ASICS „BE(AT) your Personal Best“ in Morton (FRA) am 24. April 2021: Hillary Kipkoech läuft (k)eine Welt-Jahresbestleistung über 10 km

Der Kenianer Hillary Kipkoech (KEN) verbesserte bei den „BE(AT) your Personal Best“ in Morton im Le Bois aux Daims südlich der Loire zwischen Angers und Tours die Welt-Jahresbestleistung über 10 km auf 27:35. Die alte Marke von 27:50 hatte Daniel Ebenyo (KEN) bei den Berlin 10K Invitational im März aufgestellt. Leider verließ Kipkoech vor der 8 km-Marke die Strecke und kürzte ab, so dass (eigentlich) seine Leistung nicht regulär war. Der internationale Verband „World Athletics“ hat aber seine Leistung in den Bestenlisten schon übernommen. Das Rennen der Frauen über 10 km gewann Mekdes Woldu (ERI) in 31:47, womit sie die globale Jahresbestmarke von 31:38 durch Miriam Dattke (GER) um 9 Sekunden verfehlte. In den Rennen über 5 km siegten Boniface Kibiwott (KEN) in 13:24 sowie Sarah Lahti (SWE) 15:22, die mit ihrer Zeit den Landesrekord durch Meraf Bahta (SWE) aus dem letzten Jahr um 9 Sekunden steigern konnte.

Ein wesentlicher Grund für diese recht kurzfristig anberaumte Veranstaltung war die Präsentation des neuen (Super-)Schuhs des Sponsors (ASICS Metaspeed), der sicher die Diskussion um die Siebenmeilenstiefel im Laufssport weiter anheizen dürfte. Dabei fußt das Konzept der ultraleichten Schuhe (bis 165 Pond Gewicht oder 165 g Masse) auf einer „nur“ 32 mm dicken Sohle im hinteren Bereich des Schuhs. Und die Performance dieses Produkts sollten nun einige auserwählte Topathleten – unter Vertrag beim Sponsor – in einem Rennen auf einer Parkrunde unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit demonstrieren.

Im Fokus standen die europäischen Topstars und Starter beim Olympischen Marathon Sondre Moen (NOR) und Koen Naert (BEL), der Ex-Europarekordler im Marathon bzw. der amtierende Europa-Meister im Marathon. Moen wollte den Landesrekord von 27:54 steigern, Naert dieses Tempo möglichst lange mitgehen. Doch am Ende kam es bei sehr guten äußeren Bedingungen (Temperatur um 9°C, kaum Wind) anders. Mit zwei Tempomachern erreichte eine acht- und dann fünfköpfige Spitzengruppe 1km nach 2:49 und 2 km nach 2:47. Damit lag man bestens im Zeitplan, doch nach gut 7 Minuten zog einer der designierten Tempomacher, Hillary Kipkoech – bisher mit einer PB von 28:28 notiert – , das Tempo gewaltig an, lief mit 8:16 bei 3 km den km-Abschnitt in 2:40 und lag nach 4 km in 11:04 bereits 7 Sekunden vor Moen und Naert.

Nach knapp 5 km lag Kipkoech bereits 15 Sekunden vor Moen (im Hintergrund). (c) Livestream/Screenshot

Nach 5 km in 13:48 war klar, dass es für den Führenden zu einer Zeit weit unter 28 Minuten gehen könnte, was auch noch für die deutlich abgehängten Moen in 14:04 und Naert in 14:08 in Grenzen möglich schien. Vorne zeigte Kipkoech keine Spuren von Ermüdung, lief den 6. und 7. km in 2:44 und 2:47 und es sah alles bestens aus. Doch nach gut 20 Minuten passierte dann das Malheur. Auf der Pendelstrecke wechselte der Führende unvermittelt (und nicht erlaubt) auf die Gegenseite und kürzte damit die Strecke wesentlich ab. Er korrigierte zwar dies ca. 100 m später, aber nach den Regeln verließ er eindeutig die Strecke und verschaffte sich dadurch einen unzulässigen Vorteil.

Nach ca. 20 Minuten verließ Kipkoech die Strecke und lief auf der falschen sowie kürzeren Seite der Pendelstrecke. (c) Livestream/Screenshot

Über 22:06 bei 8 km und 24:51 bei 9 km lief der Kenianer das Rennen mit km-Splits von 2:47, 2:45 und 2:44 konsequent zu Ende und gewann mit neuer „PB“ von 27:35. In den aktuellen offiziellen Ergebnislisten ist seine Zeit nach wie vor aufgeführt. Hillary absolvierte seinen ersten Start außerhalb Kenias und hatte bereits mit einer Zeit von 28:22 in der Höhe auf sich aufmerksam gemacht. Sein Coach und Laufguru Renato Canova hatte bereits im Vorfeld eine Zeit von deutlich unter 28 Minuten erwartet.

