20. Volksbank Münster Marathon am 11. September 2022: Lilian Jelagat krönt Jubiläum mit Streckenrekord

Lilian Jelagat (KEN) sorgte mit dem neuen Streckenrekord bei den Frauen von 2:27:39 für das Highlight der 20. Ausgabe des Volksbank Münster Marathon. Das Rennen der Männer gewann nach 2:10:11 der Äthiopier Workneh Serbessa (ETH) und blieb damit deutlich über der Müsteraner Bestmarke von 2:09:28.1490 Finisher im Marathon wurden auf dem Prizipalmarkt stimmungsvoll beim Zieleinlauf empfangen, nachdem sie bei akzeptablen Bedingungen mit erheblicher Luftfeuchte 42195 m hinter sich gebracht hatten. Das Gros der ca. insgesamt 9000 Teilnehmer war im Staffel-Wettwerb unterwegs und fast 400 Aktive gingen in einem 28 km-Lauf an den Start, über dessen Sinn man wahrlich streiten kann und den Tim Rose (GER) vom Warburger SV in 1:39:34 gewann, was einem 2:30 Stunden Marathon entsprach.

Die Elite der Männer begann mit km-Abschnitten um 3:04 Minuten das Rennen im Regime des Streckenrekords und passierte 5 km nach 15:20 und 10 km nach 30:36 (?). Etwas überraschend war hier der 40-jährige-Oldie und vermeintliche Mitfavorit Ser-Od Bat-Ochir (MGL) schon deutlich zurück. Der in Japan lebende mongolische Vielstarter mit einer PB von 2:08:50 (Fukuoka 2014) hatte im letzten Jahr beim Lake Biwa Marathon noch einmal 2:09:36 erreicht und landete im August bei der WM in Eugene in 2:11:39 auf Platz 26. Nachdem nach gut 10 km bereits der erste Tempomacher ausgestiegen war, lagen noch der zweite „Hase“ und sieben Elitemänner an der Spitze, die über 45:58 bei 15 km und 1:01:14 bei 20 km die Hälfte der Distanz am Ortseingang von Nienberge nach 1:04:47 erreichten.

Damit lag man in Schlagweite zum Streckenrekord, wobei kurz hinter dem Halbmarathon auch der letzte Tempomacher seine Dienste quittierte. Das führte aber dazu, dass bereits viel zu früh attackiert wurde und die Spitzengruppe auseinanderfiel. Mit km-Splits um 3 Minuten lag die auf die vier Läufer reduzierte Spitze mit Workneh Serbessa, Andrew Kimtai (KEN), Ceshari Jacob (KEN) sowie Julius Tarus (KEN) bei 25 km in 1:16:19 auf Kurs zu einer Zeit von 2:08:48, also Streckenrekord. Tarus fiel bald darauf zurück und das verbliebene Trio passierte die 30 km-Marke im Ortsteil Roxel nach 1:31:48. Nach 1:47:35 bei 35 km blieben die Drei bis zur Ortmitte von Gievenbeck zusammen, bevor dann bei 37 km in 1:54:05 Jacob entscheidend zurückgefallen war.

Workneh Serbessa gewann die 20. Ausgabe des Münster Marathon. (c) Livestream/Screenshot

Schon nach 34 km hatte das Tempo deutlich nachgelassen, teils wegen des hohen Tempos auf dem recht fordernden Kurs sowie zunehmenden Taktierens um den Sieg. Mit km-Splits ab 34 km von 3:10, 3:16 und 3:14 lag man bei 37 km bereits auf Kurs zu einer Zeit im Ziel von über 2:10 Stunden. Der Streckenrekord war schon hier so gut wie außer Reichweite. Einen Zwischenspurt durch Serbessa von 37 km nach 38 km in 2:58 konnte Kimtai noch mitgehen, doch schon vor der 40 km-Marke in 2:03:24 konnte sich der Äthiopier absetzen und das Rennen in 2:10:11 gewinnen, eine 3/4 Minute über dem Streckenrekord und sehr deutlich über der im Vorfeld anvisierten Zeit im Regime von 2:07 Stunden. Aber für eine Zeit in solchen Dimensionen müsste man in Münster die Rennen vom Ablauf wesentlich kontrollierter betreiben.

