16. Airtel Delhi Half Marathon am 29. November 2020: Yalemzerf Yehualaw (ETH) siegt in 1:04:46

Die Gewinnerin der Bronze-Medaille bei der WM 2020 in Gdynia Yalemzerf Yehualaw (ETH) sorgte mit dem neuen Event-Rekord von 1:04:46 für das Highlight der 16. Ausgabe des Airtel Delhi Half Marathon am Morgen des 29. November. Dabei lief die 21-jährige Äthiopierin, die im letzten Jahr in Delhi in 1:06:01 knapp geschlagen Zweite wurde, der hochkarätigen Konkurrenz in der Schlussphase davon und erzielte die zweitbeste (legale) Zeit einer Frau im Halbmarathon, nur die auf Platz 3 einlaufende Landsfrau Ababel Yeshaneh (ETH) war bei ihrem Weltrekord von 1:04:31 im Februar in Ras Al Khaimah jemals schneller gewesen.

Das Rennen der Männer gewann mit der erster Zeit in Delhi unter 59 Minuten gleichfalls der Gewinner der Bronze-Medaille bei der WM in Gydnia Amdework Walelegn (ETH) in 58:53. Beide Sieger bekamen neben 27.000 US$ Preisgeld einen Rekordbonus von 10.000 US$. Die Sieger der beiden Vorjahre und die Streckenrekordhalter Andamlak Belihu (ETH) (59:06) und Tsehay Gemechu (ETH) (1:06:00) konnte Beide keinen dritten Sieg in Folge landen und kamen am Ende als Zweiter bzw. Fünfte ins Ziel vor dem Nehru Stadion.

Zunächst gingen um 7:10 Uhr Ortszeit die Männer auf den wegen der Corona-Auflagen modifizierten Kurs, der sich mit einem Einführungsstück von gut 4 km Länge und zwei 6 km Runden schneller als der winkelige Kurs der Vorjahre erwies. Die Bedingungen waren für die Verhältnisse im Winter recht gut, bei Temperaturen um 12°C war der übliche „Delhi-Smog“ kaum zu übersehen, hielt sich aber im Vergleich zu den Vorjahren in akzeptablen Grenzen. Vor allem mit Unterstützung des „Hasen“ Abel Sikowo (UGA) wurde mit 8:22 bei 3 km, 11:11 bei 4 km und 13:57 bei 5 km ein Tempo von unter 59 Minuten eingeschlagen. Zehn Läufer waren hier an der Spitze, die über 22:17 bei 8 km und 10 km in 27:50 zusammen blieben. Man lag hier auf Kurs zu der Weltklasseklasse-Zeit von 58:43, was aber auf dem Weg nach 15 km in 42:00 mit km-Splits von 2:48, 2:47, 2:53, 2:51 und 2:51 auf glatte 59 Minuten anstieg.

Die Tenpomacher hatten lange ihre Dienste quittiert und der Sieger der beiden Vorjahre Belihu machte vorne mit Blick auf einen „Hattrick“ die Fahrt. Bei 17 km nach 47:40 lag eine siebenköpfige Spitze nur noch im Regime 59:10, bevor Belihu, Walelegn, Debütant und amtierender 5000m-Weltmeister Muktar Edris (KEN), Victor Kiplangat (KEN), Leonard Barsoton (KEN), Tesfahun Alkanew (ETH) und Stephen Kissa (UGA) wieder schneller wurden. Erstes Opfer dieser Tempoverschärfung wurde Kiplangat, der nach 18 km in 50:28 schnell zurückfiel. Bei 19 km in 53:10 blieb an der Spitze das Trio Belihu, Walelegn und Kissa übrig, die nun um den Sieg stritten. Dabei erinnerte die Szenerie vorne etwas an das Vorjahr, wo Belihu und Walelegn gleichfalls im Finale gegeneinander kämpften.

Amdework Walelegn gewann den Halbmarathon in Delhi in 58:53. (Anmerkung: Die Uhr links zeigt die korrekte Uhrzeit an – Start war um 7:10:00). (c) Livestream/Screenshot

Bei 20 km in 55:57 war zu erwarten, dass es in Delhi erstmals eine Siegerzeit von unter 59 Minuten geben würde, da zudem Walelegn das Tempo nochmals steigerte. 500 m vor dem Ziel lag dann Stephen Kissa (UGA), der bei der WM in Gdynia in 1:00:34 auf Platz 19 kaum überzeugte, kurz vorne, bevor Walelegn vorbeispurtete und das Rennen in 58:53 mit einer Sekunde vor Belihu gewann. Damit wurde es mit dem dritten Sieg in Folge von Belihu nichts, der nach dem Lauf ausführte, dass er nach dem Ausscheiden des letzten „Hasen“ vorne für das Tempo sorgte, was ihm für den Schlusssprint vermutlich einige Reserven gekostet haben mag.

Auch Kissa blieb mit 58:56 noch unter der Schwelle zur absoluten Weltklasse von 59 Minuten. Eine beachtliche Premiere legte Muktar Edris als Vierter in 59:04 auf das Pflaster der indischen Haupstadt, das zweitbeste Debüt eines Läufers über die Halbmarathondistanz. Mit drei Läufern unter 59 Minuten und 8 Läufern unter einer Stunde gab es auch in der Leistungsbreite ein eindrucksvolles Gesamtergebnis. Und diesbezüglich ist auf Platz 10 die tolle Zeit von 1:00:30 des indischen Topläufers Avinash Sable (IND) zu nennen, der den Landesrekord um Minuten „pulverisierte“.

