Na also! DLV „senkt“ Olympia-Normen im Marathonlauf für Rio

rio-2016-logoDiese Entscheidung war mehr als überfällig und hätte auch angesichts des öffentlichen Drucks gar nicht anders fallen können. In dieser Woche revidierte der DLV etliche Normen der Qualifikation für die Teilnahme an den leichtathletischen Wettbewerben bei Olympia in Rio de Janeiro im August 2016. Dabei bedurfte es aber auch des Drucks des internationalen Verbandes IAAF, der angesichts der Dopingaffären die meisten Normen heruntersetzte. Aber die Begründung des DLV zur Herabstufung der Normen fällt blamabel aus, auch in Anbetracht des Schadens, den die Festsetzung völlig unrealistischer Normen schon angerichtet hatte. Vor allem auch in Hinsicht des schwindenen Ansehens des DLV in der Öffentlichkeit.

Wie dem auch sei, statt 2:12:15 – damit wäre man in Beijing letztes Jahr Weltmeister geworden – müssen im Marathon die Männer jetzt unter 2:14:00 laufen, bei den Fraun reicht statt 2:28:30 nun 2:30:30. Das ist immer noch deutlich strenger als die internationalen Normen. Durch diese Maßnahme könnte Deutschland erstmals wieder alle Startplätze im Marathon bei Olympia belegen. Nach dem aktuellen Ranking wären von der Zeit folgende deutsche Sportler für Rio qualifiziert:

  Männer:
Arne Gabius LT Haspa-Mar. Hamburg 2:08:33 25.10.15 Frankfurt
Philipp Flieger LG Telis Regensburg 2:12:50 27.09.15 Berlin
Julian Flügel TSG 08 Roth 2:13:57 27.09.15 Berlin
  Frauen:
Fate Tola LG Braunschweig 2:28:24 27.09.15 Berlin
Lisa Hahner RUN2SKY.com 2:28:39 25.10.15 Frankfurt
Anna Hahner RUN2SKY.com 2:30:19 27.09.15 Berlin
Falls das so bleibt, dann hätten Julian Flügel und Anna Hahner jeweils am 27. September in Berlin Maßarbeit geleistet, denn ihre Leistungen reichen jetzt soeben aus. Aber sie reichen aus! Arne Gabius war außen vor, der hatte mit seinem deutschen Rekord von 2:08:33 die Norm weit unterboten. Bei den Frauen wird es davon abhängen, ob Fate Tola für Deutschand starten kann und will. Da Sabrina Mockenhaupt aktuell so verletzt ist, dass eine Qualifikation im Marathon kaum realistisch erscheint, werden die beiden Hahner-Twins wohl in Rio dabei sein. Das finden nicht nur die Beiden sicher MEGA-cool.

fluegel-frankfurt-2014Julian Flügel aus Roth hat mit 2:13:57 nun die Norm für Rio.  (c) H. Winter

b-marathon-2015-pfliegr-pkAuch Philipp Flieger aus Regensburg hat mit 2:12:50 die Norm für Rio.  (c) H. Winter

frankf-marathon-2015-lisa-42kmLisa Hahner dürfte mit ihren 2:28:39 vom Frankfurt Marathon 2015 sicher für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert sein.  (c) H. Winter

Abgesehen von der Posse um die Olympianormen sorgt die deutsche Marathonszene, auch ohne einen Fuß vor den anderen zu setzen, für viel Gesprächsstoff. Zunächst wurde der deutsche Topläufer Arne Gabius in Hamburg vor die Tür gesetzt, weil er statt in Hamburg nun in London eine Woche später seinen Frühjahrs-Marathon laufen will. Zudem war er beim Silvesterlauf in der Nähe von Stuttgart nicht im Trikot des Hamburger Vereins sondern mit dem eines großen Sportartikelherstellers aufgetreten. Dazu wird im „Hamburger Abendblatt“ der Race Director aus Hamburg, Frank Thaleiser, zitiert:  „Der deutsche Rekordhalter hatte einen Start in London (24. April) vorgezogen, obwohl wir das Rennen in Hamburg so gestaltet hätten, dass er gewonnen und mit Prämien genauso viel verdient hätte, für die Saison insgesamt gut 120.000 Euro“. Zudem hat Thaleiser seinem Topläufer eine Abmahnung zugestellt, weil er bei einem Lauf in Backnang statt des Lauf-Team-Outfits ein Trikot seines Ausrüsters getragen hatte.

Und auch bei der zweiten Story spielen die Hamburger eine Rolle. Denn eigentlich war Lisa Hahner für den Marathon am 17. April in Hamburg fest verpflichtet worden. Da Lisa aber durch die Entscheidungen des DLV die Norm für Rio hat, hat sie – besser ihr Manager Thomas Dold – nun auf den 10. April nach Hannover umgebucht und will dort den Halbmarathon laufen. Dazu Thaleiser: „Ich habe den Verdacht, dass unser Angebot von Anfang an nur genutzt wurde, um das Startgeld in Hannover hochzutreiben“. Sollte Lisa Hahner in Hannover über die volle Distanz laufen, will er Dold verklagen. Der sei mit seinem Geschäftsgebaren in der deutschen Marathonszene ohnehin untendurch. Womit man in Hamburg vermutlich nicht ganz unrecht hat.