18. C&D Xiamen Marathon (China) am 5. Januar 2020: Äthiopische Siege in Jahres-Weltbestzeiten

Mit einer eindrucksvollen äthiopischen Dominanz ging heute morgen die 18. Ausgabe des C&D Xiamen Marathon in der Metropole am chinesischen Meer über die Bühne. Bei den Männern war Birhan Tesfaye (ETH) in 2:08:16 vorne, bei den Frauen konnte Medina Deme Armino (ETH) in 2:26:12 ihren Erfolg aus dem Vorjahr mit einer etwas schnelleren Zeit wiederholen. Bei akzeptablen Bedingungen mit Temperaturen von 15°C bis 19°C, allerdings 85% Luftfeuchte (Taupunkt 14°C),  waren 35.071 Starter für den Lauf gemeldet (2019 waren das 36.826), insgesamt lagen den Veranstaltern 82.205 Anmeldungen für den mittlerweile größten Marathon-Lauf in China vor. Die Hoffnungen mit einem optimierten Kurs deutlich schnellere Zeiten der Elite in Xiamen zu erzielen, erfüllten sich aber nur sehr bedingt.

Die Aufstellung zum Start des C&D Xiamen Marathon 2020. (c) CCTV/Screenshot

Da man in Xiamen Ambitionen auf das neue „Plantium Label“ der IAAF (nun: World Athletics) abzielt, hatte man ein ansprechendes Elitefeld verpflichtet, das vor allem bei den Männern den Streckenrekord von Moses Mosop aus dem Jahr 2015 von 2:06:19 angreifen sollte. In der frühen Phase sah das zunächst noch recht gut aus, zwei Tempomacher führten gut 20 Topathleten zu den ersten 5 km in 15:01, dann dünnte die Spitze bei 10 km in 30:04 auf 10 Akteure aus, wobei direkt an der 10 km-Marke der Topfavorit und 2:04-Läufer Shura Kitata (ETH) mit einem Krampf im Oberschenkel stehen blieb und das Rennen aufgeben musste.

Eine Spezialität chinesischer Laufevents: Ein Starterkollektiv schickt die Läufer auf die Reise. Ob der Start dadurch definierter realisiert werden kann, darf bestritten werden. (c) CCTV/Screenshot

Da Kitata zuvor immer wieder vor den „Hasen“ gelaufen war und für das Tempo sorgte, wurde dieses nun zunehmend verschleppt. 15 km wurden nach 45:17, 20 km nach 1:00:39 erreicht und nach der Hälfte in 1:04:03 wurde klar, dass es mit einer schnellen Zeit in 2020, geschweige denn einem neuen Kursrekord nichts werden würde. Nach 25 km in 1:16:09 stieg der erste Tempomacher aus, sieben Eliteläufer waren hier noch vorne, bei 30 km in 1:31:35 quittierte auch der letzte Pacer seine Dienste, nachdem er mit letzten 5 km-Abschnitten um 15:30 Minuten das Tempo nicht zu steigern vermochte. Die Spitze der Männern lag auf Kurs zu einer Zeit von 2:08:49.

Eine rennentscheidende Szene nach 36,6 km, der Sieger der beiden Vorjahre Debele fällt aus der Spitzengruppe zurück. (c) CCTV/Screenshot

Ohne Tempomacher verschleppte sich die Fahrt weiter, in 15:43 für die nächsten 5 km erreichten 6 Läufer 35 km nach 1:47:18, auf Kurs zu einer Zeit von über 2:09 Stunden. Neben dem Vorjahreszweiten Tesfaye waren noch der Vorjahressieger Dejene Debele (ETH), Reuben Kerio (KEN), Girmay Gebru (ETH), Abdisa Duber (ETH) und Robert Kwambai (KEN) vorne. Das Tempo wurde nun schlagartig durch Kerio erhöht, so dass zunächst Kwambai und dann aber auch überraschend der zweifache Sieger in Xiamen Debele nicht mehr mithalten konnten. Nach 36,5 km lag nur noch das Trio Tesfaye, Gebru und Kerio vorne, aus dem sich bald darauf Tesfaye lösen konnte.

