Das japanische Marathon Team für die WM 2015: Selektion mit Kompromissen

Da behaupte noch jemand janpanische Funktionäre wären nicht fähig zu weitreichenden Kompromissen. (Anmerkung: Da können die Herren vom DLV sogar noch einiges lernen.) Nachdem die „Selektion“ der japanischen Marathon-Teams für die WM im Sommer in Beijing mit völlig überzogenen Normen zu einer Posse geriet, hatte man nun – auch angesichts der ernüchternden Fakten – ein Einsehen und benannte mit Ansätzen von Augenmaß die Vertreter Japans auf der längsten Wettkampfstrecke. In landestypischer Höflichkeit hat man dabei Abstand genommen von Qualifikationsstandards, die bei Männern sowie Frauen mit 2:06:30 bzw. 2:22:30 jenseits aller (japanischen) Realitäten lagen. So hatte in der langen Historie bisher nur ein Japaner diese Norm überhaupt erfüllen können. Das ist immer noch der japanische Rekord und liegt gut 10 Jahre zurück.

tokyo-2015-race-41km-imaiMasato Imai qualifizierte sich beim Tokyo Marathon für die WM 2015.  (c) H. Winter

Um es kurz zu machen: Die ersten Positionen wurden mit einem Mann und einer Frau besetzt, die in der Tat hochklassige Qualifikationsleistungen erbrigen konnten. Bei den anderen jeweils zwei Positionen zeigten die japanischen ein unerwartet großes Herz. Sairi Maeda, die soeben beim Nagoya Marathon nach einem dramatischen Sturz als Dritte im Ziel 2:22:48 erreichte, sowie Masato Imai, der beim Tokyo Marathon im Februar mit 2:07:39 als Siebter Bestzeit lief, waren bei der Auswahl unstrittig und sicher so zu erwarten.

Imai, der übrigens von Coach Morishita trainiert wird wie damals Sammy Wanjiru, verbesserte seine Hausrekord um fast zwei Minuten und wäre damit bei einem Meisterschaftsrennen sicher Anwärter auf eine vordere Platzierung, zumal die übermächtigen Ostafrikaner nur limitierte Kontigente an den Start bringen dürfen. Gleiches gilt für Sairi Maeda, die nach ihrem Marathondebut im Januar 2014 mit 2:26:46 als Vierte in Osaka nun in Nagoya trotz eines Sturzes sehr gut 2:22:48 lief. So schnell war seit etlichen Jahren keine japanische Frau mehr.

Weniger offensichtlich erscheint die Nominierung der anderen Kandidaten. Bei den Frauen sind das Mai Ito (2:24:42 als Vierte in Nagoya 2015) sowie Risa Shigetomo (2:26:39 als Dritte in Osaka 2015). Bei den Männern sind das der Vierte von Fukuoka 2014 Masakazu Fujiwara in 2:09:06 und Kazuhiro Maeda, der sogar mit einer Zeit von 2:11:46 als Vierter beim Lake Biwa Marathon 2015 in Otsu Berücksichtigung fand. Im letzten Fall dürfte aber die Bestzeit von 2:08:00 (Tokyo 2013) bei der Nominierung geholfen haben.