Auf den nachfolgenden Plätzen konnte sich Jorge Blanco (ESP) noch an den beiden europäischen Topathleten in 28:27 auf Platz 2 schieben. Damit konnte er seine Regel konforme Bestleistung deutlich steigern. Moen wurde in 28:35 Dritter vor dem zeitgleichen Naert. Während Moen seine Ziele deutlich verfehlte, reichte es bei Naert immerhin zu einer Steigerung seiner PB um 2 Sekunden. Moen erklärte seine Leistung mit seinem massiven Fokus im Training auf den Marathonlauf.

Hillary Kipkoech gewann die 10 km in Morton in 27:35. (c) Livestream/Screenshot

Im Rennen der Frauen setzte sich Mekdes Woldu ohne ernsthafte Konkurrenz sehr deutlich durch und lag von Anfang an zusammen mit einem Tempomacher weit in Front. Woldu hatte sich vor einem Monat in Dresden im Halbmarathon auf 1:10:50 gesteigert, wobei mit einer PB von 32:16 die 10 km aber ihre stärkere Distanz ist. Über 15:58 bei 5 km lag sie am Ende im Ziel mit neuer PB von 31:47 fast zwei Minuten vor der gesamten Konkurrenz. Als erfreuliche Meldung neben ihrem Sieg kam die Information, dass die im Jahr 2012 aus Eritrea geflüchtete Athletin in den kommenden Tagen die französische Staatsbürgerschaft erhalten wird. Hinter ihr belegte Julia Mayer (AUS) in 33:35 den zweiten Platz vor Juliette Thomas (BEL) in 34:18.

Nun ist auch ASCIS in den Wettstreit mit schnellen Schuhen eingetreten. (c) Livestream/Screenshot

Über 5 km wiederholte sich bei den Männern der Ablauf von den 10 km. Der große Favorit Julien Wanders (SUI) hatte im Vorfeld gesundheitliche Probleme und konnte nach 7 Minuten das schnelle Tempo an der Spitze nicht mehr mitgehen. Über schnellen 2:38 für den ersten km und 5:23 für 2 km setzte sich der „Hase“ Boniface Kibiwott mit schnellen Schritt ab und lag bei 4 km in 10:40 bereits 12 Sekunden vor Wanders, der im Schlusspart noch von etlichen Mitstreitern überholt wurde. Kibiwott gewann in 13:24 vor Felix Bour (FRA) in 13:34 und Etienne Daguinos (FRA) in 13:36. Auf Platz 4 lief Ilyas Osman (GER) von der TV Waldstraße Wiesbaden in guten 13:42 ein, 15 Sekunden über seinem deutschen Rekord von 13:27 beim Monaco Run im Februar dieses Jahres. Wanders wurde am Ende in 14:13 nur Achter, weit über seiner PB von 13:29.

Im Rennen der Frauen über 5 km domierte am Ende Sarah Lahti, unterstützt von zwei Tempomachern. (c) Livestream/Screenshot

Im Rennen der Frauen befand sich Sarah Lahti von Anfang an auf Kurs zu einem neuen Landesrekord. Nach einem schnellen ersten Kilometer in 3:04 war neben Lahti auch noch Kristina Hendel (CRO/GER) vorne mit dabei, aber als nach der Hälfte der Distanz die Schwedin und Vielstarterin das hohe Tempo hielt, fiel Hendel zurück. 3 km erreichte Lahti nach 9:18, 4 km nach 12:18, so dass ein neuer schwedischer Rekord schon hier sicher schien. So kam es dann auch, Lahti gewann in 15:22 und unterbot die alte Landesrekord-Marke sehr deutlich. Hinter ihr konnte Leila Hadji (FRA) in 15:51 Kristina Hendel noch vor der Ziellinie abfangen, die in 15:52 Platz 3 belegte.

Sarah Lahti gewann die 5 km mit Landesrekord von 15:22. Bei jedem technischen Meeting wird den Athleten vermittelt, beim Zieleinlauf nicht ihre eigene Stoppuhr wegen des Siegerfotos zu drücken … leider nicht nur diesmal ohne Erfolg. (c) Livestream/Screenshot

Ergebnisse 10 km der Frauen:
1. Mekdes Woldu ERI 31:47
2. Julia Mayer AUT 33:35
3. Juliette Thomas BEL 34:18
4. Louise Serban-Penhoat FRA 35:30
5. Beata Popadiak POL 35:55
Ergebnisse 10 km der Männer:
 1. Hillary Kipkoech KEN  27:35
 2.  Jorge Blanco  ESP  28:27
 3.  Sondre Nordstad Moen  NOR  28:35
 4.  Koen Naert  BEL  28:35
 5.  Enock Onchari  KEN  28:57
Ergebnisse 5 km der Frauen:
1. Sarah Lahti SWE 15:22
2. Leila Hadji FRA 15:51
3. Kristina Hendel CRO 15:52
4. Aude Korotchansky FRA 16:19
5. Ludovica Cavalli ITA 16:50
Ergebnisse 5 km der Männer:
1. Boniface Kibiwott KEN 13:24
2. Felix Bour FRA 13:34
3. Etienne Daguinos FRA 13:36
4. Ilyas Yonis Osman GER 13:42
5. Matthew Kibarus KEN 13:46