Die Erstplatzierten beim Xiamen Marathon 2020: Kerio, Tesfaye, Gebru (v.l.). (c) CCTV/Screenshot

Bei 40 km in 2:01:55 war Tesfaye die letzten 5 km in phänomenalen 14:37 gerannt und lag damit im Regime einer Zeit von 2:08 Stunden. Als erster Verfolger folgte hier Kerio bereits mit 20 Sekunden Rückstand. Mit einem schnellen Schlusspart in 6:21 gewann Tesfaye in 2:08:16 vor Kerio in 2:08:46 und Gebru in 2:08:52. Der 25-jährige Tesfaye, der im letzten Jahr seine Bestzeit in Lissabon auf 2:06:52 schrauben konnte, war natürlich hoch zufrieden und äußerte sich gegenüber Xinhua: „Compared with last year, the committee had adjusted the race course. It helps me improve my result. Also, the weather was comfortable.“

Auch bei den Frauen blieb man hinter den (zu hohen) Erwartungen zurück. Ein großer Pulk von Männern und 9 Elitefrauen passierte 5 km in 17:29, 10 km in 34:59, 15 km in 52:36 und 20 km 1:10:15. Nach der Hälfte in 1:14:01 lag man weit hinter dem Fabel-Streckenrekord durch Mare Dibaba von 2:19:52 zurück. Recht überraschend lag hier eine der Mitfavoritinnen, die amtierende Europameisterin Volha Mazurona (BLR) schon fast vier Minuten zurück und spielte im gesamten Rennen keine Rolle. Am Ende lief die Weissrussin in indiskutablen 2:49:10 auf Platz 16 ein.

An der Spitze zog nun das Tempo an, 25 km wurden nach 1:27:31, 30 km nach 1;45:00 und 35 km nach 2:02:40 erreicht. Hier lagen immer noch 9 Läuferinnen in der Spitzengruppe. Wie bei den Männern fiel auch hier auf den folgenden 5 km die Entscheidung. Zunächst konnte sich Mesera Dubiso (ETH) in 2:19:03 bei 40 km leicht absetzen, wurde dann aber von der Vorahressiegerin Medina Armino passiert, die am Ende das Rennen deutlich nach 2:26:12 gewann, Dubiso wurde in 2:26:28 Zweite vor Afera Berha (ETH) in 2:26:42. Und in 2:26:54 blieb auch die Viertplatzierte Hiwot Yimer (ETH) noch unter 2:27 Stunden. Am Ende gingen die ersten neun Plätze bei den Frauen nach Äthiopien.

Medina Armino konnte ihren Erfolg aus dem Vorjahr beim Xiamen Marathon wiederholen. (c) Veranstalter

Während viele Dinge in der Organsation in Xiamen sehr gut funktionierten und in der Tat „Platinum“ waren, standen auch diesmal die sportlichen Leistungen zurück. Dieses Kriterium reicht sicherlich für höchste Weihen durch die IAAF noch sich aus. Zwar wurden in beiden Rennen Welt-Jahresbestzeiten aufgestellt, die sind aber auf recht bescheidenem Niveau und werden schon in knapp zwei Wochen bei den Marathon-Läufen in Houston und ggfs. sogar Mumbai in Gefahr geraten. Und spätestens am 24. Januar 2020 wird dann wieder der Dubai Marathon die Standards in ganz andere Dimensionen schrauben.

Ergebnisse Marathon der Männer:
1. Birhan Tesfaye ETH 2:08:16
2. Reuben Kerio KEN 2:08:46
3. Girmay Gebru ETH 2:08:52
4. Abdisa Duber ETH 2:10:21
5. Dejene Debela Gonfa ETH 2:11:07
6. Robert Kwambai KEN 2:11:10
7. Mohamed Ziani MAR 2:11:15
8. Seroi Saitoti KEN 2:13:47
Splits des Siegers:
5KM 15:01
10KM 30:04 15:03
15KM 45:17 15:13
20KM 1:00:39 15:22
 HM 1:04:03
25KM 1:16:09 15:30
30KM 1:31:35 15:26
35KM 1:47:18 15:43
40KM 2:01:55 14:37
 Ziel 2:08:16  6:21
Ergebnisse Marathon der Frauen:
1. Medina Deme Armino ETH 2:26:12
2. Mesera Dubiso ETH 2:26:28
3. Afera Berha ETH 2:26:42
4. Hiwot Yemer ETH 2:26:54
5. Yebrgual Melese ETH 2:27:03
6. Birhan Gebrekidan ETH 2:27:20
7. Tsehay Getiso ETH 2:27:22
8. Zinash Getachew ETH 2:27:41