Andrew Kimtai wurde in 2:10:40 Zweiter vor seinem Landsmann Cheshari Jacob in 2:11:18. Bester deutscher Läufer mit einem gesonderten Preisgeld von 3000 Euro wurde auf Platz 8 Marcel Bräutigam (GER) vom Rennsteig-Laufverein in 2:25:27. Für den Seriensieger in der deutschen Wertung Elias Sansar (GER) von Eintracht Bielefeld blieb diesmal auf dem 9. Gesamtrang nur Platz 2.

Im Rennen der Frauen agierte zunächst eine siebenköpfige Spitzengruppe, die über 17:43 bei 5 km, 35:32 bei 10 km und 53:06 bei 15 km im Bereich des Streckenrekords von 2:29:28 lief. Als es zur Halbmarathonmarke am Ortseingang des Stadtteils Nienberge ging, hatte sich die Spitzengruppe auf das Quartett Jelagat, Gladys Kiptoo (KEN), Naomi Tuei (KEN) und Brenda Kiprono (KEN) reduziert, das mit einem Split von 1:14:38 auf Kurs zum Streckenrekord lag. Nach 25 km in 1:28:12 fiel dann eine Vorscheidung, als sich Lilian Jelagat, die im April in der Höhe im keninaischen Eldoret 2:30:23 gelaufen war, von ihren Mitstreiterinnen lösen konnte.

Die Siegerin des 20. Münster Marathon Lilian Jelagat ca. einen km vor dem Ziel. (c) H. Winter

Bei der Passage durch den Ortsteil Roxel lag sie an der 30 km-Marke in 1:45:23 vier Sekunden vor Kiptoo und 15 Sekunden vor Kiprono. Mit einem flotten 5 km-Abschnitt von 30 km nach 35 km in 17:07 konnte sie bei 35 km in 2:02:30 ihren Vorsprung auf 45 Sekunden auf Kiptoo als erste Verfolgerin ausbauen. Durch die Temposteigerung in der zweiten Hälfte lag die Führende dort bereits mit der Projektion von 2:27:41 sehr deutlich unter dem Streckenrekord, der dann am Ende in 2:27:39 durch Jelagat auch „pulverisiert“ wurde. Mit zwei Hälften von 1:14:38 und 1:13:01 lief die 33-jährige Kenianerin einen mehr als eindrucksvollen sog. „negativen Split“.

Hinter der Siegerin kam im Finale noch einmal erhebliche Bewegung in den Kampf um die Plätze, als Peris Jerono von Platz 5 in 2:04:02 bei 35 km noch an ihren Konkurrentinnen vorbeiziehen konnte und als Zweite im Ziel in 2:28:53 gleichfalls noch unter dem alten Streckenrekord einlief. Mit Gladys Kiptoo in 2:29:18 blieb auch noch die Drittplatzierte unter der Schallmauer von 2:30 Stunden. Beste deutsche Läuferin wurde auf Platz 8 in 2:49:06 Jana Kappenberg (GER) von der LSF Münster.

Somit setzten bei der Jubiläumsausgabe die Frauen die Glanzlichter, wobei aber die sportliche Gesamtbilanz bei aller Euphorie nur bedingt zufriedenstellen kann. Gerade einmal 66 Teilnehmer unterboten die 3 Stundenmarke, 3:28 Stunden musste man für Platz 200 laufen und 700 Aktive knackten die 4 Stundengrenze. Und bei allem Wirbel im Vorfeld um die Teilnehmerzahlen im Marathon und einer in Münster magischen 2000er-Grenze, brachen diese weiter ein und fügen sich einer Entwicklung, die in Münster (und nicht nur dort) für den Marathon in der Zukunft wenig Erbauliches erwarten lassen. Ob es da angeraten ist, immer noch von einem zusätzlichen Halbmarathon abzusehen, ist vermutlich ein ähnliches Defizit der Veranstaltung wie eine „blaue Linie“, die nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung aufgebracht eher irritierend als hilfreich wirkt.

Die Finisherzahlen des Münster Marathon 2002 – 2022:

Splits des führenden Läufers
 5 km  15:20 15:20
10 km  30:36 15:16
15 km  45:58 15:22
20 km 1:01:14 15:16
 HM 1:04:47
25 km 1:16:19 15:05
30 km 1:31:48 15:29
35 km 1:47:35 15:47
40 km 2:03:24 15:49
 Mar. 2:10:11   6:47

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Die detaillierten km-Splits des führenden Läufers.