Lake Biwa Mainichi Marathon am 6. März 2016: Yuki Kawauchi fordert seine Landsleute

lake-biwa-2016-logoMit einem Elitefeld der Extraklasse, das alles übertrifft, was bisher beim „Biwako“ an den Start gegangen war, wird am 6. März die bereits 71. Ausgabe des Lake Biwa Mainichi Marathon über die Bühne gehen. Doch für die Schlagzeilen (vor allem in Japan) sorgt wieder das Lauf-Unikum Yuki Kawauchi. Yuki gelang es nicht, sich beim Fukuoka Marathon im Dezember 2015 für Japans Olympia-Team zu empfehlen. Bei dem Raubbau mit seinen Kräfte vor Fukuoka kam das aber auch wenig überraschend. Yuki hätte sicher nicht diese übermäßige Popularität im Lande, wenn er nicht immer wieder für außergewöhnliche Aktionen gut wäre. Und dazu gehört nun auch sein Start in Otsu am Ufer des Lake Biwa.

Er hatte nämlich eigentlich schon einen Kontrakt mit dem London Marathon, der ihm drei Monate vor dem Lauf dort jeden Start bei einem anderen Marathon untersagte. Nun hat er aber seine Pläne umgeworfen und den Vertrag mit London aufgehoben, um am 6. März in Otsu seinen japanischen Mitbewerbern um einen Platz im Olympiateam zu zeigen, wer der Bessere im Lande ist. Dabei geht es Yuki nicht mehr darum, in Rio zu laufen, das hat er abgeschrieben, er will nur der japanischen Öffentlichkeit demonstrieren, wo er und seine Mitstreiter stehen, und hat dabei auch noch darauf bestanden, sich als normaler Teilnehmer anzumelden … und sein Startgeld zu bezahlen! Eigentlich unglaublich. Aber die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit hat er damit allemal. In den so starren Gesellschaftsstrukturen seines Landes zimmert so der „Robin Hood des Straßenlaufs“ weiter an seiner Legende. Der Medienhype im Land der aufgehenden Sonne um seine Person scheint sich zu überschlagen.

fukuoka-mar-2015-pk-yukiYuki Kawauchi startet beim „Biwako“ und wird dort sicher einen ähnliche Medienhype auslösen wie im Dezember 2015 in Fukuoka.  (c) H. Winter

Bei diesem Theater tritt (leider) das weitere Feld der Eliteläufer ein wenig in den Hintergrund, das nach vielen Jahren endlich einmal den Ansprüchen an ein „IAAF Golden Lable Race“ entspricht. Mit 15 Läufern mit einer Bestzeit von unter 2:10 Stunden ist es den Organisatoren gelungen, sogar dem eine Woche zuvor stattfindenden Toyko Marathon im Elitefeld nahezu ebenbürtig zu sein. Der schnellste im Feld ist der Äthiopier Tadese Tola, der im Jahr 2013 beim legendären Lauf des Dubai Marathon mit fünf Läufern unter 2:05 Stunden 2:04:49 lief. Im Januar stieg er dort allerdings nach 1:01:39 für die erste Hälfte aus, 2012 erreichte er das Ziel nach 2:05:10, 2014 lief er in Tokyo 2:05:57. Er ist damit sicher einer der Topfavoriten.szost-lake-biwa-2012Der Pole Henryk Szost lief 2012 seine Bestzeit von 2:07:39 in Otsu.  (c) H. Winter

Auch die weiteren „eingeladenen Läufer“ können sich sehen lassen. Der native Äthiopier Shumi Dechasa (BRN) lief 2:06:43 bei seinem Sieg in Hamburg 2014 und auch Lucas Rotich (KEN) lief seine Bestzeit im Jahr 2015 in Hamburg. Henryk Szost (POL) ist einer der besten europäischen Marathonläufer und lief 2012 im Regen von Otsu 2:07:39. Da er immer wieder in Wettbewerben der Militärs an den Start gehen muss, wirkte er in den letzten Jahren etwas ausgebrannt. Shura Kitata (ETH) lief im letzten Jahr seinen ersten Marathon in Shanghai in 2:08:53, im Januar 2016 wurde er Zweiter in Xiamen in 2:10:20. Ein Vielstarter – fast so extrem wie Kawauchi – ist der Mongole Ser Od Bat-Ochir mit einer Bestzeit von 2:08:50, in Fukuoka im Dezember konnte er aber kaum überzeugen und landete sogar dort hinter Yuki.

