Evan Jager (USA): Wer hat Angst vorm „weißen Mann“?

IAAF_DiamondLeagueEin Höhepunkt des Diamond League Meetings am Samstag (4. Juli 2015) in Paris war sicherlich der 3000m-Hindernislauf der Männer und die Vorstellung des US-Amerikaner Evan Jager. In einem sehr schnellen Rennen lag Jager bis zum letzten Hindernis mit einem Vorspung von 1,8 Sekunden vor dem Kenianer Jairus Birech, nach Überqueren der Hürde kam er ohne äußere Einwirkung ins Straucheln und stürzte zu Boden. Birech zog sichtlich überrascht an dem Amerikaner vorbei und gewann in 7:58,83, der ersten Zeit des Jahres 2015 unter 8 Minuten. Jager rappelte sich auf so schnell es ging und überquerte die Ziellinie nach 8:00:45 und verpasste denkbar knapp die große Chance, als erster „weißer Mann“ die 8 Minutenschallmauer über 3000m-Hindernis zu unterbieten.

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Beim letzten Hindernis liegt Jager klar vorne. Von hier sind es noch ca. 70 m bis ins Ziel.  (c) Canal+Sport

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Kurz danach stürzt Jager, Birech kann ihn passieren und das Rennen in 7:58,83 gewinnen.  (c) Canal+Sport

Um die Leistung von Jager zu bewerten, ist es durchaus angebracht, einmal zu spekulieren, dass er die letzte Hürde genauso wie die 34 Hindernisse zuvor (incl. 7 Wassergräben) gemeistert hätte. Jager war in 7:47,1 über der Hürde, Birech in 7:48,9, also 1,8 Sekunden später. Nimmt man diese 1,8 Sekunden Zeitdifferenz, dann wäre Jager sensationelle 7:57,0, vielleicht sogar knapp darunter gelaufen. Diese Zeit ergibt sich auch aus der Laufstrecke von 70 m von der letzten Hürde bis ins Ziel in einem Tempo von 14 Sekunden auf 100 m.

Die sehr unglücklichen Umstände haben eine solche Zeit diesmal (noch) verhindert, aber das ganze Rennen in Paris zeigte, dass Jager in allen Belangen das Leistungsniveau der Kenianer erreicht hat und ihnen mittlerweile ebenbürtig ist. Damit dürfte nach einer langjährigen Dominanz der Afrikaner – insb. Kenianer – ohnegleichen eine Serie auf ihrer „Königsdiziplin“ dem Ende entgegengehen, was man so (schnell) nicht erwarten konnte.

Jager hat seit dem Jahr 2012 (siehe Grafik unten) sich konsequent weiter entwickelt – 7 der schnellsten Zeiten eines US-Sportlers hat er ganz allein erzielt – und steht an der Schwelle zu den sub-8-Minuten. Und sicherlich mehr.

Schon bei der WM im August in Beijing werden die Kenianer alle Kräfte zusammen nehmen müssen, wenn sie diesen US-Boy noch in die Schranken verweisen wollen. Am letzten Samstag in Paris hatten sie noch einmal Glück, das man nun aber auch einmal Jager wünschen würde. Aus dem Sturz in Paris könnte dann Gold in der chinesischen Hauptstadt werden.

Der „weiße Mann“ ist zurück! Und dies in der Königsdisziplin der Afrikaner. Auch in der Leichtathletik gibt es zuweilen noch Wunder …

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Die besten Leistungen US-amerikanischer Läufer im 3000m-Hindernislauf der Männer.  (c) Scotty Bush