46. BOclassic in Bozen (ITA) am 31. Dezember 2020: Margaret Kipkemboi und Oscar Chelimo vorne, Robin Hendrix verpasst knapp Europarekord

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Margaret Kipkemboi (KEN) und Oscar Chelimo (UGA) gewannen die  46. Auflage der BOclassic in Bozen (Südtirol), die wegen der Corona-Pandemie nicht auf der tradionellen Strecke durch die Altstadt sondern auf einer Go-Kart-Bahn im Safety Park Bozen ohne Zuschauer stattfand. Auf einer 975 m langen Runde konnte Kipkemboi ihren Vorjahreserfolg über 5 km diesmal über 10 km in 30:42 wiederholen. Die Männer liefen diesmal nur über 5 km, wo Chelimo in 13:16 vorne lag. Im Lauf der Frauen war ein Angriff auf den 10 km-Weltrekord für ein reines Frauenrennen von 30:29 Minuten durch die Marokkanerin Asmae Lezghaoui geplant, aber es war schon im Vorfeld klar, dass dieses Unterfangen angesichts der äußeren Bedingungen kaum zu realisieren war. In den letzten Tagen hat es eine einige 10 cm hohe Schneedecke gegeben, die von der Strecke aber perfekt geräumt worden war. Über Nacht gab es zudem Frost und die Temperaturen beim Start lagen knapp über dem Gefrierpunkt.

Nachdem die ersten 4 km sehr flott im 3 Minuten/km-Schnitt absolviert wurden, fiel die Spitzengruppe vorne auseinander und nur noch Kipkemkoi lag zusammen mit Dorcas Tuitoek (KEN) und Norah Tanui (KEN) in Front. Hatte man bisher nur wenige Sekunden über WR-Kurs gelegen, so wuchs nach 5125 m in 15:40 die Differenz zum Rekord bald darauf auf 10 Sekunden an. Nach 30 Minuten setzten sich Tuitoek und Kipkemboi an der Spitze ab, wobei im Finale Kipkemboi in 30:42 die besten Reserven hatte und den Lauf gewann. Damit hatte sie den Nur-Frauen-WR um 13 Sekunden verfehlt. Bei den kühlen Temperaturen war nach Aussage der Siegerin am Ende eine schnellere Zeit nicht mehr möglich. Tuitoek wurde knapp geschlagen Zweite in 30:44, eine Sekunde später folgte Norah Tanui in 30:45, die im Januar 2020 in Valencia schon 29:51 gerannt war.

Margaret Kipkemboi gewann den knappen Zieleinlauf im 10 km-Lauf der Frauen. (c) Livestream/Screenshot

Im anschließenden 5 km-Lauf wollte der Lokal-Matador Yemaneberhan Crippa (ITA) den Europa-Rekord von Jimmy Gressier von 13:18 in Monaco vom Februar 2020 angreifen. Nach 2 von gut 5 Runden lag die Spitzengruppe mit Topfavorit Muktar Edris (ETH), der die BoClassic 2014, 2016 sowie 2017 gewann und bei der WM 2019 in Doha seinen WM-Titel über 5000 m verteidigen konnte, ca. 5 Sekunden hinter dem Europarekord-Kurs zurück, bevor nun der erst 18-jährige Tadese Worku (ETH), der bei der letzten Junioren-WM im Crosslauf den zweiten Platz belegte, vorne die Pace machte. Er konnte sich sogar kurz aus einer siebenköpfigen Spitzengruppe lösen, wurde aber nach ca. 9 Minuten wieder eingeholt.

Die Männer kurz vor dem Start über 5 km. In der Mitte (#4) der Lokalmatador Crippa. (c) Livestream/Screenshot

Es war jetzt Edris, der sich an die Spitze des Feldes spannte, nach 4 Runden = 4025 km in 10:50 lag man auf Kurs zu einer Zeit im Ziel von 13:28, also 10 Sekunden über dem Europarekord. Aber das war zunächst nur für Crippa interessant, der sich an die Spitze setzte und die Spitzengruppe etwas sprengte. Die überraschende Konsequenz dieser Aktion war, dass der hohe Favorit Edris den Kontakt verlor und schnell zurückfiel. Es war dann ein Quartett, das um den Sieg stritt, wobei nach 12:40 Minuten Oscar Chelimo davonstürmte. Er gewann das Rennen in 13:16 – sogar noch unter der für ihn nicht relevanten Europarekord-Zeit – und dahinter spielte sich in der Tat eine Kuriosität ab.

Robin Hendrix verpasste in 13:19 den Europarekord um nur eine Sekunde. (c) Livestream/Screenshot

Denn nicht der Rekord-Aspirant Crippa wurde Zweiter, sondern etwas unerwartet der Belgier Robin Hendrix (BEL), der mit 13:19 seine Leistungen auf der Bahn auch auf die Straße übertragen konnte. Dabei war seine exakte Zeit von 13:18,23 Regel konform auf 13:19 aufgerundet wurde. Er hatte also um nur 0,23 Sekunden über der europäischen Bestmarke gelegen. Da zunächst die ungerundete Zeit von 13:18 bekannt gemacht wurde, gab es bald darauf beim Siegerinterview eine Enttäuschung, die der Belgier aber angesichts seiner Zeit und der „Pulversierung“ des Landesrekords von 14:03 schnell überwand. Platz 3 auf dem Kurs einer GoKart-Bahn mit trostloser Umgebung und ohne Zuschauer wurde Iguider Abelaati (MAR) in 13:20 zeitgleich vor dem Lokalmatador Crippa. Erst auf Platz 6 kam der hohe Favorit Muktar Edris in 13:24 ins Ziel.