Doch neben den ausländischen Eliteläufern darf man in diesem Jahr erwarten, dass die japanischen Läufer eine große Rolle bei der Vergabe der vorderen Plätze spielen dürften. Das Rennen am Lake Biwa ist eine Woche nach Tokyo die letzte Chance für die Japaner, sich für Olympia zu qualifizieren. Mit der schnellsten Vorleistung der einheimischen Konkurrenz geht Kazuhiro Maeda mit 2:08:00 ins Rennen, die er 2013 in Tokyo lief. Auch Kenataro Nakamoto mit 2:08:35 (2013 in Beppu-Oita) sowie Ryo Yamamoto mit 2:08:44 liefen schon unter 2:09 Stunden. Und 2:09:10 Stunden liefen Masanori Sakai und Suehiro Ishikawa.

Wie Brett Larner von den „Japan Running News“ ganz richtig ausführt, dürften die Debütanten eine nicht zu unterschätzende Rolle in diesem Jahr spielen. Fumihiro Maruyama, Sota Hoshi und Hiroto Inoue liefen die halbe Distanz in 61:15, 61:18 und 61:39. Aber auch Shohei Otsuka, Koki Ido und Shin Kimura könnten beachtliche Debüts auf dem Kurs am Ufer des größten japanischen Binnen-Gewässers erzielen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich beim Biwako eine Steigerung des Niveaus japanischer Läufer auf der Marathondistanz fortsetzen wird.

Liste der Eliteathleten:
Tadese Tola ETH 2:04:49 Dubai 2013
Shumi Dechasa BHR 2:06:43 Hamburg 2014
Lucas Rotich KEN 2:07:17 Hamburg 2015
Henryk Szost POL 2:07:39 Otsu 2012
Kazuhiro Maeda JPN 2:08:00 Tokyo 2013
Yuki Kawauchi JPN 2:08:14 Seoul 2013
Kentaro Nakamoto JPN 2:08:35 Beppu-Oita 2013
Ser-Od Bat-Ochir MGL 2:08:50 Fukuoka 2014
Shura Kitata ETH 2:08:53 Shanghai 201
Ryo Yamamoto JPN 2:09:06 Otsu 2013
Hirokatsu Kurosaki JPN 2:09:07 Tokyo 2014
Masanori Sakai JPN 2:09:10 Tokyo 2014
Suehiro Ishikawa JPN 2:09:10 Otsu 2013
Takayuki Matsumiya JPN 2:09:14 Tokyo 2013
Tomoya Adachi JPN 2:09:59 Fukuoka 2014
Munyo Solomon Mutai UGA 2:10:42 Hannover 201
Hideaki Tamura JPN 2:10:54 Otsu 2013
Soji Ikeda JPN 2:10:59 Tokyo 2014
Ryosuke Fukuyama JPN 2:10:59 Otsu 2013
Fumihiro Maruyama JPN 1:01:15 HM 2013
Sota Hoshi JPN 1:01:18 HM 2014
Hiroto Inoue JPN 1:01:39 HM 2014
Kenta Kitazawa JPN 1:02:32 HM 2015
Shohei Otsuka JPN 1:02:32 HM 2014
Koki Ido JPN 1:02:33 HM 2014
Hiroyuki Sasaki JPN 1:02:36 HM 2012
Shin Kimura JPN 1:02:45 HM 2014
Yuki Matsuoka JPN 27:59.78 10000 m 2012