Die Spitzengruppe der Frauen nach knapp 8 km. (c) Livestream/Screenshot

Das Rennen der Frauen war von mehreren Überraschungen geprägt, die bereits nach gut 7 km ihren Anfang nahmen, wo eine der Topfavoritinnen, die Marathon-Weltrekordlerin (2:14:04) Brigid Kosgei (KEN) das Tempo nicht mehr mitgehen konnte und schnell mit Muskelproblemen zurückfiel. Erst Anfang Oktober hatte die als „Nachmeldung“ ins Feld aufgerückte Kenianerin den London Marathon in 2:18:58 gewinnen können. Vermutlich hatte die Regenschlacht im St. James Park bei ihr doch mehr Substanz gekostet als gedacht.

Nach einem ersten Kilometer in 3:08 (das waren auch die Vorgaben im Vorfeld) passierte eine sechsköpfige Gruppe zusammen mit Tempomacher Alex Kibarus (KEN) 5 km in 15:27 und 10 km in 30:49 mit Kurs zu einer Zeit von 1:05:01. An der Spitze agierte bald darauf nur noch das Trio mit der Weltrekordlerin Ababel Yeshaneh, Ruth Chepngetich (KEN) und der WM-Dritten Yalemzerf Yehualaw (ETH), die in Gdynia durch zwei Missgeschicke in der Schlussphase mit Platz 3 in 65:19 vorlieb nehmen musste. Neben Irene Cheptai (KEN) war schon zuvor die Vorjahressiegerin und Mitfavoritin Tsehay Gemechu (ETH) aus der Spitzengruppe zurückgefallen.

Yalemzerf Yehualaw gewann den Halbmarathon in Delhi. (c) Livestream/Screenshot

15 km wurden nach 46:15 erreicht und bereits bei 16 km in 49:15 lag die Spitze erstmals auf Kurs zu einer Zeit von unter 1:05 Stunden. Nach 18 km in 55:22 war es zunächst die Weltrekordlerin Yeshanew und bald darauf auch Chepngetich, die Yehualaw und dem Tempomacher nicht mehr zu folgen vermochten. Nach 20 km in 1:01:30 lag die WM-Dritte weit in Front und eine Zeit von unter 65 Minuten war so gut wie sicher. Fairerweise quittierte nun der Tempomacher seine Dienste und die junge Äthiopierin rannte allein dem Ziel entgegen, das sie mit Event-Rekord von 1:04:46 als Siegerin erreichte. Diese Zeit liegt nur 15 Sekunden über dem aktuellen Weltrekord und wäre Anfang dieses Jahres noch ein solcher gewesen; dies besagt über die Leistung von Yehualaw eigentlich alles. Die Erstplatzierte lobte die guten Bedingungen und freute sich, dass ihr Plan auf den letzten beiden Kilometern zu attackieren, bestens aufgegangen war, nachdem sie im Vorjahr noch denkbar knapp im Spurt das Nachsehen hatte.

Auf Platz 2 konnte Ruth Chepngetich, die beim London Marathon in der Schlussphase noch von Sara Hall passiert wurde, mit 1:05:06 ihre PB beim Sieg in Istanbul 2019 in 1:05:30 deutlich steigern. Platz 3 ging in 1:05:21 an Ababel Yeshaneh, womit die drei Erstplatzierten alle deutlich unter dem Event-Rekord von 1:06:00 aus dem Vorjahr blieben. Und die Inhaberin dieses Rekords Tsehay Gemechu wurde diesmal in 1:07:16 deutlich abgeschlagen nur Fünfte.

The „MASKED WINNERS“ beim Halbmarathon in Delhi. (c) Veranstalter

Inoffizielle Live-Splits der Frauen

Inoffizielle Live-Splits der Männer

Splits der führenden Läuferin:
 5 km 15:27 15:27 1:05:12
10 km 30:49 15:22 1:05:01
15 km 46:15 15:26 1:05:03
20 km 1:01:30 15:15 1:04:52
 HM 1:04:46  3:16
Splits des führenden Läufers:
5 km 13:57 13:57 58:52
10 km 27:50 13:53 58:43
15 km 42:00 14:10 59:00
20 km 55:57 13:57 59:01
HM 58:53  2:56
TOP10 aller Zeiten im Halbmarathon der Frauen:
1:04:31 Ababel Yeshaneh ETH RAK 2020
1:04:46 Yalemzerf Yehualaw ETH Delhi 2020
1:04:49 Bridig Kosgei KEN RAK 2020
1:04:51 Joyciline Jepkosgei KEN Valencia 2017
1:04:52 Fancy Chemutai KEN RAK 2018
1:04:55 Mary Keitany KEN RAK 2018
1:05:04 Joan Chelimo Melly KEN Prag 2018
1:05:06 Ruth Chepngetich KEN Delhi 2020
1:05:06 Peres Jepchirchir KEN RAK 2017
1:05:07 Karoline Kipkirui KEN RAK 2018