar mühelos von seinen Mitstreitern und war nach einem Kilometer in 2:43 weit enteilt. Unangefochten lief er seinem ersten Sieg über 10 km in 28:22 entgegen. Am letzten Sonntag in Venlo war seine Durchgangszeit – bei allerdings besseren Bedingungen – um 3 Sekunden schneller.

pb-osterlauf-2016-winner-10kGeoffrey Yegon (KEN) gewann überlegen den 10 km Lauf in 28:22.  (c) W. Philipp

Der Kampf um Platz 2 wurde fast unerwartet auf den letzten Metern noch einmal spannend, denn mit einem fulminanten Spurt fing Arne Gabius in 28:41 Alex Kapcheromit (UGA) in 28:42 vor der Zielline ab.

pb-osterlauf-2016-10k-second-gabiusArne Gabius sicherte sich nach einem grandiosen Zielsprint Platz 2.  (c) W. Philipp

Mit Gebriel Geay (TZA) in 28:46 blieben diesmal nur vier Läuferin in Paderborn unter 29 Minuten. Eyob Solomun (SG Wenden) fiel am Ende weit zurück und wurde in 29:27 Siebter, Jens Nerkamp (PSV Grün Weiß Kassel) belegte in 30:00 Platz 9, Sebastian Reinwand (ASICS Team Memmert) in 30:09 Platz 10.

pb-osterlauf-2016-10k-winnersDie Erstplatzierten im 10 km Lauf beim Paderborner Osterlauf: Gabius, Yegon und Kapcheromit (v.l.). (c) W. Philipp

Im 10 km Lauf sorgte die Norwegerin Karoline Grovdal 30 Jahre nach der legendären Grete Waitz für das leistungssportliche Highlight der Veranstaltung. In einem einsamen Rennen zog die Norwegerin der Konkurrenz davon und lag nach 5 km in 15:46 fast 20 Sekunden vor Susan Jeptoo (FRA) und Dorcas Kithome (KEN). Eine dreiviertel Minute lag hier eine Gruppe mit Katharina Heinig und Gesa Krause zurück. Mit zwei fast gleichen Hälften deklassierte Grovdal die Konkurrenz in 31:36, was neben den (ungesicherten) Zeiten aus Casablanca und den Splits beim RAK Halbmarathon die schnellste 10 km Zeit des Jahres darstellt, eine in der Tat großartige Leistung. Zum Streckenrekord in Paderborn von Lenah Cheruiyot fehlten nur 14 Sekunden.

pb-osterlauf-2016-10k-winner-fmaleKaroline Grovdal (NOR) sorgte für das leistungssportliche Highlight beim Paderborner Osterlauf 2016.  (c) W. Philipp

Beim Halbmarathon waren die Elitefelder recht überschaubar, trotzdem waren die Leistungen am Ende durchaus beachtlich. Mit einem Paukenschlag begann der Lauf der Männer, wo der Ex-Streckenrekordler Charles Maina (KEN) zu Beginn mächtig aufs Tempo drückte, so dass nur noch drei, bald sogar nur noch zwei Mitstreiter folgen konnten. Dahinter tat sich zum Fünften, dem Belgier Caelen, eine große Lücke auf. Die Spitzengruppe legte die ersten beiden km in jeweils 2:46 zurück und befand sich damit auf Weltrekordkurs. Doch dies sollte sich schon bald in realistischere Regionen entwickeln. Aber bei 5km nach 14:13 war man immerhin 10 Sekunden schneller als die Durchganszeit im 10 km Lauf.

pb-osterlauf-2016-hm-spitze-1kmDas Führungstrio Maina, Korir und Cherop in der frühen Phase des Halbmarathon.  (c) W. Philipp

Bei 10 km war die Fahrt schon deutlich langsamer geworden. Bei einem Split von 29:00 lag man schon auf Kurs von über 61 Minuten. Die Entscheidung fiel kurz nach der 12 km Marke, wo sich Nicholas Korir (KEN) schnell absetzen konnte. Aber so richtig schnell wie zu Beginn wurde das Rennen auch durch seinen Antritt nicht mehr. Im Ziel blieben die Uhren bei 1:01:44 stehen, was angesichts der Bedingungen eine beachtliche Leistung war.

pb-osterlauf-2016-hm-winnerNicholas Korir (KEN) gewann den Halbmarathon in 1:01:44.  (c) W. Philipp

Hinter Korir sicherte sich Alfred Cherop (KEN) Platz 2 in 1:02:01 und Charles Maina wurde Dritter in 1:02:32. 25 Läufer unterboten eine Zeit von 1:20 Stunden, wenn man da auch angesichts des Jubiläums einige Dekaden zurückblickt, dann kann einem dieser Leistungseinbruch im engagierten Laufbereich schon betrüblich stimmen. Am Ende lagen nur sieben (!) Männer vor der besten Frau.

pb-osterlauf-2016-hm-strecke-tola-etcFate Tola und Maryanne Wanjiru zusammen mit Tempomacher Elias Sansar.  (c) W. Philipp

Und die hieß Fate Tola, die problemlos das Rennen nach 1:09:51 gewinnen konnte und sich in guter Form in Hinblick auf den Boston Marathon in gut drei Wochen zeigte. Bei Tola steht immer noch die Einbürgerung in Deutschland an, was die Besetzung des deutschen Marathonteams der Frauen bei Olympia beeinflussen könnte. Neues dazu war aber auch in Paderborn nicht zu erfahren. Platz 2 ging an Maryanne Wanjiru in 1:10:13 und Sonja Roman (SVN) komplettierte in 1:13:52 das Podium. Dahinter lagen die Zeiten schon in breitensportlichen Dimensionen.

Einen vollständigen Video-Bericht vom 10 km Lauf der Männer findet sich bei YOUTUBE.

Splits des führenden Läufers im 10 km-Lauf:
 Split letzter km letzte 5 km Tempo
1 km 2:56 2:56 29:20
2km 5:42  2:46  28:30
3 km 8:22  2:40  27:54
4 km 11:25  3:03  28:33
5 km 14:23  2:58  14:23  28:46
6 km 17:10  2:47  28:37
7 km 20:00*  2:50  28:35
8 km 22:51  2:51  28:34
9 km 25:34  2:43  28:25
10 km 28:22  2:48  13:59
Splits des führenden Läufers im Halbmarathon:
 Split letzter km letzte 5 km Tempo
1 km 2:46 2:46  58:22
2km  5:32  2:46  58:22
3 km  8:20  2:48  58:37
4 km  11:16  2:56  59:26
5 km  14:13  2:57  14:13  1:00:00
6 km 17:10  2:57  1:00:22
7 km 20:05  2:55  1:00:32
8 km  22:57  2:52  1:00:32
9 km  26:00  3:03  1:00:57
10 km  29:00  3:00  14:47  1:01:11
11 km  31:59  2:59  1:01:21
12 km 34:53  2:54  1:01:20
13 km  37:46  2:53  1:01:22
14 km  40:36  2:50  1:01:11
15 km 43:36  3:00  14:36  1:01:20
16 km 46:32*  2:56  1:01:22
17 km  49:29  2:57  1:01:25
18 km  52:28  2:59 1:01:30
19 km  55:28  3:00 1:01:36
20 km  58:28  3:00  14:52 1:01:41
21 km 1:01:26  2:58  1:01:43
HM 1:01:44